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Verlag Lauggasse 21

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Sonntag, 2. Llpril 197b.

Morgen-Ausgabe.

Nr. 157. ♦ 64. Jahrgang.

Der russische Ansturm vorläufig erschöpft,

Mindestens 140,ooo Mann russische Verluste.

Sie haben ihre Schiffe müßig liegen und können nicht folgen.

In den Argonnen und im Maasgebiet heftige Artilleriekämpfe.

Der Tagesbericht vom 1. April.

W.T.-B. Großes Hauptquartier, 1. April. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Bei St. Eloi wurden englische Handgranatenangriffe abgewiesen.

Lebhafte Minenkämpfe spielten sich zwischen dem Kanal b»n La Bassäe und Neuville ab.

Nordwestlich von Reims entwickelte die französische Artillerie sehr rege Tätigkeit. Wir nahmen die feindlichen Stellungen an der A i s n e f r o u t unter wirksames Feuer.

In den Argonnen und im M-asgebiet fanden heftige Artilleriekämpfe statt.

Unsere Flieger schossen vier französische Flugzeuge ab, je eins bei Laon und bei Nogeville (in der Woevrc) in unseren Linien, je eins bei Bille-aux-Bois und südlich von Haucourt, dicht hinter der feindlichen Front. — Der fran­zösische Flugplatz R o s n a y (westlich von Reims) wurde ans- ßirbig mit Bomben belegt.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Keine besonderen Ereignisse.

Hiernach scheint es, als ob sich der russische An. sturm zunächst erschöpft hat, der mit 3» Divisionen, 450 UM Mann und einem für die östlichen Verhältnisse er- staunlichen Aufwand an Munition in der Zeit vom 18. bis 28. März gegen ausgedehnte Abschnitte der Heeresgruppe des Gencralfeldmarschalls v. Hindenburg vorgetrieben worden ist. Er hat dank der Tapferkeit und hohen Ausdauer unserer Truppen keinerlei Erfolg erzielt.

Welch großer Zweck mit den Angriffen angestrebt werden sollte, ergibt der folgende Befehl des ruffischen Höchsttom. inandiercnde» der Armeen an der Westfront vom 4. <17. März) Nr. 537:

Russen der Westfront!

Ihr habt vor einem halben Jahre, stark geschwächt, mit einer geringen Anzahl Gewehre »nd Patronen den Bormarsch des Feindes aufgchalten und, nachdem Ihr ihn im Bezirk des Durchbruchs bei Moledeczno aufgehalten habt, Eure jetzigen Stellungen eingenommen.

Se. Majestät und die Heimat erwarten von Euch jetzt eine neue Heldentat: die Vertreibung des Feindes aus den Grenzen des Reiches! Wenn Ihr morgen an diese Eure Aufgabe herantretet, so bin ich im Glauben an Euren Mut, an Eure tiefe Ergebenheit gegen den Zaren und an Euro beiße Liebe zur Heimat davon überzeugt, daß Ihr Eure heilige Pflicht gegen den Zaren und die Heimat erfüllt, und Eure unter dem Joch des Feindes seufzenden Brüder befreien werdet. Gott helfe uns bei unserer heilige» Sache!

Grneraladjntant: gez. Ewcrt.

Freilich ist für jeden Kenner der Berhältniffe erstaun­lich, daß ein solches Unternehmen zu einer Jahreszeit be­gonnen wurde, in der seiner Dnrchführnng von einem Tag zum andern durch die Schneefchmelze bedenkliche Schwierig­keiten erwachsen konnte». Die Wahl des Zeitpunktes ist da­her wohl weniger dem freien Willen der russischen Führung, als dem Zwang durch einen noüeidcuden Verbündeten zu­zuschreiben.

