Verlag Langgaffe 21
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PStsdemer Etr. 121 IO Frrnspr.. AMtLlihoW O -ltL U.V2UO. Tagen und Plätzen wird keine Gewahr übernommen.
Donnerstag. 30. März 1916.
Morgen - Ausgabe.
Nr. 151. ♦ 64. Jahrgang.
Der Krieg.
Lebhafte Fliegertätigkeit an der russischen Front.
Andauernde schwere Geschützkämpfe am Görzer Brückenkopf.
Hfterreichisch-ungarischer TagesberichL
W. T.-B. Wien, 29. März. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 29. März, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
Die F l i e g ertä t ig k c rt auf beiden Seiten war recht lebhaft. Mehrere feindliche Flirgzeuge wurden durch Feuer und eigene Flieger zur Umkehr gezwungen. Ein von unserer Artillerie herabgeschosscner rnssi- scher Doppeldecker stürzte östlich von Buczacz hin- ter der feindlichen Linie ab. Durch Fliegerbomben entstand bei uns keinerlei Schaden. Unsere Flieger haben einige Orte hinter der russischen Front ausgiebig und mit^beobachtendcm Erfolge beworfen.
Sonst keine Ereignisse von Wichtigkeit.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die lebhaften Geschüpkanrpfe am Görzer Brücken- kops und im Abschnitt der Hochfläche von Doberdo dauerten auch gestern bis in die Nacht hinein an. Es erfolgte jedoch kein neuer Angriff. Östlich Selz drangen dir Italiener in einige Graben ein, die nun gesäubert werden.
Im P l ö ck e n - Abschnitt wiesen unsere Truppen mehrere feindliche Vorstöße ab.
Sonst ist dre Lage unverändert. In mehreren Frontabschnitten arbeiten die Italiener an rückwärtigen Stellungen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höf er, Fcldmarschalleutnant.
Der Krieg gegen England.
Der Helderrkampf des „Greif" mit einem englischen Hilfskreuzer.
Einzelheiten aus der englischen Presse.
. Br- H-mg, 29. März. (Erg. Dvcchdbericht. Zerff. Wn.) Dre englische Presse erklärt den Helüsiffamchs zwischen dem „Greif" und der „Aloandara" für eines der dramatischsten Ereignisse des bisherigen Seekrieges. Die „Morning Post" gu>t folgende Darstellung: Tie britischen Patrouillen hatten bereits die Nachricht erhalten, daß sich ein zw?i-selha-stes Schiff in der Nähe bewege, aber der „Greif" paßte nicht auf die Beschrei- bung. Anscheinend hatte er während der Fahrt sein Aussehen verändert. Nach dem Anruf durch die ..Aleaiidara" müssen die Deutschen gleich gewußt halben, daß es a u s war und in Kürze weitere englische Schiffe erscheinen müßten. Außerdem war ' die ..Alcandara" eines der besten Schice der englischen Handelsflotte. Nucht war also unmöglich. Das Gefecht _ ging bei dollem Tageslicht vor sich. Beim Manövrieren gerieten beide Schiffe so nahe aneinander, daß, wie ein Offizier der „Alcandara" erzählte, nmn darauf gefaßt war, zu entern und im Handgemenge eine Entscheidung herveizuführen. Alle Berichte stimmen überein, drß die englische Kanonade sofort die Oberhand hatte. (Eine andere Art der Darstellung tvar von englischer Seite ffeilich nicht zu erwarten, trotzdem aber oetont die englffche Admirali- tat in ihrer amtlichen Meldung, daß die „Alcandara" schwächer armiert gewesen sei. Schrift!.) Man glaubte sich schon d es Sieg e s si ch e r. als ein Schuß des „Greff" das Steuer der „Alcandara" unbrauch- bar machte. Der „Greff" schoß mm ein Torpedo aus nächster Nähe ab, das traf. Gleichzeitig ober wurde auch der „Greif" durch ein in seiner Mitte ein- schlagendes Geschoß zmn Sinken gebracht. Es stellte sich heraus, daß dieser Schuß von einem zu Hilfe eilenden leichten Kreuzer aus großer Enffernung abge- rchossen war. Der „Greff" befand sich aber bereits in sehr schlechtem Zustand. Ein deutsches V-Boot war aus dem Kampfplatz nickt anwesend. Der „Greff" war k e i n k l e l n e s Schiff, sondern 9- bis 10 000 Tonnen groß. Tie „Times" sagt, daß er bereits seit Febr ua r in verschiedenen Verkleidungen die Nordsee unsicher gemacht habe. Die deutsche Funffprucheinrichtung zeigte sich der englischen wieder überlegen und hielt deren schwächere Anlagen solange nieder, bis ein Schuß die deutsche Station unbrauchbar gemacht und die Engländer in der Lage waren. um Hilfe z» tafe«.
