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Dienstag, 11. April 1916.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 172. . 64. Jahrgang.
Vor Höhe 304.
Don unserem militärischen Mitarbeiter.
Während die Franzosen auf dom rechten Ufer lder Maas durch den Verlust der Panzerfeste Douaumont sowie des Nachbar Geländes lveftiich und östlich bereits ihre Bewegungsfreiheit ftark eingebüßt hatten und nicht mchr in der Lage waren, ihre strategischen Reserven in geniigendeinl Rlaße zu verwerten, befanben sie sich auf.dem linken Flußuser von jeher in einer he- Leutend besseren Lage. Die gewaitige Höhe 304 liegt mitten in dem Dorgflänöe bei Festung Verdun im nordwestlichen Rektor. Östlich und westlich davon erheben sich gewa. ige, zusammenhängende, wenn auch nicht ganz so hohe Bergrücken, welckie der französischen Verteidigung ganz vortreffliche Dienste geleistet haben. Die Höhe 304 ist die Zentralstellung der gegnerischen Verteidigungsleitung und ihre Besitznahme würde eine schwere Einbuße für die Franzosen beben- ten. Alle bischerigen deutschen Angriffe galten .mehr oder minder unserer Annäherung gegen dieses zusammenhängende Höchenmassiv. Die Höhe 504 sperrt die Straße, welche von Malancourt nach Esnes führt, die Hauptzusahrtslinie für den Westsektor von Verdun, die kürzeste Annäherungslinie an die wichtige Eisen- hcchnveroindung^ «welche :on der Maasfestnng in westlicher Richtung rn das Landesinnere führt.
Seit Wochen betonen die französischen Berichte die Bedeutung der Höhe 304; auf dem Wege, sie in Besitz zu nehmen, hat dre deuffche Heeresleitung neue erhebliche Schritte vorwärts getan. Am 7. April hatten tapfere schlesische Truppen gemeinsam mit Bayern zwei starke französische Stützpunkte südlich des Ortes Haucourt erstürmt. Hierbei waren rund 700 Gefangene :ind Verwundete in die Hände der Sieger gefallen. Die Bedeutung dieses Erfolges lag darin, daß die deutschen Angriffstruppen aus dem Nordhange der Höhe 287 festen Fuß faßten und gleichzeitig in noch engere Gefechtsberührung traten mit den deuffchen Gefechtslinien östlich von dem .Walde von Malaucourt. Die so entstandene Verkürzung unserer Frontlinie verstärkt den Druck gegen die Höhe 304 und macht es möglich, daß unsere Fernkai'ipflnittel noch intensiver als wie bisher gegen die gewaltige Höhe 304 wirken können. Auch östlich von Hauoourt wurden mehrere französische Stützpunkte erobert, die deutsche Linie an deni Süd- rande des Forgesbaches von neuem gefestigt. In einem spitzen Winkel nnffassen die deutschen Kampftruppen die dominierende Höhe 304. Der westliche Schenkel, von Norden nach Süden streichend, liegt an der Chaussee noch Esnes, wahrend der östliche, südlich des Baches bis in die Gegend von Bethincourt ragte. Die deuffche Heeresleitung hat diesen östlichen Schenkel durch den neuen Erfolg vom letzten Sonntag uni mehrere Grade von Norden nach Süden bewegt. Der französische Tagesbericht vom letzten Sonntag meldete, daß deuffche Anariffe in der Nacht von Freitag auf Samstag von Süden und von Südwesten gegen Bethincourt erfolgt seien. Die deutsche Heeresleitung machte hierüber keine Angaben. Erst am Montag, den 10. April, tritt sie mit der v o lle n d ete n Tatsache vor das deuffche Publikum. Die llmsassung des Ortes Bethincourt hatte zur Folge, daß dieser letzte Rest auf der Front Maliancanrt-Forges aus der fmnzösi- schen Front herausgierissen wurde. Der Feind lbehaup- tet zwar, daß hie Räumung „mit vollem Vorbedacht" erfolgt sei. Tie stattliche Gefangenenzahl von 700 Mann, die Beute von 2 Geschützen rind 12 Maschinengewehren redet eine andere Sprache. Sie beweisen, daß der Gegner mit aller Energie und bis zur -letzten Verzweiflung versucht hat. Bethincourt für sich zu er- halten. Das Bemühen war jedoch vergeblich.
