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Lamstag, IS. Kpri! 1916.
Kbenö-Kusgabe.
Nr. 180. . 64. Jahrgang.
Die gegenwärtige Kriegslage.
Von General d. Inf. z. D. v. Blume.
Berlin, 14. April.
Im Vordergründe der gegettwärtiigen Kriegslage stehen die Kämpfe um Ver -du n. Sie überraschen durch ihre Heftigkeit und ihre lange Dauer mn so mehr, Äs es nach denn bisherigen Verlauf «des Krieges fast schon schien, als ob die Festungen ihre frühere Bedeutung für die Kriegführung verloren hätten. Aber die Festung Verdun ist heute für ihre Verteidigung nicht auf die eigene Kraft beschränkt, sondern sie bildet «den festen Kern einer etwa 40 Kilometer langen, im Bogen von Conches über Haudiomont, Damloup, Douanmont, Dachär-auville, Bethincourt, Malancourt nach Avocourt laufenden Schlacht!inte, in der die französische Hauptmacht einen zähen Verteidignngskampf gegen starke deutsche Kräfte führt, die, den Absichten ib-er Gegner zuvorkommend, hier zum Angriff geschritten sind. Der Angriff richtet sich daher, irachdem -n im. ersten Anlauf bis an die angegebene feindliche Hauptstellung und in den unmittelbaren Bereich -der Festung gelangt ist, gleichzeitig gegen diese und die sie außerbalü schützende feindliche Armee. Nach Lage der Verhältnisse kann er sein Ziel nur schrittweise erreichen. Er hat, wie int unmittelbaren Festungsbereich, sowie außerhalb desselben, zahlreiche hinter- und nebeneinander liegende, befestigte und reich mit schwerer Artillerie ansgestattete Stellungen des Feindes zu überwinden. Und die Er- ! oberung einer jeden von ihnen bedarf gründlicher zeitraubender Vorbereitung durch die eigene Artillerie, da andernfalls -der Erfolg, so lange die Verteidiger tapferen Widerstand wie bisher leisten, nur mit unver- bLltnismäßig schweren Opfern erzielt werden könnte. Diesem systematischen Verfahren, das seinem Wesen nach allerdings mehr Ähnlichkeit mit einer förm- lichen Festem,gs-bÄageruna als mit den: Angriff in einer Feldschlacht hat, verdanken wir, daß unsere tapferen Truppen sich, wenn auch langsam, so doch sicher und /mit geringeren Verlusten, als der Feind erleidet, ihrem Ziele nähern. Kein Zweifel, daß sie es erreichen werden. Unsere Truppen und ihre Führer hoben Anspruch auf unser Vertrauen und — auf unsere Geduld.
[ . Die Angriffe auf Verdun beg<rnnen am 21. Februar
dieses Jahres.. Die Frage liegt nahe, was in der seitdem verflossenen Zoff von 6 y 2 Wochen zur Entlastung der angegriffenen französischen Front geschehen ist. Auf den übrigen Teilen dieser Front haben, außer Artillerie- kämpfen, mannigfache kleinere Unternehmungen von beiden Seiten stattgefunden, bei denen -wohl die Absicht, möglichst starke Kräfte des Gegners zu sessgln, nmtge- wirkt hat. Zu ernstem Angriff sind die Russe n mit tmem Heere von 30 Divisionen (über 500 000 SPtonrt) am 18. März gegen die.HeereÄgruppe des Generalfeld- inarsihalls v. Hindenburg in der fast 400 Kilometer langen Front Ri ga > Dü nab u r g-Na r o cz-Se e geschritten. Zehn Tage lang sind sie in dichten Massen unter Einsatz gewaltiger Munitionsmengsn gegen verschiedene Stellen unserer nordöstlichen 'Äert'eidigungs- sront angestürmt, ohne mehr zu erreichen, als hier itnd da einen kleinen Geländegewinn, der ihnen durch unsere Gegenangriffe sogleich wieder äbgenommen wurde. Rach Einbuße von mindestens 140000 Mann baden sie am 28. März ihre Angriffs eingestellt. In einem Armeebefehl de§ russischen Obmibefehlshälbers war als Zweck des Angriffs die „Vertreibung des Feindes aus den Grenzen des Reiches" .angegeben. Da ober die großenteils aus Rekruten neu gebildeten Truppen noch mrsertig waren, und die Zeit -der Schnee- schmelze, die größere Truppenbewegungen in Rußland kür längere Wochen rinmöglich macht, nahe bovorstand, so ist arrzuneb-men, daß mrndestens die Wahl -des Zeitpunktes für das Unternehmen in der Absicht erfolgt ist, die Verbündeten iin Westen zu entlasten. Wie dom aber -auch sei, das Ergebnis besteht lediglich w einer weiteren Schwächung der militärischen Kräfte.