Herdes Beunruhigung über den Tauchbook- krieg.
W. T.B, Bern, 29. Mürz. (Nichtamtlich.) H erv e beschäftigt sich in der „Bictoire" mit dem bomrouhigenden Wiederaufleben des deutschen Tauchbootkrieges, indem er aus dem Leserkreise Gimvendungen machten läßt, wie: Es gibt also kein Mittel, sie zu mindern?
Da rühmen wir uns, die Herren des Meeres zu sein. Die Deutschen sind ebc-tso stark an Geist. Ein Volk, das doppelt so zahlreich wie das französische ist, das die erste Industrie der Welt besitzt, mit einem Geist von Qrgwnisation, Initiative und Kühnheit ersten Ranges, ist offenbar eine Macht, mit der inan rechnen mutz. Sie zu hindern, ist leichter gesagt, als getan. Miau hat noch kein wirklich wirksames Mittel gegen sie gefunden. Die Bewaffnung der Hunldels- schisfe nützt nichts, weil die Unterseeboote fast unsichtbar sind, die Seepvlizei ebensvwen-ig, denn der grotze Aktionsradius der Boote macht die Polizei ohnmächtig. Die Wahrheit ist, datz die Deuffchen mit einer genügenden Zahl Boote und Mannschaften England sehr wohl blockieren können. Dorum müssen di« Alliierten unablässig daran arbeiten, den Feind schnell zu vernichten und alle Mannschaften, die verfügbar sirid, in England, Italien und Rußland ansheben» um Deutschland unter der Flut der Stürmenden schnellstens zu ersticken.
Zum englischen Luftangriff auf Nord- Schleswig.
Eine kühne Fischertat.
Br. Berlin, 29. Mürz. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Mn.) Aus Husum wird dem „L.-A." geschrieben: Während des Fliegerangriffes auf die Westküste von Nvrdschleswig am Samstqgmcrgen lvaren zwei Amrumer Wattenschiffer im Stebel bei Sylt mit Fischen beschäftigt, als sie plötzlich ein Wasserflugzeug sichteten, das anscheinend verunglückt und außerstande war, sich vom Meere zu Theben. Kurz entschleffeu holten die Fischer einige Mann von der Besatzung Hörnums an Bord und dampften dann auf das Flugzeug los, ihm den Weg zwischen Mensand und Hörnum abschneidend. Bald erkannte man, datz man ein fremdes Flugzeug v»r sich hatte; es trug eine Besatzung von drei Mann, schien unbeschädigt zu sein und stellte seine Propeller erst ab, als es die Unmöglichkeit, zu entkommen, sah. Durch das Zeichen eines weißen Tuckes gab die Besatzung zu erkennen, datz sie sich ergeben wolle, und bald war sie an Bord des Amrumer Fahrzeuges urid auch das Flugzeug ins Schlepptau genommen. Bei der Hörnumer Brücke wurden die Gefangenen, von denen ein Mann Englisch, die anderen beiden Osftziere fließend Französisch sprachen, -der Jnfelwache übergeben. Am Sonnt-rgmorgen wurden sie bereits nach etn-em Gefangenenlager verbracht.
Zur Vernichtung der „Tubantia".
vnerwiesene englische Behauptungen.
