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Samstag, 8. Kpril 1916.
Morgen-Ausgabe.
Nr. 167. ♦ 64. Jahrgang.
Sin neuer Erfolg bei Lloi.
Vergebliche französische Zurückeroberungsversuche in den Argonnen, bei Avocourl und inr EaileLLe Walde. — Gescheiterte russische Angriffe am Raroez - See.
Oer Tagesbericht vom 7. April.
W.T.-B. Großes Hauptquartier, 7. April. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Durch einen sorgfältig vorbereiteten Angriff setzten sich unsere Truppen nach hartnäckigem Kampf in den Besitz der englischen, jetzt von kanadischen Truppen be- setzten Trichter st ellungen südlich von St. Elvi.
In den Argonnen schlossen sich an französ,sehen Sprengungen nördlich des Fonr de Paris kurze Kämpfe an. Der unter Einsatz eines Flammenwerfers vorgedrungene Feind wurde schnell wieder zurückge- w o r f e n.
Mehrfache feindliche Ängriffsversuchc gegen unsere Waldstcllungcn nordöstlich von Avocvnrt kamen über die ersten Einsätze oder vergebliche Tcilvorstöße nicht hinaus. Auch östlich der Maas konnten die Franzosen ihre Angrifssabsichtcn gegen dir fest in unserer Hand befindlichen Anlagen im C ai leite- Wald nicht durchführen. Die für den geplanten Stoß brreit gestellten Truppen wurden von unserem Artil leriefeuer wirkungsvoll gefaßt.
östlicher Kriegsschauplatz.
Südlich des N a r o c; - S e e s wurden örtliche, aber heftige russische Angriffe zum Scheitern gebracht. Die feindliche Artillerie war beiderseits des Sc es lebhaft tätig.
Balkankriegsfchauplatz.
Die Lage ist unverändert.
Oberste Heeresleitung.
Österreichisch-ungarischer TagesberichL
Neue Erfolge auf dem italienifchen Kriegsschauplatz.
W. T.-B. Wien, 7. April. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 7. Äprrl, mittags:
Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Keine besonderen Ereignisse.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der k ü st e nl ä n d i s ch e n Front unterhielt der Fcrnd gestern nachmittag ein lebhaftes Artillcriefeuer, das gegen den Tol me in er Brückenkopf auch nachts anhielt. Der N-rdt«! der Stadt Görz wurde wieder aus schweren Kalibern beschossen. Über A d e l s b e r a kreuzte» zwei italienische Flieger, von denen einer cr- fl.Iglos Bomben abwarf.
'$5 tn '^* r pA er Grenzgebiet kam es an mehreren Stellen zu kleineren Kämpfen. Im Rauchkofel, (u ckkn (nördlich des, Monte Cristall») war es einer feindlichen Abteilung ,» den letzten Tagen gelungen, sich aus einem Sattel festzusetzciu Heute nacht sauber- ^n unsere Truppen diesen vom Feinde, nahmen 122 Italiener, dammter 2 Offiziere, gefangen und er- beuteten 2 Maschinengewehre. Nördlich des Sngana- tales griffen starke rtalreursche Kräfte unsere Stellun- gen bei S t. O s w a I o an. Der Feind wurde zurück- g es ch l a,g e n und erlitt große Verluste. Das- M Schicksal batten fcmdliche Angriffe im L e d r o- t a l - Abschnitt. Nördlich des Passes wurden einige
Minen" zerstört.^" b,t 3t ° nettet * eutc «“** durch
D" Stellvertreter des Chefs dos Generalstabs: _ v. Hofer, Feldma rschalleutnant.
Oer deutsche §rühling.
