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Mittwoch, 12. Kpril 1916.
Kbend- Ausgabe.
Nr. 174. . 64. Jahrgang.
Der Uamp? an der Maas.
Erfolglose französische Gegenangriffsver- fuche. Weiterer Bodengewinn im Caillette^ wald. — Abgewiesener russischer Nachtangriff.
Der Tagesbericht vom 12. April.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 12. April. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Bei La Boisselle (nordöstlich von Albert) brachte eine kleinere deutsche Abteilung von einer nächtlichen Unter, nehmung gegen die englische Stellung, ohne eigene Verluste, 29 Gesangene und 1 Maschinengewehr zurück.
Westlich der Maas griffen die Franzosen vergeblich unsere Linien nordöstlich von Avocourt an, beschränkten sich im übrigen aber auf lebhafte Fcnertätigkeit ihrer Artillerie. Auf dem O st u f e r brachten drei durch heftiges Feuer vorbereitete Gegenangriffe am Pfesferrücken dem Feind nur große Verluste, aber keinerlei Vorteil. Zweimal gelang es den Sturmtruppen nicht, den Bereich unseres Sperrfeuers zu überwinden. Der dritte Anlauf brach nahe vor unserem Hindernis im Maschinengewehrfeuer völlig zusammen. Im Caillettewald gewannen wir der zähen Verteidigung gegenüber schrittweise einigen Boden. ,
Im Ln f t k a m p f wurde ein französisches Jagdflugzeug bei Orne (in der Woevre) abgeschossen. Der Führer ist tot.
östlicher Kriegsschauplatz.
Bei Garbunowka (nordwestlich von Dünaburg) wurde ein russischer Nachtangriff mehrerer Kompagnien abgewiesen.
Balkankriegsschauplatz.
Nichts Neues. Oberste Heeresleitung.
Oie Lage im Westen.
Ein schwedischeD Blatt über Bethincourt.
W. T.-B. Stockholm, 12. April. (NichtaimMch.) Das „Svenska Dagbladet" schreibt über die Eroberung von B-etchrncourt: Die Franzosen ittiö mit dsm Verlast des Ortes äußerst zufrieden, wenn man ihren Berichten glauben -banf. Die „A-gence Havas" findet, daß der vierzigste Lag der Schlacht vor Verdun mit blutigen Niederlagen der Deutschen geendet ist. Gegen derartige „Niederlagen" dürften die Deutschen nichts einzuwenden haben. Wenn sie oft genug wiederholt werden, führen sie zur E i n n a h m e der Festung. Die Deutschen gebrauchen eine Angriffsart, die wahrscheinlich, noch lange eine große Rolle in der militärischen Theorie und Praxis spielen wird. Sie haben allmählich den Krieg hauptsächlich zu einer Sache der Technik und der Artillerie gemacht, wobei sie aufs äußerste mit Menschenleben sparen. Auch die Russen könnten aus dieser Taktik Stützen ziehen, wenn sie sich nur die Mühe nehmen wollten, sie zu studieren.
Besondere Pariser Besprechungen zwischen Kitchener, Eadorna und Joffre über die Hilfe für Verdun.
Nr. Amsterdam, 12. Avril. (Eig. Trahtbcricht. Jens. Bln.) Wie de: Londoner Gewährsmann des Berichterstatters der „Voss. Ztg." berichtet, fand ans der Pariser Konferenz noch eine besondere Besprechung zwischen Kitchener, Cadorna und Joffre über die Lrge bei Berdun statt. Joffre forderte Verstärkungen für seine Truppen, die Kitchener ab- lehnte. Cadorna war geneigt, ein kleines Kontingent abzutveten, das aber keinerlei Einfluß auf die Ereignisse hätte nehmen können. Darauf ordnete Kitchener telegraphisch die Ausbreitung der englischen Front an. Die drei Heerführer beschlossen ferner, alles zu unternehmen, ivas die Ab- schwächunq des deutschen Druckes auf Verdun herbeisühren könnte,
Frankreichs Steuer- und Monopol- einnahnren.
