Verlag Sanggaffe 21
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Donnerstag» 13. Llpril 191b.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 175. ♦ 64. Jahrgang.
Vollständige Abweisung de§ italienischen Angriffs bei Riva.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht»
W. T.-B. Wien, 12. April. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 12. April, mittags:
Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts von Bedeutung.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die lebhaften Geschützkämpfe in einzelnen Frontabschnitten dauern fort. Bei Riva wurde der Feind, der sich in cinigcü vorgeschobenen Gräben und in der Verteidignngsmaner südlich Spcrone festgesetzt hatte, aus diesen Stellungen wieder vertrieben. Der italienische Angriff ist somit vollständig abgeschlagen.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: tz. H ö s e r, Feldmarschalleutnant.
Zriedensliebe, Zrieöenszrele.
Eine Stimme von der Front.
Als uns an der Front die Rede des ersten Beamten des Reichs im Reichstag rm Wortlaut dekannt wunde, se gab es bei allen nur ein Wort „aus der Seele gesprochen". Es war interessant zu sehen, wie die Feldgrauen unter sich Gruppen bildeten, um Wort für Wort diese Rede zu studieren. Als dann von Belgien und Rußland gesprochen wurde, so schwang -der scheinbar, Unbeholfenste energisch die geballte Fairst und rief' „Sie lollvn nur kommen und ,das wieder Men, was wir mit unserem Blut erkämpft haben."
Aus den heißen Dank, den der Kanzler dem Heere widmete, können wir nur antworten, daß wir weiter unsere Pflicht tun, daß wir gern durchhalten werden bis zum endgültigen Siege, der Deutschland wie Europa einen dauernden Frieden sichert, einen Frieden, der uns gestattet, unserer Arbeit und Schaffenskraft nachzugehen, sie zu steigern und voll auszunutzen, einen Frieden, der uns gestattet, daß unser auswärtiger Handel nicht beengt und von anderen Staaten beiseite gedrückt wird, vielmehr im ehr- lichen Konkurrenzkampf zu Land und zu Wasser mit den Staaten und Völkern der Evde zur Geltung gebracht werden kann. Daß dieses Ziel nicht nur ider fromme Wunsch, sondern die felsenfeste Überzeugung emes joden deutschen Kriegers ist, braucht nur ange- deutet zu werden. Wir _ da draußen an der Front sind rins e l n s mit denen, die daheim wohnen, daß sie alle, leder nach seiner Art, seinem Können und seinem Besitz, zur Erreichung des gemeinsamen Ziels weiter bereit- willigst beitragen werden.
Wir Deutschewissen alle sehr wohl, daß uns eine Eroberungspolitik ferngelegen hat, wir haben nicht zu- lem wegen Ieiner sprichwörtlich gewordenen Friedensliebe unseren Kaiser lieben gelernt. Wir wissen alle, daß unsere Feinde diesen schrecklichen Krieg gegen uns langer Hand sorgfältig vorbereitet, und kennen ihre Knogsziöl Wir wissen, daß unsere Verantwortlichen ..HP HlfP ''vorgaukÄn", in welch maßlosen ^ ^ ^wdliche Presse ergeht, die auf un- sere Gemüter natürlich nur einen lächerlichen Eindruck zu machen geeignet sind. Wir sind uns sehr wohl im kEn darüber^ daß, wenn wir auf die Mobilmachung ÄÄ' ^ lü sZan erne Zeitlang vor Ausbruch des Krieges begonnen deckte, nachdein sich die Enteiitemächte ohne Zögern mit einer Gegenniobil-
°^ungÄÄ k{ ten ’ (}euh das Kriegsbild ein ll?nz anderes Gesicht hatte. Hier hat uns die russische Politik, die ich m meinen früheren Betrachtungen vor
iZ£*%? Ä mtx - Verhältnis zu England und Frankreich als die geriebenste des Weltalls ansprach n-nd dre emen Konkurrenten nur in -der savani-schen bat einen »len Stteich gespielt. Mrs stLLWL Ä
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U , n 5 tfl9 i.^ in der Lage ist. Der RerchÄ^izler hat ln dieser Hinsicht gerade genug ge-
^ven Äi«stWorte beruhigend die Fcrnde -mögen ste sich zureMegen. wie sie es für aut befinden. Wenn sie die Worte nicht veistchkn ml£ ider Kanzler demnächst eine etwas dent- tichere Sprache auftischen. Klagen uns unsere Feinde s"FE^uugssucht an,,so wollen wir einmal besolden sie dmn eigentlich von uns und unseren Verbündeten erstrebt haoen und noch erstreben, den "*oo 8 < 1 uo ante“?
