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Mittwoch» 19. April 1916.
Abend-Ausgabe.
Nr. 186. . 64. Jahrgang.
Der Krieg.
Erweiterung des Erfolges östlich der Maas.
Der Tagesbericht vom 19. April.
W-T.-B. Großes Hauptquartier. 19. April. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Oestlich der Maas nahmen unsere Truppen in Vervollständigung des vorgestrigen Ersolges heute Nacht den Steinbruch südlich des Gehöftes Haudromont. Ein großer Teil seiner Besatzung fiel in erbittertem Bajonettkampfe; über 100 Mann wurden gefangen genommen, mehrere Maschinengewehre wurden erbeutet. Ein französischer Gegenangriff gegen die neuen deutschen Linien nordwestlich des Gehöftes Thiaunront scheiterte.
Kleinere feindliche Jnfanterieabteilungen, die sich an ver? schiedenen Stellen der Front unseren Gräben zu nähern versuchten, wurden durch Infanterie- und Hand- granatenfeuer abgewiesen. Deutsche Patrouillen drangen auf der Combres-Höhe in die feindlichen Stellungen vor und brachten 1 Offizier, 76 Mann gefangen ein
östlicher Kriegsschauplatz.
Auf dem nördlichen Teile der Front lebhaftere Artillerie- und Patronillentätigkeit.
Balkankriegsschauplaq.
Nichts Neues. Oberste Heeresleitung.
Hsterreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 19. Apvii. (RiHkMnMch.) Amtlich verlautet vom 19. April, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
Südwestlich T a r n o p o l sprengten wir erfolgreich eine Mine und besetzten den westlichen Trichterrand. Sonst nichts Neues.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Bo» den noch fortdauernden Kämpfen am Kol di Lana kam es zu keiner nennenswerten Gefechts- tätigkeit.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Keine Veränderung.
Der Vertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant
Oer Rrieg gegen England.
Die Wehrpflichtkrisis in England.
Asquith verschiebt seine Erklärung.
W.T.-B. London, 19. April (Nichtamtlich. Reuter./ Im Unkerchause teilte Asquith mit, dag er die Absicht gehabt habe, eine Erkräruivg über die Vorschläge, die die ilkegie- rung bezüglich der Rekvutierung machen wolle, «bzugeben. Aber es fehlten noch einige Nebenpunkte, ohne die die Er- rlärung unvollständig unid ungenügend wäre. Er hoffe, die «anze Angelegenheit heute zur Spräche bringen zu können.
W.T.-B. London, 19. April. (Nichtamtlich. Reuter.) Amtlich wird mitgeteilt, daß Asquith die für gestern versprochene Erklärung im Unterhause verschoben hat. Das Kabinett erwartet offenbar einen weiteren Bericht über die Möglichkeit, die von den Militärbehörden verlangten Mannhaften aufzntreiben. Es wird nicht geleugnet, daß tm Kabinelt Meinungsverschiedenheiten über die Dienstpslicht- ftage bestehen, aber bis jetzt sei kein Rücktritt erfolgt. Alle Parteien haben den aufrichtigen Wunsch, die nationale Einig- «ert zu erhalten.
Sr. Rotterdam, 19. April. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Der Aufschub von Asquiths Erklärung über die Wehrpflicht- frage bis morgen wird allgemein als ein Beweis dafür ankesehen, daß die Krise noch droht. „Evening News" ver- vruret, daß Asquith die allgemeine Wehrpflicht grund- s-rtzlich genehmigen wird. „Star" sagt, daß die schlechten Nachrichten aus Mesopotamien den Kvrrfiribenten gelegen
Die politische Lage Äußerst unsicher und verworren.