W.T.-B. Paris, 12. April. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Havas meldet: Die indirekten Steuern und staatlichen Monopole ergaben während des ersten Vierteljahres 1916 einen Mekwertrag von 106 Millionen Franken gegen das erste Vierteljahr 1915 und einen Minderertrag von 142 Millionen Franken gegen das erste Vierteljahr eines gewöhnlichen Jahres.
Die Reibungen in der französischen Sozialdemokratie.
Br. Genf, 12. April. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Ms eine befriedigende Lösung will die französische Rcgie- rungspvesse den von der ministeriellen Mehrheit des Sozialistentages mühsam durchgedrückten Beschluß nicht gölten lassen. „Debats" bedrnert, daß man der Minorität Zugeständnisse hat machen müssen, um eine gewisse Gegnerschaft nicht auf die Spitze zu treiben. Noch viel kräftiger äußert sich
der Briand durchaus ergebene Herde in der „Mctoire". Er schreibt: Die starke Minderheit, die sich, wenn gleich nicht offen, zum Programm der Friedenskonferenz von Zimmer- walde bekennt, bedeutet einen schweren Schaden für die gesamten Interessen der frcknzösischen Landesverteidigung.
Die Stellung der französischen sozialistischen Parteiminister.
Br. Genf, 12. April. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die Stellung der drei sozialistischen Partei-minister, Sembart, Guesde und Thomas, im Kabinett Briand ist durch die gestrigen sozialistischen Partei-tagsbeschlüsse nicht gerade befestigt worden. Die Reg'erungspresse gibt ihrem Unmut Ausdruck über die starke Minderheit, die -die Wiederaufnahme der internationalen Parteibeziehungen vertrat.
Oer Krieg gegen England.
Asquiths „Antwort" auf die Reichskanzlerrede.
Die deutsche und die englische Kriegführung.
W. T.-B. London, 12. April. (Nichtamtlich. Reuter.) Asquith sagte in seinem Trinkspruch auf den Präsidenten der französischen Republik bei dem F e st m a h I zu Ehren der Abordnung des französischen Parlaments: Die Be
ziehungen zwischen Großbritannien und Frankreich sind nun seit mehreren Jahren auf dauerhafter Grundlage aufgebaut und sind durch die Probe, der sie in diesem Krieg ausgesetzt waren, Beziehungen nicht nur von Freundschaft, sondern von Intimität und Liebe geworden. (Beifall.) In den letzten Tagen hat der deutsche Reichskanzler wiederum an die Sympathien der neutralen Welt für den schweren Fall von Deutschland (Heiterkeit) als vielfach mißverstandenen Friedensfreund appelliert. Der Kanzler erklärt, daß er am 9. Dezember seine Bereitwilligkeit geäußert habe, auf Friedensverbandlungen einzugehen, daß aber der Feind damals ebenso wie jetzt ablehnte, sich auf so etwas einzulassen. Asquith zitierte die Worte des Kanzlers, um zu zeigen, daß dieser mit Bereitwilligkeit meinte, daß die Friedensvorschläge von den Westmächten ousgehen und die Entscheidung beim Kanzler beruhen solle. Er fuhr fort:
Man will mit anderen Worten von uns, daß wir die Haltung des Besiegten gegenüber dem siegreichen Gegner einnehmen. Aber wir sinh nicht besiegt. (Beifall.) Wir werden auch nicht besiegt werden, und die Alliierten sind durch einen feierlichen Vertrag gebunden, keinen Sonderfrieden zu suchen oder anzunehmen. Die Bedingungen, unter denen wir bereit sind, Frieden zu schließen, sind die Durchführung der Ziele, für die wir die Waffen ausgenommen haben. Diese Ziele wurden von mir schon im November 1914 bekanntgegeben. Ich sagte u. a., daß wir das Schwert nicht in die Scheide stecken würden, bis die militärische Herrschaft Preußens ganz und endgültig vernichtet ist. Der Kanzler zitiert meine Worte zuerst falsch und fährt dann fort, ihre ans der Hand liegende Bedeutung und die in ihnen ausgesprochene Absicht zu verzerren. Großbritannien und Frankreich traten nicht in den Krieg ein. um Deutschland zu erdrosseln, oder um es von der Karte Europas wegzuwischen, nicht um sein nationales Leben zu zerstören oder zu verstümmeln, und sicherlich nicht, um sich in die freie Ausübung seiner friedlichen Bestrebungen hineinzumischen. Wir wurden beide, hier und in Frankreich dazu genötigt, die Waffen aufzunehmen, um zu Verbindern, daß Deutschland, womit in diesem Fall Preußen gemeint ist, eine militärische Bedrohung für die Nachbarn bilde und eine Oberherrschaft über diese errichte. Deutschland hat