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Wiesbadener TagMi.

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Sfür die Aufnahme von Anzeigen an vorgefchriebene» P,rsd«m>er Str.l21L. Frrufpr. : Amt Lützo« 6262 u. 6203. Tagen und Blsreu wird keine »ew-hr üernomme».

Mittwoch, 3. April 1916.

Kbend-Ausgabe.

Nr. 162.

Oie Russen in Persien.

„An der Jraksront keine Veränderung." Diese Meldung des türkischen Hauptquartiers, die bald zu einem geflügelten Worte werden dürfte wie ernst der Bericht „nichts Neues vor Paris", ist ihrem.Inhalt nach weit unangenehmer für die Engländer als für die T ü r k e n. Denn bei den Kämpfen in Meso­potamien, dem „Glacis Indiens", liegen die Dinge so, daß die N i ch r Veränderung höchst peinlich und gefahr­drohend für Albion ist. In K n t - e l - A m a r a ist General Towrffend seit Mitte Dezember 1915 mit seinen Truppen, die damals etwa 12 000 Mann stark gewesen fein sollen, von den Türken eingeschloffen, und die verschiedenen Entsatzversuche des Generals Aylmer sind bisher nämlich unter schweren' Verlusten für die Angreifer gescheitert. Die Nicht Veränderung an der Jraksront gestaltet also antoniaiifch die Lage für die Engländer von Tag zu Tag schwieriger, und es ist begreiflich, Latz man im Britenreiche der etwaigen Veränderung dieser Lage mit banger Sorge entgegen­sicht, da man anscheinend alle Hoffnung aus einen Er­folg der Aykmerschen Entsatzversuche auf gegeben bat und die britische Presse sich bereits in heftigen An­klagen gegen diese leichtfertig unternommene Expedition nach Bagdad ergeht.

Die Londoner Offiziösen suchten bisher die mißgestimmten Gernüter damit zu trösten, datz sie auf das Vordringen der Russen im Kaukasus Hin- Wiesen und dieses als Entlastungsoffensive für die Jraksront bezeichneten. Seit kurzem ober vermag man rn der englischen Presse nichts mehr von diesen Vertröstungen auf russischen Entsatz zu fin­den, sondern man liest nur noch von dem Vordringen des Großfürsten Nivolai Nicolajewitsch auf per­sischem Gebiet, und man kann aus diesen Mit­teilungen unschwer M i tz m u t und e r n st l i ch e Be­sorgnis heraushören. Es nwcht den Ansck-ein, als ob man in den politischen Kreisen des Jnselreiches die­sem Borrücken, das sich jetzt bereits in die sogenannte neutrale Zone hinein erstreckt — unter völliger Außeracht lassung des offiziellen russischen Offensiv- ziels, nämlich der Entlastung Englands in Meso­potamien — als eine sehr verdächtig Extratour, als eine höchst bedenkliche Irrung in der ohnehin nicht cuf der Liebe, sondern auf dem gemeinsamen Hatz ans- gebauten englisch-russischen Ehe betrachtet.

Noch bas vor kurzem hatte man in London so ver­lockende Dinge von dem operatives Zusammen­hang zwischen den russischen Unrernehmungen in Armenien und den englischen in Mesopotamien erzählt, und nach dem Fall Erzerunrs zweifelte man an­scheinend nicht daran, daß die Russen nun über den armenischen Taurus ziehen würden, wn die in Kut- el°Amara emgeschlossenen Engländer zu befreien. Aber sei es, daß man auf russischer Sefie die Schwierig­keiten dieser Paßübergänqe bester einschätzte, sei es, daß das Interesse an idem Entsatz der Briten ge­ringer ist als an der Aufsaugung Persiens, so ist jedenfalls eine erstaunliche Schwenkung der russischen KriscMhrung iin fernen Osten festznstellen. Zwar erzählt die russische Presse noch jetzt, daß man in Persien vordringe, um die Engländer ini Irak zu ent­lasten, aber rn England glaubt man dieses Märchen nicht mehr, und man besichtigt, wenn auch bisher noch mehr und weniger versteckt, die Russen des Eigen­nutzes und der Untreue.

