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« wöchentlich 12 Ausgaben.
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Montag, 17 . april 1916 .
abend-Ausgabe.
Nr. 182. . 64. Jahrgang.
Kus freier Wahl?
Nach einer ,Meut«"-MÄdun-g hat Präsident Wrllson euf einem von Mitg-lisdern der demokratischen Partei veranstalteten Parteiessen eine Rede gehalten, in der er it. a. sagte, er bete zum Himmel, daß die Bereinigten Staaten nicht aus freier Wahl in den Weltkrieg hinein- gezogen werden. Nun, aus freier Wahl wird das sicher- lich nicht geschehen, vielleicht aber am Ende aus — seiner Wahl, aus den Interessen heraus, die nicht so sehr für den Präsidenten als vielmehr für den Präfi- dentsäxlf!skanöiidaten Wilson maßgebend sind. Freilich hat der Herr Professor und Präsident in der erwähnten Rede weiter geäußert, es frage sich, ab «das Ball bereit sei, sich in den Konflikt einzumrschen, wenn die Interessen der Amerikaner sich mit den Interessen der Menschheit decken. Aber wenn, wie es vm „Reuter"-Bericht heißt, Wilson hier durch Beifall und Zustimmungsrufe unterbrochen wurde, so muß nian eben bedenken, daß er vor -den überzeugten Anhängern seiner Partei sprach, der man in der Union den Namen der Munitions- Partei verliehen hat.
In der Tot -handelt es sich bei dein derzeitigen Kon flickt zwischen Deutschland und Amerika, der drüben gleichzeitig zu einem innerpolitischen Konflikt g-ciwovden ist. nicht, wie Wilson glauben machen will, um die Interessen der Menschheit ja, nicht einmal um die der Anverikaner. sondern in erster Reihe um -die Munitionsinteressen. Diese Munitionsinter essen hängen ober eng zusammen mit Wilsons Wahlinteressen, und die derzeitig« Spannung zwischen Deutschland und Vl der Union ist, da im Jöambe der unbegrenzten Möglich- 8 ketten" die äußere Politik von jeher eine Frage der inneren Dolitick, -der Partei- und der Wahlpolitik ge -Xi treten ist, in erster Reihe vorn -Standpunkt der ameri'ka h rischen Innenpolitik, d. h. zurzeit von dem -der Wahl Politik zu beurteilen.
Wenn auch die Präsidentenwahl erst am 7. November stattfindet, so wivd doch der Wahlkampf seit -langer Zeit mit aller Krastaustrenqunq geführt, und es handelt sich hierbei schon deshalb nicht etwa um eine spätere Sorge, da bereits Mitte Kuni in St. Louis die -demokratische Nationallonvention zusammentritt, um den Präsident- chaftskanididaten aufzustellen. Es handelt sich also für Wilson um eine sehr dringliche Sorge, um so mehr, -da nach den demokratischen Parteigrun-dsätzen für die -Nmninierung des Kandidaten die Kveidrittel- Mehrheit aller äbaeaeberren Stimmen erfovderlich ist. Ms Wilson vor seiner fetzigen Wah-I zum Präsident scha-stskandidaten ernannt wurde, erhielt er 990 von ben 1080 Stirmnen. Heute -mag er begründete Beden- km haben, ob ,'ich auch nur die Zweidrittelmehrheit von ffi -25 ans ihn vereinigen wird, da er durch seine ausge- ci tragt deutschfeindliche Politik alle Anhänger „einer aufrichtigen Neutralität vor den ' gestoßen hat. Verdankte er doch einen er
oe hmkchen Teil seiner Stinimen den Deutsch-Amerika ? ^krn, von -denen -der überwiegendste Teil bisher demo ^ notrsch wählte, -den Irländern und endlich den Süd- staaten, die jetzt infolge der britischen .Kanterbandetacktick m obrer Baimnvolle ersticken. Freilich hat Wilson zfi durch seine Munitionspolitik arodererseits m weiten i wgilaphilen Kreisen an Anhang gewonnen, aber es ist a« '«h sehr fraglich, ab das jenen Ausfall zu ersetzen ver nag, und vor allem ist die Kandidatenfvage in -der * »emokratischen Nationalkonvention für ihn dadurch sehr tzerkel geworden.
