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rirorgen-yeilage des Wiesbadener Tagblattr. .

Nr. 90.

Samstag, IS. April.

1916.

tf!6. Fortsttzung.)

Um Ehre und Leben.

Roman von Paul Blih.

(Nachdruck verboten.)

Mit ehrlicher Wärme sagte sie ihm Adieu itnib- lud ihn für nächsten Montag wieder ein.

Draußen war es bitter kalt, und ein eisiger Nord- west trieb den Schnee durch die Straßen.

Er merkte nichts davon. Sern Kopf brannte ihm. Sein Blut jagte nur so durch die Adern. Mit lustigen, glückseligen Äugen sah er in das Schneetreiben, das ihm wohltuende Kühlung brachte.

Er liebte diese Frau! Ja, ja, er liebte sie.

Sein Gefühl, fein Verstand, sein Alles sagte es ihm — er liebte sie amt der ganzen Kraft seiner jungen wil­den Jahre.

Es war jene Stefoe auf den ersten Blick! Er hatte sie gesehen und gleich war er ihr verfallen!

O Glück! O, du seliges, .wonniges Glück!

Alles in ihn: jubelte, alles in ihnl war außer Rand und Band; er hatte die ganze Welt umarmen können.

Wie im Taumel rannte er in den Klick».

Seine freunde ahnten schon, woher er kam.

Ja, ja! Alles gab er zu> Allen nickte er zu! Er liebte fiel Mochten sie es doch getrost alle wissen!

Und dann ließ er auffahren, — jeder konnte essen und trinken, was und soviel er wollte, — ein richtiges Fest wurde gefeiert, — lustig, über alle Wiaßen lustig und fröhlich sollte es sein. — sie alle sollten teilhaben an seinem grossen Glück.

Bis in den Walen Abend hinein feierten und jubel­ten sie. Dann wurde ein solides, kleines Jeu arrangiert.

Natürlich pointierte er tavfer mit.

Aber heute hatte er kein Glück im Spiel. Wie sollte er auch. Hatte ihm doch das Glück der Liebe so selig, so wonnig gelackM.

Ms er kein Geld mehr bei sich hatte, hörte er auf und ging still und zufrieden nach Hause.

Won dem Tage am ginq er umher wie ein Mensch, dem sein sehnlichster Wunsch erfüllt worden war.

Noch wie vor tat er leine Arbeit, aber jetzt konnte es Vorkommen, ,doß er oft die Feder hinlegte, ibber seine Bücher hinaus in die .hellblaue Winlerlnft sah und glück- lich seinen neuen Träumen nachging.

Sowohl seine Angehörigen wie auch Jensen merk­ten sehr bald, idaß etwas Besonderes mit ihm vorge- pangen war; da er aber selber nichts verriet, fragte man ihn auch nicht nach dem Grund.

Nur die alte Mama nahm ihn einntal zärtlich auf die Seite und pochte leise an.

Und da umfaßte er baS Mamachen und sagte jubelnd: „Ich bin glüMch, liebste Mammi, so glüMch, daß es >gar keine Worte sagen können I" — Weiter deu­tete er aber auch nichts an.

t Damit gab die alte Frau sich denn auch zufrieden. Sie ahnte lvohl, was im 'Äanae -war, aber sie wollte ge­duldig warten, bis er sich erklären wiiode.

* * *

Nie waren ihm die Tage so hinggschlichen. Ewig dauerte. es, bis der Montag da war.

Und pünktlich u>m fünf Uhr klingelte er wieder in der Bendlerstrahe. Wieder empfing ihn die Gesell­schaftsdame, und wieder fand er seine Holde rauchend in dem lauschigen roten Salon.

Heute begrüßte sie ihn bereits wie «inen alten Freund des Hauses und reichte ihn: kokett die Hand zum Kuß.

Wie berauscht war er und wohl fünf-, sechsmal drückt» und küßte er die zarte, feine Hand, bis sie ihm lächelnd Einhalt gebot.

„Pardon, .meine Gnädigste", flehte er mit leicht bebender Stimme, „verzechen Sie mir meine Kühnheit! Mein Enthusiasmus ging mit mir dnrchl"

Lächelnd drahte sie ihm nur.

Plötzlich entdeckte er, daß sie heute neue Steins trng solvahl in den Ohrläppchen, als auch oben am Taillen­schluß, — wundervolle, reine und Kare Diamanten, ein- gefaßt von ein cm Kranz kleiner Türkisen.

Ganz begeistert und entzückt war er.

„So, gefällt Ihnen der Schmuck?" fragte sie leicht­hin. „Ich >habe noch mehr davon. Friedlandcr hat ihn zur Ansicht geschickt. Aber ich weiß noch nicht, ob ich ihn kaufen soll." Dann holte sie aus einem Schubfach ein elegantes Loderetui, in dein ein ebensolches Kollier und zwei breite Armbänder funkelten und blitzten.

Wie geblendet war er von der Pracht. Ein Ver­mögen mußte das ja kosten! And rückhaltlos gab er sein Entzücken kund.

Sie aber sagte ganz ruhig: „So, gefällt er Ihnen? Nun, dann werde ich ihn kaufen." Damit schob sie alles in das Schubfach zurück.

Und er dachte, wie reich muß sie sein, idaß sie über so etwas so leichthin disponieren kann.

Wieder führte sie das Gespräch mit leichter Eleganz auf andere Gebiete und wieder schwand die Zeit wie tu» Flug dahin.

Und während er lebhaft und angeregt sprach, lmachte er niemals ein Hehl daraus, daß er rettungslos in sie verliebt war, -da sie aber nichts davon zu merken schien und da sie ihn: nie mehr als liebenswürdige Aufmerk­samkeit erwies, so getmute er sich nicht, ein Wort zu sagen, das seinen Zustand verriet.

Nach einer Stunde entlieh sie ihn wieder.

Er war ein wenig enttäuscht: denn er hatte heut» auf den ganzen Abend gehofft.

Das merkte sie. Und bittend sagte sie: „Es kommen nachher Landsleute von mir, die sprechen nicht Deutsch, und es wurde Sie doch mir langweilen. Ick) bin lieber mit Ihnen allein. Also kommen Sie Mittwoch wieder, bann werden wir hier bei mir zusaminen speisen und allein sein."

küßte er ihr beide Hände und lies davon.

Als er durch die Reihe der anderen Ziminor ging, merkte er, wie ider Diener in einein Nebenranme «inen Spieltisch errichtete und Sekt in Eis stellte.

Sieb da, dachte er, man feiert hier Mo Keine gemüt­liche Feste! O, für so etwas schwärmte er doch auch! Da -mußte er mal so leis« anpochen.