Als England und Rußland ini Vertrage vom 81. August k907 „die Unabhängigkeit und Integrität Persiens" in der Weise festlegten, daß sie die Auf­teilung einleiteten, wurde den Russen Nordpersien, den Engländern Südoftversien zugesprochen, während zwi­schen der Grenzlinie von Kermandschah über Jspahan-Jesd-Basistan, die das russische Ge­biet abschloß, und die Link' von Bivdjand über Kerman nach Bender-Abbaß am Persischen Golf, welche die eng­lische Interessensphäre abgrenzte, sich das neutrale Ge­biet erstreckt. In dies Gebiet sind die Russen mit der Besetzung Jspahans erngedrungen, und im Britenreiche macht sich ernstliche Sorge geltend, daß dies eine Etappe zum Persischen Golf bedeuten solle. Liegt doch die Vermutung nahe, daß das Zaren­reich, nachdem ihm durch die Ausgabe des Dcrrbanellen- Unternehmens der Weg zum Mittelmeer verschlossen bleibt, einen anderen Ausweg zum Meere sucht, und als solcher kann, wie die Dinge liegen, nur der Persische Golf in Frage kommen, den England als seine Domäne cvnsieht.

Wer noch ein anderes spielt hier mit. Unmfitelbar vor dom Ausbruch des Weltkrieges hatte sich eine eng­lische Erwerbsgesellschasl der großen Olfelder bei Jspahan m aller Heimlichkeit bemächtigt, und hier frmrt den russischen Petroleumquellen bei Baku eine gesähÄiche Konkurrenz erwachsen. Es ist unschwer Lu erkennen, baß die Besetzung Jspahans durch die

Russen auch in engem Zusammenhang hievnnt steht.

-Ssasonow hatte es ja in der Duma verraten, daß eine- der z a r i s ch e n K r i e g s z i e l e die Ausbreitung der russischen Macht in Persien sei, und es liegt in der Natur der Sache, .daß dos Zarenreich sich jetzt, angesichts der hoffnungslosen Kriegslaige und der unab­wendbaren Verluste i m Westen anderweitig, nämlich im Osten zu entschädigen sucht. Der russisch-englische Minierkrieg in Persien bildet nicht nur eine lehrreiche Erläuterung zu der Versicherung des Vierveckandes, daß er die kleinen und schwachen Staaten ckützen wolle, sondern diese Cheirrung _ kennzeichnet zu­gleich die zunehmenden, aus dem ,-heiligen Egoismus beruhenden Interessengegensätze zwischen den Alliierten, die einander nicht über den^ Weg trauen besonders Wer den von Persien zum Irak!

Der amtliche türkische Bericht.

W. T.-B. K-nstnntinopcl, 5. April. (Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: Von den verschiedenen Fronten liegen keine wichtigen Nachrichten vor.

Oer Krieg gegen England.

Die letzten Zeppelinangriffe auf England.

W. T.-B. London, 5. April. (Nichtamtlich.) Das Presse- bureau teilt mit, daß nachts zwischen 2 und 3 Uhr ein Zeppelin der O st k ü st e Englands einen kurzen Besuch al>- gestattet hat. Einige Explosionen wurden gehört; Schaden ist keiner (!) ungerichtet worden. Verletzt wurde niemand. — Über den Luftangriff in der Nacht zum 3. April wird nach amt­lich gemeldet: Ein Luftschiff, das die Nordostküste heimsuchte, warf 22 Explosiv- und 18 Brandbomben ab. Zwei Luftschiffe erreichten die östlichen Grafschaften ungefähr um 10,15 Uhr, kreuzten bis 1 Uhr früh und wunden verschiedene Male von den Abwehrkanonen beschossen. Es scheint, daß sie dadurch behindert wurden, eine bestimmte Örtlichkeit als Ziel zu wählen. Diese Luftschiffe warfen 33 Explosiv- und 85 Brand­bomben ab. So west festgestellt werden konnte, würde in England niemand verletzt.

Einzelheiten aus den Berichten.

