t 5 ^ *i Morgen-Reilage des Wiesbadener Tagblatts.
nt » 92. _ Dienstag, 18. April. 1916.
118. Fortsetzung.)
Um Ehre und Leben.
Roman von Paul Blitz.
(Nachdruck verboten.!
„Also gut, waS spricht man denn nun eigentlich?"
„Nichts direkt Nachte'liges. Sie ist auch wirklich die Witwe des Grasen Rüvanow. Aber mit ihren Ver- wögensverhältmssen soll es nicht so weit her sein. Jedensalls steht der Auflvand, den sie macht, in gar keinem Verhältnis zu ihren Einnahmen. Deshalb haben sich die offiziellen Kreise, die ehedem bei ihr verkehrten, langsam zurückgezogen."
Kurt lächelte überlegen. Ec wußte besser, wie es mit ihrem Vermögen stand. Er hatte genauen Einblick bekmmnen. Erst gestern hatte sie den Scheck vom Grafen Kriwolawoff in Höhe von dreißig tausend Mark eingelöst. Mochten die da draußen nun reden, was sie wollten — er wußte, woran er war.
„Nun", fragte er heiter, „ist das alles, lieber Bücknitz?"
0 Der nickte nur stumm und sah ihn lange cm.
^Na also, dann kann ich ja beruhigt sein."
Mit höflrchem Gruß wollte der andere gehen.
„Wie, und du gratulierst mir nickt mal, Bücknitz?"
„O Pardon, meinen herzlichsten Glückwunsch, lieber Kurt. Möge es dir recht gut ergehen."
Sie schüttelten sich die Hände und gingen voneinander.
./Sonderbar", dachte Kurt und sah ihm nach, „er ist heute ganz anders als sonst."
Wer er konnte darüber nicht weiter Nachdenken, denn seine Marianko wurde schon ungeduldig.
Sofort war er bei ihr und bat um Verzeihung.
„Wer war das?" fragte sie lebhaft.
„Ein früherer Kamerad von mir."
„Er sprach oon mir, nicht wahr?"
„Das tat er wirklich", rief Kurt.
„Was hat er dir gesagt, bitte, sag' es nur ganz fvei heraus."
Einen Moment überlegte er, dann sagte er ihr wiMich alles, was er eben erfahren hatte.
Ganz ruhig hörte ste ihn an. Nicht eine Miene ibres schönen Gesicht? veränderte sich, nur die feinen, schmalen Lippen preßte sie ein wenig zusammen, dann erwiderte sie, leichthin lächelnd:
„Was für eine kleine Stadt ist dies Berlin doch noch. Ich hätte nicht geglaubt, daß es so ein Klatschnest ist. Wenn eine Frau die Kaprize hat, das Leben nach ihrem Gant zu führen, dann lauern an jeder Straßenecke gleich ein paar Klattchbasen, weibliche wie männ- liche Wirklich ich hätte so etwas von dem großen Berlin nicht erwartet."
Er tröstete sie auf dos heiiterste, machte ein paar Scherze und überbot sich in Galanterien, so daß der Zwischenfall schnell vergessen war.
* * *
(Der Februar ging zu Ende.
Für Mitte März war die Wreise nach Nizza geplant. ►— Ganz heimlich sollte alles geschehen. K-urt sollte ileine Stelle vorher gar nicht erst kündigen, sondern
einfach fort bleiben, um jeder neugierigen Frage alldem Wege zu gehen. Nur seinen Angehörigen sollte er Adieu sagen.
Natürlich war er mit allern einverstanden. Er lechzte ja nur nach dem Augenblick, frei von all dem verhaßten Zwang zu werden und erst der Gatte seiner an gebeteten Marianka zu sein.
Da, als er eines Morgens ins Geschäft kam, trat Jensen zu chm und sagte leise: „Der Tausendmark-
schein, «den Sie mir neulich gaben, ist falsch."
Kurt fiel fast um vor Schreck.
„Das ist ja aber ganz unmöglich!" stotterte er.
„Und doch ist es so. Die Neichsbank hat ihn soeben sestgehalten. Es soll ein meisterhaftes Falsifikat sein."
„Nicht nwglichl Nicht möglich!" — weiter brachte Kurt nichts heraus, denn er begriff nicht, wie das hatte geschehen können.
^ „Wissen Sie denn, von wem Ihre Frau Mama den Schein bekommen hat?" kragte Jensen «weiter.
Plötzlich wurde Kurt purpurrot. Seine Lüge siel ihm ein. Vevdcmimtl was sagte er denn nun? Immer verlegener wiiode er; nicht ein Wort brachte er mehr heraus
Endlich begann Jensen wieder: „Das beste ist schon. Sie gehen gleich nach Hause und suchen Genaueres.zu erfahren; denn aiii Nachmittag dürste vielleicht die Polizei schon zur Recherche kommen."
Von neuem fuhr Kurt zusammen-
Die Polizei! Allmächtiger! WaS sollte denn «bloß «daraus werden!? Kreidsbleich stand er da und starrte hilflos zu Jensen hin.
Mitleidsvoll sagte der: „Also, wie gesagt, gehen Sie nur gleich nach Hause und suchen Sie zu erfahren, was «Sie können. Ich >wevde Sie beim Chef entschuldigen."
Kurt nickte chm zu. Sagen konnte er nichts. Tann rannte er hinaus.
In das erstbeste Auto sprang er und jagte nach der Bendlerstrahe.
Tausend Gedanken kreuzten durch seinen Kopf, aber nicht einen konnte er zu Ende deicken.
„Schneller, schneller!" schrie er den Lenker an.
„Wer, mein Herr, ich darf nicht schneller .fahren", klang es zurück.
,^Hier sind zehn Mark. Nun aber los!"
Mit rasender Eile jagte man durch die Alleen deS Tiergartens dahin.
Endlich, endlich am Ziel.
Atemlos stürmte er die Treppen hinauf und riß an der Klingel.
«Ganz bestürzt erschien Madame Leonie.
„Mein Gott, was ist denn passiert?!"
„Die Gnädige! Wo ist die Gräfin?!" — RastloS drang er weiter vor.
„Wer was ist denn nur geschehen? Die Gräfin badet noch."
„Mio bitte, melden Sitz nMI ES eilt, wie Sie fef’.eft"