Seit dem 10. Aprrl ist Bethincourt deutscher Besitz. Der Forgesbach auf seiner ganzen Breite von 10 Kilometer liegt nun im Rücken der deuffchen Angriffstruppen. Dre Gräben der Unsrrgen haben festen Fuß gefaßt an der Straße, welche von Bethincourt nach -Esnes Wrt Sie nähern sich so der gewaltigen Höhe 304 auf seiner nordöstlichen Flanke und erreichen die Ver- bindung mit dem alten deuffchen Besitz auf der Höhe 266. genannt „Toter Mann". Der Haupterfolg des letzten Sonntags besteht darin, ,daß das breite Wasserhindernis nun hinter uns liegt, daß der Angriff gegen die bewaldeten Höhenstellungen von 304 von Norden, von Nordosten und endlich von Osten her energisch in Angriff genommen werden kann. Nach der franzö sischen Tagesmeldung wurde der Stoß gegen Bethincourt durch einen gleichzeitigen deuffchm aus dem Walde von Cumiäres unterstützt. Hierzu kommt die erhebliche neue Verengung der deutschen Angriffslinie, der abermalige französische Boden- Verlust, die Schädigung des französischen Vertrauens mnter der Front und vor allen Dingen ein neuer schwerer Schlag gegen die Gesi'chts.m.oral des Gegners, welcher nun auch zu Beginn der 8. Woche eine Schlappe erüttsn hat. Der Kampf um die Hauptkanipsstellung
im westlichen Vorfelde der Festung Verdun macht so einen siegreichen Schritt vorwärts. Die Aufrollung der französischen Front geht planmäßig und zielbewußt vorwärts. Verstreichen auch manchmal mehrere Tage, che zuin Jnfanteriesturm überge- gangen wird, so machr sich dieser Einsatz von Zeit dennoch für uns stets reichlich bezahlt. Der neue Sieg bei Bethincourt zeigt wiederum die ungebrochene deutsche Angriffskrast und die Ohnmacht des Feindes, ihr auf die Dauer widerstehen zu können. Dieser moralische ist mindestens ebenso hoch zu bewerten wie der taktische Erfolg des Ta-ges. 24.
Oer Krieg gegen England. Außerordentliche Steigerung der Erfolge unseres Seehandelskrieges.
Seit dem 1. April über 81000 Tonnen feindliche Handelsschiffe versenkt.
Br. Berlin, 11. April. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Nach den bis heute morgen cingclaufenen Nachrichten sind seit dem 1. April über 81 000 Tonnen feindliche Handelsschiffe versenkt morden. Es wurden bisher als versenkt gemeldet: „Goldmonth" (7446 britische Registertonnen), „A s h b n r t o n" (4446 britische Registertonnen), „Achilles" (7043 Tonnen), „Ben- j a m i n" (2127 Tonnen), „Bend u" (4319 Tonnen), „Clan Campbell" (6897 Tonnen), „V e s u v i o" (1193 Tonne»), „Z c n t" (3890 Tonnen), „S l m l a" (5884 Tonnen), „Braun ton" (4775 Tonnen), „Clh d e" (204 Tonnen), „Otto mar" (327 Tonnen), „A d a m t o n" (2304 Tonnen), „P c r t h" (653 Tonnen), „Jon Pritchard" (118 Tonnen), „Zafra" (2578 Tonnen), „Bonne" (6396 Tonne»), „Silkworthhall" (4777 Tonnen), Glenalmond" (2888 Tonnen), „E a st e r n C r t y" (4341 Tonnen), „M a r g a n Ebbey (4471 Tonnen) und „C h a n t a l I e" (4949 Tonnen). Summa: 81023 britische Registertonnen.
Im Laufe des Januar dieses Jahres sind rund 20 000, im Februar rund 40 000 Tonnen feindlicher Schiffsraum vernichtet worden. Im Lause des Monats März sind etwa 50 feindliche Handelsschiffe mit rund 100000 Tonnen (davon etwa 75 000 Tonnen durch v-Boote) versenkt worden. Dazu kamen noch zwei Hilfskreuzer von zusammen 18 000 Tonnen, die ja auch aus der Handelsflotte entnommen sind. Aus der Vergleichung dieser Ziffern sür die drei ersten Monate des Jahres und für das erste Drittel des Monats April ergibt sich eine außerordentliche Steigerung der Erfolge unseres Sechandelskricges, die wir mit Freude und mit Dank gegen unsere Secstreitkräfte begrüßen.
