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Samstag, I. Npril 197b.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 155. 64. Iahrgang.

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Der Krieg.

Die Lage im westen.

Die Mißstimmung in Frankreich.

Clemencea« über Brraud.

Br. Genf, 31. März. (Eig. Drohtberichr. Zens. Bin.) Die Pariser Mittagsblätter behaupten, -das Verbot 'des Radioal" sei durch überaus heftigen Angriff auf Italien begründet. Die heutige Mißstimmung ver­stärkt sich maßlos. Bemerkenswert ist ein scharfer Tadel Briands durch Clemenceau, welcher im Home EnchainS" sagt: Briand deklamiert unter dem Beifallstoben einer ergebenen Presse Phrasen, hierauf sofort zu seinen ewigen Zigaretten zurückkehrend, als wäre dr« Lage ausgezeichnet. Vielleicht wenden ihn «bald Koyon, Verdun aus der Ruhe aufschrecken. Merciers Lage kritisch.

Br. Lugano, 31. März. (Lüg. Drähtbericht. Zens. Bln.) Die italienische Presse behauptet, ein aus Rom ch Belgien zurückgekehrter Prälat bezeichnet die Loge erciers als außerordentlich kritisch, da die Regu­ng überzeugt sei, Mercier habe unerlaubten riefverkehr mit Havre geführt. Man sei in helgischen Priesterkrersen auf die st r c n g st e n Maß­nahmen gefaßt, falls nicht der Vatikan eingreife, was der Papst verweigere.

Di« innere und die Suherr tage.

O Bcrtl», 30. März.

Man kann das E r g e b n i s der Beratungen im Reichshaushaltsausschuß wohl dahin bezeich- nen, daß der Reichskanzler einen großen Er- folg erzielt hat. Tue Genugtuung darüber wird noch erhöht durch du Gewißheit, daß man zugleich nicht von irgendwelchen Besiegten zu sprechen hat. Die schöne und unendlich wichtige Bedeutung der Aussprache in, Ausschuß bericht vielmehr nach allem, was ohne Preisgabe der auserlegten Vertraulichkeit mitgeteilt werden konnte, in der Wirkung von überzeugend vorge­tragenen Tatbeständen durch die Vertreter der Reichs- lcitung, und zwar in einer Wirkung, die sich aus rein sachlichen Umständen und Zusränden ergab, so daß niancher Irrtum offen, ohne Verbitterung, ohne Be­schämung. eingestanden werden konnte. Der Reichs­kanzler und die oberste Heeresleitung, deren Entschlie­ßungen in bezug auf den Unterseevootskrieg in den be­kannten Anträgen bemängelt worden waren, hatten es sicher vorher gewußt, daß sie an dem Tage, wo sie die Gründe für ihr Verhalten darlegen würden, den Widerspruch entkräften, ihn in Zusti «mmung verwandeln würden. Das ist nach allem, was nm>n er­fährt, nunmehr in der Tat geschehen. Die Auseinander­setzungen düS Reichskanzlers, des Herrn von Capelle und des Schatzsekretärs haben eine Stimmung hervorgerufen. in der auch die Zweffelsüch- ttgsten die Rückkehr zu freudigem Vertrauen finden konnten. Die vrelberufenen Anttäge dürfen bereits als erledigt und überholt gelten. Sie werden das Wen um des Reichstags bestimmt nicht mehr beschäftigen, da es kerne Meinungsverschiedenheit mehr dar­über gabt, daß die politische wie die militärische Ober­leitung alles getan haben und weiter burchzufüHren im Begriff sind, was jedem, auch dem denDar entschieden- sten Anspruch auf die Führung des Seehandelskrieges vollauf genügen kann. In welcher F o r m die Anträge werden beseitigt werden, das ist eine Frage der parla­mentarischen Technik, die weiter keine Schwierigkeiten zu machen braucht. Jedenialls ist durch die Beratungen im Haushaltsausschmtz die Lage Wiederherge­ste llt, die während der ganzen Kriegsdouer, ausge­nommen die letzten Wochen, mit zu den Bürgschaf- t e n unseres Sieges gehört hatte, d. h. die Einmütig- keit des ganzen Volkes ist wieder gegen iede Antastung und Erschütterung geschützt worden. Wir meinen, :nan könnte den jetzt überwundenen Gegensatz am besten kenntlich machen, indem man für den Stand­punkt der Reichsleittrng das Wort in Anspruch nimmt: Fuaeiter in modo fortiter in re" (milde-vorsichtig in der Form, entschieden in der Sache), während auf der anderen Seite eine Wendung dahin empfohlen wurde, daß es auch heißen möge:Bordier in modo." Die Ausgabe des Kanzlers war es, derAnsicht zumLiege zu verhelfen, daß dassuaviter" doch wohl vorzuziehen sei, und diese Ausgabe ist denn also gelöst worden. Man darf aufatmen, es gab, wie nicht zu leugnen ist, eine Gefahr, aber sie ist beseitigt. Die Auskünfte, die von den Vertretern der Regierung im Ausschuß gegeben wurden, beschränkten sich nun aber, wie selbstverständlich, nicht aus die Unterseeboatfrage, sondern sie werden naturgemäß das ganze Gebiet der politischen, der wirffck>afttichen, der militärischen Lage behandelt haben. Was von der besonderen Unterseeboottrage gilt, das teat man auch von den weiters Darlegungen in der

