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Donnerstag, 20. Npril 1916.

Morgen- klusgabe.

Nr. 187. . 64. Iahrgang.

Ein neuer Waffenerfolg.

Bon unserem militärischen Mitarbeiter.

Zuim letzten Male Meldete der deutsche Heeresbericht vom 10. April, «daß unsere Sturmlolonnen «westlich der Maas zunl Angriff vorgingen. Das Dorf Bethincourt wurde am 9. 'April den Franzosen entrissen, die wich­tige ZentvMtellunlg der Höhe 804 unter schweren Ver­lusten des Feindes von drei Seiten durch diesen Erfolg stank gefährdet. Die nächsten Tage galten sowohl rechts wie cmch links des Flusses der sicheren Behauptung des gewonnenen Bodens. Alle feindlichen Vorstöße des Gegners, waren sie stärkerer. oder schwächerer Natur, erMroen an allen Angriffspunkten in unserem Feuer. Neiden dieser Behauptung des eroberten Geländes ar° beiteten -die deutschen Fernkauripfmittel, nach svcmzösi- scheu Meldungen fast täglich, gegen die starken Befestt- gungen der zweiten französischen Linie auf beiden Flußusern. Den Erfolg dieser gründlichen, unerläß­lichen Vorarbeit lesen wir aus dein Tagesbericht des letzten Menstags. Auf dem rechten Flußufer schritten die deutschen Angriffstruppen nt einer Ausdehnung tun 4 Kilometer, nach französischen Meldungen, zum erfolgreichen Sturme. Der Angriff der «deutschen In fanterie wurde auf ihrem reclsten Flügel auf der drei, ten Straße vorgetragen, weist,e von Louvemont nach dem Maasufer bei B r a s sül,rt und auf denr bin- ken Flügel längs des Weges von der Panzer,feste Douau- niont gegen den Schlüsselpunkt der zweiten fron- zösischen Verteidigungsstellung auf der Cüte de Froide Terre. Moser Gefechtsabschnitt besteht aus zahlreichen tiefen Schluchten, durchsetzt von dichten Waldunaen, welche der Feind durch überaus starke Derteidigungs- und FlankierUTl'gs-AnlQMn den Zwecke der Verteild-r-guniq nutzbar gemacht hatte. Die deutsche Kampslinie verlief N! dreiem Viereck entsprechend dem gewundenen Jause der tiefen Schluchten in einer mehr lach gekrunmnten Linie und war mit ihrem rechten Flügel bei der Försterei Haudroinont, miit dem linken hart nördRch des Gehöftes Tiamont stark verankert. Seit mehreren Wochen trachtete die feindliche Artillerie danach -durch starke Feuerwellen die deutschen Linien zu zertrümmern. Mehrfach unternahm der Feind gegen die Flanken dieser Frontlinie von Süden und Westen starke Gegen- angrrffe, um unsere Front zum Weichen zu bringen.

- lle Versuche scheiterten an der starken Verteidigrings, mmter. Me feindlichen Bataillone zerschelltm ^ mehr­fach trotz tapferer Angriffe vor diesen Angelpunkten unserer Frontkime. Das Standhalten der Unirigen ver,dadurch erzielte Zeitgewinn, wichtig für den Einbau der deutschen Fernkampsmittel, bildete die unerläßliche Grundlage für den schönen Woffenersolg des letzten Woontags.

