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nr 80.
Dienstag, 4. April.
1916 .
(8. Fortsetzung.)
Um Ehre und Leben.
Roman von Paul Blitz.
(Nachdruck verboten.)
Er machte einen guten Eindruck, und weil di« Firma
1 eines Vaters fast ein Jahrhundert makellos dagestan- >cn hatte, engagierte man chn als Volontär; di« ersten sechs Monate müßte er umsonst arbeiten, dann bekäme er ein kleines Gehalt, daS bei guten Leistungen schnell gesteigert werden sollte. Sofort »ahm ec an und trat bereits am nächsten Lage die Stelle an.
Als er anm ersten Male in die Bureauräume trat, «inen Platz angewiaien erhielt und nun mit der Arbeitsmethode bekannt gemacht wurde, da erst schien ihm klar zu werden, was er an seinem militärischen Beruf verloren >hatte. Jedoch bitz er die Zähne zusammen, verriet nichts von seinem Unmut und erledigte vüickt- lick und aufmerksam die ihm zuerteilten Arbeiten. Nur der Gedanke, datz er setzt mit diesen jungen Leuten, die «i früher nicht angesehen hätte, verkehren sollte, war ihm noch schier unsatzlich. Und io hielt er sich denn auch in der ersten Zeit so still, ernst und reserviert, daß niemand mehr als das rein Geschäftliche mit ihm besprach Er atmete erst frei auf, wenn die Geschäftsstunden vorbei »varen und er Herr seiner Zeit tvar.
Aber trotz feiner Zurücklxrltung grollte man ihm im Bureau nicht. Dian glaubte eben, daß der Kummer, bei über seine Familie hereingeb rochen war, ihn so «ruft und wortkarg machte, deshalb kam man ihm von allen Seiten mit respektvoller Artigkeit entgegen.
Das alles nahm er wie etwas Selbstverständliches hin. Noch immer konnte er sich nicht darin finden, daß «r nun sein Laden lang in solchen Räumen am Pult vertrauern sollte.
Der Gedanke war ihm direkt widersinnig. Wie eine heimliche Wut, wie Hatz und Groll lohte es in ihm auf, wenn er so seine Ketten fühlte. Nein, und taufendmal nein! Das ertrug er auf die Dauer nicht!
Dazu war er mit zu grohartigen Ansprüchen an das Leben erzogen!
Zu Hause, vor Mutter und Schwester, verriet er Nichts von alledem. was in ihn: vorging. Wenn er aber ln seinem Zimmerchon allein war und Mer kaufmännischen Büchern brütete, dann kam all der wilde Groll
S ch, dann ballte er die .Hände zusammen, und dann m es sogar vor. datz er dom Andenken des unglücklichen DaterS fluchte.
Weshalb !hatte man ihn denn erst so erzogen, daß er nur auf de» Lebens Höhe zu wandeln gewöhnt war, um ihn nun mit einem Ruck in die Niederung hinobzu- stotzenl Nein, das verzieh er dem Vater nie! Niemals!
Oft sah er vor seinen Büchern und starrte sie fremd und abwesend an. Und einmal. alS drauhen mit klingendem Spiel Militär ooibeizog, da traten ihm die Hellen Träum m die Augen, und er mußt« an sich Hai- trn. um nicht laut aufzuschreien und alle Arbeit hinzu- toerfen und dovonzubmfen.
Nein, und nochmals nein! Die» Dasein «rtrug er cnf die Dauer einfach nicht!
Hundert»«! «chm er sich vor, ausziirückon oder ein zu Math«, oder sonst waS, — nur nicht dies Joch
weiterschleppen. Wenn er dann aber heimkam, bas gramvolle Gesicht der alten Mutter sah, die doch auch alles ertragen mutzte, der doch dieser Wechsel der Verhältnisse noch viel mehr Kummer machen muhte, dann begann er sich seines Kleinmuts zu schämen und einzu- schen, datz es hier nur eins gab: sich in bas Unabänderliche zu fügen.
Und so schleppte er von nun an geduldig seine Last weiter und versuchte es, sich an das Unmögliche zu gewöhnen. Wenn er aber frei und mal ohne Aufsicht war, dann packte ihn der Drang nach Freiheit so unwider- siÄilich, datz er sich blind und toll in das wildeste Leben hineinstürzte und mit vollen Zügen genoß, was der da- hineilenide Augenblick ihm gerade bot. In solchen Momenten gab es denn nur eine Rettung für ihn: sich betäMen, bis zur Sinnlosigkeit zechen, um all den Jammer zu vergessen.
Jedoch blieb er in Gegenden, die fern vom großen Weltstadt!oben lagen, weil er befürchtete, mit ehemaligen Bekannten oder Kcmieraiden zusammenzukommen: auch peinigte ihn seine Schuld an Bücknitz, den er schriftlich um Aufschub der Rückzahlung gebeten hatte.
So lebte er sich nach und nach in die ihm so völlig neuen Verhältnisse ein. Der einzige aus dem Geschäft, mit 'dom er ab und zu einen spärlichen Verkehr unterhielt, war Fritz Jenson. Er hatte sehr bald gemerkt, daß er von dem sehr befähigten Menschen nur lernen konnte, und da er außerdem ein diskret vornehmes Auf- treten batte, so konnte man sich schon mal mit ihm zusammen schon lassen: indes Merschritt der Verkehr vorerst nicht die Grenzen rein äußerlicher Bekanntschaft.
In der Familie war man froh, daß Kurt setzt seine geregelte Tätigkeit hatte, und so erhoffte man, daß er sich nach und nach schon eine auskömmliche Stelle schaffen würde. Salbst wenn er jetzt ab und zu mal ein bißchen länger als gewöhnlich ausblich, sagte Lucie nichts, denn auch sie fühlte ja. wie schwer ihn dies neue Joch drücken mutzte. UM Mamachen verhätschelte ihren Lichling nach wie vor, natürlich ganz heimlich, und was sie konnte, steckte sie ihm an Taschengeld zu. Der arme gute Jun^e tat ihr unaussprechlich leid, und wenn er es auch nre zeigte, wie schwer er an seiner Last trug, dos liebevolle Auge der Mutter merkte es doch, und deshalb tat sie alles, um ihm hier und da ein bißchen Freiheit zu schaffen.
Mr die Zukunft Kurts war nun vorerst gesorgt. Weniger schnell aber wurden die Wünsche uM Hofsnun-
? en der Schwester erfüllt. Zwar hatte sie ans Gmp- eblung ihres ehemaligen Musiklehrer? einig« Klav-ier- schüler bekommen, aber die Erträgnisse dieser mühseA- gen uM aufreibenden Tätigkeit waren so gering, datz sie sich notgedrungen noch nach einer anderen Erwmch^ quelle rmisebsn mutzte, die mehr Verdienst «Ewarf.
Was aber sollte sie nun beginnen? Erst jetzt null stch sie mit welch ungeheuren Schwierigkeiten «in Hw» geS Mädchen au» besserem Stande zu kämpfen wenn es sich chetich fein Brot verdienen wollt«. erA jetzt
