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Verlag Langgaffe 21
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Mittwoch» 5. Hprtl 1916.
Morgen - Busgabe.
Nr. 161. . 64. Jahrgang.
Der Krieg,
Ein Erfolg im Adamella-Gebiet.
Asterreichisch-ungarischer Tagesbericht,
W. T.-B. Wien. 4. April. (Nichtamllich.) Amtlich verlautet vom 4. April, mittags:
Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An einzelnen Teilen der Front war die Tätrgkeit der Artillerie beiderseits lebhaft; so im Abschnitt der Hochfläche von Doberdo, bei Malburghet. am Col di Lana und in Judikarien. Im Adamella-Gebiet besetzten unsere Truppen den Grenzkamm zwischen Lobbia Alta und Monte Fumo.
Der Stellvertreter der Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Oie Lage im westen.
Chalons-sur-Marne von deutschen Fliegern beschossen.
Br. Genf, 4. April. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Der „Matin" meldet auS ChälonS-sur-Marnr, daß ein deutsches Flugzeug die Stadt am Samstagnachmittag übcrfl.g und eine Bombe fallen ließ, die die Brauerei zerstörte.
Französische Bestätigung des deutschen Teilerfolges bei Baux.
W- T.-B. Paris, 4. April. (Nicktamtlich.) Amtlicher Bericht dom Sonntagabend: Westlich der Maas richteten die Deutschen
mehrere starke Angriffe auf bas Kernwerl (Reduit) von A v o c o u r l. Alle Stürme wurden durch unser Sperr- und Maschinengewehrfeuer abgewiesen. Östlich der Maas war der Kampf während des ganzen Tages'sehr lekchatt in der Gegend von Douaumont und Baux. Die Deutschen unternahmen nach einer äußerst heilige» Beschießung mit Granaten schweren Kalibers vier gleichzeitige Angrissc mit Truppen, deren Stärke über eine Diviswn betrug, gegen unsere Stellungen zwischen dem Fort Douaumont und dem Dorf Baux, süd- östlich des Forrs Douaumont. Die Deutschen drangen in das Gehölz von La Gailette ein. Unsere sofortigen Gegenan- griffe warfen sie in de» Nordtril dieses Gehölzes zurück. Unsere Linie verläuft längs der unmittelbaren Zugänge des Dorfes, deren letzte zerstörte Häuser wir räumten. In der Woevre zettweff« unterbrochen: Arttllerietätigkeit. Am Priesterwalde wurde ein Aviatikflieger durch unsere Ballonabwehrgeschütze abge- schoflen. Das Flugzeug fiel in die deutschen Linien herab. In den Vogesen rief das Feuer unserer Batterien in einem Munition«, tepot östlich des Neichslkckerkopfes, westlich von Münster, eine Explo- sion hervor. In der Nacht zum 2. April warf «ine« unserer Kampsgeschwader 28 Geschosse auf den Bahnhof von E t a i n und die Biwaks an den Zugängen »es Dorfes Nantillois. In der gleichen Nacht warfen drei unserer Flugzeuge 22 Geschofle ab, die in ocn Dörfern Azanncs und Brieullcs an der Maas Brände hervorriesen. Am 2. April schoflen unsere Flieger drei feindliche Flug, zeuge an der Front von Berdun ad, zwei andere demsche Flug, zeuge mußten in derselben Gegend jäh niedergehen. Schließlich wurde ern seindlicher Drachenballon von einem unserer Flugzeuge m Brand geschossen.
Frankreich will sich an der „Aushungerung" Deutschlands beteiligen.
W. T.-B. Paris, 4. April. (Nichtamtlich.) Der Minister ohne Portefeuille Denys C o ch i n erklärte einem Vertreter des „Petit Parisien", man beabsichtige nicht die Bildung eines Blockademrnisteriums. sondern er sei Vorsitzender eines Aus- schuffes für Einschnürung der Verpflegungs- Möglichkeiten und des Handels des Feindes nach englischem Vorbild; dieser befasse sich zusammen mit den einschlägigen Ausschüssen mit allen Möglichkeiten, Deutschlands Verproviantierung wirksam zu verhindern.
Der französische Flugkünstler Lebourhis gefallen.