Die feindliche Angriffskraft latte sich in den tage- langen Stürmen stark verzehrt, so ,daß die Stunde für den deutschen In fa nterresturm gekommen war. Auf beiden Flügeln entrissen niedersächsssche Trup- Pen den Franzosen ,wertvolle Stellungen. Die nördliche Kampfgruppe Vertrieb den Gegner aus seinen starken Stillungen am Sternbruch 700 Meter südlich des Ge- Höftes Haudromont, während die Angreifer aus dem südlichen Fliiaal ans dem Höhenrücken nordwestlich der eoemaligen Försterei Thiaumont von neuem Boden g,e- Der Erfolg war ein durchschlagender, wtn, über 1700 Gefangene, darunter 42 Offiziere, blie- oen rn der Hand der Sieger. In erster Linie können wrr um stolz auf «diesen neuen Sieg herabblicken Er beweist abermals, daß die deutsche Angriffskraft vor Verdun ungebrochen ist. daß die deutsche Führrrng oen richtigen Augenblick zum Sturme stets zu erfassen weiß, und daß der Feind trotz aller Gegenwehr wie­derum unterlegen ist. Ist zwar weder aus den: ffauzö- wchen, -noch aus dem deutschen Tagesbericht zu erkenne'n wle tref,die deutschen Linien in südlicher Richtung an Aiden gewonnen haben, ko bedeutet doch der Fort- £0*«*«« schweren Eingriff in die zweite winDhche Berterdlgungslinie, welche demnach für un- ,ere Stuvmtruppen zum Zrxgreifen reif geworden ist ■V Wiederum verengt sich der ohnehin schon für die -sranzolen schmale B e w e g u n g s r a u m auf dem öst- ".wen Ufer. Felder Raun'meter bedeutet für den Feind eine neue Abschnürung lind L»bm.legung seiner Ver- w'drgungskraff. In dieser Hinsicht liegt'die größte Bedeutung des Montagsersolges. Abermals machte die owtswe Heeresleitung einen erfolgreichen Schritt in r™ schmalen Gebiete zwischen der ersten und zweiten iPW m Verteidigungslinie. Daß unsererseits ^s^r Angriff nuf beiden Flügeln erfolgte, läßt mit svfftmnmthert auf das Weitertragen der Qffen- diesen beiden äußeren Punkten erwarten, ^er Fortschritt der südlichen Gruppe berechtigt m ide^ wÄ 16 ' ,&Q & ein Deil der drei Kilometer langen Bmolichen Batteriestellungen noMvestlich von Fleury ^vtonrmen urodergekämpff ist.

^Du^h den jünAen deuffchen Sieg vor Vevdim er- sich die h«r gemachte Gchangenenzahl auf über

4o(X)0 Mann. Setzt man die Bechältniszcch'leir der ge inachten Gefangenen zu den Toten und Verwundeten mrt 1:3 in Anrechnung, so haben die Franzosen bis­her 120 000 Mann in dielen 8 Wochen eingebüßt. Das bedeutet für sie einen empfindlichen Gefechtsausfall von mindestens 120 Jnfanterlebataillonen. Mit Recht weist die deutsche Heeresleitung daraufhin, «daß «ein feindlicher Versuch, unsere bisherigen Angaben in Zwei­fel zu ziehen, durch diele Za>hlen widerlegt wird. Als werterer Zahlenerfolg möge fernerhin auch noch darauf gewiesen werden, daß der bisherige Baden- gewinn 300 Quadratkilon'eter unffaßt.

-Östlich «des für uns siegreichen Kampsgelänides ni,achte -der Feind gegen die deutschen Stellungen an uird im CMllette-Wailde inehrfache, sedoch vergebliche AngriiffKvevsu.che. Auch hier ist ein neuer Erfolg zu verzeichnen, dmn es gelang den Angriffskolonnen nicht bis an unsere Hindernisse vorzüdrinqen. Me deutschen Angriffsmittel vereitelten diese Unternehmungen schon rn den ersten Anisätzen durch ihr Fernfeuer. Mes beweist, wie stark die deutschen Stellungen ausgabaut sind und welche Artillerie-nengeu zu ihrerSicherung ein gebaut wurden.

«Vor der e ng li sch e n Front versucht der Feind seit «dem 6. April zmn dritten Male die von uns besetzten Trichterstellungen bei Sr Eloi zurückzuerobern. Der Vorstoß wurde im Keime erstickt. Die sonstigen Minen- kämpfe nördlich von Lens sowie nördlich und sWlich von Arvas brachten dem Feinde beträchtlicheir .'Schaden.

. Der neue Sieg vom letzten Montag bildet wiederum einen schlagendear Beweis für die sachgemäße Methode der deutschen Führung, lvelche erst alte Erfolge nnver- rückbar sicherstellt, che sie die Truppen gegen stark medergekämpfte neue Lirnen vorsührt. Ll.

vie Lage im westen.

Die „Retter" von Verdun.

