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Verlag Langgaffe 21

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Dienstag, 18. April 191b.

Oie gegenwärtige ttriegslage.

Von General d. Inf. z. D. v. Blume.

(Schluß.)')

Berlin, 15. April.

Wenn wir nup den Blick auf die entfernteren Kriegs' Schauplätze werfen) so scheu wir, daß nach dem Scheitern der großen Januar-Offensive der Russen gegen dic b essarabische und o st ga -l i zi s che Front zwi­schen den sich dort gegenüderstehenden Strsitkräften nur noch Zusammenstöße von untergeordneter Bedeu­tung ftattgefunden haben. Die Hoffnung, Rumänien für die Entente zu gewinnen, scheint mit jener Offen­sive gescheitert zu sein.

Auf dem Balkan befindet sich seit Anfang März, außer Serbien und Montenegro auch Albanien, mit Ausnahme von Valona sowie des östlich und südlich die­ser Hafenstadt liegenden Gebietsteiles, im unbestrittenen Besitz der Dierdundtrupp-en. Zu ernsteren Zusammen- stoßen ist es. gelegentlich 'der Eroberung von Albanien nur noch bei Durazzo gekommen, und zwar zwischen österreichisch-ungarischen und italienischen Truppen. Durazzo wurde am 27. Februar eingenommen, die Italiener retteten sich dort auf die Schiss. Valona ist von Italienern, anscheinend etwa 50 (XX) Mann, >befetzt und befestigt. Sie haben sich bisher dort rühig ver­haften. Andererseits ist auch von den Vierlbundstruppen gegen Valona und den südlichsten Teil von Albanien noch nichts unternommen worden.

In Griechenland halten nach wie vor französi­sche und englische Truppen von beträchtlicher Stärke völkerrechtswidrig Saloniki und 'das Wardargebiet bis zur mazedonischen Grenze, über die sie nach bem kläg­lich gescheiterten Versuch, den Serben in Mazedonien Hilfe zu bringen, zurückgeflohen sind, besetzt. Dort in Schach gehalten durch die Vierhundstruppen, die die Verfolgung an der Grenze eingestellt haben und an dieser stehen gebilieben sind, beschränken sie, deren Ne­gierungen Vorgaben, den Krieg zum Schutz der Schwa­chen und als Hüter des Rechts zu f,ähren, sich daraarf, den neutralen schwächeren Staat in unerhörter Weise zu vergewaltigen, JnMischen ist die militärisch und wirtschaftlich wichtige Verbindung der Zentvaimachte mit dem nahen Orient her gestellt und in vollen Betrieb gesetzt.

In Armenien ist, wie vorauszusehen war, die russische Offensive nach der Einnahme von Erzerum alsbald ins Stocken geraten. Sie -hat weder Trapezunt mit dem rechten Flügel, noch, Erfingja mit lder Mitte erreicht, noch ist ihr linker Flügel erheblich über Musch und Bitlis hinousgeikomimen, und schon macht sich die Annäherung beträchtlicher neuer türkischer Streitkräste auf dem Landweg, anscheinend auch das Eintreffen von Verstärkrmgen auf dem Seewege bei Trapezunt bemerk­bar, so daß binnen kurzem mit einer kräftigen türki- ichm Gegenoffensive auf diesem Kriegsschauplatz gerech­net werden kann.

. Große Besorgniffe verursachen den Engländern seit einiger Zeit die Nachrichten aus Mesopotamien, wn der Jrakfront. Zwar soll .der mit etwa 10 000 Mann in Kut-el-Amara von den Türken eingeschloffene General Townshend vor kurzem gemeldet haben, .daß mne Vorräte noch für einige Wochen ausreichen. Auch wemt es gelungen zu sein, dem englischen Enffatzkorps, ms dessen Führer neuerdings der General Gorringe 1 genannt wird, nicht unbeträchtliche Verstärkungen zuzu- Aren, vor .denen sich die Dortruppen des türkischen Deckungskorps am 5. und 6. d. M. auf ihre Haupt- Itellung bei Felahie zurückgezogen haben. Beim An- griff auf letztere haben jedoch die Engländer am

d, M, eilte schwere Niederlage erlitten, der vermutlich binnen kurzem die Kapitulation von Kut-el-Amara, vielleicht auch die gänzliche Vertreibung der Engländer aus Mesopotamien Nachfolgen wind.

