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Verlag Langgaffe 21

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Donnerstag, 6. 5lpril 1916.

abend-Kusgabe.

Nr. 164. * 64. Jahrgang.

(Eilt neuer Luftangriff auf

k^aueourt gestürmt!

11 Offiziere, 531 Mann gefangen.

Der Tagesbericht vom 6. April.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 6. April. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Westlich der Maas verlief der Tag zunächst durch das Borbcreitungsfc rer, das wir auf die Gegeud von H a u c o u r t legten, fehr lebhaft. Am Nachmittag war auch die Tätig­keit unserer Infanterie rege. Sie stürmte daS Dorf Haucourt und einen stark ausgebauten franzö­sischen Stützpunkt ö st l i ch des Ortes. Abgesehen von sehr erheblichen blutigen Verlusten büßte der Feind 11 Offiziere, 531 Mann an unverwundeten Gefangenen, die zwei verschiedenen Divisionen angehören, ein.

Auf dem rechten Maasufer wurde ein erneuter Angriffsverfuch der Franzosen gegen die von uns im C a i l l e t t e - Walde und nordwestlich davon am 2. April genommenen Stellungen schnell erstickt.

Östlicher und Balkankriegsschauplatz.

Es hat sich nichts von besonderer Bedeutung ereignet. Oberste Heeresleitung.

Da; englische Industriegebiet wieder als Ziel unserer Luftschiffe.

Whitby. Hüll und Leeds und eine Anzahl Bahnhöfe mit gutem Erfolg beschossen. Alle Luftschiffe unbeschädigt zurürkgckehrt.

W. T.-B. Berlin, 6. April. (Amtlich.) Marineluft­schiffe haben in der Nacht vom 5. zum 6. April ein großes Eisenwerk bei Whitby mit Hochöfen und ausgedehnten Anlagen zerstört, nachdem vorher einer Batterie nördlich von Hüll mit Sprengbomben belegt und außer Gefecht ge­setzt. Ferner wurden die Fabrikanlagen von Leeds und Umgebung, sowie eine Anzahl Bahnhöfe des In­dustriegebiets angegriffen, wobei sehr gute Wirkungen beobachtet wurden. Die Luftschiffe wurden heftig beschossen; sie sind alle unbeschädigt gelandet.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

Oie Lage.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

L - Berlin, 6. April. (Eig. Meldung. Zens. Bln.) Die Kämpfe um Verdun nehmen ihren systematischen Fort­gang sowohl auf dem linken wie auf dem rechten -M a a s u f e r. Gründliche Artillerievorbereitung erlaubt uns mit größter Menschenschonung die Fortschritte zu erzielen, über die täglich die Heeresberichte mit einer Zurückhaltung und Bescheidenheit vermelden, die den französischen Militärkritikern immer un­heimlicher erscheinen wollen. Es ist auch in Paris aufgefallen, daß man im deutschen Hauptquartier zuweilen wichtige Errungenschaften, so die Besitznahme des Dorfes Vaux, erst bekannt gab, wenn schon der französische Heeresbericht den Gcbictsvcrlust ein gestanden hatte. Nicht die Besorgnis, das Errungene wieder zu verlieren und dem deutschen Publikum unnütze Enttäuschungen zu bereiten, verursachen die Gemächlichkeit unserer offiziellen Bericht­erstattung. Im „Journal" wurde richtig vermutet, die Deut­schen, „die doch das meiste Terrain bisher festzuhalten ver­mochten", legten offenbar Wert darauf, dem Gegner Rätsel aufzugeben, wo sie den n ä ch st e n S t o ß cinzusetzen planen

Heute meldet der Bericht des Großen Hauptquartiers daß das ganze Dorf Haucourt nach überaus schneidigem Angriff in unsere Hand kam. Die Be­deutung des Erfolgs bestätigt wieder die große Zahl der unverwundeten Gefangenen, 11 Offiziere und über 500 Mann. Möglich, daß die Franzosen nach ihrem gewohn­ten Rezept wieder sagcn, gerade wie nach der Wegnahme des etwas nördlicher gelegenen Dorfes M a l a n c o u r t, sie hätten den „bedeutungslosen Ort" freiwillig geräumt. Diese Gefangenenzahl sagt zu deutlich, welch hohen Wert sie auf die Festhaltung Hancourts legten. Die Karte zeigt uns die unstreitig wertvolle Lage des Dorfes, das zu halten für die Franzosen eine strategische Notwendigkeit hätte sein müssen. Das Dorf liegt erhöht, von ihm <rus kann

man mit Feuer das ganze Forgebachtal, die ganze Gegend von Bethincourt und den sog. S a ck r a u m be­streichen. Haucourt war der w i ch t i g st e Stützpunkt der französischen nördlichen Stellung auf dem linken Maasufer. Alle vorliegenden Nachrichten bestätigen auch, daß die Ver­teidigung sehr heftig war. Unsere Truppen» die diesen neuen Erfolg errangen, haben ein um so größeres Verdienst, als das Dorf von einem westlichen Stützpunkt vollkommen flankiert wurde. Sie stießen aber mit Schneid durch das ganze Dorf durch und säuberten es.