während der letzten zehn Jahre bei mehreren Anlässen seine Absicht gezeigt, Europa unter gleichzeitiger Bedrohung Vorschriften zu machen, und durch die Verletzung der Neutralität Belgiens hat es bewiesen, daß es sein Übergewicht selbst um den Preis eines allgemeinen Kriegs Herstellen will, und dadurch, daß es die Grundlage der europäischen Politik, wie sie durch Verträge festgelegt ist, zerreißt. Die Absicht der an dem Krieg beteiligten Verbündeten ist, diesen Versuch zunichte zu machen und dadurch den Weg für ein internationales System zu ebnen, welches den Grundsatz gleicher Rechte für alle zivilisierten Staaten sickierstcllen rpird. (Beifall.) Wir wollen als Ergebnis des Kriegs den Grundsatz festlegen, daß internationale Probleme durch freie Unterhand- lung unter gleichen Bedingungen zwischen freien Völkern behandelt werden müssen, und daß eine solche Übereinkunft nicht länger durch das überwältigende Gebot einer Regierung, die von einer militärischen Kaste kontrolliert wird, aufgehal- ten und beherrscht wird. Das ist es, was ich unter Vernichtung der militärischen Herrschaft Preußens verstehe, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Auf das Schicksal Belgiens, Serbiens und Montenegros bezugnehmend, sagte Asquith, daß die Verbündeten nicht nur Schützer von VertragSrcchten, sondern auch von unabhängigen Staaten und der freien Entwicklung schwächerer Länder seien. (Beifall.) Es gebe kaum einen größeren Zynismus, als wenn der deutsche Kanzler beanspruche, daß Deutschland vor allen Mächten darauf bestehen müsse, verschiedenen Nationen Gelegenheit zu freier Entwicklung innerhalb des Rahmens
ihrer Muttersprache und ihrer nationalen Individualität zu geben. Der Versuch, Preußisch -Polen zu germanisieren, sei während der letzten Jahre hartnäckig betrieben worden, und es sei dies das größte Fiasko der preußischen inneren Politik gewesen. Was soll wohl das flämische Volk von der Aussicht denken, die ihm vom Reichskanzler gestellt wurde, nachbarlich mit den Deutschen zusammenzuarbeiten, die ihre Kirchen verbrannten, ihre Städte plünderten, ihre Felder verwüsteten und ihre Freiheiten niedertraten. Asquith fuhr fort: Meine Antwort an den Reichskanzler ist sehr einfach. Die Verbündeten wünschen und sind entschlossen, das alte Belgien wieder erstehen zu sehen. (Beifall/) Es darf nicht dauernd unter dem leichtfertigen und verruchten Angriff auf seine Freiheit leiden, und was niedergerissen wurde, muß wiederhergestellt und aufgebaut werden. (Lauter Beifall.) Asquith sprach sodann von dem hinkenden schwächlichen Versuch des Reichskanzlers, die Unterseebootkriegführung zu rechtfertigen, und sagte: Wenn die Alliierten ihre Herrschaft zur See dazu benutzen, wirtschaftlichen Druck auf die Feinde auszuüben, so bedienen sie sich eines Rechts, das für jede kriegführende Macht m der alten und neuen Zeit anerkannt ist, und sie haben sich bemüht und bemühen sich noch, so weit als möglich, die daraus erfolgenden Unannehmlichkeiten für den neutralen Handel zu mildern. Sie sind bereit, die Gesetzlichkeit aller ihrer Maßregeln zu rechtfertigen und zu beweisen, daß sie mit den Grundsätzen und dem Geist des auf die Entwicklung des modernen Kriegs angewandten Völkerrechts übereinstimmen. Diese Maßregeln wurden mit genauester Berücksichtigung der Menschlichkeit durchgeführt, und so viel wir wissen, kann nicht ein einziges Beispiel angeführt werden, daß durch die Blockade der Verbündeten das Leben eines Neutralen verloren ging. (Beifall.) Die deutsche Unterseebootkampagne wurde lange vor unserer königlichen Verordnung vom März 1915 begonnen und entwickelt, und sie wurde rücksichtslos durchgeführt, sowohl gegen Neutrale, wie gegen Kriegführende und mit rücksichtsloser Verletzung des Völkerrechts und der Menschlichkeit. Asquith schloß: Können wir nicht dankbar sein, daß wir zur Verteidigung unserer Sache nicht zu solchen Entstellungen der Tatsachen und zu solchen Sophistereien genötigt sind, wie sie vom Kanzler vorgeb cacht wurden? Wir Verbündeten kämpfen Seite an Seite für eine große Sache mit würdigen Mitteln, reinen Händen und reinem Gewissen (Beifall.), und Seite an Seite haben wir ebenso wie den Spillen auch die Macht, die Freiheiten Europas zu verteidigen. (Lauter Beifall.)