s„.^ r ^ l,riftuluia ' 19 ‘ April. (Eig. Tatbericht, geus. Bln.) „Aftonposten" erhielt nachts aus London «n T-legramm, in dem bestätigt wind, daß dm politi- M Lage in England äußerst unsicher und verworren Bisher sei nur eines sicher, daß trotz aller Gerüchte "rne Damission eines Ragierungsmitgliedes vor- M Man fft -der Ansicht, hie Krise werde heute ihren Höhepunkt errerchsn. Alles hänge jetzt von her ange- sumngten Erklärung Asquiths im Unterhause ab. Es >b noch ungewiß, ob die Regierung in der Frage der Ml"Mnen Wchrpfliclst -ich tatsäckstich spalten wird, "r Mumtronsminister Llohd George verlangt .«ch wre vor dre E i n f ü h r u n g und rücksichts- ds,'este Durchführung der allgemeinen Wehr- LM.. daß immerhin mit der Möglichkeit seines Otcktntts gerechnet werden müsse. Bonar Law, der ^^wative Kaloniabnrrnrjter, wird dann tvahvschein-
lich Lloyd Georges Nachfolger. Man glaribt aiber, daß Lloyd Georges Rücktritt die Regierung so schwächen wurde, daß sie darüber zu Fall käme.
Die Meinungsverschiedenheiten im Kabinett noch nicht beseitigt.
W. T.-B. Rotterdam, 19. April. (Nichtamtlich.) Der „Rotterd. Courant" meldet aus London: Es herrscht vollständige Unsicherheit über die Beschlüsse, die in der Rekrutierungs- Hage gefaßt worden sind. Der parlanientarische Mitarbeiter der „Times gibt folgenden Bericht über die vorgestrige Beratung des Kabinettsausschusses, der aus Asquith, Lansdowne, McKenna und Kimberley besteht. Man versammelte sich morgens, um über die Meinungsverschie- denheiten im Kabinett vom Freitag mit den militärischen Sachverständigen näher zu beraten, gelangte aber zu keiner Entscheidung. Die militärischen Fachleute blieben bei der bisherigen Auffassung, daß die Vorschläge des Kabincttsausschusses den Armeerat nicht befriedigen würden. Der Ausschuß hat neuerdings geltend gemacht, daß sein Rekrutierungsplan ausreichend sei. Später trat das ganze Kabinett zusammen. Inzwischen waren zwei weitere wichtige Versammlungen abgehalten worden. Die unionistischen Mitglieder des Kabinetts beratschlagten im Unterhaus mitein- ^klder und eine aus Kabinettsmitgliedern gebildete Kriegskommission, also die wichtigsten Mitglieder des Kabinetts, versammelten sich vor Beginn der allgemeinen Kabinettsberatung ebenfalls. Die Sitzung des Gesamtkabinetts war ungewöhnlich kurz, aber die Kriegskommission verhandelte ohne Erfolg bis in den Abend hinein. Zum Schluß wurde in aller Eile ein aus den wichtigsten Mitgliedern des Kabinetts gebildeter neuer Ausschuß zusammengestellt.—„Daily News" gibt eine andere Darstellung von der Konferenz, die nach der Kabinettssitzung stattfand. Diesem Blatt zufolge war es eine Beratung von militärischen Fachleuten mit den Ministern, die für die allgemeine Dienstpflicht sind. Die Minister berieten über ihre Stellung im Kabinett, nachdem das Kabinett afs Ganzes sich gegen ihre Politik entschieden hat. Das Charakteristische an der Lage sei, daß die Mehrheit im Kabinett nach wie vor gegen die allgemeine Dienstpflicht sei, daß aber die Minderheit sehr einflußreich und fest entschlossen sei. Die Lage werde allgemein für sehr heikel erklärt.
Generalstabschef Robertson droht mit der Niederlage seines Amtes.
(Bon unserem Sondeckerichtevstatter.)
F. Rotterdam, 19. April. (Eig. Dvahtbericht. Jens. Mm) Aus London wird gemeldet: In der gestrigen vierstündigen Beratung -des aus dem Kabinett gebildeten Komitees mit Generalstabschef Robertson unid Oberst Hanley bildete du im französischen Hauptquartier von Gallieni, Jvffre, Castelneau und Robertson unterzerchnetes Expose über die nötige französisch-englische Heeresstärke die Grundlage. Siobertson lehnte ein Kompromiß ab. Er drohte mit der Miederlegung seines Amtes und begnügt sich nicht mit der Einberufung der Junggesellen bis zum 48. Lebensjahre. Die Lösung der Krise wird letzten Endes tarn Nachgeben des General st abes abhängig gemacht. Robertson und Asquith wurden am Abend vom König empfangen.