Das leichte Vordringen der Russen in Persien vt ohne Einfluß auf di? Vorgänge in -Mesopotamien Elchen. Sie sind in der Nichttmg auf die Grenz« dw,es Landes nicht über Kimnanschaihan hinausgekom- «ten, haben sich dagegen in südöstlicher Richtung bis aast, Jjpahan, der früheren Hauptstadt des persischen Inches ausgedehnt, was bei ihren heutiaen Bundes- genossen, dm Enoländem, erhebliche Bedenken erregen Durfte. Auch im Y e m e n, dom am Eingang des Rotm Heeres liegenden, . unter türkischer Oberherrschaft -Netzenden arabifchm Gebiete, sind die Enoländer, die °ort schon Fuß gefaßt hatten, von der einheimischen Be- Eiterung in empfmÄicher Weise zurückgedrängt

wovoen.

Ägypten ist mit englischen. aus allen Erdteilen -Mcmvnengerafften Truppen überschwemmt, obgleich nur noch wenig von drohenden Angriffen auf die- ^Land hört,«seit die von Westen her ini Anmarsch "Dienen schwachen Kräfte der Senussen zurück- smd. Dm Suezbmal haben die Engländer

ff Bergt. Artikel in der tzamStog-Adard-Ausgab«.

Morgen - (Ausgabe.

für den Verkehr gesperrt. Die in .der moihcmrmedani- fchen Welt allerdings bestehende Gärung mag Veran- lusfung zu den Vorsichtsmaßregeln in Ägypten geben. Wir selbst werden gut tun, auf jene Gärung nicht allzu große Hoffnung zu gründm.

Unsere Kolonien sind, mit Ausnahme von Ost- asrika, wo noch gekämpft wird, eine nach der anderen, nach durchweg heldenmütigmi Widerstande unseren Feinden, zu denen sich neuerdings noch der englische Vasallenstaat Portugal gesellt hat, in die Hände ge- sallm. Darauf mußten wir .gefaßt sein und waren wir gefaßt, weil wir unsere Kolonien nach Lage -der Ver­hältnisse sich selbst überlassen mußten, obgleich sie noch nicht genügend mtwickelt sein konnten, um sich .gegen die große Übermacht unserer Feinde se-kbft zu behaupten. In unserer berechtigten Trauer hierüber -haben wir doch den Trost, .daß .die Entscheidung über das künftige Schicksal der Kolonien auf dem Hauptkriegsschauplatz fällt, von -dem.das Schlußergebnis iie§ Krieges abhängf.

Daß wir diesem Ergebnis mit voller Ruhe entgegen­sehen können, lehrt uns, wie der ganze bisherige Ver­lauf des Krieges, so auch der Überblick über die gegen­wärtige .Kriegslage. Wir werden, was auch die Feinde in ihrer Geistesveiwirrtmg red-m mögen, aus dem Landkriege siegreich hervorgehen und, unter der ÜDÜt- wirkung unserer heldenmütigen Marine, auch wirt­schaftlich die -Oberhand behalten, bis unsere Feinde den Frieden annehmen, der ihnen diktiert wird.

Oie Ereignisse auf dem valkcm.

Die Vergewaltigung Griechenlands.

Der Vierverbandsplan zur Bildung einer Front in

Mazedonien unter Heranziehung iffr Serben.