angegebenen Richtung sagen dürfen, nämlich, daß olle Mitteilungen des Reichskanzlers, des Schatzsekretärs und der sonstigen fachmännischen Persönlichkeiten von durchschlagender Wirkung gewesen sind. Ist es im einzelnen auch nicht bekannt geworden und kann es nicht bekanntgegeben wenden, was diese Männer im Ausschuß vorgetmgen haben, so darf mit Gewißheit an­genommen werden, daß sie nur Gutes zu berichten hatten. Die Mitglieder des Ausschusses wevdeir Wohl davon in Kenntnis gesetzt worden sein, wie außer­ordentlich günstig die Lage bei Verdun ist, sogar günstiger noch, als es aus den amtlichen Heeresberichten hervorgeht. Ähnliches gilt von der Vergleichung un­serer Finanzlage nrit derjenigen unserer Feinde. Der Schatzsekretär Helsserich wird da gewiß Einzel­heiten mitgeteilt haben, die «das Vertrauen in unsere Überlegenheit zu stärken geeignet waren. ^Wenn man erwägt, daß die Feinde mit schwebenden Schulden ' in MilliardenWhe belastet sind, deren Abtragung schon bin­nen kurzem erfolgen muß. freilich nickt wird erfolgen können, und wenn man dem entgegenhält, daß wir «durch unsere langfristige letzte Kriegsanleihe bis zum Herbst versorgt sind, dann ist der Unterschied so überwälti­gend, daß keine Künstelei und Lügenhaftigkeit feindlicher Verdrehungen etwas ausrichten kann.

Dev Krieg gegen Rußland.

Unterdrückung der ukrainischen Bestrebungen.

ulc. Krakau, 31. März. (Eig. DroHtbericht. Zens. Mn.) Die russischen Behörden in Katerrnoslaw hoben den um die Sache der ukrainischen Kultur viel verdienten Verein Pr o Sw i ta" (Aufilärungl schließen lassen. Die Kalerinos- lawerProswita" mar der «letzte unter den zahlreichen wäh­rend der Jahre 1900/06 entstandenen AufklärungSvereine in der Ukraine, die später eirver nach dom andern der bald da­mals beginnenden Reaktion zum Qpser fielen. Als Anlaß zur Auslösung des Vereins wurde ein von den Russen in Lemberg auf^sundeneS Schriftstück angegeben, nämlich der von den Mitgliedern des Vereins vor fünf Jahren an den ukrainischen Reichsratsklub in Men übersandte Gruß, durch welchen diesem für seinen Kampf für «die ukrainische Univer­sität Anerkemmng ausgesprochen wurde. Eine andere Nach­richt berichtet über das Verbot der in Odessa erscheinenden ukrainischen MonatsschriftOSnoroa".

