Verlag Langgaffe 21
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Zveitagz 14. Kpril 191b.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 177. » 64. Jahrgang.
Der Krieg.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 13. April. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 13. April, mittags:
Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nach wie vor unverändert.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Das Artilleriefeuer hielt an zahlreichen Stellen der Front mit wechselnder Stärke an.
An der Tonalcstraße sind wieder Kämpfe im Gange. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Hofer, Feldmarschalleutnant.
Die Lage im westen.
Zum Besuch des Kardinals Hartmann an der Westfront.
Der Dank des Kaisers an die katholischen Feldgeistlichen.
Berlin, 13. April. (Jens. Bln.) Auf ein Telegramm der zu einer Konferenz an der Westfront vereinigten katholischen Militärgetstlicben hat der Kaiser antworten lassen, er danke für das treue Gelöbnis der katholischen Feldgeistlichen herz- lichst und sende ihnen allen, besonders Seiner Eminenz Kardinal v. Havtmiann, kaisevliche Grüße.
Ein französisches Flugzeug verbrannt.
W. T.-B. Bern, 13. April. (Nichtamtlich.) Bei Nanz'g fing ein Flugzeug in ba: Lust Feuer. Beide Insassen, darunter ein Schn des Generals der Artillerie Melcor, verbrannten.
Neue französische Einfuhrbestimmungen.
W. T.-B. Paris, 13. Avril. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Kammer bat einen Gesetzentwurf angenommen, welcher die Regierung ermächtigt, die Einfuhr ausländischer Waren zu verbieten oder die Einfuhrzölle zu erhöhen.
Die französischen Sozialisten gegen die royalistifchen Umtriebe.
Berlin, 16. April. (Jens. Wn.) Die sozialistische Partei Frankreichs hat nach einer Genfer Meldung der „Boss. Ztg." der Pariser Regierung ein mit zahlreichen Akten belegtes Beschwerde schreiben gegen die immer fortschreitenden rv h a l i st i sch e n Umtriebe überreicht. Aus den Akten soll hervo-rgphen, daß die Klerikalen und Konservativen den Krieg als eine verdiente Strafe Frankveichs dafür erklären, daß Frankreich in seinen Schulen die Gewissensfreiheit eingeführt Hort.
Höchstpreise in Frankreich.
W. T.-B. Paris, 13. April. (Nichtamtlich) Die Senat-s- kommission zum Studium van Höchstpreifen hat nach Anhörung des Ministers des Innern einen MänderungSantrag Clementel? angenommen, der di« Regierung zur Festsetzung von H ö ch st p r e i s e n für die Zeit bis -drei Monate nach dem Kriege ermächtigt. Höchstpreise können festgesetzt werden für Zucker, Kaffee, Petroleum, Brennholz, -Brennspi-ritus, Kar- tofseln, Eier, Mich, Butter, Käse, gewisse grüne Gemüse, Dörngemüfe, Wein, Obstwein, Margarine, Speisefette und Speiseöle.
Oer Krieg geaen England.
Lord Courtneys Rede.
Crewrs Erwiderungen und „Anklagen".