Die im Staate Michigan erfolgte Ausstellung des lerne Argonautenstchrt nach Europa veckcmnt -ge- 'w Friedensapostels Henri Ford als Bundes- die eine bemerkenswerte Demonstra- 55*1 on gegen Wilsons Haltung mr Weltkriege darstellte, c„ nutz als em bedeutsames Stimmungszeichen angesehen h »erden. Mchrsn sich doch in der demokratischen P«rtoi u -je Stimmen, die -darauf hinwersen, daß man mit ! wem so heftig angefeindeten .Kandidaten, wie es Prä- "J Bent Wilson ist, am Ende Gefahr laufe, bei -der Prä- r] ^entenwahl von -den Republikanern geschlagen zu -wer- . 'sw -die in dem Brrndesrichter Hughes einen wirk- ^ Neutralitätskandidaten auszuweisen
Denn die Stimmung in den Massen spitzt sich A mmer mehr aus die Forderung zu, >dciß -man einen Prä- ch '°mten verlangt, der neutrale Politik treibt, und zwar Ä H Nankees ihr Geschäft sichert, sei es nun in Munition t SJT m Baumwolle, oder noch lieber in beiden (also Meßbaumwolle!), der aber im übrigen den neuen 1 kÜ, tlnfnt ' öer ohnehin seine mexikanischen und j-apg-ni- <* ^ hen Händeln -der alten Welt
“Sr *• ^ Enese Sftmmung muß nicht so s-chr -der Ment wie der Präsidentschaftskandidat Wilson sO'cht nehmen. Und daraus erklärt es sich wohl in Reche, wenn jetzt von -den Washingtoner Draht- ™ m der Unterseebootfrage eine etwas Taktik emgescküagen wird. Man da-r-f sich
^u der Beurteilung dieser Dinge nicht durch die teils gefärbten, teils freier-ftindenen „Reuter"-Meldungen beeinflussen lassen, muß auch etwas Uankee-Bbuss ab- zi-chen. Denn Wilson ist, wie deutschfeindlich er im Grunde des Herzens sein -mag, nicht nur durch den udevwiegend aus die NeutraliratSpolitik erngeschwore- r:en Kongreß, sondern auch -durch die Rücksicht auf die demockvatische Partei in der Wahl der Mittel beschränkt, die -für ihn die Mittel zur Wahl bedeuten.
Oie Lage im westen.
Der Verteidiger von Verdun baut vor!
Lr. Genf, 17. Avrll. sEig. Trahtbericht. Zeus. Bln.) Emen ü-bera-us beachtenswerten Epilog zu -der franzäsi- !-cken Schlappe im Wa-lde -von Cunridres bringt die soeben ausgegebme Havas-Note. Danach mißt der jetzt alle Borstohversuche für zwecklos haltende General |' e lain sowohl der Höhe 30s. als auch dem ganzen übrigen Gelände nö idlich der künftigen H a u p t v e r t e i d i -g u n g s l i n i e, dem Hessenwald, Esnes, -der Höhe 300, .den Bourrus-Walde und der Feste Marre nur den Wert von Vorstellungen bei, -die man nach Maßgabe der Um stä nde zu halten bemüht (!? Schriftl.) sein -werde. Diese interessante Wendung wurde übrigens von General Berthau und einigen anderen Fachkritikern vorausgesehen. Ungünstige schweizerische Beurteilung der französischen strategischen Lage.
m, ^ r ‘ ^"rich, 17. April. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) -den deutsch-schioei.zerischcn Blättern beurteilt ma-n die sttategische Lage Frankreichs -sehr pessimistisch. Der Militärckritiker des „Berner Tag- blattes" glaubt, bei den Franzosen trotz bewunderungswürdiger Zähigkeit Anzeichen daftir zu bemerken, -daß sich in ihren Rechen die M o r a l l o ck -e r e und man langsam m eine ve, zweifelte Stimmung hinerngevate. So faßt der Kritiker sein Urteil dahin zu- sanim-en, daß nichts die Deutschen hindern werde, ihr Werk bei Verdun zu -vollenden. Stegemann äußert im „Bimd" die Meinung, daß die Deutschen -durch ihre Operationen vor Verdun die Franzosen schon jetzt behindern, irgend einen Ossensivplan an anderer Stelle anszufü-hren. Er glaubt auch das Aussichtslose einer englisckxen Offensive im belgischen Raume beionen zu müssen. Würde eine solche englische Offensive versucht, -so -würde sie bei einem etwaigen Gelingen sich über ein Jahr a-usdekmen und nur die Zerstörung aller wichtigen belaischen -Städte bringen. Die Engländer würden ober solchen Riesen- imternchmungen selbst mit Unterstützung ihrer Bundes- genossen nicht gewachsen sein.