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Der Krieg gegen England.

Cndorna war nuf der torpedierten Lussex".

W. T.-B. Bern, 31. März. (Nichtamtlich.) Wie der Pariser Korrespondent desSecalo" zuverlässig er­fahren haben will, befand sich Cadorna ans der Sussex". Nach dem Schfffbruch kehrte er nach London zurück und reiste am 25. März neuerdings zur belgi­schen Front. Dies erkläre auch die Verspätung Cadornas bei der Rückkehr nach Paris, wo er planmäßig bei dem Empfang am Lyoner Bahnhof hätte teilnehmen sollen.

Znm Arbeiterausstnnd im Clydebezirk.

Br. Sa-g, 31. März. (Eig Drähtbericht. Zens. Bln.) Die Times" berichtet aus Glasgow. Nach einer enrtlichcn Meldung ist mit einer bald;gen Beendigung des Ausstandes am Clyde zn rechnen. In den WerkstäUen zweier der größten Fabriken wurde die Arbeit zum Teil schon wieder aufgemnnmcn.

Generalkonsul Gaffney über Amerika und die§ussex"-slngelegenheit.

Die aufrührerische Bewegung in Irland.

Br. Berlin, 31. März. (Eig. Drähtbericht. Zens. Bln.) Der ahemalige amerikanische Generalkonsul Gaffney in München, -der sich vor,übergehend in Berlin aushielt, smpsing gestern einen Mitarbeiter derVoss. Ztg.", der ihn über dieSussex"-Angelegenheit und dib irischen Aufftände in DiMin befragte. Wie noch er­innerlich sein dürfte, war zuerst gemeldet worden, daß beim Untergang derSüsser" auch amerikanische Bür- gcr ums Leben gekommen seien, tvas sich übrigens nach den letzten Berichten als unrichtig erwies. Es ist wohl zu unterscheiden, sagte Gaffney, Mischen amerika- nischen Passagieren, die non New York direkt nach London fahren, oder solchen, die die Sttecke Dover- Calais oder Di epp c benutzen, um die Überfahrt von London nach Paris zu machen. Der Passagier- verkchr zwischen London und Paris dient bekanntlich in erster Linie militärischen Zwecken. Was haben min Amerikaner in dieser Gesellschaft zu tim und warirm bcgaben sie sich in eine so ausgesprock>ene Gefahr­zone?

Man kann England nicht dir Kricgführnng dadurch rrlrichtcr«, das; zu seinem Schutze überall Parade- Amcrikaner ausgestellt werden.

Auf die weitere Frage, was die amerikanische Regie­rung bisher getan habe, um einem solchen M i ß- brauch «des amerikanischen Bürgerbriefes zu steuern, «antwortet Herr Gaffney: Sie hat die An- gelegenheit zwar nicht geregelt, ist ihr rüdes drircki Verwalttmgsmaßnahmen aus den Leib gerückt, indem sie durch die Behörden die Bürger imterderhand warnen läßt, sich ohne Not in die Gofahrzone zu be­gäben. Welche Anzeichen sind dafür vorhanden, daß die Regierung in Washington auf dem Verordnungs- Weg «Schritte in «dieser Richtung unternommen hat? Die großen offenkundig englanbsre>.iwdlichen New Norker Blätter haben auch Washingtoner Bceldrmgen halbamt­lichen Charakters veröffentlicht des Inhalts, daß die Amerikaner schon durch die Verhandlringen im Kongreß selb st vor unklugem Verhalten ausreichend ge­warnt sind. Jnr Zusammenhang damit haben die amerikanischen Paßbnreaus in Washirrgton die Weisung eichattein, jeden Europareffenden auf die G e- sahren ausmerksonr zu machen, die ihm drohen. Sie sind übrigens angewiesen, bei Ausstellmrg von Pässen nach Europa Schwierigkeiten aller Art zu be­reiten. (Älmiben Sie, «daß die ,/Susser"-Rngelegenheit irgendwelchen Wandel in dieser Auffassung der Dinge herbeiführen «wird? Nach den bisher hier mir zugäng­lichen Anzeichen, glaube ich, schließen zu dürfen, sagte Gaffney daß man dieSussex"-Angelegenheit und ähn­liche Fälle in Amerika mit größerer Ruhe und Kaltblütigkeit ausnehmen wird als bisher. Sie können aus dam Umstand, «daß «selbst die ,Meuter"- Meldungen von keinerlei Aufregung zu berichten wissen, schließen, daß in Amerika keine Neigung mehr bestcht, starr an der früheren Auffassimg sestzuhalten. SeGst, wenn Wilson gewillt wäre, auf seinen früheren Standpunkt zurückzukommen, so würde er dafür im Kongreß keine Mehrheit finden.

