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Donnerstag, 20. april 1916.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 188. . 64. Jahrgang.
Ein Erfolg bei Ypern.
Heftiges französisches Artilleriefeuer im Maasgebiet. — Schwere blutige Verluste der Franzosen.
Der Tagesbericht vom 20. Npril.
W.T.-B. Großes Hauptquartier. 20. April. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
JmDpernbogen gelang es den deutschen Patrouillen an mehreren Stellen in die englischen Gräben rinzudringen, so an der Straße Langemark-Ypern, wo sie etwa 600 Meter der feindlichen Stellung besetzten und gegen mehrere Hand granatenangriffe fest in der Hand behalten haben. Hier sowie bei Wieltjc und südlich von Wern wurden Gefangene gemacht» deren Gesamtzahl 1 Offizier, 108 Mann beträgt Zwei Maschinengewehre wurden erbeutet.
Östlich von Tracy-le-Mont hat sich gestern abend gegen unsere Linien abgeblasenes Gas nur in den eigenen Gräben der Franzosen verbreitet.
Im Maasgcbiet richtete der Feind heftiges Feuer gegen dir ihm auf dem Ostufer entriffenen Stellungen. Im Laillettewalde entwickelte sich aus seinem Vorbereitungsfeuer gegen Abend ein stacker Angriff. Er gelangte in einer vor. springenden Ecke in unsere Gräben. Im übrigen wurde er unter für die Franzosen schweren blutigen Verlusten und einigen Gefangenen abgewiesen.
In der Woevre-Ebene und auf der Cote, südöstlich von Verdun, wird der Artilleriekampf mit großer Lebhaftigkeit von beiden Seiten fortgesetzt. Jnfanterietätigkeit gab es dort nicht.
Eftlicher und Balkankuieosschauplatz.
Keine Ereignisse von besonderer Bedeutung.
Oberste Heeresleitung.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht,
W.T.-B. Wien, 20. April. (Ntchtamtl. Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 20. April, mittags:
Russischer- und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Infolge günstigerer Sichtverhältnisse waren die Artilleriekämpfe gestern auf zahlreichen Frontstellen wieder lebhafter. Der Gipfel des Col di Lana ist im Besitz deS Feindes. Im Eugana-Abschnitt griffen die Italiener unsere neuen Stellungen vergebens an.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höf er, Feldmarfchalleutnant.
Die verfrühten Medensgerüchte im Armande.
O Berlin, 19. April.
An der Antftevdrmier Börise gphen FriodenAgerüchte Mn. Darüber würbe au? dem Haag berichtet, daß die Börse che Valuta sämtlicher triegsübreniden Mächte neigen ließ, und daß einzelne Steigerungen, darunter die für dre deutsche Valuta, eine ganz ungewöhnliche Hohe erreichten. Wir möchten imi Anschluß hieran mit- reiten, daß FrisdenAgieruchte auch in Stockholm und tn Kopenhagen verbleitet werden, und Mar wird dort von einem deuti ch-r u) sisch en Sonderfrieden gesprochen. An diese ini neutralen Ans- wnde gehegten Erwartungen sei nun aber sogleich eine Bemerkung geknüpft, die wir für wulstig halten. Es ist nämlich festzustellen, daß nirgends bei uns in Deutschland auch nur a nd e u tu nq sweise von der- artigen Gerüchten die Rede gewesen ist oder gvgenwär- ng ist. Das muß darum betont werden, weil vor «ini- «en Monaten das feindliche Ausland aus der Tatsache vermeintlicher deutscher FrisLenÄgerüchte Schlußfolgerungen gezogen hatte, die uns zum Schaden ge- verchen mußten, weil die Feinde daraus unsere Kriegs- «wdigkvlt herleiteten. Diesmal können sie .das nicht vehaupten, denn bei uns sprichst niemand von 'der Mogtichkelt eines baldigen Friedens in dem Sinne, daß «esagt werden könnte, wir .suchten nrit wachsender «orge einen Ausweg. Woher die in den nordischen Hauptstädten und in den Niederlanden aufgetauchten «eruaste stammen, kann uns verhältnismäßig gleich Mttig lern, wir haften uns ausschließlich an die mili- rarlsch.politls.che Sachlage, und :da wissen wir. -aß die Zeit für den Frieden oder auch nur ftir eme Fühlungnahme rn .der Richtung zu einleitenden Be- Frechlingen noch nicht gekommen sein kann. So kwß unsere Erfolge sind, ft sind die Feinde noch n i cht ^Sttwften, daß sie mit der Bitte un, Frieden kommen ?^>den. Das kann sich andern, wenn wir bei Der- °".n alle Früchte unseres schon heute gewissen ^reges gepflückt haben werden. Aber selbst dann r®™ wir mit den Wirkungen der Verzweiflung WftAndlichen Lager zu rechnen haben, also neben der «mes moratifchcn Zujammenbrnchs auch