mit verschiedenen Seiten das
au besprechen. das die Rerchskrnrlerrede im Mls-
lande bei unseren Feinden hervorgerufen. Alle drückten ihr Befremden aus, daß besonders die französisch e Presse es war, die sich unter vollständiger, natürlich absichtlicher Verdrehung des Sinnes in so maßlosen Ausdrücken -darüber erging. Für mich, der ich -den französischen Charakter studiert -habe, wirkten diese Ausdrücke der französischen Presse weniger befremdend.
Verfolgen wir einmal die Bahnen unserer Politik der letzten 30 bis 40 Jahre, so ist es unverkennbar, daß wir stets bestrebt waren, eine ehrliche Verständigung mit Frankreich herbeizusühren. Dieses Bemühen -wurde drüben nur als Schwäche ausgelegt und immer fester glaubte man sich im Sattel und immer mehr wurde geworben, um den Revanchegedanken zur Durchführung bringen zu können. Auch jetzt noch wollte niun scheinbar bei uns, wohl mehr aus Mitleid, diesem schwergeprüften Lande die Augen öffnen und ihm eine den Verhältnissen entsprechende, bessere Existenzmöglichkeit eröffnen, was aber natürlich um so w e n i g e r -der Fall sein kann, je länger der Krieg dauert. Die Antwort darauf sind die jüngsten Sch mäh Worte -der französischen Presse. Nun so bleibt eben nichts anders übrig. Das Schwert muß, das Schwert wird entscheiden, und nur zu spät wird das unglückliche Frankreich die irdischen Lenker ihrer Geschicke in bekannter Werse -des Betrugs und Verrats anklagen.
Wir aber stehen mehr -denn je fest -da. Unsere Friedensliebe , wird in absehbarer Zeit zrmr gewünschten Friedensziel führen. Gottvertrauen, ehrliche Arbeit und -moralische Kraft tragen stets auf Erden den Sieg davon und sind di-e lebensfähigsten Güter.
Tannenberg, Verdun, unsere II-Boote und Lust- 'chiffe werden für lange Zeit genügen, um Deutschland die gebührende Achtung zu verschaffen. Über diejenigen, die die Verantwortung des Krieges tragen, ein Urteil zu fällen, -das können wir mit ruhigem Gewissen der Geschichte überlassen. In sinnloser Verblendung und Verkennung der Tatsachen haben unsere Feinde den ungeheuren Brand in Europa anaefacht, der -letzten Endes di-e gesamten Völker Europas schwächt, aber andere Völker -des Weltalls erstarkt, Völker, die von Osten -her noch einmal eine ernste Gefahr für uns alle bedeuten -werden.
Kurt Frhr. von Put-Iitz, Oberleutnant.
Die trefflich klare deutsche Antwort zur nordamerikanischen Anstage be- steffend neue Torpedierungen.