W. T.-B. Berlin, 29. März. (Amtlich. Drahtbericht.) Der Sekretär der englischen Admiralität hat eine Erklärurig abgegeben, die auf folgende Tatsachen aufmerksam macht: 1. Während dieses Krieges sind sechs deutsche bronzene Torpedos in unbeschädigtem Zustand in der Nordsee und im Kanal ausgsfischt worden. 2. Die angegebenen Abrnessun- geno die mit einem Gewinde versehenen kleinen Löcher und di« Zugstärke weisen sämtlich darauf hin, datz die gefundener, Metallstücke Teile der Luftkammer eines bronzenen Torpedos sind. 3. Kein Teil eines französischen oder englischen Torpedos besteht aus Metall von dieser Abmessung, Dicke und Stärke. 4. So weit toit feststellen können, ist in jedem Falle (ausgenommen einem), wo ein Schiff von den Deutschen torpediert wurde, von bronzenen Torpedos Gebrauch gemacht worden.
Hierzu wird von amtlicher deutscher Stelle bemerkt: Sobald die ausgefundenen Metallteile vorg-elegt werden, sollen sie deutscherseits der gewissenhaftesten Prüfung unter, zogen werden. So lange diese nicht abgeschlossen ist, mutz ein Urteil über das Material Vorbehalten, bleiben. — Ein« amtliche Erklärung des Chefs des Admiralstabes hat bereits festgestellt, datz von deutschen Seestreftkräften ein Torpedo aus die „Tubantia" nicht abgeschossen worden ist.
Die Streiks im Clydegebiet.
W. T.B. London, 29. März. (Nichtamtlich.) Im Unterhaus berichtete Unterstaatssekretär Addison als Vertreter des Munittonsministeriums über einige vereinzelte Streiks 'm Clydegebiet, welche kürzlich stattgefunden hätten und durch eine Körperschaft, die sich Dlyde-Arbeiterausschutz nenne, gefährdet worden seien. Diele Ausstände ständen nicht im Zusammenhang mit den industriellen Verträgen und seien durch die Trade Union gerügt worden. Das Munitionsministerium ba,be die Militärbehörden ersucht, sechs Rädelsführer zu versehen.
Lord Kitchener geht mit Asquith nach Rom.
W. T.-B. Haag, 29. März. (Nichtamtlich.) Der „Nieuwe Courant" berichtet ans London: Lord Kitchener wird Asquith nach Rom. begleiten.
Weitere Lohnerhöhrrngsforderungcn in der Textilindustrie.
Die Arbeiter der Baumwollspinnereien in Manchester und ganz Lancashire verlangen laut „B. T." eine Lohnerhöhung um 10 Prozent. In Dundee streiken 25 000 Jute-Arbeiter. Sie fordern eine Erhöhung von 15 Prozent.
Beschlagnahme irischer Zeitungen.
Irischer Widerstand.
Nr. Amsterdam, 28. März. (Eig. Drahtbcricht. Zeus. Bln.) Die „Times" meldet, datz Freitagmorgen die Geschäftsräume und die Druckerei der irischen Druckerei „Daily Preß" in Dublin von der Militärbehörde versiegelt wurden. Sämtliche Nummern der vier irländischen Blätter „Spak", „Honesty (Seal", „Daily Athlete" wurden beschlagnahmt. Auch bei sämtlichen Zeitungshändlern der Stadt wurden Haussuchungen vorgenommen. Später versuchten Polizisten sich Eingang in die Liberty-Hall, das Hauptquartier des irischen Transportarbeiterverbands, zu verschaffen. Bewaffnete Wachen, die vor dem Tor standen, widersetzten sich 'jedoch dem weiteren Vordringen. Die Polizisten zogen sich zurück und kurz darauf marschierte eine Abteilung der Bürgcrwehr, die mit den Transportarbeitern in Verbindung steht, bis an die Zähne bewaffnet zur Verteidigung der Liberty-Hall herbei.
Die Überlastung der Munitionsarbeiter und ihre Folgen.