\ , Rußlands.
Auch die Italiener sind augenscheinlich durch die Vorgänge bei Verdrm zu erhöhter Tätigkeit -veranlaßt worden. Sie griffen in den Tagen vom 13. bis 1-5. März wieder mit starken Kräften .an der Jsonzo- . front an, w-urden aber, wie schon so oft, unter schweren Verlusten ab gewiesen, während Gegenangriffe der Österreicher am Tolmeiner Brückenkopf am 17. bis 10. März guten Erfolg hatten. Jnzwffchen hatten sich j lebhaftere Kämpfe auch auf -den anderen Teilen der italienischen Front entwickelt. -Sie haben dort, ebenso wie am Jsonzo, ohne Ergebnisse von Bedeutung, bis . Ende -des vorigen Monats sortaedauert und sind dann m die geviobnte, nur durch kleine örtliche Unternehmungen unterbrochene Kanonade übergegg-ngen. Irgend \ einen Einfluß auf die Ereignisse bei Verdun 'haben ^ vatürlich auch diese Vorgänge nicht ausüben können, t Noch weniger vermochten dies die .Kämpfe der Engländer um die Minentrichter bei St. Elvi, auf
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die sich die durch Kampftütigkert den Franzosen in ihren Kämpfen bei Verdun von -dieser Seite bisher zuteil gewordene -Entlastung beschränkt. Allerdings haben die Engländer ihren Bundesgenossen die Besetzung des zwischen Ar ras und der Somme liegenden Teiles der gemeinsamen Verteidigungslinie abgenommen. Aber schwerlich werden die Franzosen, die schon so große Blutopser gebracht halben, darin eine ausreichende Unterstützung von feiten eines verbündeten Mllionenheeres erblicken. Man kann wohl vermuten, -daß sie mit dieser Meinung auch bei dem großen Kriegsrate -der Entente Gehör gefunden -haben werdet:, der am 28. März in Paris getagt hat. Und wenn von den dort gefaßten Beschlüssen noch nichts als -die Phrase von der einheitlichen, nach einheitlichem Willen handelnden Front -das Licht der Welt erblickt hat, so müssen wir daraus gefaßt sein, daß da etwas ganz Großes, viel Zeit Erforderndes geplant worden ist, vielleicht etwas Ähnliches wie-der Zug Bourbakis nach Pontar-lier, oder eine überseeische Unternehmung wie nach lÄallipoli. Nun, wir sind auf jede Überraschung gefaßt. (Schluß folgt.)
Oie Lage im westen.
Der deutsche Geländegewinn auf beiden Maasufern.
Br. Berlin, 15. April. (Ei-g. Draht-bevicht. Jans. Bin.) Der «deutsche Gelänbeyöwinn auf -beiden Ma-aSufer-n seit dem 21. Februar wirb nach dem „L.-A." aus mindestens 275 Quadratkilometer berechnet. Ziemlich genau gezählt ergebe sich sogar -ein G-ewirm von 335 Quadratkilometer.
Das Verlangen nach Entlastung durch die Verbündeten.
Genf, 15. Avril. (Zenf. Dln.) Senator Humbert, der als Mitglied des Armeeansschusses über die -wahren Ziffern der französischen Verluste bei Verdun -vollkommen unterrichtet ist, bringt im Journal" -mit gewohnter Offenheit zur Sprache, daß man die A u f- op f-er un g s sah i g ke it des französischen Volkes nicht bis zur äußersten Grenze aus-nutzen sollte. An den Verbündeten, -namentlich an England, wäre es, in weit größerem, Umfange als bisher Frankreich zu e n t l a st -e n, damit das an Kraftemang-Ä empfindlich leidende wirtschaftliche Löben -der RepMik nicht der vollständigen Erschöpfung verfalle.
Die geplante Frühfahrsoffenfive des Vierverbands.
Die Durchkreuzung der feindlichen Pläne durch den deutschen Vorstoß bei Verdun.