W. T.-B. Berlin, 12. April. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Auf die Anfrage der Regierung der Vereinigten Staaten wegen der Angriffe auf den Dampfer „Sussex" und andere Schiffe ist dem hiesigen amerikanischen Botschafter am 10. d. M. nachstehende Antwort erteilt worden:
Der Unterzeichnete beehrt sich S. Exzellenz dem Botschafter der Vereinigten Staaten von Nordamerika Herrn James W. Gerard, auf die Schreiben vom 29. und 30. vorigen Monats sowie am 3. dieses Monats (Nr. 8876, 8850a, 8901, 8902, 8933 und 9010) über die Dampfer „Sussex", „Manchester Engineer") „Englishman", der „Berwing Vale" und „Eagle Point" mitzuteilen, daß die erwähnten Fälle gemäß den diesseitigen Noten vom 30. und 31. vorigen Monats und vom 4. und 5. dieses Monats von dem Admiralstab der Marine einer sorgfältigen Prüfung unterzogen worden sind, die zu nachstehendem Ergebnis geführt haben:
1. Englischer Dampfer „Berwing Vale". Ein Dampfer, der möglicherweise „Berwing Vale" gewesen ist, ist am 16. März, abends, in Sicht des Leuchtfeuers von Bull- rock an der irischen Küste von einem deutschen Unterseeboot angetrofsen worden. Sobald der Dampfer das über Wasser fahrende Unterseeboot bemerkte, drehte er ab und li e f w eg. Er wurde durch einen Warnungsschuß zum Stoppen aufgefordert, beachtete aber diese Warnung nicht, sondern löschte sämtliche Lichter und versuchte, zu entkommen. Daraufhin wurde er beschossen, bis er stoppte und ohne weitere Aufforderung mehrere Boote zu Waffer führte. Nachdem die Besatzung in die Boote gegangen war und genügend Zeit erhalten hatte, um wegzurudern, wurde das Schiff versenkt. Der Name dieses Dampfers ist nicht festgestellt, auch mit Hilfe der Angaben, die seitens der amerikanischen Botschaft gemacht worden sind, läßt sich nicht mit Sicherheit sehen, daß der vorstehend geschilderte Vorfall den Dampfer „Berwing Vale" betrifft. Da aber der versenkte Dampfer ein Tankdampfer war, ebenso wie der „Berwing Vale", dürfte Identität der Schiffe anzunehmen sein. In diesem Fall würde allerdings die dortige Angabe, daß der „Berwing Vale" ohne Warnung torpediert worden sei, mit den T a t s a ch e n in Widerspruch stehen.
2. Englischer Dampfer „E n g l i s h m a n". Dieser Dampfer wurde am 24. März von einem deutschen Unterseeboot etwa 20 Seemeilen westlich Jsloh durch zwei Warnungsschüsse zum Stoppen aufgefordert, lief aber weiter, ohne sich um »i« Wa rn u n g fu kümmern, und
wurde daher von dem Unterseeboot durch Artilleriefeuer nach langer Verfolgung gezwungen, zu stoppen, worauf er ohne weitere Aufforderung Boote aussetzte. Nachdem der deutsche Kommandant sich davon überzeugt hatte, daß die Besatzung in die Boote gestiegen und von dem Schiff weg gerudert war, versenkte er den Dampfer.
3. Englischer Dampfer „M a n ch e st e r Engineer". Durch die bisherige Untersuchung hat sich nicht feststellen lassen, ob der Angriff auf diesen Dampfer, der nach dortiger Darstellung am 27. März in der Höhe von Waterford staitgefunden haben soll, auf ein deutsches Unterseeboot zurückzuführen ist. Die Angaben über Ort und Zeit geben keinen genügenden Anhalt für die Untersuchung. Es wäre daher erwünscht, genauere Angaben über Ort, Zeit und Begleitumstände des der amerikanischen Regierung gemeldeten Angriffs zu erhalten, damit daraufhin die Untersuchung zum Abschluß gebracht werden kann.
4. Englischer Dampfer „E a g l e Point". Dieser Dampfer wurde am 28. März, vormittags, etwa 100, nicht 130 Seemeilen von der Süd Westküste Irlands entfernt, von einem deutschen Unterseeboot durch Signal und Schuß aufgefordert, zu stoppen, lief jedoch weiter. Daraufhin wurde auf ihn geschossen, bis er st o p p t e und ohne weitere Aufforderung zwei Boote zu Waffer brachte, in welche sich die Besatzung begab, nachdem der Kommandant sich überzeugt hatte, daß die Boote die Segel gesetzt hatten und von dem Dampfer freigekommen waren, versenkte er den Dampfer. Zur Zeit der Versenkung herrschte Nord-Nordwestwind von einer Stärke von zwei, ni ch t stürmischer Wind, leichte Dünung, nicht schwere See, wie in der dortigen Darstellung angegeben ist. Die Boote hatten auch alle Aussicht, sehr bald ausgenommen zu werden, da der Ort der Versenkung auf einem viel benutzten Dampferweg lag. Wenn die Besatzung des Dampfers zu ihrer Rettung nur zwei kleine Boote in Gebrauch nahm, so trifft sie selbst die Schuld, denn auf dem Dampfer befanden sich, wie das Unterseeboot seststellen konnte, noch mindestens vier große Faltboote.