«ut der, daß srnnlolserwevse immer noch ein Äußerstes, obschon Vevgeülichss, an allerletzten Anstren- gungen aus geboten wird. Trotz des September-Ab- komnnens von 1914, das unsere Feinde verpflichtet, nur g.gmmnsam. Frieden zu schließen, wird dies Gebäude einer erkünstelren Einheit der Interessen in dem Augenblick zusamimenbvechen müssen, wo eine der Vierverbaindsmächte tatsächlich außerstande ist, den Krmg noch sortzusetzen. Dies kann man sagen, ohne deshalv^ vergessen zu dürfen, daß jenes Adkomiiusn immerhin >die Kraft einer nwraltschen Gemeinbürgschaft besitzt, ferne Teiiluehmer also, und namentlich die Völker, gegenseitig mft Hoffnungen erfüllt, die sich stets ans den von den anderen zu leistende Hilfe gründet. Mit anderen Worten: wenn etwa Frankreich genug haften wird, dann wird es sich mit der leichten Erregbarkeit seines Volkscharakters erst recht auf die Rettung, namentlich durch England, verlassen, und Eng I a n d würide so gerade aus der französischen Niederlage eine mindestens moralische Stärkung seines ungebrochenen Kriegswillens gewinnen. Je Größeres für unsere Feinde auf dem Spiel sicht, .desto schwerer wird für sie alle auch im Falle ihrer völligen Niederwerfung die Rückkehr zur Vernunft sem. Wer heute vom Frieden spricht, der urteilt ge vnssermaßen nach mechanischen und nicht nach orgrmi 'chm Gesichtspunkten, lins Deutschen hvaucht das nicht erst gesagt zu werden, den Feinden eigentlich auch nickst, aber che Neutralen scheinen sich noch nicht durchweg darüber klar geivovden zu sein, daß «das neu e Weltbild, das aus diesem ungeheuersten aller Kriege herporgchen soll, seine tief eingegrabenen Um iißlinien bisher nicht hat, sondern erst mach weiteren ictzweren Käm-Pfen erhalten wird. Angenominen, der Krieg wäre morgen zu Ende und übermorgen sähm die Diplomaten am Kriegstisch, nur liver den Frieden zu beraten, welche Macht könnte alsdann einen Abschluß erwarten oder durchsetzen, den die Gegeniseite angu- nehmen genötigt wäre? Auch wir, die wir doch die Sieger sind, könnten es darum nickst, .weil uns zum vollen Srege, wir wollen es uns nicht verhehlen, noch mancherlei fehlt. Damit das vom Reichskanzler an- gedeutete Prograenm der Lösung der belgischen Frage durchgvsührt werden kann, müssen England und Frankreich noch iw-eiter als bisher ni eider- gezwungen werden. Alles Übrige freilich würde sich, wenn dies erst erreicht ist, mit innerer Notwendigkeft aus solchem Tatbestände enstvickeln. Italien, das kläglich gesMagene, aller Hoffnungen beraubte, nur noch von g e s ch w o I l e n e n W o r t e n kümmerlich sich nährende mußte sich fügen, und auch Rußland wurde sich in das Unvermeidliche zu schicken haben, ^nlofern und ^was dieft beiden Staaten betrikst. könnte mau wirklich vielleicht schon jetzt sagen, daß der Krieg em nicht mchr zu erschütterndes Ergebnis gebracht hat. Das Schicksal Serbiens und Montenegros ist ebenso entschieden, wie es der Aufstieg B ulgariens und frie Neubefesti g ung der D f o r t e ist. Nach dieser Seite hin kann Rußland nichts mchr andern, also mag die Möglichkeit seiner Friadens- ucagung bereits zu erörtern sein. W<-r von Frankreich und erst recht von England gilt das bestimmt nicht. Dies müssen wir wissen, und es ist uns mich eine Ge- wihhmt. Darum hoben unbestimmte FriedenAgerüchte keinem Platz, wir »erlassen ihre Pflege dmn Ausland, wir tun das ohne andere Empfindungen als die einer kühlen Neugier. Zunächst wollen wir siegen, aber gründlich. Das weitere wird sich dann schon finden.
