Verlag Langgaffe 21
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Sreitag, 7. April 1916.
Morgen- Ausgabe.
Nr. 163. ♦ 64. Jahrgang.
Kidmarschall hindenburg; goldenes MMtärjubllSnm.
Bon unserem militärischen Mitarbeiter.
Der 7. ZIpril 1916 gehört unsevoni Dolksholden Hrnoenü ur^. Es ist der Dag, an welchem er vor fünfzig >zahren als Leutnant in das dritte Garde- regrment zu Fuß eintrat und hierdurch,den Grundstein Ikgte zu einer glanzenden Laufbahn, zwar reich an Arbeit aber gekrönt durch unvergängliche und glanzende Erfolge.
Hindenburgs dienstliche Tätigkeit fiihrte ihn in dem schnellen Ausstiege des Gsneralstabsoffiziers durch alle Dienstgrade und durch die wichtigsten Dienststellen ^'s Heeres. Wohl gchörte er vorzugZweise denn Gene- ralidab an und legte hier die Grundlagen für seine patere bewundernswerte Feldherrntätigkeit. Trotz- dem lernte er in Violen verantwortungsvollen Stellen den Frontdienst gründlich kennen, gewann durch chn einen wesentlichen Einfluß auf die Ausbildung von wruppen, die Schulung von Truppen sührern, und schärfte so m jahrelanger Arbeit das schneidende beut- sche Schwert. Eine achtjährige Tätigkeit als kommandierender General .des 4. Armeekorps bildete den schönen Abschluß seiner glanzenden militärischen Friedenslauf- bahn. . Seitdem lebte er vom Jahre 1911 ab im Ruhestand in Hannover, ungekannt vom Volke, jedoch nicht vergessen von denjenigen, welche unter ihm gedient und durch chn geleimt hatten. Aber auch Hindenburg schien dem unerbittlichen Schicksal anheimfallen zu sollen, welchem un F«eden so viele betvahrte Truppeniührer nrcht entgehen Kimen, dem harten Los, das Lebensende beschließen zu muffen, ohne in die Lage zu kam- men. ferne Fnhrerfähigkeiten im Kriege bewiesen zu haben.
Aber Gottes Fügung wollte es anders. Die Wettcrfturme des August 1914 brachen heran und der. dunkelten dre strahlende Friedenssoirne, welche 44 ^ahre lang denn >deuffchen Volke und der ganzen Welt zugelächelt hatte. Von allen Seiten fielen die netbi- scheu Fern»« das deutsche Volk und seinen Bundes- genossen an. Ungeachtet aller herrlichen Siege in Bei. gien und Frankreich richteten sich voller Sorge die Vlrcke des deutschen Volkes nach dem Osten des Reiches wo die gefürchtete „russische Dampfwalze" im Begriff war, dre deutsche Ostmark zu zermalmen und einen Terl deutscher Kultur an Oder und Weichsel mit är.tusnvf und Stiel zu vernichten. Da. in Stunden der höchsten Rot, erstand dem deutschen Volke in Hinden- bürg ern Retter in der Not. Unseren Kaiser HE" wir es zu danken, daß er zur rechten Stund« den rechen Mann fand und ihn aus den rechten Platz stellte.
Wenige Tage nach der Übernahme des Oberbefehls durch den General v. Hindenburg durcheilte die frohe Kunde von dem glorreichen Siege bei Tannenberq dre detftschen Lande. Dannenberg bildete den ersten wertleuchtenden Meilenstein auf der langen Sieges-
™ ^. Marschall Hindenburg inr Lause von nun- mehr 20 Krregsmonaten errichtete. Durch Dannenberg M,ann der Marschall die Herzen des deutschen Volkes, blft ehernen Lettern prangt seitdenr der Name Hinden- bürg mr Denken und Fühlen, im Hoffen und Harren ve-> deutschen Volkes. Die Augustsiege des Jahres 1914 machten Hmdenburg zum deutschen Nationalhelden von der Große ernes Bismarck. Der Glaube des deutschen Bockes an dre überragende Feldherrnbegabung -dieses Mannes ist so unbegrenzt, wie ihn in ähnlichem -Maße ™ anderer vor ihm jemals besessen hat noch besitzen
Und tatsächlich ist dieses felsenfeste Vertrauen auf das glänzendste qerechtfertigt worden Sern Feldherrngenie zeigte sich zu allen Acuten des Krieges, bei ccllen Gelegenheiten, sowohl im Angriff wie rn der Verteidigung der feindlichen Führung wert überlegen Großfürst Nikolaus, Rußlands be- dwnderter Feldherr, erlitt eine Niederlage nach der anderen. Weder ep noch fein kaiserlicher Onkel, noch der General Alex^ew, noch der General Rußki, keiner von chnm vermochte Hindenburg zu besiegen. Stets v neben ste dre Besiegten.