Die Märzschlachteu 1916.
besonderer Seite aus dem Felde wird
rms geschrieben:
Unsere Feinde haben sich m den Wahn gewiegt: nun, Krregsmwnaten, endlich seien unsere Kräfte er^ lchopst; wir mußten und würden uns von Stund an notgedrungen ans den Versuch beschränken, einem all- Sememen Ansturm der „einheitlichen Front" unserer Belagerer m der erkämpften Linie Widerstand kn b'eten. Dieslen Ansturm hatten sie für -das Frühjahr ch" 6 nnt allen den chnen zu Gebote stehenden, von uinen selbst immer wieder als unerschöpflich bezeick- Ueten Machtmitteln vorbereitet. Sie hatten Am l a u t Ä"d sregeszuversichtlich ihren Völkern und °^er Welt angekündigt. Tie deutschen Heere sind ihnen
^ re sorglich durch- Arbeiteten Plane über den Haufen gerannt. Das ist
die weltgeschichtliche Tvag-weite der Kämpfe, welche mit ldem unvergänglich bedeutungsvollen 21. Februar eingesetzt haben und die in den letzten Märztagen so weit fortgeschritten waren, daß es möglich ist, ihren Verlauf und ihre Ergebnisse in großen Zügen zu über- seh«i.
Obwohl diese Kämpfe sich auf allen Fronten ob- gefpkslt haben, bilden ste doch eine ziilsainmenhängende Einheit. Obwohl sie, von deutscher Seite aus betrachtet, sich teilweise als Angriffs-, teilweise als Verte r di g u n g s s ch la ch t e n darltellen, liegt ihnen doch mn einheitlicher Wesenszug zugrunde, der sich mit dem Satze kennzeichnen läßt: an Stelle der geplanten Früh- jgHrsofferifive der Verbündeten ist eine deutsche F r ü h j a h r s o f f e n f i v e in die Erscheinung getreten. Die Anstürme der Russen und Italiener stellen sich nur taktisch als Offensiv-, strategisch ober als Dsfenfiv- handlungen, wenn schon als solche allergrößten Stils, dar. Das findet schon in dem Ausdruck „E n t- l« stu n g s o fsen si v e" einen etwas verblümten und beschönigenden, aber unmißverständlichen Ausdruck. Eine Entloftungs-offenftve ist eine -Offensi-Vhandlung mit Defensivzlveck.
, Was das für Geist und Stumnung der Truppe bedeutet, vermag vielleicht nur der ganz zu beurteilen, der diese Kämpfe selbst mitgeinacht hat. „Es geht vorwärts" — dies Wort übt auf den deutschen Soldaten einen magischen Zauber aus. der alle Glieder des Riesenorganisimns unserer Armee mit Wunderkrästen durchdringt. „Wir greisen an" — da siihlt sich jeder stolz und, freudig beteiligt, auch wenn die Gesamtlage rhn an, eine Stelle geführt hat, wo er und sein Verband sich in der Verteidigung befindet, llnsere Ostfront hat sich angesichts des Bewußtseins, daß w i r das Gesetz der Stunde diktieren, bei ihrer heroischen Gegenwehr gegen die russischen Masfenanstürme ebensowohl von Offensive beseell gerühlt als die Kaine- r aden i m W e st e n.
I.
Es fft nur natürlich, wenn sich die angespannte Auf- merksainkeit des Erdballs aut die große lbainpshand- lung vereinigte, welche die Deutschen feit dem 21. Fe- bruar zunächst aus dem ö st I i ch e n, dann auch aus dem westlichen Maasufer eingeleitet hatten. Diele Kampfe lassen sich in drei große Gruppen gliedern: Zunächst erfolgte der wffentlich nordsüdlich gerichtete Vorstoß aus der Linie Consenvoye-AMnnes aus die Linie Ghamp-Nsuville-Douauniont. Eins zweite Angriffshandlung richtete sich von Etain, also von Nord- osten, aus auf die Höhen der Cütes Lorvaines in allge- nwiner Richtung aus die nordöstliche Kante des Fortgürtels. Iw Anschluß an diese beiden innerlich zu- 1 ammenhängenden Angriffsgruppen entwickelte sich dann vom 6. März an eine dritte Reihe von Kämpfen, dre auf der Linie Forges-Regnieville über die Maas hinubergrrffen und sich Novdriand der Befestigungs- anlagen des westlichen Maasufers zum Ziele nahmen.