Eine ganze lange Liste neuer Torpedierungen.
W.T.-B. London, 11. April. (Nichtamtlich. Dmiht- bericht.) Lloyds meldet, daß der spanische Dampfer , Santanderino" torpediert und versenkt sein soll. Von der Besatzung hat man keine Nachricht. Nach einer weiteren Lloydsmeldung ist der englische Dampfer „Marcan Abbey" versenkt worden. Die Besatzung wurde gerettet.
146 T.-B. London, 11. April. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Lloyds meldet aus Kardiff: Der schwedische Dampfer „L i b r a" hat den Kapitän und die Bemannung des norwegischen Dampfers „Sjolyst" an Land gebracht, der 25 Meilen nördlich von Ushant von einem deutschen Unterseeboot versenkt worden ist.
IV. T--B. Paris, 11. April. (Nichtamtlich. Drccht- bericht. HcwasMoldung.) Ein englischer Dampfer hat die Besatzung des dänischen Dampfers „C a l c d o n i a" nach Marseille gebracht. Der dänische Dampfer ist im Mittclmeer von einem österreichischen Unterseeboot torpediert worden.
IV. T.-B. Nizza, 11. April. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der englische Dampfer ,,L i v o n i a n", der aus Newcastle hier eingetrohffen ist, hatte 9 Mann der Besatzung des am 30. März im Atlantischen Ozean von einem deutschen Unterseeboot torpedierten französischen Segelschiffes „St. Hubert" an Bord.
IV. T.-B. Malta, 11. April. (Nichtamtlich. Reuter.) Der britische unbewaffnete Dampfer „D o n n e", früher „Tastalia", ist versenkt worden. Die aus 40 Mann bestehende Besatzung ist gerettet worden.
IV. T.-B. London, 11. April. (Nichtamtlich.) Lloyds Agentur meldet: Ter britische Dampfer „Silksworth
H a l l" <4777 Tonnen) ist versenkt worden. Der Kapitän und 30 Mann wurden gerettet.— Der Dampfer „6t l a n a I n o n d" (2883 Tonnen) ist ebenfalls versenkt worden. Die Besatzung wurde gerettet. Beide Schiffe waren unbewaffnet. — Der unbewaffnete Dampfer „E a st e r n C i t y" ist versenkt worden.
Berlin, 11. Slpril. (Zens. Bln.) Das „B. T." meldet ans Amsterdam: Der französische Dampfer „Jean nette" ist in der Nordicc versenkt wordcn. — Nach ein« Meldung von
Lloyds Agentur soll vorgestern der dänische Dampfer „Sankt I e r n c b o r g" vor Cagliari in Sardinien torpediert worden sein. Die Mannschaft sei gerettet.
Deutsche Tauchboote ohne Periskope?
' W. T.-B. Bern, 11. April. (Nichtamtlich.) Verschiedentlich laufen Gerüchte um, sagt der „Temps", daß es den Deutschen gelang, Unterseeboote ohne Periskop zu erbauen. Hierzu ist zu bemerken, daß bei zahlreichen Torpedierungen der letzten Zeit man wohl Schaumstreifen des Torpedos, aber kein Periskop des angreifenden Tauchboots sah. Daß diese Gerüchte nicht bloß Vermutung sind, beweise ein marinetechnischer Aufsatz in der holländischen Zeitschrift „Landstorm", der von solchen Bauten spreche. Die sinnreiche Anbringung von Linsen und Spiegeln an dem Schiffskörper erlaube dem Kommandanten die notwendigen Beobachtungen zu machen, um sein Tauchboot zu steuern. Zwar müßten solche Tauchboote sich mehr an der Oberfläche halten, doch werde dies durch den Vorteil ausgewogen, daß sie durch das Fehle» des Periskops nicht die Aufmerksamkeit begegnender Schiffe auf sich zögen.
Zum Untergang des „Sussex".
Das Schiff unbedingt auf eine Mine gelaufen.