Br. Rotterdam, 15. April. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Die feindlichen Offcnsivabsichten beurteilt ein französischer Militärschriftsteller in einem Artikel, den die Zensur eine zeitlang zurückgehalten hat, wie folgt: Im Dezember v. I. hatte der Vierverband Frühjahrsvorbereitungen auf allen Fronten beschlossen, wobei Mitte März alles bereit sein sollte. In Frankreich waren Truppen, Artillerie und Munifton zu beschaffen, die in ihrer Gesamtheit ein neues Heer hinter der Front bilden sollte. An dieser Neubildung waren Frankreich, England und Belgien beteiligt. Italien hatte die Aufgabe, seine Kräfte auf mehreren Punkten der Front einzusetzen und gleichzeitig in Albanien den feindlichen Vorstotz aufzuhalten, wobei die Serben mithelfen sollten. Die Russen sollten ihre mißglückte Herbstoffensive gegen Galizien nicht ganz einstellen, sondern den Winter hindurch hier eine feindliche Armee von ziemlicher Stärke gebunden halten. Die militärischen Sachverständigen der Verbündeten hatten damit gerechnet, daß in der letzten M L r z h ä I f t e die Heere de» Vierverbands gerüstet sein würden, um den grotz en Vormarsch zu beginnen. Der Plan war darauf gerichtet, die Armeen der Zentralmächte so zu schwächen und zu zer- splittern, daß sie wohl ihre volle Kraft einsetzen könnten. Der französische Generalstab, von deni diese Pläne größtenteils ausgearbeitet wurden, rechnete mit Sicherheit darauf, den Krieg im Lauf des Sommers zu beenden. Das erste Ziel war Konstantinopel, das von der Saloniki-Armee in Verbindung knit der Tätigkeit der Flotte im Mittelmeer und Schwarzen Meer erreicht werden sollte. Durch die Angriffe der Russen in Galizien und der Italiener an ihrer eigenen Front sollten die Deutschen veranlaßt werden, ihren österreichischen Verbündeten Hilfe zu leisten, worauf das Vorgehen des französischen Heeres gegen die geschwächte deutsche Front in Frankreich erfolgen sollte. Diese Pläne sind zum Teil von den Deutschen durchkreuzt, zum Teil durch andere Ereignisse unausführbar geworden. Gegen Ende Februar setzten die Deutschen plötzlich eine Riesenoffensive gegen Verdun ein, die noch immer ungeschwächt andauert. Dort ist nun der größte Teil der zu bildenden Reservearmee geopfert worden. Weiter wurde auch die Saloniki-Armee dadurch geskbwächt, daß ibr Kerntruppen und starke Artillerieteile entnommen wurden. Unvorhergesehene störende Einflüsse hemmten die Vermehrung der englischen Armee und teilweise auch die Munitionserzeugung, so das; die erforderlichen Maffenvorräte nicht beschafft werden konnten. Noch stärker hatte Rußland zu kämpfen, um den Anforderungen an
Munition und Artillerie zu genügen. Alle diese Ereignisse veranlaßten die Aufgabe der geplanten allgemeinen O f f cn s i v e. Der einzige Erfolg des Vierverbands ist im Kaukasus errungen. Die letzte Militärkonserenz der Entente ist zu dieser Auffassung der Dinge gekommen und beschloß, einen neuen P I an zur Ausführung zu bringen, der weniger umfangreich und dessen Vorbereitung nur kurze Zeit erfordert.
Ein englischer Flieger über die Verfolgung durch Leutnant Jmmelmann.
London, 15.- April. (Zens. Bin.) „Daily Mail" veröffentlicht einen Brief des englischen Flieperlent- nants Slade, der in Fürstenberg im Gefangenenlager weilt, worin er erzählt, wie sein Flugzeug vom Flieger- leutnant Jmmelmann angegriffen wurde. Leutnant Slade itnid sein Führer flogen über die -deutschen Linien. Jmmelmann, so schreibt <Äa,de, stieg hinter uns aus und erössnete bereits -mit feinem Maschinengewehr -das Feuer, bevor wir überhaupt feine Anwesenheit bemerkt hatten. Die erste Kng-el JmmÄ-munns traf den Ölbehälter. Der Flugzeugführer versuchte -den Kugeln zu entgehen, indem er nufere Döaschine sinken ließ, älter Jmmelmann folgte uns ebenso schnell, fortwährend fetier-nd. Der englische Aero-plan faßte nicht Feuer, trotzdem daS Petroleum aus dem Behälter strömte. Der Führer erhielt einen Schuß irr die Hand, fein Daumen wurde zerschmettert und in der Luft mußte ich nrich über «meinen Kameraden beugen und ihm -mit einem Messer den Dmmten abnehmen. Jm-melmvmn blieb beständig am Feuern. Mein Kam>erad konnte trotz feiner Verletzung cm der linken Hand die Gävalt über den Slpparat behallen und brachte mit der rechten Hand das Flugzeug sicher zur Erde.