vs Ik^eren kriegsgeschichtlichen Forschung wird L* Überlassen oleiben, die wunderbaren Siege Feld- narschall Hindenburgs näher zu ergründen und festzu- ni welchem inneren Zusam.nrenbauqe die strate- Maßnapinen des großen Feldherrns gestanden °oben, welche w glanzende Siege zeitigten. Trotzdem Nnd eniOelne Momente m der Kriegskunst dieses Heer- K°ers so hervorstechend, daß sie auch jetzt schon Cr- v^hnung verdienen. Alle seine Siege erfocht dieser auzende Führer nftt einer Minderheit ' a " a e n ^n e Mehrheit Ein Mann wie HürLiburg nrenmls als der Schwächere. Er kannte keine urcyt vor Zahlen, welche die Entschlußkraft anderer -L^^^^tMder Männer, sicherlich gelähint hätte.
Kiüyni^lt, fern überlegenes strategisches Können
fern klarer Blick, sein Wagemut und sein unbegrenztes vertrauen rn den Leistungswillen und die Leistungs- trast der chm unterstellten Truppen, das waren die inneren Quellen der Hindenburgschen Überlegenheit ^'hm dankt das deutsche Volk, ihm auch das ihni unterstellte Heer, daß die ängstliche Scheu vor der russischen Uvernracht aus -deren Herzen gebannt wurde, daß er so me Grundlagen seiner großen Siege gelegt 'hat. Seine wunderbarsten Siege sind U m f a s s u n g s- und V e r- nichtun gs schlachten, nach dem Vorbild von Eanno. Allen bisherigen Anschauungen zum Trotze wagte er sie trotz einer zahlenmäßigen Unterlegenheit. Das konnte er aber nur tun, weil er seine Truppen, deren Leistungsfähigkeit und Ausdauer kannte. Völlig neu für unsere Feinde wandte Hindenburg die von rhneir als „Nberraschungsstrategie" bezeichnete Kriegskunst an. ©r verfolgte hierbei den Grrmdsatz, selbst alles .vom Feinde zu wissen, diesem jedoch .möglichst weiiig zu verraten. Vor allen Schlachten benutzt 'der Marschall eme Verschleierung seiner Absichten, so daß der Fernd nremals weiß, wann mrd wo ihn der vernichtende Schlag treffen wird. Dieser Verschleierung niacht Hindenburg alle nwdernen Mittel der Technik nutzbar, auf der Erde, wie in der Liift. Wir sehen ihn als einen Meister im richtigen Bereitstellen und An- setzen seiner Truppen. Geradezu ein Schulbeispiel hier für bildet der Beginn der Winterschlacht in Masuren. Der Fkankenstoß durch den Forst von ^ohannrsburg, -die Umklammerung über Memel, werden dem Gegner so geheim gehalten, daß der -Schlag ihn unverhofft trifft. Wie kein zweiter vor ihm werden alle modernen Verkehrsmittel rn den Dienst der Hin denburgschen Strategie gestellt. Mr sehen ihn Armee- rorps von einem Frontpunkt zum anderen verschieben, leoesmail üa ivo es noüv-eindi^ i-st. TÄn Vertmuen in me Lerstnngssähigkeft unserer Bahnen wird jedesanal ebenso gerechtfertigt wie dasjenige in die über- menschliche Marschkraft seiner Truppen. Richtrges Ansetzen und zweckentsprechendes Einsetzen der Truppenkörper Mr rechten Stunde und dem richtigen .Döatze, dQs sind die HauPiMheimnisse.de 5 Hinwendung schen ^triateqre. So weiß er herrliche Erfolge zu er rmgen. Nicht minder versteht er es, sie durch eine rücksichtslose Verfolgung zu vervollständigen und auszunutzen. Wiederum ist hierfür die winterliche Nlasurenschlacht -das glanzende Vorbild. Wenn es ,dar- airf ankornmt, den Feind