Lr. Berlin, 17. April. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Der Sonderberichterstatter der „Voss. Ztg." mel­det aus Athen unter dem 15. April: Die Lage ist unverändert ernst. In Regierungskreism hatte man, gestern noch allerdings das Gefühl einer fort­schreitendem Eutspannung, dagegen behaupten veneze- liftische Blätter aus Vrerverbandsquelle zu wissen, daß dic Merverbcmdsmächte auf ihren Plan nicht verzichtet habm^ und näht.daran -denken, irgend einen Mittelweg zur Lösung einguschlagm. Die gleichen Blätter bÄaup- tm dreist, es habe sich nicht etwa um einen Versuch der Gesandten der Drerverbandsmächte gehandelt, .vielmehr hätten -sie der griechischen Regierung fest gefaßte Ent- -lchlnsse mitgeteilt. Indessen gewinnt die Vermutung an Wahrscheinlichkeit, daß der Vierverband zuletzt ver- siichen wird, die griechische EiMrilligung zur .Benutzung des Wasserwegs durch den Kanal von Korinth und die Meerenge.von Euboea zu erhalten. Andererseits sollen die Serben auf Kork» bereits mit Marsch­rationen ausgerüstet werden. Was daraus deuten -würde, daß man sich daraus vorbereitet, den Landweg von Santi Quaranta und Koritza zu benutzen. Jedenfalls tritt imnner mehr .der oft angedentete Vier- vcrbondsplan in.den Vordergrund, in Mazedonien eine Front zu bilden, in deren linken Flanke sich der deutsch- bulgarische Aufmarsch vollziehen würde. Auch ist es -wahrscheinlich, daß zur Bildung dieser neum Front ser- bische Kräfte verwendet werden sollen. Inzwischen .haben die Vrerverbandsmächte auch aus der Suda- bucht auf Kreta einen Flottenstützpunkt ge­macht, -deren Häsen wurden mit Netzen und Minen gesperrt, und kein SchG kann mehr ohne Lotsen allein hinein oder heraus. Die „ineeraewaltiae" Dierver- bandsflotte bedarf anscheinend dieser Stützpunkt, um sich zu hakken.

Feindliche Kriegsschiffe in der Sudabai.

Achen, 17. April, ©enf. Bin.) Aus guter Quelle vor- lautet, die Kriegsschiffe der Alliierten hätten in der Sudabai Anker geworfen. Truppen sind nicht gelandet worden.

Französischer Gewaltakt in einem griechische» Ort.

W. T.-B. Athen, 17. April. (Nichtamtlich.) Wie aus Pyrgos gemeldet wird, ist eine französische Marine­abteilung gewaltsam in Katakolon eingedruugen, um nach Benzin zu suchen. Dem Gendarmerie- chef, der -dagegen Einspruch erhob, antwortete der fran- zösische Befehlshaber, daß er unter Umständen -von den Schiffskanoneu Gebrauch .mache. Die Nach- forschungen verliefen ergebnislos. Der Vorfall machte für die Franzosen einen höchst ungünstigen Eindruck. Nur -der Besonnenheit des griechischen Gendarmerie- cffiziers ist es zuzuschreiben, daß ein blutiger Zu- sammenstvß vermieden wurde.

Das deutsch - rumänische Handelsabkommen.

Freudiger Widerhall in der rumänische» Preffe.

Budapest, 17. April. (Fvcmkf. Zig.) Alle Bukaroster Matter begrüßen die wirtschaftliche Vereinbarung zwischen Rumänien und Deutschland, nur das Parteiblaitt Take Kanoscus» Jäa Roumaine", tut unzufrieden, »nen" im

Nr. 183. ♦ 64. Jahrgang.

üblichen scharfen Angriffe der Zentra-Imächte fehlen. Jonescn nimimt die BeveinbarAAg mit einer Art melancholischer Resig­nation zur Kenntnis.

Parlamentsschluß in Rumänien.

W. T.-B. Bukarest, 17. April. (MchtcmMch. Draht­bericht.) Die Tagung des Parlaments ist geschloffen Uwrden.

Der ttrieg gegen Italien. *

Große Enttäuschung über Sonninos Rede.

Scharfe Kritik der italienischen Presse.