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Der Krieg gegen England.
Neue Opfer unserer Unterseeboote.
Zwei weitere Bannwarendampfer vernichtet.
W. T.-B. London, 17, April. (Nichtamtlich.) Lloyds Agentur meldet aus Boulognr vom 15. April: Der norwegische Dampfer „P u 8 n a n t o a f f" aus Ehristiansund ist auf der Fahrt von Newcastle nach Boulogne versenkt worden. Die Mannschaft ist gerettet, ein Mann ist verletzt. — Der britische Dampfer „Fair Port" <3818 Tonnen) wird ebenfalls als versenkt gemeldet.
Ein Torpcbo angespült.
W.T.-B. Nieuwedicp, 17. April. (Nichtamtlich.) Hier wurde em Torpedo mit dem ivüertzeichen 29 angespütt.
Eine Friedensansrage im englischen Unterhaus.
Die Behandlung der Gefangenen von „L 15".
Br. Amsterdam, 17. April. (Eig. Drahlbericht. Zeus. Bln.) Im englischen Untevhause fragte -der Ab- geordnete M a s o n den Premiermini-ster Asquith, ob die Regierung -die Erk-lärun-gen des Reichs- kanzlers über Belgien nicht für geeignete Grundlagen zur Anknüpfung von Friedensverhaudluugen halte Der englische Ministerpräsident -antwortete, Moson möge seine (Asquiths) Siede vor -den ffanzösi- ^cken Pa-rlalmeniariern na-chlejen. — Der Unterstoats- s-ekretär des Kriegsamtes Ten na nt teilte auf Anfrage mit, daß -die Gefangenen von „L 15" in keiner Weise anders oder schlechter bchandelt würden als andere Kriegsgefangene.
Die Folgen der Zeppelinangriffe aus England.
Die Schadcnsersatzansprüche der Bevölkerung.
Berlin, 17. April. (Jens. Bln.) In der Londoner Gnild- hall fand laut J8. L.-A." eine Versammlung der Bürger- ni-eister britischer Städte und Dörfer statt, die zus-ammen elf M-ill-wn-en EnglLnlder vertreten. Zweck der Bers-ammlunq war, bei -der Regierung einen Antrag zu befürworten, kraft dessen die durch Luftangriffe entstandenen Schäden -durch die Regie-
rurrg ersetzt werden sollen. Reiben Sachbeschädigung sollen »-«ch körperliche Verletzungen für den Schadensersatz in S8etw*M krnnmen.
Mißglückter Fluchtversuch eines Offizier» der „Emden".
Br. Lugano, 17. April. (Etg. Doahtbericht. Zeich Bin.) -Ern ,/SecLolo"-Telagramm meldet aus Sy ra- k u s: Bei dem siztlianischen Kustenort Ragusa feien der deuticye Lmienschiffskomm-andant Heinrich Fikent- scher, -der der Ächätzung der „Emden" crnqehörte und der vsterreächische Kaufmann P-lentl, der in Achten ansässig war, von italienischen Kam-bimeris festgerdam- rnen und in Syrakus eingeliesert worden. Sie waren aus -einem Segelboot aus Malta, wo sie gefangen gewesen, entflohen und wollten mit Benutzung der Eisenbahn an die schweizerische Grenze gelangen.
Die englischen Übergriffe aus die neutrale Post.
W.T.-B. Stockholm, 17. April. (Nichtamtlich.) Nach cm« Meldung der schwedischen Amr-erikatmie fft sowohl sie für Amerika bestimmte Brios- wie die Paketpost des schwedisch« Dainpfevs „Stockholm" in jptrkwall z n rL ckaehwtte» worden.
Sornino über die aurwärtige Politik Italien;.
Ans der italienischen K amurer .