Die französischen Parlamentarier bei König Georg.
W. T.-B. London, 12. April. (Nichtamtlich.) Der König empfing im Buckinghampalast die französischen Parlamentarier, wobei er folgende Ansprache hielt: „Ich
heiße Sie als Mitglieder der gesetzgebenden Körperschaften der großen Republik willkommen, mit der in enger Vereinigung und gegenseitigem Vertrauen verbunden zu sein ich mich freue. Diese? Vertrauen wird, wie ich hoffe, dauernd sein. Ein Besuch, wie der ihrige, trügt dazu bei, den beiden Völkern die herzliche Zusammenarbeit, in der sie sich betätigen, noch näher za bringen, denn sie gibt der Einheit ihrer Ziele eine konkretere Form. Werra Sie einige Orte, wo Munition hergestellt wird, besuchen werden, so werden Sie erst sehen, wie sehr wir uns austrengen, Heer und Räarine mit allem Nötigen zu versehen. Wenn Sie mit -den Bewohnern unserer Städte spr-echen, so werden Sie ersahren, welchen Anteil sie nehmen an den Leiden, die ein kriegerischer Eindringling der unschuldigen Bevölkerung einiger ihrer nördlichen Distrikte auferlegt hat und wie warm wir die glänzende Tapferkeit des ganzen französischen Volkes bewundern. Sie -werden auch selbst sehen, wie einmütig das Volk in England ohne Unterschied der Rasse, des Standes oder der politischen Partei entschlossen ist, den Krieg fortzuführ-cn, bis jene Bedrohung mit Übersall und Wirren, die den friedlichen Fortschritt Europas verhindert, endgültig aus dem Wege geräumt ist. Die Alli-ance der Mächte, die dies vollbringen wird, beruht nicht nur aus dem gemeiusamen Interesse, dieser Bedrohung ein Ende zu machen, das sie alle und auch die schwergeschüdigten Länder Belgien, Serbien und Montenegro in gleicher Weise wie mir haben, sondern sie beruht auch auf unserem gleichen Ideal. Freiheit und Frieden sind die Ideale. Wir wünschen diesen Frieden für uns selbst und wünschen ihn auch für andere Nationen. Wir glauben, daß in seiner Ausbreitung aller- irärts die beste Hoffnung für die Zukunft der Menschheit liegt. Für Frei-beit und Frieden kämpfen wir Seite an Seite mit Euch, in dem Glauben, der heute stärker ist als je seit Beginn des .Krieges, und der täglich stärker wird, daß der Sieg die Sache des Rechts krönen wird."
Die Konferenz mit den englischen Kollegen.
W. T.-B. London, 12. April. (Nichtamtlich. Reuter.) Die französischen Senatoren und Deputierten setzten gestern morgen die Konferenz mit ihren britischen Kollegen fort. Heute werden sie eiu-e Reise durch das Land cmtreien.
Asquith über die Pariser Konferenz und seine italienische Reise.
W. T.-B. London, 12. April. (Nichtamtlich.) Im Unterhaus antwortete Asquith auf mehrere Fragen, es würde nicht angebracht sein, im einzelnen auf die verschiedenen Gegenstände ciriLuaeben. die aus der Konferenz der