Oie Lage im Westen.
Lerse fvanzösislche Vorbereitungen «ruf einen großen Rückzug bei Verdun.
1V.1-.-8. Bern, 20. April. (N-ichtamtlich.) Im „Petit Jc-urnal' kritisiert Gerreral Bertbaut die Lage bei Berdum. AusfäMgeriweise nimmt der Kritiker aus den schon früher ausgezeichneten Bemerkungen aber her>auS, daß die französische bauptsront siqentlich gar nicht, wie die Berdun- front, von Osten nach Westen lause, sorrdern von Südosten nach Nordmesten (vom deutschen Beobachter aus), so daß die Werke des verschanzten Lager?, von Bevdun außerhalb der eigentlichen Fvontlinie l-egen. Werden mir zurückgeken? ftagt Berthaul sodann. Ich w>eiß nicht. ?kber wenn wir es tun, so nicht parallel, um uns nicht im Berdun einschließen zu lassem. Wenn es dazu kommen sollte, wozu heute noch keine Besülchtumg vorlient, so tvüvde die Gesamtlage dieselbe blecken mit einem bischen (?) Geländeverlmst. Wenn die Deutschem sich einküMen, daß der Einzug im Berdum, falls es eintreten sollte, den Frieden herbeiführt, so täuschen sie sich gerv!wltlg.
Französische Schurkerei an der vordersten Front.
Berlin, 20. April. (Zems. Bin.) Einem Feldpostbrief am? einem Schützengraben der Westftont entnehmen berschiesene Margenblätter folgendes: Ein deutscher Leutncmt, >der einen schwervenwundeten französischen Soldaten lm seindlichen Drahtverhau liegen säh und ihn aus der mißlichen Lage de-
freite, erhiell vom sramzösischen Scharfschützen einen Kopf, schuß und wurde sofort getötet. Nachher bekam der Leutnant noch einen Hals- und Brustschutz. Die deutsche Infam, terie hatte sich mit dem von seinem Landsleuten schmählich im Stiche gelass«m.en Franzosen in Verbindung gesetzt. Ta sich von dem Franzosen keiner des Verwundeten erbarmte, vollzog der deutsche Leutn-rnt das Merk der Bo-micherziNkeit, worauf solche Schurkerei am ihm begangen wurde.
Der ttrieg gegen England.
Die unverschämten Forderungen Englands an die dänische Schifsahrt.
W. T.-B. Kopenhagen, 20. April. (Nichtamtlich.) „Ber. lingske Tidende" meldet, daß die d ä n i s ch e n R e e d e - reien auf Veranlaffung der englischen Regierung ein neues Rundschreiben erhielten, in dem von englischer Seite dem freien Verfügungsrecht der neutralen Schiffahrt weitgehende Beschränkungen auferlegt werden. Den Schiffen wird nicht mehr gestattet. Frachten für Öle, Petroleum oder Ähnliches abzuschlicßen, falls hierzu nicht im voraus die Genehmigung der englischen Behörden eingeholt ist. Wenn diese Vorschrift nicht befolgt wird, sollen die betreffenden Schiffe so behandelt werden, als wenn sie einen Bruch des Übereinkommens über die Lieferung von Bunkerkohlen begangen hätten. Ausgeschlossen sind Frachten nach Großbritannien und den Ländern der Alliierten. Ursprungszeugnisse muffen von dem englischen Konsul ausgestellt werden. Ursprungszeugnisse, die von Erwerbsgesellschaften oder Körperschaften ausgestellt sind, werden als nicht gültig be- trachtet. Ferner verlangt England, daß die Verpflichtungen, die eine Reederei, betreffend Vunkerkohlen, übernommen hat, auch dann befolgt werden, wenn ein Schiff zeitweise ver» chartert oder verlauft wird, so daß der frühere Eigentümer für diese Verpflichtung haftbar ist. Das Schreiben rät deshalb den Reedereien, vor einem Verkauf die englischen Be» Hörden um Rat zu ftagen. „Berlingske Tidende" überschreibt diese Meldung, zu der sie kein Wort der Kritik äußert, mit den Worten „Starke Forderung an die dänische Schiff, fahrt". ^ "
» Die ersten Blutgelder."