5. Französischer Dampfer „S u s s e x". Die Feststellung, ob der Kanaldampfer „Sussex" von einem deutschen Unterseeboot beschädigt worden ist oder nicht, ist dadurch außerordentlich erschwert worden, daß keine genaue Angabe über Ort, Zeit und Begleitumstände der Versenkung bekannt waren, und auch ein Bild dieses Schiffes bis zum 6. April nicht erlangt werden konnte. Jnfolgedeffen hat die Untersuchung auf alle Unternehmungen ausgedehnt werden müssen, die an dem in Frage kommenden Tage, dem 21. März, im Kanal etwa auf dem Wege zwischen Folkestone und D i e p p e überhaupt stattgefunden haben. In diesem Gebiet wurde am 24. März ungefähr in der Mitte des englischen Kanals von einem deutschen Unterseeboot ein langes schwarzes Fahrzeug ohne Flagge mit grauem Schornstein und einem kleinen grauen Aufbau sowie zwei hohen Masten angetroffen. Der deutsche Kommandant gewann die bestimmte Überzeugung, daß er ein Kriegsschiff, und zwar einen Minenleger der neugebauten englischen „Arabi s"-Klaffe, vor sich habe. Er wurde zu dieser Überzeugung geführt: 1. Durch das g l a t t e d u r ch- laufende Deck des Schiffes, 2. durch die kriegsschiffmäßige, schräg nach hinten und unten abfallende Form des Hecks, 3. durch den kriegsschifftnäßigen Anstrich, 4. durch die hohe Geschwindigkeit von etwa 18 Seemeilen, die das Schiff entwickelte, und 5. durch den Umstand, daß das Schiff nicht den Weg nördlich der Leuchttonne zwischen Dungeneß und Beachy Head innehielt, was nach häufigen übereinstimmenden Beobachtungen der deutschen Unterseeboote für die Handelsschiffahrt üblich ist, sondern mitten im Kanal mit Kurs ungefähr auf Le Havre fuhr« Jnfolgedeffen griff er das Schiff um 3 Uhr 55 Minuten nach, mittags eine halbe Seemeile südöstlich der Bullrock-Bank unter Waffer an. Das Torpedo traf und rief auf dem Vor- schiff eine so schwere Explosion hervor, daß daß ganze Vorschiff bis zur Brücke a b r i ß. ' Die besonoers starke Explosion läßt mit Sicherheit darauf schließen, daß an Bord große Munitionsmengen vorhanden waren. Der deutsche Kommandant hat eine Skizze des von ihm angegriffenen Schiffes angefertigt, von der zwei «Abzeichnungen beigefügt werden. Das ebenfalls in zwei Exemplaren eingeschloffene Bild des Dampfers „Sussex" ist aus der eng» lischen Zeitung „Daily Graphic" vom 27. März in photogra- phischer Wiedergabe entnommen. Eine Vergleichung der Skizze und des britischen Bildes zeigt, daß die „Sussex" mit dem angegriffenen Fahrzeug n i ch t i d e n t i s ch ist. Besonders auffallend ist der Unterschied in der Stellung des Schornsteins und der Form des Heck s. Ein weiterer Angriff hat in der für die „Sussex" in Frage kommenden Zeit auf dem Wege zwischen Folkestone und Dieppe seitens deutscher Unterseeboote überhaupt nicht stattgeftin- den. Hiernach muß die deutsche Regierung annehmen, daß die Beschädigung der „Sussex" auf erne andere Ursache, als auf den Angriff eines deutschen Unterseeboots zurückzu- fiihren ist. Zur Aufklärung des Sachverhalts ist vielleicht die Taffache dienlich, daß allein am 1. und 2. April im Kanal nicht weniger als 2 6 englische Minen von deutschen Seestreitkräften abgeschossen worden sind. Überhaupt ist die ganze dortige Meeresgegend durch treibende Minen und nicht gesunkene Torpedos
