Wiesbgdkiier
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Samstag» 1. KprU 1916.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 156. . 64. Jahrgang.
Verdun.
Bei -den Kämpfen U!M Verdun handelt es sich nicht bloß um die F e st u n g allein, ia es handelt sich um sie Mein überhaupt nicht in erster Reihe, _ sondern ihr Schicksal ist nur eine N e b e n f r a q e in dem ungeheuren Ringen, bei dem es unsere Heeresleitung offen- bar ans etwas ganz anderes abgesehen hat. Bei der Icachforschung irach den Gründen, weshalb unser Angriff gerade an diesem Punkte angesetzt worden ist, sind französische und englische Fachmänner mit dam -Scharfsinn der Furcht ziemlich ''chnell auf das Richtige gekommen. So las man in französischen Blättern, entscheidend Kr die deutsche Heeresleitung sei es gewesen, daß wir über drei Eisenbahnverbindungen verfügen, die dort zusamrnenlaufen und die es uns ermöglichten, aus den Gefchützgießereien und Munitionsfabriken daheim die Kanonen und Granaten direkt bis in die Feuerstellung zu bringen, den Geschützkamps also unabsehbar und unerschöpflich so rtzu setzen. Die Londoner Zeitschrift „Nation" hat das wieder so ausgamalt: Die Taktik der Deutschen bestehe darin, sich immer weiter in die französische Front einz^i- hämmern, bis die Erschöpfung der Franzosen rn diesem schrecklichen nervenzerrüttenden Kampfe zum Zusammenbruch führen werde. Die Auffassung unserer Feinde wird denn Wohl wiicklich zutreffen. Das ist auch die Ansicht Delbrücks, -der sich in den „Preußischen Jahrbüchern" in überaus fesselnder Weise über die Kriegslage äußert und u. a. meint, daß die am 11. März vorgetvagene Erklärung der „Nation" durch den Fortgang der Dinge bestätigt zu werden scheine. Delbrück erinnert daran, wie die Feinde aufatineten, als der Angriff nach den ersten überraschenden Erfolgen nur noch in kleinen Schritten vorgetragen wurde. Wenn aber die „Nation" recht hat, so ist das Ziel unserer Heeresleitung gar nicht der gewaltsame_ Durchbruch und die Eroberung von Perdun, sondern diese Eroberung wäre, wenn sie schließlich eintreten sollte, sozu- sagen nur eine Nebenerscheinung innerhalb des eigentlichen H a u p t e r e i g n r s s e s, nämlich der Z e r- mürbung und Besiegung eines wesentlichen Teiles der feindlichen Streitmacht. Die immer größer werdenden V e r l u st e der Franzosen und schließlich der m o r a l i s ch e Z u s a m m e n b r u ch kämen dein Gewinn einer großen Feldfchlacht gleich. Wir erkennen täglich mehr, daß die Überlegenheit auf uIlse r e r Seite ist. Der große grundsätzliche Vorteil des Angreifers, daß er den Angriffspunkt wählt und hier seine Kräfte zusammenfaßt, während der Verteidiger, unsicher, wo er den Anschlag zu erwarten hat, seine Kräfte ziemlich gleichmäßig verteilen muß, macht sich auch hier geltend. Die eigeiitliche Eigenschaft des modernen Ä rt i ll e r r e ka m p f e s, daß es vor allem darauf ankvmmt, die Batterien w aufznstellen, daß sie vom Feinde nicht entdeckt werden können, kann vom Angreifer, der über den äußeren Ring verfügt, viel besser ausgenutzt werden als vom Verteidiger. Aus demselben Grunde ist arich die M u n i t i o n sz u f u h r für den Angreifer leichter als für den Verteidiger. Mögen die vom Verteidiger aufgeführten Befestigungen noch so stark sein, den modernen Riesengeschützen können sie nicht widerstehen, rnn so weniger, als sie bekannt oder leicht erkennbar sind. So muß der Verlust des Verteidigers immer sehr viel größer sein als der des Angreifers, falls dieser io vorsichtig ist. seine Infanterie i m m e r e r st dann einzusetzen, wenn ein Stiick der feindlichen Stellung völlig zermürbt und der Erfolg so gut wie sicher ist. Der Kampf um Verdun ist eine st r a t e g i- s ch e Handlung, auf die man das Wort anwenden kann: „Der Weg ist das Ziel." Nun aber das Wichtigste. Indem wir gerade Verdun, gerade diesen besonders ftarKrefesügten Platz für unseren Angriff ausgeiwählt haben, st e i g e r t sich nicht nur die Wichtigkeit der Entscheidung, sondern die Franzosen werden so auch eines wesenÄchen Teiles ihrer Operationsfreiheit beraubt. Wenn Professor