W. T.-B. London. 13. April. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Nach einem ausführlicheren Bericht führte Lord Courtneh im Oberhaus aus: Runcimans Erklärungen im Unterhaus, daß der deutsche Handel nach dem Krieg nie wieder das Haupt erheben dürfe wie vorher, muß in Verbindung mit der Ankündigung der Pariser Konferenz in England Besorgnis erwecken und in Deutschland sehr unglücklich wirken. Die Deutschen müßten durch die Erklärung avfgereizt wer- den, daß aus dem niilitärischen Krieg ein Handelskrieg folgen und daß ein neuer Aufschwung von Handel und Industrie in Deutschland im Keim erstickt werden solle. Courtneh erörterte die Schwierigkeiten einer Schutzzollpolitik für England und Indien und fuhr fort: Asquith sagte: Belgien mutz die alte Unabhängigkeit wieder erlangen, aber das alte Belgien kann nicht Wiedererstehen, wenn Deutschland nicht wirtschaftlich gedeiht. Antwerpen und Rotterdam sind geographische Borposten Deutschlands und von ihm abhängig. Wenn man Deutschland Niederhalten will, mutz man auch Antwerpen und Rotterdam Niederhalten. — Lord C r e w e erwiderte, Courtneh mache sich offenbar Illusionen über die Verhältnisse in Deutschland, als ob eine Partei in Deutschland zu einem sofortigen Frieden bereit sei, dessen Bedingungen für die Verbündeten annehmbar seien. Die Äußerung über die Vernichtung des preußischen Militarismus und die Vernichtung Deutschlands sei vielfach mißverstanden worden. Was hat Deutschland in kommerzieller Hinsicht getan, daß die Leute hier und in Frankreich entschlossen seien, Deutschland späterhin nicht die Wacht zu laffe«, feine früher« Tätigkeit wieder aufzunehmva?
Deutschland hat eine kammerzielle Expansion und eine politische Intrige kühn und erfolgreich kombiniert, für die es in der Vergangenheit keine Parallele gibt. Wenn Lord Courtneh den deutschen Unternehmungsgei st von dem deutschen Militarismus und den Charakter des deutschen Volkes von den Ambitionen des Generalftabs zu trennen suche, so mache er einen unmöglichen Versuch. Man könne die militärische Ambition, welche die Welt in Brand gesteckt habe, von der allgemeinen Angriffslust Deutschlands auf der ganzen Welt nicht trennen. Dem Bild Deutschlands, das Lord Courtneh entworfen habe, nach welchem es dort zwei Nationen gebe, eine, die für jede Art von Angriff gedrillt und bereit ist, und eine andere voller friedlicher Absichten, die nur bestrebe, die deutsche Zivilisation in der ganzen Welt auszubreitcn, in was sie auch bestehe, diesem Bild könne man nicht glauben. Das Gift sei zu tief in den ganzen Körper des deutschen Volkes eingedrungen und die Idee nicht zu verwirklichen, daß der Handelsverkehr nach dem Krieg genau auf der ftüheren Basis wieder beginnen könnte.
England erklärt Geld und Effekten als unbedingte Bannware.
W. T.-B. London, 13. April. (Nichtamtlich.) Eine gestern veröffentlichte Kundgebung erklärt Gold, Silber, Papiergeld und alle börsengängige und realisierbaren Wertpapiere äls unbedingte Bannware.
Die Fahrkartenstener in England aufgegeben
W. T.-B. London, 13. April. (Nichtamtlich.) Das Unterhaus hat die verschiedenen im Budget vorgeschlagenen neuen Steuern angenommen, doch hat die Regierung die Fahrkartensteuer aufgegeben und die Zündholzsteuer abgeändert.
Die „Columbia" eines der größten und modernsten Schiffe.
Ein Opfer der englischen Minengefahr.
Berlin, 13. April. (Zens. Bin.) Das „B. T-" meldet aus Amsterdam: Über die „C o I u m b i a", die in der Nähe der Unglücksstelle der „Palembang" auf eine Mine gelaufen ist, wird berichtet, daß sie eines der größten und modernsten Schiffe des holländischen westindischen Postdienstes war. Die Versicherungssumme des Schiffes betrug 2 Millionen Gulden. Die Maisladung hatte einen Wert von 10 Millionen Mark. Die „Columbia" ist innerhalb weniger Tagen das dritte Schiff, das vor der Themsemündung einer Mine zum Opfer fiel.
Ein dänischer Dampfer auf eine Mine gelaufen.
W. T.-B. Amsterdam, 13. April. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) In Umuiden wurde die Besatzung eines dänischen Dampfers gelandet, namens „D o r t h e n". Er war von Methil in Schottland nach Esbjerg unterwegs und auf eine Mine gestoßen. Der Dampker sank und die Besatzung hatte bis zur Landung 31 Stunden in den offenen Booten zugebracht.