Der jähe und anscheinend nicht völlig erwartete Vorstoß gegen die nördlichen und nordöstlichen Be- fosttgimgsgriippen des Festungsgürtels um Verdiin hatte int ersten Anlauf bis an den eigentlichen Forts- gürtel herangeführt und ein wichttges Glied dieses Gürtels, das Fort Douaumont, und dann, nach dem harten Ringen mchrerer Tage, das noch weit stär- ker befestigte und mit Hartnäckigkeit verteidigte Dorf Douaumont nebst den anschließenden Feldwerken in unsere Hand gebracht. Statt der Zurückeroberungsver- suche des Feindes gelang es uns am 8. März, einen wichtigen Stühpunkr für oie linke Flanke zu gewinnen, indem das Dorf Vaux genommen und bis zur Straßengabel im Westen des Ortes befestigt wurde Der Angriff stieß auch bis in das gleichnamige Fort durch, doch konnten nur die n ö r d l i ch des Forts ange- legten Befestigungen dauernd gehalten werden. Seit- dem beschränkten wir uns östlich der Maas auf die Fest- Haltung und den Ausbau der gewonnenen Linie vom »Ludvande des Forts Douaumont durch den Alba in- Wald und weiter am Südhang des Pfeffer- Rückens „entlang bis zu den in unseren Besitz ae- langten Dörfern Vacherauville und Chcmip an der Maas. Links anschließend stiüen die aus der Woevre- Ebene andrrngenden Truppen der Nordostgruppe trotz schwersten Artilleriefeuers, das von ixm Höhen der Codes herab ihr Vordringen zu hemnren suchte, am 7. März die Franzosen aus Fresnes herausg^ewor- fen, am 9. März noch den Feuilla-Wald und die Weinbergshöhe 251 nördlich Damloup genommen und halten nun den Fuß der C5te bis Champlon nordöstlich Eombres fest in .Händen.
Der Angriff aus nördlicher und nordöstlicher Rich. tnng tvar sonach mit Beginn des zweiten Mävzdrittels zunächst zum Stehen gekommen. Ter Feind ihat auf der Kampflmie beiderseits der Maas in klarer Erkennt- ms, des Ernstes seiner Lage ganz außerordentlich starke Kräfte hermugeworsens Im Kampf fft das Vorhanden- sein von 28^ französischen Divisionen ststgcstellt war-
den, während nett großer Bestimmtheit noch der Einsatz' von 4 weiteren Divisionen ermittelt werden konnte. Insgesamt stehen also hier die Kräfte von rund 16 französischen Armeekorps im Kampf.
Während so die -Schacht aus dem östlichen Maas- User zu den Formen undKampsmittsln des Festungskrieges überleitete, gingen wir seit dem 6. März auch auf denr westlichen Maasufer zum Angriff über, und hier ff't ein -schrittweises, aber ununterbrochenes Vorwärtsdringen im Gange. Nachdem der Maiasübergang und die Einnahme der Dörfer Forges und Regnieville g-elungen war, wurde am 6. März die Höhe 265 südöstlich Fvr-ges gestürmt. Dann warfen sich unsere Truppen mit einer Rechts- schp«nkung in die zusam-menhängenden, hartnäckig verteidigten Dickichte des C u m i ö r e s- und Raben- Waldes hinein. Beide wurden vis zum 10. März ge- fäibert und gegen stürm-ffch anrenneude Gegenangriffs gehalten. Schon vier Tage später wrnbe die ganze, den Wäldern weUich vorgelagerte „Mort-Homme- Stellung" genommen und trotz wütender Mick- eroberun-gsversuche behauptet.
