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o Morgen-Verlage der Wiesbadener Tagblatts. I-

Nr. 82.

Donnerstag, 6. Kpril.

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f(8. Fortsetzung.)

Ilttt GEf)v<t und Ccbcn. vertzotm.)

Roman von Paul Blitz.

Mso war es doch wirklich schon seine Pflicht, wenn er die Hoffnungen des guten Jensen ein wenig energisch unterstützte! 'Später aber, als er daran 'dachte, daß sich erst vor einem halben Jahre ein veritabler Gras um seine Schwester beworben hatte, und daß er ihr jetzt die Ehe mit einem simplen Kassierer zumuten wollte, da wurde er doch etwas nachdenklich gestimmt. Indessen hielt das nicht allzu lange vor, nur nicht sentimental Werden, hier mußte matt ganz einfach mit den Verhält­nissen rechnen. Und unter den augenblicklichen Um­ständen wäre diese Heirat tür Lucie direkt ein Glück!

So nahm er sich vor, die Sache uttbedingt zu fördern.

Noch a:n selben Tage sagte er zu Hause ganz harm­los, daß man Jensen, dem er sich stark verpflichtet fühle, doch Wahl mal einladen müsse.

Die Mama war sofort einverstanden. Auch Lucie nickte zustimmend: sie Uw ehrlich erfreut, daß der

Bruder sich an Jensen anschlotz, denn sie erhoffte von diesem Umgang nur Gutes für Kirrt.

Also wunde Fritz Jensen zum nächsten Sonntag zu Tisch geladen.

Natürlich kam er, strahlend vor Freude, stattlich und stramm, aber mit oinenr Mick, aus dem ein stillinner­liches Glück sprach. Offen und ehvlich trug er seine Freude zur Schau, >daß er nun in der Familie seines früheren Ghefs verkehren dunste.

Die alte Dame hieß ihn herzlich willkommen, ebenso auch Lucie, uud so saß man schon nach wenigen Minuten zwanglos zusammen.

Kurt beobachtete gespannt. Aber nichts von dom, tvas er erhoffte, bemerkte er. Sowohl Jensen wie Lucie verrieten mit keinem Wort oder Blick, daß sie sich für einander interessierten.

Man erlebte einen anregenden, unterhaltungsreichen Nachmittag. Und Lucie entdeckte mit sichtlichem Inter­esse, wie gut unterrichtet auf allen Gebieten des öffent- ltchen Lebens Jensen war, ja, sogar über alle Neu- erscheinungen in der Kunst war er orientiert. Unwill­kürlich verglich sie dagegen Kurt. Me viel weniger be­wandert tvar der! Nie wußte er über irgend etwas zu sprechen.

Als es zum Mschied kam, mußte Jensen der Haus­frau fast versprechen, nun recht oft und recht bald wieder- zukommen.

Mit Freuden tat er das. Sein Gesicht war rot und aus allen Fügen sprach die Erregung. Und da, als er Lucie die Hand reichte und „auf Wiedersehen" sagte, da zum ersten Male zuckte es flammend in seinen Augen auf, und er verriet nun sonnenhell, wie es in seinem tiefsten Innern aussah.

Es war nur ein einziger heißer Mick gewesen, doch Lucie hatte ihn sofort verstanden: und damit wurde ihr zum Erschrecken klar, daß er sie noch immer liebte. Sie erbebte bis ins Innerste hinein, aber sie nahm sich zu­sammen, verriet sich durch nichts und sagte ihm freund­lich Adieu.

Kurt stand seitwärts und lächelte heimlich, nun wußte er genug, das war ihm der Beweis, daß er sich ganz entschieden nicht geirrt hatte, und schnell war sein Plan fertig.

Noch am selben Abend, als die Mama zur Ruhe ge­gangen war und er mit der Schwester allein saß, brachte er das Gespräch auf Jensin, — daß er ein so netter Mensch wäre, dessen man sich durchaus nicht zu schämen brauchte, und so weiter.

Lrtcie hört« mit Erstaunen zu, doch erwiderte sie nichts, und sah auch nicht von ihrer Arbeit auf, doch als er immer von neuem Jensens Lob in allen Tonarten pries, sagte sie endlich so nebenbei: „Früher dachtest du anders über ihn."

„Ich habe ihn eben erst nach und nach kennen ge­lernt und bin so zu meiner neuen Ansicht gekommen", entgognete er schnell und schlagfertig.

Sie sckxvieg, aber sie dachte: wo hinaus will ei eigentlich? Plötzlich sagte er: „Weißt dil übrigens, 'daß Jensen sich noch immer für dich interessiert?"

Blutrot wurde sie, mtd ohne daß sie es hindern konnte, stieß sie die Frage heraus: „Was heißt dies

„noch immer"?"

Kurt lächelte. „Du meinst, rch wüßte -das nicht? Du irrst dich, Schwefterlsin. Ich kannte die Chose. Aller- dings war ich wohl der einzige, der 'das -damals beob- achtet hat. Aber ich sah, daß er sich dir zu nähern -ver­suchte und -daß du ihn ziemlich kühl in seilte Schranken wiesest."

Sie schwieg, alles in ihr bebte vor Erregung.

Er aber sprach ruhig lächelnd weiter: „Hoffentlich

hast du heute deine Meinung geändert, nicht währ?"

Ganz starr, mit großen, unruhig flackernden Augen sah sie ihn an. „Was — was heißt dos alles denn? Ich verstehe dich nicht. Was willst du eigentlich von mir?"

Noch immer lächelte er sie an, ihre Erregung schien ihn sichtlich zu amüsieren. Und halb spöttelnd warf er die Frage hin: „Solltest du nrich wirklich nicht ver­

standen haben?"

Ohne zu antworten, stand sie auf und wollte hinaus- gehen. Da sprang er aus und vertrat ihr den Weg.

„Nein, so entkommst du tnir nicht!" rief er burschi­kos. „Erst wollen wir mal den Fall hier klar be- sprechen!"

Doch sie blieb ernst. Mit kühlen, fast harten Worten entgegnete sie: „Laß doch gefälligst die Albernheiten, ja! Zu solchen Scherzen bin iÄ jetzt absolut nicht aufgelegt!"

„Scherzen? O bitte, mir ist eS bitterer Ernst damit!"

Wieder sah sie ihn stumm und starr an, denn sie be­griff noch immer nicht, wohinaus er eigentlich wollte.

Und er, jetzt auch ernster werdend: „Oder hast du etwa noch immer dieselbe Wneigung gegen ihn?"

„Was geht denn das dich an?" fuhr sie nun auf.

„Sehr viel, meine liebe Lucie. Denn es scheint, ich mutz dich erst daran erinnern, daß wir jetzt atme Leute sind. Danta-ls konntest du dir schoit den Luxus leisten, einen -Mann wie diesen Jensen fortzuschicken: heute da.