Delbrück hierauf ein Hauptgewicht legt, so ist es uns wahlbekannt, daß feine Meinung von anderen Fachmännern geteilt wird. Wir haben es hier mit einer durch die Wucht der Tatsachen hinlänglich begründeten allgemeinen Über- zeugung der zum Urteil Berufenen zu tun. und wir mitten an unserem Teil dazu beitragen, daß die ge- traltiasten Ereignisse an jenem Punkte auch in der Breite des öffentlichen Urteils richtig erkannt werden. Hätten sich die Franzosen nicht in Verdun so überaus stark gemacht, so würden sie diesen Platz inzwischen Wohl schon aufgegeben haben, und sie würden sich damit keineswegs einen unheilbaren Schaden zu- ßpfiiut haben. Denn eine Strecke zurückgchen und eine neue Stellung einnehmien, was bedeutet das viel? Jedoch eben die Größe der eigenen Verteidigungsmaßnahmen verhinderte einen solchen Entschluß. Der Eindruck der Schwäche wäre z u tief gewesen. So hoben die Franzosen den Ksnrw L nav-
n o m m e n und müssen ihn durchjechten. ^e l a n- g e r er dauert, desto größer wird der Unter) an eo des Verlustes hüben und drüben. Unsere Heeresleitung hat keinen Gruno, durch besondere Krastanstrengun- gen oder Opfer die Entscheidung zu beschleunigen, die Franzosen aber sind so sehr an Verdun gefesselt, daß ihnen schwerlich die Kraft zu anderweitiger^Initiative geblicken ist. Mit anderen Worten: Die strertkraste, die Frankreich angnssSweise gegen uns hätte em- sttzen können, zermürben und verflüchtigen sich vor Verdun, und ein zweites Heer hat die Re- packlik nicht zur Verfügung. Dies vor allem ist die entscheidende Bedeutung der Säsiacht bei Verdun. An den Engländern wäre es jetzt, großen Worten die Tat folgen zu. lassen, aber man hört nichts von einer englischen Entlaftungsofsensive in Flandern. Könnte sie noch kommen? Wir wollen nicht voreilig sein, wir wollen gelassen aibwacten.
Die Lage im Westen.
Ter französische Orientbericht.
W.T.-B. Paris, 1. April. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Wrrratsbericht der Orientarmee: In den ersten Tagen des Daonats März herrschte an der griechischen Grenze vollkommene Ruhe. Am 13. März wurde eine gewisse Tätigkeit deutscher ErkunduuySabteilungen f estgestellt. Französische Stveitkräfte rücken infolgedessen gegen die Grenze südlich von Gewgeli vor. Am 16. März nistete sich eine feindliche Abteilung in dem griechischen Dorfe Makubowo ein, wurde aber an: folgenden Tage von unseren Vortvuppen .daraus vertrieben. Am 19. März warf ein Zeppelin einige Bomben auf die Reede von Karaburun ab, wo zahlreiche Schiffe ankern, ohne Schaden anzurichten. Am 30. beschoß unsere Artillerie das feindliche Lager an der Grenze, am 34. die Bahnhöfe von Mrzenti (?) und Gewgsli, An demselben Tage warf eine Abteilung unserer Flugzeuge, bestehend auS 23 Apparaten, zahlreiche Geschosse auf die feindlichen Lagereinrichtungen in Volovec, westlich des Doiransees. Während dieser Operationen wurde einer unserer Piloten von einem Geschoß getroffen und fiel in den See, ein anderer wußte landen, konnte aber, nachdem er sein Flugzeug in Brand gesteckt hatte, in unsere Linien zurückkehren. Am 25. März fand ein Kampf zwischen einem F o k k e r f l u g - zeug und einem unserer Flugzeuge statt, das ebenso endeie. Das französische mußte landen und der Flieger steckt« sein Flugzeug in'Brand. Aber auch ein feindliches Albatroß- flvgzeug wurde von einen: unserer Flieger abgeschossen. An dcmi-olben Tage warf ein Geschwader Geschosse aus die feiitd- lichen Lager bei Podgoritza. Am 27. Mürz bezogen beträchtliche englische Kavallerieabteilungen in der Nähe unserer vorgeschobenen Abteilungen Quartiere. Am 28. März wurde Saloniki von einem Lustgeschwader bombardiert; 23 griechische Bürger wurden getötet, 25 verwundet. Unsere zur Verfolgung -bc§ Feindes aufgestiegenen Flugzeuge schossen drei Flieger ab. Am 29. kam eine englische Kavallerieabteilung mit einer feindlichen Truppeuabteilung bei Ke n - d e l i auf griechischem Gebiet, zwischen Gewgeli und Doivan, in Berührung. Die Deutschen wurden in die Flucht geschlagen. Längs der Grenze entwickelte die deutsche Artillerie eine ziemlich lebhafte Tätigkeit.