W.T.-B. Rom, 17. April. (Nichtamtlich.) Im der ...
sitzung erklärte der ital-Esche Minist« des Äußer» Sonnino: Ich bitte -die Knmm«, einen «eschen Blick md feie Tätigkeit i*r Regierung in -den verschiedenen rnternatt». nälen Fnagen der letzten Monate werfen zu wollen, um sich -beff-er über die Art klar werben zu können, -wie die Regierung die Wsicht der Kamm« bei Ansfuhruirg des weitveichcnpen Auftrages au-sgelegt hri, den die Kammer ihr dazu erderlt hat und um best« -beurteilen zu können, ob die Regierum» ihr Vertrauen wirklich verdient. In d« «Atzung vom 1. Tez. halben wir nach einem Rückblick anf die Bemühungen Regierung um die Verteidigung der Unabhängigkeit Serbiens schon vor unser« Teilnahme an dem St-cime bem Parlament unsere Absicht mitgeteilt, alles uns mögliche zur Unterstützung der Armee Mnigs Peter zu tun, indem wir M Einvevständni-s mit unseren Alliierten ihoe Versorgung mft LebeiEritte-ln und Munition sicherten und ihre Konzew- trcr-tian «leichrerten. In Erwartung d« Zeit für die Revanche war es damals nicht angebracht, die Einzelheiten unserer Mticm zu erörtern, weil -dies« auch von dem Ausgmlg ver Operationen auf dem Balkan abhängen mußten. Bekanntlich ist seitdem beschloffen worden, die serbischen Trupp«, nach Korfu zu bringen und dort zu sammeln. Nachdem f» sich nach einem Kampfe gegen zwei an Zahl sehr überleg«« Armeen nach Montenegro und Albanien zurückgezogen hatten und ein Widerstand der serbischen Armee in Skutari oder Albanien als unmöglich erkannt wurde, war es durchaus nötig und richtig, ihre Einschließung und Übergabe zu verh«. denn. Die erste schwere Ausgabe war die Weiterversorzpong dieser Armee mit Kriegsmaterial unb Lebensmitteln. Hieran« wurde die i-taliemfche Marine nebst einigen Schiffen d« ver» bündeten Flotten beauftragt. Zunächst wählte man ein«, Weg, -der alleüdings von Schwierigkeiten starrte, denjenigen über Sam Giovanni di Medna, und die Landung an Material dauerte dort an, bis der König von Montenegro nrft sein« Regierung und das diplamatffche .Korps jen-e Geyerb infolge des Vormarsches des Feindes verließen. Die weiteren TranS. Porte und Landungen von Material gingen üb« Dunazzo. Das gesamte verschiffte und gelandete Material betrug 6800 Tonnen in San Giovanni di Medna und 30 000 Tonnen in den anderen albanischen Häfen, wofür -ungefähr 100 Dumps« verwendet wurden.
Ein noch schwierigeres Unternehmen war die Einschiffung und der Transport der serbischen Armee,
die ein neues ruhmreiches Blatt auf d« Ruhmestafel uns«« Marine bilden. Außerdem wurden viele Taufende von Flüchtlingen, Frauen und Kinder, unterstützt und neben d« serbischen Sfc-mee von San Giovanni di Medua, Duragzo und Valon-a fortgefühvt und Tausende von Kranken und Der. wundeten auf Lazarettschiffen untergebracht. Fern« brachte rnan die gange Maff-e der von der serbischen Armee mi-tyv. brachten österreichisch-ungarischen Gefangenen nach Italien. Daneben darf man nicht vergessen, daß wir zu gleich« Zeit zur Entsendung einer italienischen Truppenexpedition auf das andere Meeresufer schritten, um dadurch' alle diese Einschiffungen möglich zu machen. Im ganzen sind so üb« 250 000 Personen und 10 000 Pferde üb« daS Adriatifche Ms« transportiert worden. Diese so ansehnliche Bewegung von Menschen urck> Material ist trotz d« schlechten Jahreszeit, den ungünstigen Vorbedingungen in den kleinen albanischen Häfen, die dem Feinde nahe und von unserem einzigen Ausgangshafen Brindisi v«hältni§mähig weit cA* lagen, ohne ernstlichen Schaden terlaufen.
Die Gefahren durch die feindlichen llnterseebootc waren groß.
Außerdem zeig-te sich der Feind beständig mit Flugzeugen uni> unterseeischen Minen tätig. Die P«suche des Ferndes, durch Flottillen von TMpedobootszevstörern, welche tnwch Späch- kreug« unterstützt wurden, wirksam zu wenden»