Öffnung der dänischen Post durch den Zensor
W.T.-B. Kopenhagen, 13. April. (Nichtamtlich. Drahtbe- Nach -der „National Didende" wurde bei Herausgabe der seinerzeit von England besckstagncchmten dänischen Post von dem Dampfer „Helig Olav" fssigestellt, daß ein großer Teil der Briefe vom englischen -Zensor geöffnet worden ist.
Englands Trnppenmangel.
Hoffnungen, die sich nicht erfüllen dürften.
Rotterdam, 13. April. (Zens. Bln.) „Nieuwe Rotterd. Courant" meldet aus London: Der militärische Mitarbeiter der „Times" sagt in einem Artikel, daß, wenn die Verbündeten an der Westfront erfolgreiche Operationen durchführen wollten, sie über mehr Truppen verfügen müßte« als die Deutschen. Seit Lord French in England den Oberbefehl übernommen habe, sei einigermaßen Ordnung in das Chaos verschiedener militärischer Abteilungen gebracht worden. Es sei jedoch bei der unbedingten Notwendigkeit für die Deutschen, den Verbündeten einen entscheidenden Schlag zu versetzen, noch immer nicht mit Sicherheit anzunehmen, ob jede Gefahr eines großen deutschen Angriffs auf England beseitigt sei.
Die lästige Wehrpflicht.
W.T.-B. London, 13. April. (Nichtamtlich Dvahtbericht.) Der Arbeiterführer Thomas sagte in einer Rede: Wenn der politische Burgfriede im Interesse politischer Gruppen gebrochen wird, .dann ist, was mich und die Eisenbahner betrifft, auch der Burgfriede in der Industrie wicht mehr möglich. Wir werden nicht ruhig daheistehen und diese Leute jede Freiheit der arbeitenden Klaffen mit Fußen treten lasten. Die allgemeine Wehrpflicht ist unnötig, um den Krieg zu gewinnen. Die Wehrpflicht und Schuhpolitik dienen nur dazu, die Arbeiter in Fesseln zu -schlagen.
*
Wilfon über die Nnterfeebootfrage.
Rotterdam, 13. April. (Jens. Bln.) Reuter meldet aus Washington: Der Präsident besprach im Ministerium die
Unterseedootfrage. Da jedoch das Beweismaderial in der „Sussex" »Amgelogercheit noch nicht vavlqg und auch von
-deutscher Seite bis dahin noch keine Antwort aus die amerikanischen Fragen «ingegamigen ist, führte die Konferenz zu keinem Ergebnis. — Die deutsche Antwort ist bekanntlich inzwischen dem amevikanischen Botschafter in Berlin überreicht worden.
Berfchiedene Stimmung in den verschiedenen Unionsstaaten.
Wilsons vorsichtige Haltung.
W. T.-B. London, 18. April. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die „Times" meldet aus Washington vom 11. April: Die vorsichtige Haltung des Präsidenten ist sehr natürlich, denn nur im O st e n wird eine angemessene Aktion verlangt. Im Westen und Süden dagegen scheinen die Vereinigten Staaten ihr einziges Interesse darin zu erblicken, daß Verwicklungen vermieden werden. Ein Zeichen dafür ist, daß die Republikaner von Michigan den Friedensfreund Ford als Kandidaten für die' Präsidentenwahl nominiert haben. Ein anderes Zeichen ist, daß sogar die republikanischen Führer hiervon einen Teil ihrer provinziellen Wähler aufgefordert haben, die Geduld des Präsidenten nicht zu sehr zu kritisieren, damit er sich nicht in eine gefährliche Politik hineintreiben lasse. _
Der Krieg der Türkei.
Der amtliche türkische Bericht.