voll und ganz zu -vernichten, dann stellt Hindenburg nrit Stecht die schärfsten Anfor- iderimgen an die Leiitungsfähiqkeit von Mann und Roß So, endete die, Winteffchlacht in Dtasuren nach kaum drei Wochen nicht auf ostpreußtschmn, sondern weit auf russischem Boden. Er besiegt den Feind nicht nur mit öer Waffe, sondern auch mit den Beinen. In Hinden- bürg zeigt sich mcht nur der Meister der Maltkeschen Uinfaßunflssttategie, sondern auch ein solcher auf dem Gebiet des Durchbruchs im Sinne Napoleons I. Alle Anfänge ferner großen Schlachten stehen zunächst unter dem Zeichen des Durchbruchs. Die Umfassung und Vernichtung des Gegners fit dann die nächste Arbeit. Das Feldherrngenre dieses Mairnes umfaßt aber auch die wui^rbaren Fähigkeiten, im richtigen Auaenbfick, unbemerkt vorn Feinde, sich von diesem M lösen Der Hrndenburgsche Rüchzug im Herbst 1914, als er bereits vor den Mauern Jwangorads stand, als Großfürst Nikolaus mtt 4a Armeekorps von Warschau cnis den linken deutschen Flügel .zerschmettern wollte, zeigt uns diesen Mann auch diesen krttischen Sitiiafionen '.gegen- uder gewawsen Die gleich -darauf eiiffetzends Offensive fuhrt den Fsldiherrn wiedc'r auf fein herrlichstes Gebiet auf Me Vernichtung des Gegners im Angrfff. Der mückzug aus Polen bleibt ttotzdem eine wunderbare Leisttlng Hindenburascher Strategie. Die gleich dar auf folgenden Slgge bewiesen zur Genüge, daß ein Mann wie er ohne Gefahr für oie -Moral -der Truppen auch zuruckgehen kann.
Nach der Vernichtung der russischen Armeen tm Sommer 1915 halt Marschall Hindenburg zwischen Ost- lee und Priviet seit über eiirem halben Jahre treue Wacht. Metrum erschöpfen sich die russischen Ncassen in aussichtslosen Angriffen gegen seine Stellungen und wredc-rum weiß der erprobte Feldherr mit einer Min- derheft die zahlenmäßige Überlegenheit zu besiegen Auch rn der Verteidigung bleibt er der Überlegene Dem ernfttaen General v. Hindenburg hat ' fein oberster Kriegsherr vor einem Jahre die Feldmarschalls- Wurde verlrehen. Mehr ciber noch als dies wurde und buch er der deutsche Volks Held, welchen das '-anware Vaterland nie vergessm wird. Unzählige Körperschaften ernannten chn zu ihrem Ehrennfitglied Eine Auszcrchnimq nach -der andcreii häufte sich auf das loibeerumkranzte .Haupt dieses Mannes. Trotzdeni bleibt er ebenso schlicht irnd einfach, abenfo bescheiden und ohne Uberhobimg, wie vor seinen großen Erfolgen. Gerade dies-adelt ihn noch mehr. Jm?ner wieder weist er .darauf hin, daß nächst dem Lenker aller Schicksale, seine örQven üiejeni<gien es sin>d, wölche
den Hauptanteil an seinen großen Erfolgen gehabt haben. An seinem heutigen Ehrentage blicken das deutsche Volk und die Mnze Welt voller Bewunderung zu diesem seltenen Manne auf. Mr Deutschen sind, stolz, daß ims-ere Nation noch einen solchen Mann hervorgebracht hat. Insbesondere schaut das -deutsche Heer mü hochachtender Bewunderung auf den Marschall Hinden- bürg.. Ebenso wie er selbst, wünscht auch das ganze Volk ihm, daß die Früchte seiner unvergänglichen Arbeit recht bald zu einem ihrer würdigen Frieden führen mögen. m.
Deutscher Reichstag.
lVon unserer Berliner Abteilung.)