Gens, 4. April. (Zens. Bin.) Der bekannte französische Flieger Lebourhis, der durch sein« kühnen Abstürze im Fallschirm berühmt wurde, ist, wie das Pariser „Journal" meldet, vor Verdun im Kamps mit einem deutschen Flieger getötet worden. _
Der Krieg gegen England.
Reuter leugnet natürlich alles wieder ab!
Sr. Rotterdam, 4. April. (Gig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Reuter l e u g n et, daß Zeppeline über London gewesen sind. Ihr Versuch, die Hauptstadt zu erreichen, sei vereitelt worden. Auch die -deutscherseits gemeldeten Angriffe auf die Batterien von Stowmarket, nordwestlich Harwich, und auf die Fabrikanlagen von L-awestoft seien erfunden. Es habe an den Orten, wo die Luftschiffe erschienen, nirgends eine Panik geherrscht.
Die Absichten der englischen Opposition.
Haag, 4. April. (Jens. Bln.) Uber die Opposition unter der Leitung Carsons schreibt die „Morning Post", daß man sich deshall, nicht zu beunruhigen brauche. Die Ab
sicht der Opposition wäre, bei den Debatten über die Dienstpflicht Bonar Law zu Fall zu bringen und die allgemeinen Wahlen herbeizuführen. Dadurch könnte vielleicht eine neue Regierung unter dem Vorsitz Carsons gebildet werden. Aber Carsou sei kein Denker und kein Redner, er habe nicht einmal einen Begriff von der europäischen Politik. Wenn die Regierung sich zur Wehr setzte, werde er die Verwirklichung seiner Pläne wahrscheinlich nicht erleben.
Deutschlands Kriegsentschädigung nach dem Wunsche eines Engländers.
Kopenhagen, 3. April. (Jens. Mn.) AuS London berichtet „Politiken" über einen Dortrag, den der Sekretär der Warenbörse in Liverpool, Crammond, in der Handelskammer in London geholten hat. Crammond sagte u. a.: Deutschlands ftn-ai^ielle Aussichten sind verzweifelt. Nach zuverlässigen Nachrichten aus schwedischer Quelle will die deutsche Regierung nach dem Kriege versuchen, im Ausland ungeheure Anleihen zu machen, um inländische Kriegsanleihen abzulösen. — Crammond nimmt an, daß Deutschland, wenn es besiegt wird, die folgenden Kriegsentschädigungen zu bezahlen laben wird: An Belgien 10 Milliarden, an Frankreich 50 Milliarden, an Englaiid 52 Milliarden, an Italien 10 Milliarden, an Rußland 48 Milliarden und an Serbien und Montenegro 10 Milliarden Mack, zusammen also 180 Milliarden Mark! Die deutsche Handelsflotte sollte dazu verwandt werden. die Verluste auszugleichen, die die Allianz und die neutralen Länder durch Torpedierung und Minen erlitten haben.
Dazu schreibt man dem „Schwäbischen Merkur":^ An diesen Zahlen sollte man in Deut'chland nicht achtlos vorübergehen; sie verdienen wegen der Stelle, von der sie ausgehen, und wegen der Stell«, an der sie gesprochen wurden, besondere Beachtung. Was bedeuten nun diese Zahlen? Um das klar zu erkennen, braucht man sich nur zu vergegenwärtigen, daß dos deutsche Volksvermögen aus 330 bis 390 Milliarde» Mark geschätzt wird; hiervon soll Deutschland nach der Forderung Crammonds — allerdings nur, wenn es besiegt wird — 180 2>Milliarden, also rund die Hälfte, als Kriegsentschädigung bezahlen! Da die Auszahlung eines solchen Betrags in bar praktisch vollständig unmöglich ist, so bedeutet diese Forderung nichts anderes, als daß die Feinde Deutschlands zur Hälfte Mitbesitzer werden möchten von allem deutschen Besitz und Vermögen und dauernd die Hälfte des Gewinns aus r-llcm deutschen Besitz erhalten würden. Die Folge wäre einfach, daß die Feinde künftig auf wirtschaftlichem Gebiete Herren in Deutschland sein würden!
«
Ein holländischer Dampfer torpediert.
Untersuchung des „Tubantia"-Wr»cks.