Br. Amsterdam, 5. Aprrl. (Eig. Dvah Gericht. Zens. Dln.) Die englischen Blätter vom Montag und Diens­tag enthalten spaltenlange Berichte über hie Zeppelin- sohrten. Der Angriff am Sonntag muß besonders großen Schaden angerichtet haben. Wie „Daily News" aus einer Stadt an her Nordküste berichtet, erschien der Zeppelin gegen 11 Uhr abends. Zahlreiche Personen sind hier zu Schaden gekommen. Auch der Material­schaden wird als überaus groß bezeichnet. Das Luft­schiff erschien an der Küste, ungefähr 6 Meilen von der Stadt, beschrieb einen Kreis über verschiedene Dörfer, wobei zahlreiche Bomben abgeworfen wurden. Als­dann wandte es sich seewärts und suchte die Stadt heim. 14 Spreng- und 7 Brandbomben wurden ahgeworsen, die eine fürchterliche Wirkung hatten. Nach einem später herausgegcbenen amtlichen Bericht wurden hier 16 Personen getötet und 20 verwunhet. Das größte Unheil wurde im Arbeiterviertel ange­richtet. Die Häuser wurden teilweise zertrümmert, kleinere Gebäude dem Erdboden gleich gemacht. An einer Stelle brach Feuer aus. Eine Bombe fiel dicht vor einem Straßenbahnwagen vor den Passagieren nieder; der Wagen wurde vollständig zertrümmert. Ein Beamter, der in der Nähe stand, wurde getötet, wäh­rend der Schaffnerin ein Bein abgerissen wurde. Ein Privatpofizist wurde gleichfalls getötet. Die Straße war mit verschiedenen meterttffen und meter­langen Löchern bedeckt. Das Aeronautische Jnsfitut von Großbritannien sandte an die Admiralität ein Tele­gramm, wonach es die Möglichkeit der Bergung des Zeppelin „L 15", der kürzlich in der Themsemündung verunglückte, in Aussicht stellt, wenn diese Arbeit von Leuten unternommen werde, die mit lderartigen Luft­schiffen umzuaehen verständen. Das Jnstttut hebt her­vor, daß der Zeppelin in Nachem Wasser gesunken sei. Innerhalb dreier Monate könne er wiederhergestellt sein und gegen -den Feind benutzt werden.

Diplomatische Schriftstücke über die Be­schlagnahme der Effekten durch die Eng­länder.

\V. T.-B. Haag, 5. April. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Das Ministerium des Äußern veröffentlicht diplomatische Schriftstücke über die Beschlagnahme der B r i e f p o st auf Überseedampfern durch englische Behörden. Darin sind abgedruckt die an, die englische Regierung gerichtete Note vom 18 . Dezember 1915, in der Holland gegen die Beschlagnahme von Briefschaften p r o t e st i e r t ; die Note vom 12. Januar 1916, die in Beantwortung der von England eingclaufenen Antwort auf die Note vom 18. Dezember 1915 an die englische Regierung gerichtet worden ist. Am 1. April 1916 überreich­ten die Gesandten Englands und Frankreichs im Namen ihrer Regierungen ein Memorandum, in dem auch die Beschlag­nahme von Postsäcken zur Sprache gebracht wird. In Ver­

bindung hiermit bemerkt der Minister des Äußern, daß diq holländische Regierung nicht die Ansicht teile, daß die durch den Haager Vertrag bestimmte Unverletzlichkeit der Überseepost auch die Packetpost einschlreßt. Die holländi­sche Regierung hat nur dann Protest eingelegt, wenn die Be­schlagnahme der Paketpost im Widerspruch zu den Such­ten der Kriegführenden gestanden hat, so weit diese Güter betreffen, die auf neutralen Überseedampseru befördert werden. Die holländische Regierung steht aus dem Stand- Punkt, datz die Bezeichnung Correspondance Postale im Haager Vertrag Sendungen von Effekten, Coupons und andere Wertpapi-ere umfaßt. Die Kriegsührew- den dürfen derartige Sendungen deshalb unter keinen Umständen antasten. Der Minister deZ Äußern ersucht dann auch um Zurückgabe der von de» englischen Behörden beschlagnahmten Papiere dieser Art.

W. T.-B. Haag, 5. April. (Nichtamtlich. DrahtberichtH Der Oberbefehlshaber der Land- und Seo-- st r e i t k r ä f t e gibt bekannt, daß er keine Verantwortung für die Berichte übernimmt, aus denen nicht ausdrücklich hervorgeht, datz sie aus seinem Hauptquartier stammen.

Katastrophale Explosion in einer englische« Pulverfabrik.

195 990 Frauen in den MunitivaSfabrSe«.

