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.-j Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagbiatts. .=a

Nr» 91.

Sonntag, 16. Npril.

1916.

(17. Fortsetzung.)

Um Ohre und Leben.

Roman von Paul Blitz.

lLiachdruck verboten.)

„Nein, jetzt ist'S genug, nun sind wir vernünftig". SrFLärte sie heiter aber bestimmt, indem sie das Spitzen» orvangeinent wieder in die richtige Faltenlage brachte, denn seine ungestüme Wildheit hatte auf nichts Rück­sicht genommen.

„Und wieder so schöne Rosen. Du bist ein Ver­schwender, man cherl" rief sie dann.

Er ober erwiderte voller Begeisterung: „Ach, wäre ich reich, so reich wie du, ich hatte dich mit den herrlich­sten Brillanten geschmückt, die ich in Berlin ausgetrie- ben hätte, so aber komme ich als armer Schlucker und habe nichts als Schulden."

,?O> wieviel?" fragte sie schnell.

Jetzt bekanr er einen purpurroten Kopf.

/ „Nun also, wieviÄ sind es?" rief sie lustig.

Seine Verlegenheit stieg. Er bedauerte seine schnel­len Worte. .Lassen wir das lieber", bat er.

„Nein, nein, ich will es wissen'"

„Aber ich bitte dich, weshalb denn?"

„Weil ich will, Schatz. Ich mutz immer klar sehen!"

Kleinlaut sagte er: „Nun, eS mögen zirka drei-

iauferch Dtark seinl"

Da ging sie wortlos an den kleinen Schrank, nahm drei braune Scheine und drückte sie ihm in die Hand.

Er war derniatzen überrascht, daß er nicht gleich Worte fand. Endlich nalM er das Ganze für einen Scherz und rief lachend' „Ja, t»a3 fällt dir denn ein?"

„Du wirst mir doch die Freude machen, nicht wahr? Ich kann es leicht entbehren und dir ist damit ge­holfen,"

„3l!ber ich werde doch kein Geld von dir annehmen, was denkst du 'denn von mir, Biarianka?" — Er war wieder glutrot gAvorden.

„Ich denke, daß du mich liebst, und daß du jetzt nicht mehr davon sprichst!"

„Aber das ist sa einfach unmöglich!"

„Wieso unmöglich? Wenn du mein Mann wirst, gehört dir doch all inein Geld", antwortete sie.

„Noch aber bin ich doch nicht bem Mann."

' „Aber du wirst es doch werden!"

Da umfaßte und küßte er sie und bat: „Ich liebe dich über alles, Marranka: aber das Geld kann ich nicht von dir annehmen."

„So liebst du mich nicht!"

Von neuem zog er sie wie in wildem Taumel an sich Und küßte sie wioder und wieder.

Da griff sie nach den Scheinen, schob sie in seine ikasche nnd erklärte kurz und bestimmt: „So. mtb nun kein Wort mehr darüber, sonst wende ich noch ernstlich Hösel"

Ganz ratlos war er. Das Geld brannte ihm in den Fingern und beleidigen wollte er sie doch auch nicht. DeÄalb bat er noch einmal: .Laß eS doch fern.

^Diarianka! ES ist mir wirKich peinlichl"

Lächelnd schüttelte sie den Kopf. „WaS sind diese deutschen Männer doch Kr sonderbare Kauze I In ein 1 *vk Monabsn gehört dir alles und du willst nicht

nehmen diese Lappalie? Weshalb denn nicht? Besohlt werden müssen die Schulden ja doch, also ob jetzt oder später? Nun uimm und behalte und verliere kern Wort mehr darüber." Und wisder schob sie ihm dl« Papiere in die Tasche.

Was blieb Hin übrig? Er 'Mußte sie nehmen.

Schließlich tröstete er sich damit: Sie hat ja auch eigentlich recht. In einigen Wochen bin ich ja doch ihr Mann, da macht es ja wirklich nicht viel aus. Also versuchte er sich über das Peinliche hinwegzureden.

„Dann wollen wir uns wenigstens gleich öffentlich verloben", bat er nun.

Doch auch jetzt sagte sie wieder: „Nein. —* Es geht noch nicht, Schatz. Unter meinen Landsleuten hier ist ein alter Fürst, der nüch mit eifersüchtigen Augen ver' folgt. Er darf nicht ahnen, daß wir uns lieben. Sonst käme es zu einer Katastrophe. Du kennst ihn nicht. Er kann rasend werden. — Also verschweigen wir lieber alles und genießen wir unser Glück im Stillen. — Zum Frühjahr gehen wir an die Riviera und dort lasser wir uns trauen. Nun, bist du banwi nicht einver­standen?"

Gewiß war er es. Er war ja mit allein einverstan­den, ivas sie haben wollte und wieder umfaßte und küßte er sie lange und innig.

Plötzlich, so ganz nebenher, sagte sie: „.Heute früh war ein Graf Kriwolawost bei mir. Er ist der Pächter eines meiner Güter und lvollte mir den fälligen Zins mit einem Wechsel bezahlen. Er sagte, er häbe in euren: Bankhaus sein Vermögen deponiert. Könntest du dich wohl unter der Hand erkundigen, ob das wahr ist: Du weißt, mit den Russen inutz man vorsichtig sein."

„Mer gewiß kann ich das! Schon 'morgen gebe ich dir Nachricht."

Zum Donk küßte sie ihn zärtlich, so daß er wieder wie berauscht fortlief.

Gleich am irächsten Tag zog er die Erkundigung durch Jensen ein. Es üvar in der Tat so. Graf Kriwolawosf hatte ein großes Bankdepot dort. Sofort teilte er das Ergebnis seiner Stachfrage durch einen Rohrpostbrief seiner Braut mit

Und dann machte er sich daran, feine Schulden zu bezahlen, damit er, wenn man abreiste, ganz klaren Tisch hatte.

Als er Jensen den Tausendmarkschein zurückgab, war er ein wenig verlegen.

„Sapperment, sie haben wohl das große LoS ge­wonnen?" fragt« der Freund treuherzig lathmb.

Kurt erwiderte, daß er sich von der Mama Hab« Geld geben lassen, weil die Schulden ihn drückten und so weiter.

Sofort merkte Jensen, daß er die Wahrheit nicht er­fuhr, und eS tat ihm weh. daß der Freund nickst offen zu ihm war: dennoch schwieg er.

Auch seinen Schneider und die anderen Keinen Schulden bezahlte Kurt. Und als alle- geregelt waH blieben Hm noch etwa tausend Mort übrig. Zuerst