B*. Lugano, 17. April. (Erg. Drahtbericht. Jens. Bln.) Im Gegensatz zu der großen Mehrheit, die die Regierung bei der Abstimmung erzielte und zu den Begeisterungsausbrüchen ist der Eindruck der Gesamtrede Sonninos durch­aus nicht günstig. Die Presse hebt hervor, daß die Kündigung des deutsch-italienischen Vertrags über das lite­rarische Eigentumsrecht und die Vorbereitung eines Erlaßes für ein Vorgehen mit Vergeltungsmaßnahmen gegen Öster­reich-Ungarn die einzigen Ankündigungen der ganzen Rede find. Bezeichnenderweise sind die Abgeordneten in bezug auf den Hauptteil der Rede der Meinung, von dem Balkan wisse man jetzt weniger als früher. Im „Corriere della Sera" erklärt der Abgeordnete P o r r e die Kammer­stimmung trotz der Unzufriedenheit mit der Rede Sonninos aus dem Bedürfnis der Kammer, die Zukunft durch die Pariser Tagung bester gesichert zu sehen. Der Gesamteiu- druck ist also eine große Enttäuschung, namentlich nach der pomphaften Ankündigung der Antwort Sonninos auf die letzte Kanzlerrede. Die weiteren Urteile der italienischen Preffe laufen darauf hinaus, daß die Rede nur eine vollstän­dig bureaukratische Aufzählung aller bekannten Tatsachen seit Dezember enthalte. Alle Zeitungen heben hervor, daß die Worte Sonninos keine warme Note hatten.

Keine Unterwerfung der Senussen.

IV. T.-B. Bern, 17. April. (Nichtcmntkich. TrrrchLbericht.) We der römische Korrespondent des Mailänder ,-Secolo" nbÄdet, bestätigt sich die Nochricht nicht, daß die Senwffen einen Unterhändler zu den italienischen Militärbshörden boa Tripolis geschickt haben.

Meuterei einer italienischen Artillerie- ableilung.

Berlin, 17. April. (Zeus. Bln.) Das „B. T." meldet aus Zürich: Aus einem Brief, der an das „St. Galler Tage­blatt" gerichtet wurde, erfährt man, daß eine italienische Artillerieabteilung am Umbrail meuterte. Es sollen meh­rere hundert Soldaten sich ihrer Verschickung von der Schweizer Grenze an die Jsonzoftont durch Meuterei widersetzt haben. Sie verschossen gegen jedes Kommando ziellos so viel Munition wie möglich und verließen dcmn die Stellungen, um nach der Schweizer Grenze abzumarschieren. Ein Teil dieser Truppen soll bereits die n e u t r a Le Grenze überschritten haben.

Straßenbahnerstreik in Genua.

IV. T.-B. Bern, 17. Apri-l. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Laut dem „Corriere della Seva" streiken in Genua di« Straßenbabner, da ihnen die wegen der LebenSmittelteuenung geforderte Lohnerhöhnng nicht bewilligt ioorden ist.

General Porro aus Valona zurück.

Lugano, 17. April. (Zeus. Wn.) Generäl Porro ist von einer Besichtigu-ng der italienischen Stellungen in Mbanien über Brindisi und Rom ins Hauptquartier zurückgekehrt. Natürlich versichert die Presse. Porro -habe von Valona den Eindruck einer vollständig uneinnehmbaren Stellung mit­genommen.

Oer ttrieg gegen Rußland.

Der deutsch-russische Kriegsinvaliden- Austausch.

-IV. T.-B. Petersburg, 17. Apri-l. (Nich-tanttlich. Drohtb«- richt. Petersburger Telegraphen-Agentur) Nach langer Paus« bat der Austausch deutscher und russischer KviogSbeschädigtee wieder begonnen. Heute morgen trafen hier 2 Offiziere, 2 Ärzte und 328 Soldaten über Finn-lamd ein.

Die Ankunft des ersten Frühjahrs- transports.

. (Telegramm unseres Sonderberichterstatters.)

8. Stockholm, 17. April. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) In Ahllsberg erwarteten wir mit Vertretern der deutschen und österreichischen Gesellschaft den ersten in diesem Frühjahr aus Rußland kommenden Transport Austauschverwundeter der verbündeten Kaiserreiche. Ein eryster, doch glücklicher Zug von 2 51 Menschen, die in die Heimat zurückkehren. Von den Schweden war wiederum alles vortreff- l i ch eingerichtet. Die Königin ließ Liebesgaben spenden. Die Kleidung der Verwundeten war diesmal vortrefflich, da in Habaranta eine Bckleidungsstellc für Österreicher und Deutsche errichtet ist.

Schwedens Berdieuste um den Jnvnlidenaustausch.

Kopenhagen, 17. April. „Rowoje Wremja" geht näher auf den Austausch der kriegsuntauglichen Schwecverw urü»e-