W. T.-B. London, 5. April. (Nichtamtlich. Pre ß bureamf Der Munitionsminister teilt mit, daß während deS Wochen» endes in einer Pulverfabrik in Kent ein größeres Feuer ausbrach, welches mehrere Explosionen verursachte. Das Feuer entstand rein zufällig und wurde um die Mittags­zeit entdeckt. Die letzte Explosion fand kurz nach 2 Uhr nach­mittags statt. Die Zahl der Opfer beträgt ungefähr 2 0«. Der Unterstaatsselretär im MumtionSmimsterrum Addison teilte mit, daß jetzt 1950*00 Frauen in Munitions­fabriken beschäftigt seien.

Vernichtete neutrale Dampfer mit Bann­ware für England.

W. T.-B. Vlissingen, 6. April. (Nichtamtlich.) Der Be- richterstatter der Niederländischen Telegraphenagentur sprach - den Kapitän des holländischen Schoners „Elise Helena". Das Schiff ist nicht torpediert, sondern um 3 Uhr nach- mittags von einem deutschen U-S3oot ans der Höhe des Noordhinder-Leuchtturms angehalten worden. ES hatte eine Ladung von gehodettem Holz. Ein Offizier deS deut­schen ll-Boots verlangte die Schiffs Papiere, die er durchsah. Er gab der Besatzung 5 Minuten Zett, um die Boote zu besteigen. Die Deutschen brachten Bomben an Bord und sprengten das Schiff in die Luft. — Aus dem Bericht des versenkten norwegischen Dampfers „Aren«" geht hervor, daß der Dampfer, der sich auf der Reffe von Frederikstadt nach Hüll befand und eine Ladung Holz und Papier an Bord hatte, nicht torpediert, sondern nach vorheri­ger Untersuchung der Schiffspapiere in den Grund ge­schossen wurde.

W. T.-B. Christiania, 5. April. (Nichtamtlich.) Die norwegische Gesandtschaft in London hat an das Ministermm des Äußern telegraphiert, nach einem Bericht der brittschar Admiralität sei die norwegische Wermastbark „B i l l" bei den, Scilly-Jnseln in Grund gebohrt worden, die Besatzung aber gerettet.

W. T.-B. Dmuiden, 5. April. (Nichtamtlich.) Durch den Fischdampfer „Clara Nicol 4" ist die verirrte schfffbrüchige Besatzung des norwegischen Dampfers „Anna" gelandet worden, der auf der Nordsee im Fischereigebiet durch ei, deutsches I7-Boot versenkt wurde, /

Englands Staatshaushalt.

Lebensmittel- und Luxussteueru.

W. T.-B. London, 5. April. (Nichtamtlich.) Im Unter­haus brachte McKenna den Staatshaushalt ein und führte ans: Um die auf 1825 Wllionen Pfund Sterling veranschlagten Jahresausgaben aufiubringen, müssen 1328 Millionen Pfund Sterling durch Anleihe ausHeuommen und 502 Millionen in laufenden Einnahmen einyebracht wer­den. Die Steuererhohungen umfaffen eine Emkömm«ffteuer, die bis zu 5 Schilling auf das Pfund Sterling abgestust ist und 43 500 000 Pfund einbcingen sollen, eine LuskbarleitS- steuer mit einem Grttage von 6 Millionen, eine Fahrkarten- steuer mit 3 Millionen, «inen Zuschlag auf die Zuckcrsteuer von einem baillben Penny auf das Pfund mtt einem Ertrage von 7 MlliEen Pfund Sterling, Zuschläge von 4y 2 Pemch auf das Pfund Kakao und von 3 Penny mtf das Pfund Kaffee und Zichorie, die 2 Millionen bringen sollen, eine Zündholz» steuer von 4 Penny auf 1000 StreichhAzer, die 2 Wiillionen Pfund Sterling einibring.cn soll, eine Steuer auf Mineral­wasser mit einem Erttage von 2 Mllionen, eine außerordent­liche Automobilsteuer im Betrage von 800 000 Pfund Sterling und eine Erhöhung der Kriegsgewinnsteuer von 50 auf 60 Prozent. McKenna teilte mit, datz >der Voranschlag auf der Annahme beruhe, der Krieg werde das ganze Finanzjahr hin» durch >andauern. Die Ausgaben des letzten Jahres be­trugen 1559 Mllionen Pfund Sterling, 31 Mllionen weniger als veranschlagt. 264 Millionen seien^den Alliierten und 52Mllionen den Dominions vorgestreckt worben. Der Fehl­betrag des Jahres werde sich auf 1222 Millionen Pfund Sterling belaufen und die StaatsschuD sei bis zum 31. MülU