Rotterdam, 19. April. Eine belgische Persönlichkeit, die noch rn den letzten Tagen in Frankreich weilte, machte dem Mitarbeiter der „Leipz. N. N." folgende Mitteilung: General S a r r a r l und General L i a u t e y wurden bekanntlich nach Paris berufen. Ihre Berufung dürfte mit einer demnächst unter dem Vorsitz Poincarös stattfindenden großen Be­ratung jenes Teils der ffanzösischen Generalität zu- sammenhängen, der den Ruf besonderer Tüchtigkeit genießt. Zudem wird sich dieser Generalitätsrat auch aus Generalen der verschiedenen politischen Parteirichtungen zusammen­setzen. Die Aufgabe dieser Beratungen wird die sein, Mittel und Wege ausfindig zu machen, um ein weiteres Vordringen der Deutschen bei Verdun zu verhindern. Verdun wollen die französischen Machthaber um jeden Preis halten; denn sie wissen nur zu gut, daß der Fall dieses Platzes nicht nur eine allgemeine Entmutigung in der Armee, son­dern auch den V e r l u st des letzten R e st e s des V e r - trauens des französischen Volkes auf den End­sieg herbeiführeii würde. Der Generalissimus Jo sfr e hat sich bis jetzt insofern bewährt, als es ihm gelungen ist, die französische Vertcidigungsfront im großen und ganzen zu hal­ten. Auch dem General C a st e l n a u schreibt man bezüglich der Verteidigung von Verdun nicht unwesentliche Verdienste zu, aber trotzdem konnten es die beiden Führer nicht verhin­dern, daß sich der Kreis des Feindes immer enger um die Festung zieht, und so werfen ihnen vor allem die links- seit i gen Parteien vor, daß es ihnen am richtigen Offensivgeist fehle. Dazu kommt noch, daß mar» Joffre trotz seiner zur Schau getragenen republikanischen Ge­sinnung genau so für einen Parteigänger der Rechten hält wie Castelnau, der, nebenbei bemerkt, schon drei Söhne auf dem Altar des Vaterlands geopfert hat. Endlich sind die linksseitigen Parteien in der Obersten Heeresleitung durch keinen einzigen General vertreten, den sie als Gesinnungs­genoffen bezeichnen könnten. Ein Mann von ihrer Farbe ist aber Sarrail, der seine militärische Laufbahn in erster Linie seiner Freimaurerschaft zu verdanken hat. Ihm rühmt die Linke auch nach, daß er Saloniki uneinnehmbar befestigt habe, und diese stellt ihn auch als den Mann hin, durch den man Verdun retten könne. Liautey wird als Bezwinger Marokkos gefeiert, wenn er auch politisch für farblos gilt; seine Beteiligung am Großen Rat der Generale soll eben der Beratung den Charakter politischer Unparteilichkeit geben. Daß aber Joffie, Castelnau oder Petain durch Sarrail ersetzt werden sollten, davon ist bisher noch nicht die Rede.

Ein schwedisches Urteil über die deutschen Erfolge bei Verdun.

W. T.-B. Stockholm, 19. April. (Nichtamtlich. Drahtbe­richt-) Über den neuen deutschen Erfolg bei Verdun schreibt Stockholms „Dagbladet": Sicher ist, daß dieser Geländege­winn einen neuen Schritt in dem methodischen Sichvorschieben gegen die Hauptlinie der Festung Verdun bedeutet und keineswegs für Ermattung spricht. Aber Verdun saugt auch die für andere Zwecke bestimmten Reserven Frankreichs auf. Man kann nicht anders glauben, als daß die Haupt- kärnpfe, die den Franzosen nur an Gefangene» 700 Offiziere,

38 000 Soldaten gekostet haben, auf den Plan der Alliierten eine vernichtende Frühjahrsoffensive zu unterneh­men, in hohem Grad störend gewirkt haben.

Die Zuckerteuerung in Frankreich.

Berlin, 19. April. (Zeus. Mn.) Di«e Zuckerergeugunq Foankveichs im Jahre 1915 deckt nach der „Action" vom 7. April nur den sechsten Teil des Bedarfes. Jiisolye der Knappheit des Rohstoffes, der Teuerung der Kohle und der Löhne ist auch der Verkaufspreis des Zuckers ungeheuer ge­stiegen. Die Regierung suchte den Höchstpreis auf 75 Franken für 100 Kilo feftzusetzen; trotzdem werden täglich an der Börse Abschlüsse zu 90 bis 95 Franken gemacht, allerdiiigs ohne offizielle Notierung. Die Preise steigen, weil die Einfuhr knapp wvd «dem Staate Vorbehalten ist. Jetzt will man noch einen Schritt weitergehen und den g-rrizen Zuckevhandel, also »iicht nur die Einfuhr -des Fertigfabrikates, sondern auch des Rohzuikers, mo-nopolisieren.

Oer Krieg gegen England.

Die Wehrpflichtkrise in England.