Belgische Lügen über unsere Bcsatznngs- armee.
W. T.-B. Brüssel, 1. April. (Nichtamtlich.) Das Organ der belgischen Regierung in Le Havre „Le Vingtieme Signale" verbreitet seit einiger Zeit von der holländischen Grenze aus Schauermären über unsere belgische Besatzungsarmee und sucht die zweifelhafte Ehre des Amsterdamer „Telegraaf" in bezug Ziffer Lügenberichterstattung zu übertrumpfen. So meldete es unter anderem am 12. März, in Lominel sei ein deutscher Deserteur vor versammelter Mannschaft er- schossen worden, während es den Tag vorher aus Hasselt 27 Landsturmmänner desertieren ließ. Me diese Meldungen sind glatt erfunden.
Morntorrumsverlängerungen für Mieten in Frankreich.
W. T.-B. Paris, 1. April. (Nichtamtlich.) Durch Ministe- malerlaß wurde -das Moratorium für Mieten um drei Monate verlängert.
politische Hochspannung in Holland.
Lin Ultimatum der Entente an Holland.
Sperrung der Grenze gegen Deutschland.
Br. Haag, 1. April. (Eig. Drahtüericht. Jens. Bin.)
Die Ententemächte haben an die holländische Regierung die Aufforderung gerichtet, die Grenze gegen Deutschland für jeden Warenverkehr zu sperren. Diese Aufforderung hat angeblich den Charakter eines Ultimatums. Es ist anzunchmen, dab dicker Schritt der Entente in Paris auf der L--
meinsamen Konferenz beschlossen worden ist. An den Börsen in Rotterdam und Amsterdam herrscht heute panikartige Aufregung.
Line wichtige Konferenz der höchsten militärischen Stellen.
Zurückziehung aller Beurlaubungen.
W. T.-B. Amsterdam, 1. April. (Nichtamtlich.) Gestern wurden telegraphisch alle Urlaube der Offiziere und Mannschaften von Land- und Seemacht, außer denen, welche vom Kriegs- oder Marincministcr erteilt worden sind, z u - rückgezogcn.
Ans dem Haag wird hierzu gemeldet: Wie das Korrespon- denzburcau erfährt, werden vorläufig bei der Land- und Seemacht keine Urlaube mehr erteilt werden.
Die h ö ch st c n Stellen der Land- und Seemacht hielten gestern früh eine wichtige Konferenz ab. Der Minister des Innern hatte gestern früh eine Unterredung mit dem Direktor des Kabinetts der Königin und mit dem Minister des Äußern. Wie verkantet, soll eine g e - Heime Sitzung der Zweiten Kammer unmittelbar brvor- stehen.
Requirierung aller Güterwagen.
W. T.-B. Amsterdam, 1. April. (Nichtamtlich.) DaS „Handelsblad" meldet: Die Güterwagen, dir seit
1. August 1914 zur Verfügung der Militärbehörden gestellt werden mußten, aber seither vorübergehend frei, gegeben waren, wurden gestern von den Behörden zum Formieren von Militärzügen requiriert. Wagen, dir gestern um 6 Ubr abends zur Abreise fertig waren, darf- ten noch befördert werden; die anderen wurden wieder aus- geladen.