Englands Rückkehr zu Barbarei aus den Tagen deS Kaperkriegs. — Norwegische Klagen.
W. T.-B. Christiania, 19. April. (Nichtamtlich.) „Mor. genbladet" veröffentlicht cm leitender Stelle einen Anffatz unter der Überschrift „Die ersten Blutgelder". Das Blatt wendet sich dagegen, daß England die Prisenge ld er wieder einsührt. Diese wurden dem „Spectator" zufolge zum erstenmal wieder von dem englischen Prisenhof den Offizieren und der Mannschaft des bewaffneten Handelsschiffs „Kap Trafalgar" für die Versenkung der „Carmcmia" ausbezahlt. Die Gesamtsumme betrug 37 000 Kronen, wobei man den Wert eines getöteten deutschen Matrosen mit 100 Schilling berechnete. Auch in den neutralen Ländern, sagt das „Morgenbladet", müsse man das Recht hoben, zu fragen, was der Grund zu der Rückkehr zur Barbarei aus den Tagen des Kaperkriegs sei, wodurch die mächtige britische Flotte in eine andere Stellung komme als die anderen Krieg- führenden, ob sie Feinde oder Freunde Englands sind. Hat es sich vielleicht als nötig erwiesen, die britischen Seeleute auf diese Weise aufzumuntern, ihre Pflicht gegen das Land und Reich zu erfüllen? Die neutralen Regierungen sollten sich veranlaßt fühlen, diese Sache von den grundsätzlichen wie praktischen Gesichtspunkten aus zu erwägen. Ein gemeinsames Ersuchen an die britische Regierung, sie möge zu der Praxis' in den ersten Kriegswochen zurückkehren, könnte nicht folgenlos bleiben.
Die englische Schiffsnot.
Berlin, 20. April, Nach verschiedenen Blättern wurde' einer schwedischen Reederei m Götheborg, die in England Eisenrohre im Wert von 200 000 Kronen bestellt hatte, als Bedingung für die Lieferung vorgeschlagen, ihre sämtlichen Schiffe zur Verfügung der englischen Eisenfirma zu stellen. Die schwedische Reederei hat dies abgelehnt.
Die englische lvehrpflichtkrisis.
Noch immer keine Einigung über die Rekrutierung.
Abermalige Vertagung des Bescheids Asquiths! ,
IV. T.-B. London, 20. April. (Nichtamtlich. Reuter.) Unterhaus. Vor dichtbesehtem Häuft sagte Pvemierminister A s q u i t h, anstatt iie erwartete Erklärung über die gftkru- tierung albzugeben: Es sind noch immer wesentlicbe Punkte vorhanden, über dft im Kabinett keine Einigkeit erzielt werden konnte. Wenn Meinungsverschiedenheiten nicht durch eine Verständigung beigelegt werden können, muß die Folge davon ein Zusammenbruch der Regierung sein. Das Kabinett ist sich einig in der Anschauung, daß ein'solches Ereignis ein nationale? Unglück wäre. Es geschieht in der Hofsnu^ng, dieses Unglück dadurch, daß die Beratungen noch einige Tc>ge fortgesetzt wevden, abzuwenden, daß ich jetzt die Vertagung des Hauses bis zum 35. April beantrage.
W. T.-B. London, 20. April. (Nichtamtlich. Reuter.) Asquiths Erklärung im Unterhaus, daß der Zusammenbruch der RegiEng ein nationales Unglück WuerÄer Art fein