Br. Amsterdam, 19. April. (Eig. Drcchtbericht. Zeus. Bln.) In London betrachtete man gestern abend, weit noch nichts von eine n Rücktrrtt eines Kabinettsmitglieves bekannt wurde, die Lage als gelbeffert. Man -wußte, daß Asquith mit Lloyd George, L:nL Curzon und Bonrr Low, den Führern der Dienstpslichtpartei, Besprechungen hatte. Diese sollen angeb­lich bereits zu Verständigungen geführt haben. Asquith hätte danach stärkere Heranziehung der unverheirateten Munitionsarbeiter und anderer Unabkömmlicher und schließ­lich weitere Ausldehnung der Dienstpfliicht auf die Ver- heivateten zugestande:r, falls die erste Maßregel die Ansprüche des Oberkommaudos nicht erfirll-sn würden. Die Entscheidung, ob das Kabinett im Amte bleiben wird, steht heute abend zu erwarten.

Reuter «her die neuen Dienstpflicht­schwierigkeiten.

W. T.-B. London, 19. April. (Nichtamtlich. Drahtbertcht.) Reuter meldet: Nach einigen Tagen der Ungewißheit ist im Kabinett wegen der Frage des zwangsweisen Militärdienstes für verheiratete Männer eine Krisis ausgebrochen. Bis gestern sprachen alle Anzeichen dafür, daß die widerstreitenden Gesichtspunkte der Kabinetts­mitglieder in dieser Frage noch vereinigt werden könnten» aber die Aufschiebung von Asquiths Erklärung, die heute er­folgten sollte, zeigt, daß noch eine gewisse Meinungsverschie­denheit besteht. Für den Augenblick richtet sich alle Aufmerk­samkeit auf die Stellung Lloyd Georges, der sich als unbedingten Verfechter der allgemeinen Dienstpflicht ohne Unterschied zwischen Verheirateten und Un­verheirateten erwiesen hat. Er wird von einer starken Gruppe von U n i o n i st e n und Liberalen unterstützt, die bestreiten, daß die Armee genug Männer für den jetzi­gen Bedarf bekommen kann — auch ohne den allgemeinen Dienstzwang. Das ist die Schwierigkeit der ganzen Sache. Von einer Meinungsverschiedenheit hinsichtlich der Führung des Kriegs ist keine Rede, da alle Parteien durchaus einig sind, alles zu tun, um den Sieg zu beschleunigen. Die Verschiedenheit der Meinungen wird in keiner Weise von Parteirücksichten bestimmt. Das ganze Land ist zu den größten Opfern bereit und wartet nur darauf, was von ihm gefordert wird. Das Kabinett verhehlt gemäß den Traditionen Englands nicht, was geschieht. Das Land ist dar­auf vorbereitet, jegliche Entscheidung anzunehmen. Es wird alles auf sich nehmen, da es sicher ist, daß dies das beste für die Interessen der Nation ist.

Die englischen Intrigen gegen den neutralen Handel.

Dänischer Widerspruch gegen das Verbot der deutschen Kohle.

W. T.-B. Kopenhagen, 19. April. (Nichtamtlich. Drahi- bericht.) Zu dem englischen Verbot der Benutzung deutscher Bunkerkohle bemerkt „Politiken" u. a.: Der Zweck der eng­lischen Bestimmungen ist offenbar, die neutralen Schiffe zu zwingen, englische Häfen mit Waren zu versorgen. England wünscht seine eigene Tonnage zu entlasten und so viel wie möglich die N e u t r a l t o n n a g e zur Versorgung Englands ouszunutzen. Das jetzige Kohlenverbot ermangelt aber jeder Berechtigung. Es finden sich keine völkerrechtlichen Gründe, fremdes Ergentum zu beschlagnahmen, nur weil cs deutschen Ursprungs ist. Jeder Versuch, im Einklang mit der Ausdehnung der Bannwarebestimmungen solches Eigentum als Bannware zu erklären, mutz scheitern. Das eigene Brennmaterial des Schisses hat nichts mit Bannware zu tun.

Die Meinung in Schweden.

W. T.-B. Stockholm, 19. April. (Nichtcmrtlich. Dva-htbe- richt.) Die Erklärung Englands, daß «s auf nmitral-vr, Schiffen -die deutschen Kohlen besch>lagrbähm,en «will, hat in der hiesigen Presse eine starke Aufregu-ng -hevvvrgerufen. „Nya Daolight Alleha-nda" findet, -daß diese Maßregel ungewöhn­liche Rücksichtslosigkeit zeige. — „Svenska Dagbladet" meint, re richte sich scheiirbar nur gegen Deutschland, geg«m dessen Widerstandskraft sie nur wenig ausrichtsn könnte. In WirNichkeit sei sie eine neue Erwei-ternny der easöschen ZmangsherDschast über die neutralen Nabianov. — „Stock, hvlms Dagbladet" schnesüt: ErWiamd muß-fferrre AnsäHä-g,