Berlin, 11. April. Über den Untergang des „Sussex" liegt nach verschiedenen Blättern der Bericht eines an Bord des „Sussex" gewesenen griechischen Marineoffiziers vor, wonach das Schiff unbedingt auf eine Mine gelaufen sei, die auch eine englische gewesen sein könne. Durch die Explosion sei der Kapitän auf der Stelle getötet worden. Der erste Offizier habe in der Verwirrung den Kopf verloren und Hilfssignale gegeben mit falscher Bezeichnung der Unfallstelle.
Amerika und der „Sussex"-Untergang.
Deutschland lehnt die Verantwortung für den Unfall ab.
IV. T.-B. Rotterdam, 11. April. (Nichtamtlich.) Der „Nieuwe Rotterd. Courant" meldet aus London: Die
„Morning Post" meldet aus Waftsington, daß dort ein nichtamtlicher Bericht überreicht wurde, daß Deutschland die Verantwortung für den Unfall der „Sussex" in Abrede stellen wird. Die Blärter verbreiten sich, obwohl sie die Lage noch immer ernst nehmen, darüber, wie schwierig es für die amerikanische Regierung jetzt, wo Deutschland die Verantwortung a b l e h n e. sein würde, einen einwandfreien Beweis zu liefern, daß ein deutsches Unterseeboot das Schiff torpediert hat. Zwischen den Zeilen lassen die Blätter durch- blicken, daß das Publikum nicht ungeduldig werden soll.
Staatssekretär Lansing an einen Hetzapostel im „Sussex"-Falle.
Nr. Amsterdam, 11. April. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Dem amerikanischen Psychologen und Wilsonfreund Professor B a l d w i n, der sich als Fahrgast auf der „Sussex" befand und über den Untergang des Schiffes ein verleumderisches Telegramm an Wilson nach Washington richtete, ist wie die Agence Havas meldet, durch Staatssekretär Lansing folgende Antwort zuteil geworden: Der Präsident hat mir
Ihr Telegramm voni 1. April zur Einsicht gegeben. Das Staatsdepartement widmet dem „Sussex"-Fall sorgfältige Aufmerksamkeit und größte Sorge.
Der Rückgang des englischen Schiffsverkehrs
Rotterdam, 11. April. (Zens. Bln.) Die Statistik über die Schiffsbewegung in den englischen Häfen weist für März 1916 folgende Zahlen aus: Eingelaufen: 2 449 000 Tonnen Ladungen gegen 2 966 000 Tonnen im März 1915 und 3 912 000 Tonnen ,m März 1914. Ausgefahren im März 1916 : 2 968 000 Tonnen gegen 3 626 000 Tonnen im März 1915 und 5 517 000 Tonnen im März 1914.
Englands Bedingungen für Schiffskohlenlieferung. )
Eine zweite norwegische Linie in Gefahr, ihren Betrieb cinstcllen zu müssen.
IV. T.-B. Kopenhagen, 11. April. (Nichtamtlich. Draht» bericht.) „Nationaltidcnde" berichtet aus Christianssund: Die hiesige Dampfschisfahrtsgesellschaft erhielt von England eine Mitteilung, daß England ihr für die Fahrten nach Frederiks- hafen keine Kohlen mehr liefere, wenn sie nicht die Bür g- schaft dafür leiste, daß die Güter nicht weiter nach Deutschland ausgesührt werden. Die Christianssunder Linie muß also demnächst den Betrieb einstellen, falls sie nicht anderwärts Kohlen erhält.
Englische Frauenrechtlerinnen gegen den Krieg.
IV. T.-B. Rotterdam, 11. April. (Nichtamtlich.) Der „Rotterd. Courant" meldet aus London: Der Verband für Fraucnwahlrecht hielt vorgestern auf dem Trafalgarsquare unter Leitung von Sylvian Pankhurst eine Versammlung ab, um gegen die Reichsverteidigungsakte, das Munitionsgesetz und das Kriegspflichtgesetz zu protestieren. Die Versammlung wurde von der Volksmenge gesprengt. Der Mob stürmte dce Nelsonsäule und vertrieb die Frauen.
Der schlechte Eindrnek über Herrn Asguith im Vatikan.
IV. T.-B. Bern, 11. April. (Nichtamtlich.) Den „Neuen Zürcher Nachr." wird von besonderer cingeweihter Seite ge»