Churchill wieder in London.
W. T.-B. London, 19. April. (Nichtamtlich. Dvahtbericht.) Churchill ist wieder in London eingetro-ffen, und suchte Lloyd George aus.
Zur englischen Erklärung deutscher Bunkerkohle als Bannware.
Der Protest in der holländischen Presse.
W.T.-B. Amsterdam, 19. April. (Nichtamtlich.) Das ..Handelsblad" wendet sich in einem Artikel gegen die letzte vrbglische Schikane, daß holländische Handelsschiffe keine deutschen Bunkerkohlen führen dürfen, da diese als K>mterbande betrachtet wecken würden. Das Blatt schreibt: England hat selbst die Kohlenausführ nach Holland sehr eingeschränkt und wenn wir deutsche Kohle verwenden, um unsere Schiffe damit zu speisen, so will England uns daran hindern, indem es den Begriff Konterbande in einer Weise auslegt, die jedem Recht und jeder Wahrheit wider- spricht. Bunkerkohlen gehören zu dem Schiffsgerät. Es fehlt nur noch, daß feie Engländer auch feie deutschen Maschinen aus den^ holländischen Schiffen herausbvechen. Wir können die Maßregel kaum als etwas anderes betrachten als einen groben und vollständig willkürlichen Versuch von seiten Englands, uns sein« Macht fühlen zu lassen. Deutschland ' würde uns umhin nur io viel Kahlen geben, als es entbehren kann. Die Maßregel ist also nicht ergriffen, um Deutschland zu bekämpfen, und wenn sie nicht, was wir nicht annehmen können, ausfchlnßlich bezweckt, die holländischen Recfeler zu plagen und zu belästigen, dann hat sie lediglich den Zweck, uns die Macht, die England zur See besitzt, fühlen zu lassen. Wozu -das? Ist eine Andeutung dafür vielleicht in der unerquicklichen Mitteilung, die uns vor einigen Tagen erreichte, zu finden, daß ein niederländisches Schiff, das in La Plata Getreide für urrser Land holen wollte, in England nur Bunkerkohlen erhalten hätte, trenn es sich verpflichtete, nur für England bestimmte Fracht zu führen? Deutsche Kohlen werden als Konterbande erklärt und englische sind in England nur unter bestimmten Bedingungen erhältlich. Muß man dann die Erklärung, daß deutsche Kohlen Konterbande sind, rucht ausschließlich als einen gegen Holland gerichteten
Kriegsgwamg lhetrachten, mit dem Deutschland ganz und gar nichts zu tun hat? — Auch der „Ro t te r da m s ch e Courant" spricht mit Mtterkeit von der neuen englischen Verfügung und schreibt: Wenn man bedenkt, daß in Rotterdam fast cmsschließlich mit deutscher Kohle gebunikevt wick, kann man die Tragweite der AerfÜMrig ermessen. Wenn ein Schiff deutsche Brmkerkohlen führt, -wird es in Zukuuff auf offener See, die einst die „freie See" hieß, angehawen wecken. Die Kohlen werden als Prise erklärt und das Schiff wick dann in einem englischen Hafen englische, vielleicht die- selbe, aber inzwischen als Prise erklärte und anglisierte deuffche Kohle zurückerhalten, aber nur, wenn es 30 Prozent des Schiffsraumes den Engländern zur Verfügung stellt. Und was werden die deutschen Unterseeboote dazu sagen, wenn holländische Schiffe 30 Prozent englische Ladung und vielleicht Konterbande mitbekommen?
Der englische Aushungerungsplan.
Die Ausdehnung der Kontrolle auf die amerikanische» Fleischsendungen.
W. T.-B. London, 18. April. (Nichtamtlich Reuter.) Das Auswärtige Amt hat mit den amerikanischen Fleisch- Packern ein Wkommsn abgeschlossen, demzufolge die britisch« Regierung die gesamte Verschiffung aller Produkte der amorikanffcheu Packhäuser nach neutralen europäischen Ländern für die weitere Druer des Krieges regelt.