Vor den neuen wirtschaftlichen Konferenzen der Alliierten.
IV. T.-B. Bern, 15. April. (Nichtamtlich.) Die V e r * Wirrung, die über Art und Ziel der demnächst stattfindenden Konferenzen der Alliierten in der öffentlichen Meinung herrscht, veranlaßt Campolonghi im „Petit Parisien" nähere Angaben zu machen. Die Wirtschaftskonferenz der Alliierten habe einen amtlichen Charakter. Ihr Programm und der Termin ständen noch nicht fest. Wahrscheinlich würde die Konferenz erst gegen Ende Mai stattfinden. Die Alliierten würden durch die Minister und Gesandten vertreten sein. Ferner werde am 27. April eine interparlamentarische Handelskonferenz beginnen, die sich besonders mit dem Plan der Schaffung eines Clearinghouse der Alliierten zur Regelung der Wechselkurse beschäftigen soll. Die dritte Konferenz werde am 6. Mai zusanimentreie«. Sie sei eine Konferenz französisch-italienischer Ausschüsse zur Besprechung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern unter dem Vorsitz Luzzatfts. Schließlich findet eine interparlamentarische französisch-englische Konferenz statt, die bereits in Paris getagt bat und jetzt in London versammelt ist und zu der alle Alliierten hinzugezogen werden sollen. Campolonghi spricht schließlich die Hoffnung aus, daß sich die Delegierten der großen schwierigen Aufgaben, die ihrer harrten, gewachsen zeigen möchten.
Kennzeichnende Mahnungen des „Temps^ zu den wirtschaftlichen Konferenzen.
W. T.-B. Bern, 15. April. (Nichtamtlich.) Die Schwierigkeiten, die von seiten Englands dem Zustandekommen der wirtschaftlichen Konferenz in Paris gemacht werden, geben dem „Temps" Anlaß zu dringenden Mahnungen, nicht die Zeit zu verpassen. Er nimmt die Ausführungen Asquiths aus, indem er sagt: So lange e§ unmöglich ist, den deutschen Unternehmergeist von dem deutschen Militarismus und dem Ehrgeiz de§ Generalstabs Wilhelm? II. zu trennen, müssen die Alliierten auf der Hut sein gegen die Rückkehr solcher Gelüste, die nicht davor zurückgescheut sind, die ganze Welt in Brand zu setzen und ihre Ungeduld befriedigen, so lange die gegenwärtige Mentalität in Deutschland besteht. Es ist überflüssig, die Rückkehr normaler Beziehungen nach dem Frieden ins Auge zu fassen mit einem Volk, das sich für das Ideal des Raubs und der Eroberung dezimieren läßt. Nach Aufzählung der Methoden, mit denen Deutschland sich seine Weltstellung zu verschaffen gewußt hätte, betont der „Temps", daß die Alliierten die Pflicht hätten, sich gegen die Wiederkehr wirtschaftlicher Offensiven vorzusehen und besser, als es der Fall war, als der Krieg sie überraschte. Es wäre gefahrvoll, das Ende der Feindseligkeiten abzuwartcn, um eine Organisation zu schaffen, die mindestens- ebenso umfassend sein müsse wie die militärische, die so lange Zeit zur Verwirklichung gebraucht habe. Darum sei es dringend nötig, daß die Wirt- schaftskonfercnz zusammcntrete, ohne daß jemand mißtrauisch werde wie Lord Courtney. Die Alliierien müßten eine Gesamtheit von Verteidi'gungsmaßnahmen schaffen, die von dem liberalen Gedanken beseelt feien, Frieden, Festigkeit und Ruhe gegen die germanischen Unternehmungen zu sichern.
Strerkbcwegung unter den französischen Erdarbeitern.
W. T.-B. Paris, 15. April. <Nicht-amtlich.) Wie dos „Petit Journal" meteet, greift unter den Erdarbeitern eine
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