Wenn nunmehr die gegenwärtige Einstellung der An­griffe von amtlicher russischer Stelle lediglich mit dem Witterungsumschlag erklärt wird, so ist das sicherlich nur die halbe Wahrheit. Mindestens ebenso wie der aufgeweichte Boden sind die B e r l u st e an dem schweren Rückschlag be- teiligt. Sie werden nach vorsichtiger Schätzung auf min­destens 149 099 Mann berechnet. Richtiger würde die feind­liche Heeresleitung daher sagen, daß die „große" Offensive bisher nicht nur in den Sümpfen, sondern in Sümpfen und Blut erstickt ist.

Balkan-Kriegsschauplatz.

Nichts Neues. Oberste Heeresleitung.

Die militärischen Maßnahmen Hollands.

Keine deutschen Ursachen.

D. Berlin, 1. April. (Eig. Meldung. Jens. Mn.) Ein deutscher Diplomat, der mit der holländischen Politik gut vertraut ist, erklärte Ihrem Vertreter, daß an hiesigen maßgebenden Stellen auch nicht einen Augenblick lang irgend­welche Besorgnis durch die gewiß zuerst recht stark auftragen- deu Nachrichten aus den Niederlanden hervorgerufen

wnrdr. Man war sich im vornherein klar darüber, daß die in Holland entstandene Erregung und umlaufenden Gerüchte auf keine deutschen Ursachen zurückzuführen sein könnten. Unsere zuversichtliche Anffaffung stützte sich auf die während des ganzen Krieges keinerlei Schwankungen unter­worfenen tadellosen Beziehungen zu Holland, ferner auf unsere Kenntnis der verantwortlichen Männer, die im Haag die Regierungsgeschäfte leiten. Sowohl der Minister­präsident Cort van der Linden und der Minister des Aus­wärtigen Dr. Laudon, wie auch der holländische Gesandte in Berlin, Baron Gebers, sind erfahrene, ruhig erwägende Staatsmänner. Ihnen verdanken wir es, wenn die „Tubantia"-Angelegenheit so geschäftsmäßig korrekt behandelt wurde, ohne daß auch nur eine Minute die sachliche Unter­suchung durch leidenschaftlichere Wallungen gestört war. Wir befinden uns in keiner Zeit, wo GefüUspolitik getrieben wer­ben könnte. Die holländischen Regierungsmänuer lviffen genau wie die deutschen, daß beide Länder auch in Zukunft in vielfacher Hinsicht aufeinander angewiesen sein werden. Wir haben ein gemeinsames Interesse am wirt­schaftlichen Aufschwung und an der wirtschaftliche» Unab­hängigkeit der beiden Staaten. Die Freiheit des M c c r e s ist für Holland so wichtig wie sür Deutschland. Man sagt sich bei unseren Nachbarn, daß wir in unseren Kämpfen mit England keinem anderen Ziele zustreben, und daß jeden­falls »ich: von deutscher Seite die Versuche kamen, die neu­tralen Niederlande zu einer parteilichen Stellungnahme zu dränge».

Im Haag umlaufende Gerüchte, wonach England wogen eines Durchmarsches durch holländisches Gebiet sondiert tzalio, werden dem dortigen Vertreter der „Franks. Zig." an wohlunterrichteter Regierungsstelle als unwahr bezeichnet. Das holländische Ministerium hat sich im Hinblick ans die all­gemeine Kriegslage und empfangene beachtenswerte Nach­richten über die Möglichkeit einer Landung an der hollän­dischen Kiffte jedoch verpflichtet gefühlt, die Bereitschaft der holländischen Armee aus den höchstmöglichen Stand zu bringen. Alles ldente daraufhin, daß die holländische Regie­rung fest entschlossen ist, jeden Versuch einer Verletzung der hollänDischen Neutralität bewaffnet mit vollem Nach­druck entgegenzutveten.

Die Veranlassung zu den militärischen Massnahmen Hollands.

Ruhe und Entschlossenheit in der Bevölkerung.