W. T.-B. Konstantinopel, 13. April. (-Mchtamtzlich. Dr-cchtbericht.) Amtlich wird aus dem Hauptquartier gemeldet:
Au der Iraksront keinerlei Veränderung. Eine aus persischen Kriegern und unseren Abteilungen bestehende Truppenmacht griff am Morgen des 8. April bei Sautsch Bulak und Umgebung die russische Kavallerie, deren Stärke auf ungefähr drei Regimenter geschätzt wird, an und zwang sic, in Richtung Urmia zu fliehen. Die persischen Krieger zeichneten sich bei dieser Gelegenheit besonders ans
Von der kaukasischen Front ist bis auf Patrouillenscharmützel nichts Wichtiges zu melden.
Einige feindliche Torpedoboote, die in Gewässern von Smyrna erschienen, wurden durch unsere Artillerie vertrieben. Ein Wachtboot, das aus der Höhe von Tschekme erschien, wurde durch einen Schuß unserer Artillerie getroffen. Am 9. April kamen Banditen in vier großen Barken und versuchten bei Kalamaka, westlich von Kusch-Adasi, zu langen. Sie wurden jedoch durch das Feuer unserer Küstenwache gezwungen, sich wieder cinzuschisfen und zu entfliehen.
Die großen militärischen Mängel der früheren englischen Gallipoli-Befatzung.
Ein grelles Schlaglicht auf die Verhältnisse in Mesopotamien.
Br. Rotterdam, 13. April. (Eig. Dvcchtbericht. Zens. Bln.) Die amtliche „London Gazette" enthält -den Bericht des Generals Sir C. C. Monroe über die militärische Lage, di« er bei seinem Eintreffen im Mvnat Oktober v. I. auf der Halbinsel G-allipoli vorfand. Die Truppen hielten, so sagt GenerÄ Monroe, eine Linie besetzt, welche alle möglichen nril-itärischen Mängel zeigte. Die Expedition besaß kein« Basis, welche eine schnelle Zufuhr von Vorräten und Mannschaften ermöglichte. Bei einem Schmeesturm im November kamen 200 Mann infolge -der Kälte um, und nachher wurde» 10 000 Kranke fortyeschafft. Am Abend -des 8. Jan-nar wurde eines der Kriegstr-ansportfchiffe, der „Prinz George", mit 2000 Mann an Bord, von einem sei-nd-lichen Torpedo getroffen. Der Torpedo explodierte aber nicht. Dieses di« Hauptpunkte des Berichtes. Er erregt in -der englischen Presse das größte Aufsehen. Kräftiger konnte die Expedition nicht verurteilt wenden als durch die einfachen Berichts-Worte des Generals. Nach dem „Daily Telegraph" befürchtet man, baß auch in Mesopotamien durch Ungeschicklichkeit das Ziel völlig verloren geht u-rü> daß der Versuch, General Downshend in Kut-el-Amara zu befreien, fehlgeschlagen sei.
Oke Ereignisse auf dem Valkan.
Vor der Besetzung Kretas!
Berlin, 13. April. (Zens. Bln.) Wie verschiedenen Blättern gemeldet wird, kann eine Landung der Alliierten auf Kreta als nahe bevorstehend angesehen werden.
Erneute Artilleriekämpfe an der griechischen
Grenze.
Rotterdam, 16. April. (Zens. Bln.) Di« „Dimes" ver- urmmt aus Saloniki, daß während des größten Teils des Dienstags in den vorgeschobenen Stellungen der Alliierten an der griechischen Grenze ununterbrochen Artilleriege- fechte stattgesunden haben.
Ein neues Vertrauensvotum für die griechische Regierung.
W. T.-B. Bern, 13. April. (Nichtamtlich.) Nach Meldungen aus Athen kam es in der Sitzung der griechischen Kammer am Montag anläßlich .der Neubesetzung des Finanzrniuisw' rums zu bewegten Auftritten. Die Regierung stellte die Vertrauensfrage, bei deren Abstimmung ft« eine Mehrheft von 200 Stimmen von 2GC abgegebenen Stimmen evhiekt.