Eine holländisch-offiziöse Richtigstellung phantastischer Gerüchte.
W. T.-B. Amsterdam, 1. April. (Nichtamtlich.) Dem Haager Korrespondenzbureau wird von maßgebender Seite mitgeteilt, daß die Berichte, wonach alle erteilten Urlaube zurückgezogen und alle Güterzüge requiriert wor> den seien, vollkommen unrichtig sind. Es wird hinzugc- sügt, daß es n i ch t m ö g l i ch ist, alle phantastischen Gerüchte ähnlicher Art zu dementieren.
Widersprechende Gerüchte.
Br. Haag, 1. April. (@tg. Drahtbericht. Zenf. Mn.) Die Spannung im ganzen Lande ist enorm. Die Zeitungen werden den Händlern aus den Händen gerissen. Die Haager „Abendpost" veröffentlichte eine Sonder- cmsgade, in der es heißt, «daß England den freien Durchmarsch durch Holland verlange. Der in die- scm'Falle sicherlich gut informierte „Nieuwe Courant" schreckt, daß eine unmittckbare Kriegs^pefaihr nicht vor- liege, was daraus hervorgehe, d-iß Urlaub Wohl nicht mehr gegeben, schon erteilter Gesch'iftsurlanb aber noch nicht zurückgezogen -worden ist. Dies könne jedoch stündlich göschchen. Aus zuverlässiger Quelle erfährt der Berichterstatter der „Voss. Ztg.", daß die Regierungsmaßregel bestimmt nichts -mit dem „T u'b a n t i a"-.Fall zu tun habe. Dies bestätigt auch der „Nieuwe Coumnt".
Br. Rotterdam, 1. April. (Eiy. DrahtLericht. Zeus. Mn.) In der gestrigen Schurdg der Zweiten Kammer wurde eine Erchcheidung noch nicht getvoffen. Nachdem am Tage zu- vcw die gewöhnliche Sitzung des Ministervats getagt harte, wurde gestern eine außerordentliche Sitzung des Mtnisterrats abgehalten. Über den Grund der Spannung wurden bisher amtliche M-tteilungen -nicht geniach-t. In den holländisch-en Großstädten, Amsterdam, Rotterdam und dem Haag, kursiererr die wildesten Gerüchte. Man ist überz-eugt, daß die Krisis sehr groß ist. Bon den Gerüchten seien einige verzeichnet: 1. Ein holländischer großer Kreuzer soll torpediert sein; das ist Unsinn. 2. Die Engländer sollen auf der Insel Walceren die Landung versucht haben. Genei,gt könnte man sein, ein Gerücht als zuverlässig zu betrachten, wonach Frankreich und England infolge eines Beschlusses der Pariser Konferenz das Ansinnen oder vielleicht ein Ultimatum au Holland richten wollen, die deutsche Grenze zu sperren. Andererseits wird noch mttyeteilt, daß eine Flotte die Schelde blockieren solle. Es wird aber auch hinzng-efügt, daß die aus- gesprochen-e Politik der niederländischen Regierung taffächlich die gewesen sei, die Neutralität gewissenhaft zu wahren und daß sie deshalb unter kei-nen Umständen eine Verletzung, der N>eutralität dulden werde. In einem solchen Falle würde Holland unzweifelhaft zu den Waffen greifen.
Br. Berlin, 1. April. (Eig. Dwahtbericht. Zeus. Bln.) Fn einem zweiten Telegramm aus Rotterdam wird dem
-A." gemeldet: In parlamentarischen Kreisen scheint man cu« .bem Umstand, daß die als bevorstehend gemeldete ge- Heime Sitzung der Zweiten Kammer gestern nicht ern° bevusen wurde, als Anzeichen zu deuten, daß dre Lage sich rm "auf-e 'des T-ages wenigstens nicht weiter zugespitzt hat — Dte „Boss. Ztg." schreibt zu den Vorgängen in Hollandt, Auch wenn sich der vollstättdtge Übergang zur Ärregsbe»