«Me beurteilen Sie die eigenartigen Vorgänge in Dublin? Handelt es sich um einen Lokalaus- ruhr oder ist ganz Irland von einer revolutionären Welle überflutet? Gaffney antwortete: Irland ist augen­blicklich für die ganze Außenwelt ein mit sieben Siegeln verschlossenes Buch Nach meinen Informationen aber scheint das ganze Land ein einziges Kon- zentrationslager zu sein. Gesetz und Recht sind aufgehoben. Wenn sogarReuter" sich gezwun- gen sieht, den ganzen Ernst der aufrührerischen Be­wegung in Irland zuzugeben, dann geht es dort hart aus hart. Die amerikanischen Irländer tun das Ihrige, die aufrührerische Bewegung in Irland zu schüren und ihren verfolgten Brüdern in England beizustehen. Me sehr England Irland fürchtet, beweist der Umstand, daß daS englische Parlament die Irländer von der Rekrutierung ausgeschlossen hat, ja sogar zwei britische Armeekorps zur Niederzwmgung dieses Landes oufbiaten.muß.

Der Krieg gegen Portugal.

Portugals Abhäugigkeft von England

Ntebrid, 31. Mürz. (Jens. Mn.) Die Madrider Zeitung ,.A«BC" veröffentlichte am 11. März einen ihr aus Lissabon <wn 2. Februar 1016 zugesandten Aufsatz von A. Pimente!, der große «Beachtung verdient, metl er schon vor der cm 10. März erfolgten Kriegserklärung Deutschlands an Portugal die sklavische Abhängigkeit der Republik von Eng­land schildert und d-e Berechtigung der deutschen Kriegs­erklärung begründet. Die MtteSungen Piancmtels stützen sich aus eine Broschüre des Generals de Castro, des früheren portugiesisch«; Mnisterpräfidenten. Castro eMärte, nachdem er die diplomatischen Aktenstücke des Auswärtigen Amtes durchgegangen hatte:England gegenüber ist man bis zur äuß«sten W«ürdelcssigkeit in sklavischer Weise entgvgeirge- komimen." Bernadino Machtdo hatte in der Kammer gesagt: Portugal stehtin einer kriegführenden Neutralität". Worin diese sonderbare Neutralität bestand, legen die Einhüllungen Castros dar. Die portugiesische Re«g«ierung hatte immlich England alle Waffen und alle Munition übergeben, die dieses verlangte. Der Bettag belief sich auf 14 Millionen Kranken. Als Castto zur Regierung kam, wollte er erfahren, oh Eng­land Portugal diesen Bettag bezahlt hatte. Er erfuhr aber zu ieiuen; großen Erstaunen, daß dies nicht der Fall war, s«on> d«m daß die Regierung von Bernadino Mcnhado England diesen Betrag .geschenkt" hatte.

Die Neutralen.

Nach der Zurücknahme der Monarchie in Thina.

YuanschikaiL Rücktritt bevorstehend.

W.T.-B- Totio, 31. März. (Nichtamtlich.) Nach brieflichen Berichten aus Peking und Särrnghai soll «der Rücktritt Nuanschikais oworstchen. Sein diachfolger «wird wahrscheinlich der jetzige Biz<Pr«fid«tt Litzucmghung werben.