IV. T.-B. Haag, 4. April. (Nichtamtlich. Drahibericht.) Amtlich wird mitgeteilt: Nach einem beim Marine
departement eingegangenen Bericht wurde der niederländische Schoner „Elzin Helena" gestern nachmittag 3 Uhr in der Nordsee torpediert. Die Besatzung wurde in einem Boot nach dem Leuchtschiff Nordhinder gebracht und gestern abend von dem Rettungsboot „Atlas" übernommen, von wo sie heute abgeholt werden. Bei ihrer Ankunft wird die nähere Untersuchung eingeleitet. Weiter teilt das Marinedepartement mit, daß die Untersuchung des Wracks der „Tubantia", für welche zuerst durch den König!. Nordd. Lloyd Maßregeln getroffen worden waren, von der Regierung übernommen wurde. Infolge des ungünstigen Wetters konnte nicht vor der letzten Woche mit der Untersuchung begonnen werden. Es glückte gestern, die genaue Stelle, wo das Wrack liegt, festzustellen, und von dem Dampfer „Modan" die erste Untersuchung durch Taucher anzustellen. Heute früh sollte das Tauchen fortgesetzt werden, das Wetter war aber wiederum zu ungünstig.
Zur Einberufung der Zweiten holländischen Kammer.
W. T.-B. Haag, 4. April. (Nichtamtlich. Dvcchtbericht.) Die Zweite Kammer ist für heute, 11% Uhr vormittags, eiüberusen worden. Am Anfang der Sitzung wind der Bor- sitzende Vorschlägen, die Sitzung bei geschlossenen Türen abzuhalten, um es der Regierung zu ermöglichen, der Kammer im Komitee Generalmitteilungen zu machen.
Berlin, 4. April. (Zeus. Mn.) Nach Rotterdamer Meldungen Berliner Blätter evivartet man, daß heute nach der geheimen Kammevsitzung im Haag eine kurze Veröffentlichung erscheinen wird. Die Aufregung in Holland. l>ot bedeutend nachgelassen. Die Pariser Presse durfte auch gestern die auswärtigen Angaben über die Bedingungen, Unter denen die französisch-engtische Forderung an Holland gegenstandslos werden könnte, nicht besprechen.
Eine amtliche englische Erklärung.
Alle Gerüchte reine Erfindungen?
\V. T.-B. London, 4. April. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Reuter wird a m t I i ch c r s e i t s mitgeteilt, daß zwischen England oder seinen Alliierten und den Niederlanden nichts etngetreten ist, >vas die gestern in Holland verbreiteten sensationelle» Gerüchte berechtigt erscheinen ließe. Auf der Pariser Konferenz sei nichts den Niederlanden Nachteiliges erörtert oder erwähnt worden. An der Meldung, daß die Alliierten die Landung einer bewaffneten Streitmacht aus
holländischem Gebiet rm Auge hätten oder gehabt hätten, sei nichts Wahres. Die in Umlauf gesetzten Geschichten seren eine reine Erfindung.
Die Aufhebung des Artikels 19.
Eine schweizerische Kritik.
W. T.-B. Bern, 4. April. (Nichtamtlich. Drahibericht.) Das „Berner Jntelligen^-lrtt" schreibt unter der Überschrift „Vevschärftmg des Krieges gegen -die Neutralen" u. a.: Die Folgen der Pariser Konferenz stellen sich für -die Neu- traten und ihre Existenz als höchst bedenklich heraus. England läßt den A r t i k c l 1 9 der Londoner Deklaration fallen, .womit der Necktszustcmd aus dem Meer ein Ende gefunden hat und die Neutralen gänzlich der Willkür der Kriegführenden ausg-eliefert werden. Besonders für Holland und die nordischen Staaten bedeutet die neue Maßnahme eineu empfindlichen Schlag gegen die Grundlage ihrer Existenz. Mit dieser Erklärung reservieren sich England und Frankreich das Recht, die Selbsterhaltung dieser Staaten vollständig von ibren eigenen Beschlüssen und ihrem Gutdünken abhängig zu machen. Damit ist -auch jede Beachtung des internati-ormlen Rcchtszustandes und der Respektierung der Selbständigkeit der Neutralen abgcscha-fft und der Zustand von Ungesetzlichkeit, -wie er seit langem in der Praxis besteht, auch in der Form offen zugestaüden. Man wird voraussichtlich nicht lange aus eine Äußerung der skandinavischen Staaten zu warten haben. Auch darf erwartet werden, daß sich die Bereinigten Staaten aus den Boden des internationalen Rechtes stellen, das nicht willkürlich von einzelnen zugunsten niehrerer verletzt werden -dawf. Sollte der Krieg noch lange dauern, so wird für alle Neutralen die Frage akut werden, ob sie sich auf die Länge in eine solche Abhängigkeit freiwillig begeben können, ohne langsam ihre eigene Existenz und die Behauptung ihrer Wider- staüdskraft und SeDständigkeit zu untergraben.