Gegenüber der französischen Darstellung, sie hätten nörd­lich des Forgebachs sich nicht dauernd zu halten b e a b s i ch - t i g f und ihren freiwilligen Rückzug angetrcten, als ihr Zweck, den Deutschen große Verluste beizubringen, erreicht war, entspricht, wie wir versichern können, keineswegs der Wahrheit. Graben um Graben nahmen die deut­schen Truppen systematisch die französischen Stellungen am Forgebach, wobei, was wir betonen dürfen, ihre Verluste im Verlauf der ganzen Kampfhandlungen ganz gering waren.

Bon der Ostfront hören wir, daß die Russen auf die Fortsetzung ihrer opferreichen Angriffe gegen Hindenburgs tapferes Heer verzichtet zu haben scheinen.

Oie Kanzler-Rede.

Die lange erwartete gestrige Rede des Reichskanzlers ist den Erwartungen gerecht geworden, die man von unbefangen national denkender Seite an sie gestellt hatte. Man darf sagen, daß Herr v. Bethmann-Hollweg mit den gewaltigen Aufgaben, dre ihm das Schicksal durch den Weltkrieg anvertraute, zusehends g e- wachsen ist. Formell und inhaltlich ist seine Rcb-e die treffliche Leistung eines Staats­mannes, der diesen Titel in großer Zeit sich zu ver­dienen gewußt hat.

Wichtig und wuchtig ist die Kanzlerreide beinahe in jedem Satz. Ergreifend wirken seine Danksagun­gen an die Truppen für ihre herrlichen Erfolge, nicht minder aber ihre ehrlichen, warmherzigen Worte der Anerkennung für all die Hunderttausende von armen und wenigbemittelten Familien, die in der Beschränkung und Verteuerung ihres Haushalts und den ihnen -dadurch zugsmuteten Opfern an ihrem Teil ihre vaterländische Pflicht erfüllen. Ausgezeichnet sind die Darlegungen, die den Feinden zeigen sollten, wie sehr ihre Aushungerungspolitik uns gegenüber fehl- geschlagen ist.. Vortrefflich weiß der Reichskanzler dar­zustellen, worin die liebevolle Protektion der Keinen Staaten durch England besteht. Die Fricdensbercit- schaft Deutschlands kann der Kanzler abenmols offen und frei bekunden: aber dre Zustimmung des Reichstags und des ganzen Volkes hat er in vollem Maße, wenn er feststellt, daß man sich mit einem A s q u i t h nicht an einen Tisch setzen könne, der als Vorbedingung für einen Friedensfchluß die Vernichtung Preußens bezeich­net hatte. Würdrg und überlegen ist die Art, mit der der Kanzler es ablöhnte, sich auf den polemischen Tief­stand zu begeben, den der englische Minister einzu- nch-men beliebt hatte. Am Beispiel von Verdun der- anschaulichend, welchem Trugschluß unsere Feinde an- beimffelen, als sie sich auf ein Erlahmen der deuffchen Kraft Hoffnungen machten, hat der Kanzler auch die Verkehrtheit der feindlichen Rechnung bewiesen, uns auszuhungern. Dabei hat er keineswegs die Tatsache abgeschwächt, daß wir infolge des Aushörens der aus­wärtigen Zufuhren zur Einschränkung unserer Lebens- Haltung genötigt sind. In diesem Zusammenhang bringt der Reichskanzler zum ersten Male vor der Öffentlichkeit zur Spraäje. ldaß die vorjährige Ernte eine seit langenJahren nicht erlebte Miß- ernte gewesen ist. Wenn wir trotzdem nicht nur auskommen, sondern auch noch mit einen: starken Vor­rat in bas neue Erntejahr übertreten, so wird hiermit die Aussichtslosigkeit der feindlichen Aushungerungs- Pläne um so drastischer erhärtet, als der gegenwärtige Saatenstand ungemein günstig rst.

Da sener Aushungerungsplan unserer Feinde mit ihrer völkerrechtswidrigen Bedrückung aller neutralen Staaten aufs engste verbunden ist, hat der Kanzler mit berechtigter Schärfe diese Gewaltpolitik gegeißelt, die sogar nicht davor zurückschrcckte, Amerikanern die Ab- sendung von Milch für deutsche K t n d e r zu verbieten. Daß wir in der Abwehr einer derartigen, jedes Völker­recht verhöhnenden Brutalität alle verfügbaren Mittel anwenden müssen, hat der Reichskanzler mit derselben Entschiedenheit ausgesprochen, mit der er von den Neutralen Verständnis für unser, ihre berechtigten