L. Berlin, 6. April. Der zweite Beratungstag des. Etats für den Kanzler und das Auswärtige Amt glich der zweiten Aufführung nach einer sen-sationÄen Premiere. Wieder recht viel Tribünengäste und am Negierungstisch das große Gefolge, das im Strahlen- kreise des Reichskanzlers nie zu fehlen pflegt. Herr v. Bethmann-'HoLweg hörte mft großer Auifmcrks«mk«t aut die Reden der Abgeordneten v. Payer (Bpt.) und Dr. Stresemann (nat.-lib.) sowie eines Teils der Rede des konservafiven Mgeocdneten Grasen Westarp. Dabei konnte er sich überzeugen, daß ferne Äußerungen über Deutschlands FriedenÄ»orbedingungen auf das Haus eine befreiende Wirkung ausgeübt haben. D,e verschiedenen Auslegungen, die von rechts und links der belgischen Frage gegeben wrrrden, kamen in so ruhiger Form, mit solcher Verbeugung für die Auf- faffungen der Gegenparteien, daß man beinah« den Eindruck gewann, die bisherige mühsanc zurückgehnttene Erregung in der pofittschen Presse wäre hauptsächlich Ursache von verschieden ausgelegten Zensiurverbot e n und von der größeren o-der gevingeran Frei- Heit, der einzelnen, sich über Krieg- oder Friedensziels zu äußern, weniger aber von der grurrdlegenden Meinungsverschiedenheit selbst. Man darf sich ab'er doch wohl nicht verfrühten Hosfnungeir hingeben, daß die alslbaldigie Freigabe der Friedensd-iskussicm dauernd die höflichen Fornren gewährleisten würde, der -sich hmfte -und gestern die Parteiführer befleißigten. Das Echo der Kcmzlerrede im Auslände, das man mit Spannung ettvartet, kann wiederum die 'Rückwirkung haben, »aß wir vielleicht auch weiterhin die Meinungsbeschränkirng im Interesse des Burgfriedens gut heißen müssen Der gute Humor des Abgeordneten v. Payer kleidete dis großen Fragen in ein liebenswüvdiaes Giewand. Aus der Taffache, daß der Kanzler endlich die Kriegsziels erwähnte, leitete der Abgeordnete v. Payer die' Vermutung her, die verbündeten Regierungen hofften, daß der Friede näher komace. Mit besonderer Genugtuung hörte man des Redners Anteilnahme an der Lage der uns stammv-ernrandten neutralen Holländer. Den wirffchafffichen Vernichtungskrieg Englands fürchte nienmnd. Auch nach dem Kriege wird man wie- der überall in der Welt unsere Mitarbeit suchen. -Wörme Worte widmet er unseren mitteleuropäischen Zr-slen. Mt dem nafionalliberalen Abgeordneten Stresemann hörte man die schärfere Kriegsnote. Das geschästsffichtige Amerika bekam einen Denkzettel, der -den anwesenden Diplomaten zuviel des Guten zu sein schien. Im eroberten Ostland gleicher Meinung mft dem Vorredner, ging Sttesemann dieselben Schrrtte weiter, die gestern der Abgeordnete Spahn namens des Zentrums iu der Ausdeutung des Kanzler- Programms gsgangen war — kaum eine Nuance wem- per, die militärffche, wirtsckattliche nnd politische Ober- gelt u n g Deuffchlands müsse in Belgien sichtbar wer- den, aus dem nassen Dreieck müssen wir heraus D-r Konservaffve Gw.f Westarp war ein Miffter vornehmer Zurückhaltung. Vom llntersesbootskrieg knapp ein Wort: Daß die Rechte in höherem Interesse die Hand kur Versöhnung nicht ausschluq, daß sie aber auch der Meinung ist, daß von ihr wffächlich Zugeständnisse, welche dre schärfere Anwendung unserer Kampfmittel anbetrafen, gemacht wurden.
Nach einer etwas innerpoliffsch abg-estiminten Zen- furvede des Abgeordneten Dr. Werner-Gießen begann das großzügige sozialdemokratische Brnderduell Haase- Scheidemann. Der Vertreter der sozialdanrokratischen Arbeitsgemernschaft will keine Annexionen. Das ist sein Recht. Aber daß wir jetzt noch ein an Belgien begangenes Unrecht gut zu machen haben sollen un» der- glerchen mehr, hieße dos eigene Land in den Rücken treffen. Auch über den bedingungslosen Friedenswillen innerer Kämpfer stellte er unerhörte und grimdsolsche Behauptungen auf. Staatssekretär v. Jaaow mfter- kr«h mit einer knappen, aber gswichfigen Fesfftellmrg cae Ansiprache der äußersten Linken: er betonte, im rechten Augenblick, daß durch die .Kanzlerrode vom 4. August 1914 .der Nachweis erbracht wurde, daß Bel- gien sich längst unseren Feinden verschroben -hatte Abgeordneter Schei-demann stellte fich namens der