Neun Handelsfirmen der Geschäftsbetrieb untersagt.
W.T.-B. Lond»n, 19. April. (Nichtamtlich.) Di« „London Gazette" veröffentlicht die Namen von neun feindlichen Firmen in England, denen auf Grund -des Gesetzes gegen Handel mit dem Feinde der Geschäftsbetrieb untersagt worden ist.
Die Vergewaltigung der holländischen Schisfahrt.
Der holländische Handelsministcr gegen daS neuerliche unverschämte Verlangen der Engländer.
Sr-. Amsterdam, 19. April. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.) Das holländische amtliche- Nachrichtenbureau verbreitet folgende Mitteilung: Der holländische Handelsminister hat am Samstag die Direktoren des Rotterdamschen Llohd und der König!. Niederländischen Dampfschiffahrtsgesellschast zu einer Konferenz empfangen. Die Direktoren teilten de« Minister mit, daß die englischen Vehöcken das Verlangen an sie gestellt haben, gegen die Erlaubnis, Bunkerkohlen in England oder in englischen Kohlenstationen einladen zu dürfen, 30 Prozent des Laderaums der Gesellschaft für die Bedürfnisse Englands zur Verfügung zu stellen. Der holländische Handelsminister hat den Direktoren erklärt, der Laderaum holländischer Schiffe müsse zur Verfügung der holländischen Regierung bleiben. Die Regierung würde nicht zulassen, daß die Möglichkeit eines Mangels
Englische Machenschaften.
O Berlin, 17. AprÄ.
In der letzten Rede des Herrn Asquith htcken wir mit anderen Beurteitern den Beginn kluger Gssin- mmg wlcchqgensmmM und loir möchten wiederholt darauf Hinweisen, daß der hritisckie Staatsmaun, indmn er Wer die russischen SckMerzen hrnwegging, indem er ferner von Elsaß-Lothringen säjwieg, dcis Augenmerk hauptsächlich auf Belgien gelenkt, cckso mindestens die Möglichkeit einer Fühlungnahme ange- -deutet hat, wofern es dem Londoner Kaibinett in seinen Nöten bereits ratsam erscheinen sollte, -den Weg des Einlenkens zu betreten. Wer wer diese Rede mit dem Mißtrauen betrachtet, das britischen Kundgebungen gegenüber ffeilich stets eine Pslickst ist, der kann woihl auch beanspruchen, daß man chn hört. Schließlich braucht keine der beiden stch gegenüberstghenden Auslegungen falsch zu sein, die nicht geringe Kunst des Ver- schleierns und Andeutens des versteckten Vvrschlagens und der Zurücknahme halber Borschläge, diese Fähigkeit zum diplomatischen Raffinement ist jenseits des Kanals so reichlich vorhanden, daß man in jedem Falle vor englrsckjen Min'sterreden auf der Hut sein muß. . Wie wir die Kundgebung des Herrn Asquich verstanden haben, muß sie eigenrlich verstanden -werden, wenn man sich nur an die betonten Einzelheiten hält. Gleichwohl sind gewiß noch mancherlei geschickt aufgelegte Angelhaken da, und jeder Warner will, wie gesagt, beachtet sein. Warum wohl unterschied Herr Asquith zwischen dam „preußischen Militaris- m u s", gegen den er frA>er Sturni lief, und der „preußischen Militär käste"? WsichtsloI hat dieser kluge Mann seine Worte nicht ge-waplt und gesetzt, er will etwas mit dieser Unterscheidung au^drücken, und er macht es uns auch gar nicht so sckwer, das Geheimnis seiner letzten Absichten zu entdeckeir. An der Themse rechnet man offenbar mit der .Möglichkeit,. einen Keil in die geschlossene -deutsche Einheit dadurch zu treiben, daß die radikale Rickstung der Sozialdemokratie, die Haase-Gruppe, zum Widerspruch gegen /das e r- m u u t e r t wird, was früher auch bei uns vielfach unter „Bkilitarismus" verstanden wurde, was aber in der Glut einer herrlichen nationalen Erhebung jetzt hin-