Die Vorsorge der französischen Zensur.
Br. Genf, 4. April. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) Die Pariser Zensur verhindert die Presse an der kritischen Mitteilung auswärtiger Meldungen, so weit sie die neutralen Staaten betreffen. Dies gilt besonders für Holland und für die angeblich gegen Holland gerichteten Be- lchlüssc der Pariser Ko-nfereiy. Immerhin gestatten sich „Matin" und „Petit Parisien" wunderl-iche Deutungen der von der holländischen Regierung getroffenen Sicherheitsmaß. regeln. Der „Düa-tin" verdächtigt Deutschland durch allerlei Ausstreuungen, daß dieses Mißtrauen gegen die Entente in Holland erwecken wolle.
Der Krieg gegen Italien.
Kundgebungen wegen dem Krieg in Florenz
Genf, 4. April. (Zens. Bln.) Wie von Florenz kommende Italiener versichern, haben am Samstag Tau- sende von Frauen aus der Stadt, und vielen benachbarten Orten heftige Kundgebungen im 'Stadtinncrn veranstaltet, bei denen sie riefen „Nieder mit dem Krieg! Wir wollen Frieden! Schickt uns unsere Männer nach Hause! Brot für unsere Kinder!" Die Polizei und das Militär waren nicht imstande, die Kundgebungen zu unterdrücken, die von 8 Uhr vormittags bis zum Abend andauerten. Die Frauen hatten ihre kleinen Kinder bei sich und zeigten sie den Sol- baten, die gegen sie aufgcboten waren. Viele Territorialsoldaten weinten und vermochten die Befehle der Polizeibeamten, die Frauen zu zcrstteuen, nicht auszuführen. Zahllosen Geschäften wurden die Firmenschilder zertrümmert, und an Palästen, der Präfektur und dem Stadthaus wurden die Fenster ein geschlagen. Erst auf das Einschreiten angesehener Bürger hin hörten die Kundgebungen auf, und Tausende von Demonstranten, Männer, Frauen und Kinder, zogen nach der Arbeitskammer. Es wurden verschiedene Verhaftungen vorgenommen, die aber bald wieder aufgehoben wurden.
Der italienische Fliegerangriff ans Adelsberg.
Wien, 4. April. Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Um den Mißerfolg des ersten italienischen
Fliegerangriffs auf Laibach und Adelsberg wettzumachen, bei dem zwei Caproni-Großkampfslugzeuge außer Gefecht ge- setzt und von den italienischen Fliegeroffizieren einer getötet, zwei gefangen und drei, darunter Gabriele d'A n n u n z i o, verletzt wurden, nutzten die italienischen Flieger die Aufheiterung des Wetters zu einem neuen Geschwaderflug aus. Das feindliche Geschwader bewarf wiederum das durch seine Grotte weltbekannte Städtchen Adelsberg an der Bahnsttecke Laibach-Triest mit Bomben. Durch Bombensplitter wurden zwei Männer der Zivilbevölkerung getötet und mehrere Personen verwundet.
Salandra und Sonnino werden Asquiths Besuch erwidern.
W.T.-B. Mailand, 1. April. (Nichtamtlich.) Der römische Mitarbeiter der „Stampa" will wissen, daß Salandra und Sonnino in London den Besuch des englischen Premierministers ASquith erwidern wevden. Die Reise werde wahr- scheiittich vor dem Abschluß der paÄMllLÄ-rEW Atzbeit« erfolgen.