Sr. Haag, 1. April. (Gig. Drahtbericht. Zeus. Mn.) Mit Sicherheit kann man sagen, daß die holländische Regie­rung Nachrichten erhalten hat, die sie veranlaßt, die mili­tärische Bereitschaft zu erhöhen, um einer möglichen Landung KU begegnen nrid um das Laub gegen jeden Angriff, von welcher Seite er komme, zu verteidigen. Umlaufende bedenk­liche Gerüchte über die Beziehungen zwischen Holland und Deutschland entbehren jeder Grundlage. In den Straßen fanden keinerlei Demonstrationen statt, bis auf einen kleinen Auflauf, den eine primitive Friedensdemon­stration, die von wenigen Leuten unterstützt wurde, hcr- vorrief. Im ganzen ist.das holländische Publikum von autzcr- ordentlüher Ruhe, die keine .Zweifel über seine feste Ent­schlossenheit läßt. Die wartende Menge stand den ganzen Abend vor dem Kriogsministerium und zerstreute sich erst, nachdem der Oberbefehlshaber der niederländischen Strettkräste, General Snyders, um liy^ Uhr das Kriegs­ministerium verlassen hatte.

Bedeutende Truppenbewegungen.

Sr. Haag, 1. April. (Gig. Drahtbericht. Zeus. Mn.)

Die „Tägliche Rundschau" erhält von ihrem Sonderbericht­erstatter im Haag folgende Ausführungen: Wie in Holland stets bei wichtigen Anlässen, wurde die Öffentlichkeit v o l l - ständig überrascht. Die Geheimhaltung poli­tischer Dinge wird in Holland stets in auffallend gutct Weise durchgeführt. Eingeweihte Kreise waren allerdings bereits seit einigen Tagen unterrichtet, daß bedeutungsvolle diplo- u-atischc Verhandlungen gepflogen wurden. Zahlreiche Per­sonen hatten sich gestern abend vor den Toren des Gebäudes eingefunden, in dem der außerordentliche Ministerrat abge- halten wurde, aber etwas Bestimmtes war nicht in Erfahrung zu bringen. Entgegen den Erwartungen der unteren Volks­schichten scheint sich die ganze Angelegenheit in der Richtung auf England zu entwickeln. Weitere Einzelheiten können nicht mitgcteilt werden, doch steht fest, daß bereits in der ver­gangenen Nacht bedeutende Truppenbewegungen in Holland stattgefnnden haben.

Das Drängen der holländischen Schiffahrts­gesellschaften.

Br. Amsterdam^!. April. (Gig. Trahtbericht. Jens. Bin.) Die holländischen Schiffahrtsgesellschaften haben die Regie­rung zur Zurücknahme der Beurlaubungen gedrängt.

Ihre Maschinisten und Heizer streiken aus Furcht vor den Unterseebooten. Die Provinzblätter und der „Telegraas" be­schuldigen die Regierung, sie lasse sich alles gefallen und er­rege große Unzufriedenheit. Eingeweihte erwarteten deshalb diesen Schritt schon fett einigen Tagen. Er richte sich nicht gegen Deutschland, ebensowenig aber gegen die Mtterten. Die Holländer wollen lediglich der Welt zeigen, daß sie im schlimmsten Falle auch E r n st machen können.

Oer Urieg gegen Nutzland. Dev gescheiterte russische Llngriffsplan.

Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsbericht» erstatters.

Oberbefehlshaber Ost, den 29. Marz ISIS.