Interessen wahrendes Vorgehen forderte. Die Tätig- keit der deutschen Tauchboote beweist tatsächlich in bei­den Richtungen, daß es sich für Deutschland hier nicht um Worte, sondern um Daten handelt. Unseren Fein­den dient eben der Aushungerungskrieg als Mittel, unter dom Vovgeben der beabsichtigten Vernichtung des preußischen Militarismus Deutschland wieder in den „geographischen Begriff" zurückzubilden, dessen staat­liche Bedeutungslosigkeit ihrer Herrschsucht und ihrem Wettbewerbsbodürfnis Genüge tut. Daß solchem Vor­haben gegenüber der deutsche Arm zu immer stärkeren Schlägen ausholen wird, hat der Reichskanzler gleich­falls mrt der größten Entschiedenheit hervorgehoben. In >der Tat kann es für den Standpunkt Asquiths, jene Zertrümmerung des preußischen Militarismus als Vorbedingung von Friedensvevhandlnngen zu bezeich­nen, keine andere Antwort als den Hinweis auf unser starkes Schwert geben.

Der Reichskanzler hat sich jedoch nicht auf die ge­botene Abwehr -des feindlichen Kriegszieles be­schränkt, sondern ihm auch das deutsche Kriegs- z i e I in schärferen Umrissen, als es bisher ge- schghen, gegenübergestcllt. An früheren Ausführungen anknüpfend, umschreibt der Kanzler iim allgemeinen das deutsche Kriegsziol dahin: es müsse beim Friedens- schluß ein so st a r k e s Deutschland geschaffen werden, daß jeder unser Recht auf freie Entfaltung un- serer Kräfte anerkennt. Im besonderen erfordert ein solches Ziel Neuer"ngen an unseren Grenzen in -Ost ch in West. Nachdem wider unseren Willen die polnische Frage ausgerollt worden ist. müssen und werden wir sie im Verein mit Österrei ch- Ungarn lösen, indem wir uns bewußt sind, daß nach den weltgeschichtlichen Ereignissen kein 8tatu« quo ante in Fragen kommen darf, der zum zweiten Male die Aufstellung russischer Angriffsbeere an den Grenzen Ost- und Westpreutzens gestattet. Als Vor­kämpfer des Nationalitätsprinzips darf Asqrnth gegen die Befreiung der Polen, Litauer, Balten und Letten keinen Anstoß nehmen! In: Westen aber müssen wir volle Bürgschaften dafür erhalten, daß Bel­gien sich nicht wieder aut die englisch-französische Seite stellt. Dieses politische Programm hat der Reichskanz­ler durch Forderungen ergänzt, die er zur Sicherung des deutschen Volkstums im weiteren Sinne erhöbt. Wie er von Rußland verlangt, das; es das schwere, an den Deutschen in Rußland begangene Unrecht wieder gut macht. gleichviel ob es sich um Deutsche deutscher oder russischer Staatsange­hörigkeit handelt, so will er die V l a m e n gegen Ver­maischung geschützt wissen. Und endlich beansprucht er gemäß der allgemein geteilten Überzeugung, daß das Schicksal unserer Kolonien nicht in Afrika entschie­den werde, einen Kolonialbesitz, der uns die über-. seeische Betätigung ermöglicht.

Frei von allen uns anqodichteten Welteroberungs- pe-danken, werden diese Kriegsziele wie im Reichstag, so auch überall im Lande mit nichü geringerer Zustim­mung ausgenommen werden als der Ausdruck des Ver­trauens darauf, daß auch der Sandelskriea, den Eirg- land nach dem Kriege gegen uns führen möchte, s ch ci- t - r n wird. Für die Erreichung jener Kriegsziele aber wird das deutsche Volk seine ganze Stärke einsetzen, weil sie ihm Dasein und Z u k u n f t sichern sollen. Möge die Ein m'ü t i g k e r t zwischen Reichs­tag und Re g i e r u n g die Voll e n du n g des Werkes erleichtern Helsen, an dem unsere feldgraue Hel­den schassen! _

Oer Krieg gegen England.

Die Zeppelinangriffe auf England.

„Reuter" leugnet natürlich.

W. T.-B. London, 6. April. (Nichtamtlich.) Durch das Reutersche Bureau wird amtlich mitgeteilt, baß durch die Zeppclinanqrisfe in Großbritannien niemals irgendwelche Munitionswerke oder -f.rbriken beschädigt worden sind.

Die „Times" über die letzten Luftangriffe auf England.

W. T.-B. London, 6. April. (Nichtamtlich.) Die „Times" schreibt in einem Leitartikel: Die allgemeine Freude über die Zerstörung eines Zeppelins am Freitag kann die Bedeu­tung der Tatsache nicht verdunkeln, daß diese Angriffe beständig fortgesetzt werden. Die Deutschen e r w a r - t e n Verluste und rechnen damit. Der einzige Weg, die briti­schen Inseln vor der Zeppelmgefahr zu beffeien, ist, Mittel zu ersinnen, die es für ein Luftschiff noch weit gefähr­licher machen, sich in unsere Vertcidigungszone zu begeben.