Und nun griff unser Angriff noch -weiter westlich um jene zusammenhängende Gruppe fester Stellungen herum, welche die Dörfer Bethincourt. Malaneourt und Haucourt zu Stützprinkten und hinter ihrer Mitte die Höhe 304 zum Rückhalt hat. Aus dem Gehölz von Malanoourt drangen unsere Truppen in den südlich vorgelagerten Wald von Avocourt ein und brachten ihn am 20. Mörz fest in ihre Hand. Am 22. wurden die nach Malancourt und Haucourt vorfpringenden Bergnasen hinzugenommen, und am 31. März wurde auch -das Dorf Malancourt selber gestürmt, während inzwischen auch das Dorf Haucourt genommen werden konnte. So verengerte sich hier von Tag M Dag der dem Feinde noch gebliebene Raum. In diesen schweren Kämpfen gingen die d«n Feffide noch veMiebenen Dörfer Cumiöres, Marre und Boas in Flammen auf. Aber auch die Stadt Verdun, die seit Beginn der Operationen unter unserem Feuer liegt, steht in Brand.
_ (Schluß folgt.)
Die Lage im westen.
Bethincourt bedroht.
Die Berlegnng der französischen Front nach rückwört».
F. Rotterdam, 7. April. (Jens. Bin. Von unserem Son- derberichterstatter.) „Daill, Telegraph" meldet ans de« französischen Hauptquartier: Die Deutschen setzen ihre Operationen bei Verdun hartnäckig fort. Dir Lage der Franzosen bei Bethincourt wird so kritisch, daß die Verlegung der Front auf die weiter rückwärts belesenen Höhen- punkte möglich ist. Die Kämpfe gestalten sich in dem engen Raum immer schwieriger. Man fragt sich, wir lange werden die Deutschen noch Verstärkungen erhalten?
Zur bevorstehenden wirtschaftlichen Konferenz.
Das Programm des Bierverbands.
»r. Lugano, 7. April. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Wie der „Corriere della Sera" aus London meldet, sollen auf der Pariser wirtschaftlichen Konferenz Fragen des Zolltarifs vermutlich nicht erörtert werden, da die italienische und ftanzösische Regierung noch nicht sicher sind, daß England den Defensivzoll gegen Deutschland mit Bevorzugung der Verbündeten annehmen wird. Das Konferenzprogramm enthält folgende Punkte: 1. eine
wirksamere Gestaltung der Blockade, 2. Schuhmaßregeln gegen die inkorrekte schädliche Handelsmethode Deuffchlands,
3. gegenseitige Hilfeleistung der Verbündeten für Übersee- transporte von Rohstoffen für industrielle Anlagen usw., ferner auch wahrscheinlich finanzielle Abmachungen und Maß- nahmen zur Verbesserung der Wechselkurse.
Ein neutrales Urteil über Verdun.
Der „Köln. Ztg." wird geschrieben: Täglich zweimal über- schwemmt jetzt Havas die Matter der neutralen Staaten nrit französischen Siegesnachrichten über Berbun. Die Franzosen sollen dort bewiesen haben, daß sie die ersten Soldaten der Welt seien, und umgekehrt, sollen sich die Deutschen dort eine Schlappe nach der andern holen, und -was dergleichen Verdrehungen der Wahrheit mehr sind. Wr haben nichts anderes dagegen zu setzen, als den einfachen kurzen Wortlaut unserer amtlichen Berichte. Trotzdem also, was Umsang und Volltönigkeit der Mitteilungen anbelan^, ein arges Mißverhältnis besteht, ist es der französischen Agentur doch nicht gelungen, die Lag« so zu verwischen, daß mit ge- sundem Menschenverstand begabte Beobachter die Wirllichäit völlig verkennen. Beweis dafür ist auch einer der letzten Leit- artikel -des Madrider „Jmparcial", worin z-war „die Zähigkeit des stanzöfischen Widerstandes gegenüber deut- scheu, Heldentum" anerkannt, weiterhin dann aber folgendes ausgeführt wird: „Es scheint indes nicht, als ob die vrn Deutschland zum Angriff entwickelte Kraft bereits ihren höchsten Grad erreicht -hat. Die Schlacht kann sich noch bis auf unbestimmte Zeit hinziehen, nachdem man einmal das System der zeitweiligen Ruhepause angenommen hat. Die Franzosen werden noch mehr Truppen dort anhäufen müssen, wenn sie die kleinen Toi-lfortschritt« des Gegners unmöglich