Es läßt sich deutlich beobachten, daß der mächtigen russi­schen Augrisfsbewegung gegen die Front der Hindenburgschen Armeen ein einheitlicher Plan zugrunde lag. Südlich Dünaburg wurden nordwestlich Postawh und z-uischen Narocz- und Wiszniewsee ztoei Stoßkeile mit rücksichtslosem Einsatz angesetzt. Wilna war das nächste Ziel, das man von Leiden Seiten erringen wollte. Die erfolgreiche deutsche „Zange von Przasnysz" schwebte vor. Etpas später setzte der Angriff gegen die Dünasront ein, der die Linie fast in der Mitte bei Jakobstadt eindrücken wollte. Me Entwicklung ging hier langsamer. Mit dem für die Russen unerhört blutigen Ansturm am 26. nordwestlich Fcckobstadt scheint hier ein vor- läuftger Höhepunkt gewesen zu sein. Nordöstlich Postawh grenzten die Russen den Angriffsraum seit dem 22. ein . Bei Wileity folgten sich, zwar nächtliche Fonerübersälle, aber die Infanterie konzenttierte ihre Angriffe siMich Wsiletty um Muljarshe herum. Am 27. Vüärz ist hier ein geradeUt verzweiseLuT Anstürmen der Russen, neue sibirische Truppen griffen ein, zwei russische Divisionen stürmen in dichten Wellen, bekommen ein kleines Waldstück, werden zerhämmert unter deutschem Trommelfeuer. Die deutsche Infanterie stützt wieder in den Wald. Mittags haben die Russen keinen Meter Stellung mehr. Ihre Verluste sind furchtbar, ihre Leiden beim Angriff durch Felder, die h a l b m e tea hoch unter Wasser stehen, die ein Eingraben unmöglich machen, entsetzlich. Es ist ein deutliches Ermatten des Geg­ners, wenn nicht Zermürbung an dieser Stelle vom 27. an zu beobachten. Bon dem großzügigen Plan ist zunächst nichts mehr geblieben — ein Erfolg, auf den die Helden von P ostaw y, wie sich auch die weiteren Angriffe entwickeln, stolz sein können. Tag für Tag, Nacht für Nacht im Lüttilleriv- fener, oft bis zum Leib im Eiswaffer, täglich fast in Jnfamterieamgriffen und Gegenangriffen haben sie schwere, eiserne Wacht gehalten. Zwischen Narocz- und Wiszrrierv-. sce wurden die Höhen bei Mokrzhee im Morgengrauen des 27. tviedergenommen, um die ArttlleMebeobachtuug sicher zu stellen. Im Sturmlauf wurde der „Granathügel" mtt dem Bajonett erobert. Die sofort angesetzten russischen Gegen­angriffe brachen bluttg zusammen. Am 28. versuchten dann die Russen wenigstens hiär örtlichen Erfolg zu erongen, um aus den allerdings wohl kaum ertragbaren unter Wasser stchendeu Stellungen, die hier besonders ungünsttg liegen, herauszukommen. Sieben Angriffe wurden angesetzt, bis Erschöpfung eintrat. Gefangene Offiziere sagten aus, daß die Truppen i m m e r schwerer vorwärts zu bringen seien; die Überläufer, die über die entsetzlichen Nöten durch das' Wasser tu den russischen Stellungen Lagen, mehren sich. Me Russen wagen es nicht mehr, den Zeitpunkt eines Angriffes längere Zeit vorher bekanntzugeben, da sonst sofort neu"« Spreu in Überläufern davonstiebt. Vernichtend soll nach den Aussagen von russischen Offizieren beim Angriffe das Feuer der deutschen Maschinengewehre sein, die in erstaunlicher Anzahl überall ständen und zu Tci)e sichelten. Im Tagesgrauen des 29. setzten bei Mokrzhee wieder ne,re russische Angriffe ein, aber diesmal wurde schon der dritte Angrisssversuch im Artilleriefcuer erstickt. Feuer- wellen gehen in den Nächten von Arttllerie zu Artillerie. Die Planmäßigkeit scheint bei den Russen dabei aufgegeben zu sein, trotzdem die Arrgrisfe weiter zu gehen scheinen.

Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

Das PhantasieSild des Entente-Wirtfchafts- bundes.

Ein russisches Urteil.

Der WivtschaftZbuuid der Entente ist ein Phantofie- gebildc; der Dumaabgeord riete Fried mann schildert in einem russischen Blatte die unüberwindlichen Schwierig­keiten, die diesem Gebilde entgegenstehen. Er schreibt: „Aus dem Weltgetreidemarkt sind Argcnttnien, Kanada, Anstralien, die Bereinigten Staaten unsere Konkurrenten. Wird Eng­land uns gegenüber keine Vorzugszölle gewähren<r-j und das