W. T.-B. London, 29. März. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Eine Kommission, die den Gesundheitszustand der Munitionsarbeiter zu untersuchen hatte, stellt fest, datz die Gesundheit und Arbeitsfähigleit der Arbeiter durch Übet- anstrengung gelitten hat, während die Produktion nicht zugenommen, sondern eher abgenommen habe. Als Ursache wird zu lange Arbeitszeit und unzweckmäßige Einteilung der Arbeit bezeichnet.
Oie Lage im Westen.
Tod eines bei Verdun verwundeten französischen Generals.
V/. T.-B. Paris, 29. März. (Nichtamtlich.) Dem „Journal" zufolge ist General Largeau einer kürzlich bei VerÄun erhaltenen Verwundung erlegen.
ver Krieg gegen Rußland.
Amerikanische Gasolinlokonrotiven für die rufsischen Schützengräben.
W. T.-B. Amsterdam, 29. März. (Nichtamtlich. Drccht- bericht.) Amerikanische Blätter melden aus Philadelphia: Rußland hat bei der Baldwin-Lokomotivbaugesellschaft 3 5 0 Gasolinlokomotiven zur Benutzung in den Laufgräben bestellt. Sie werden zur Beförderung von Munition und Proviant verwendet.
Die Untersuchung wegen der niemals rechtzeitigen Munitionsvervollständignng.
W. T.-B. Petersburg, 39. März. (Nichtamtlich. Petersburger Tölegrapben-Agentur.) Die erste Sllbteilung des Reich s - rats hat nach Prüfung der Umstände, welche die ungenügende, niemals rechtzeAige Vevvollftändignng der Kriegs- m un i ti on betreffen, beschlossen, die Voruntersuchung über d>ie auf dem ehemaligen Kriegsminister Suchemlinotv und dem ehemaligen Artillerieverwaltungschef General Kusmin Korawasew lastenden Anklagen anzuordnen. Der Senator Kusmin ist von dem Zaren mit der Untersuchung betraut worden.
Gründung eines deutschen Lyzeums in Lodz.
npt. Berlin, 29. März. (Kens. Bln.) Man schreibt uns: In den deutschen Kreisen von Lodz ist cs bereits schmerzlich emp- funden worden, daß nicht auch für die weibliche Jugend eine deutsche Mittelschule vorhanden ist. in der der Unterricht znr Er- Haltung deutscher Eigenart in ähnlicher Weise erteilt werden kann wie für d:e männliche Jugend in den: deutschen Gynmastum. In Anerkennung diese: Notwendigkeit hat das kaiserlich deutsche Polizei- Präsidium in Lodz die Genchmigung erteilt, -ine höhere Lehranstalt zur Erziehung der deutschen weiblichen Jugend ins Leben zu rufen. Der mit der Begründung betraute Direktor v. Cltz regt - in einem Auftuf an, einen „Deutschen Lyzealoerein" zu bilden, dessen Aufgabe es sein soll, die Begründung der Anstalt zu fördern. Sie rst gedacht als s i e b e n k l a s s i g e höhere Mädchenschule mit drei Borschul, klassen als Unterbau und einem vierklassigen Oberlyzeum als Oberbau.
vre Ereignisse auf dem Balkan.
Neue Vergewaltigungen Griechenlands durch die Ententemächte.
W. T.-B. Bern, 29. März. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Nach einer Meldung des „Secolo" aus Athen landete ein englisches Schiff in P a t r a s eine Abteilung Marine- s o l d a t e n, welche die Kapitäne der deutschen und österreichisch - ungarischen Schiffe, die seft Kriegsausbruch demobilisiert im Hafen liegen, verhafteten. Die Kapitäne wurden auf ein englisches Schiff gebracht. Die Landungstruppen versuchten auch, die deutschen Ingenieure festzunehmen, wurden aber vom Volk daran verhindert, worauf das Schiff abdampfte. Auch in dem Piräus wurden englische Truppen gelandet, die zwei griechische, an englische Reedereien verkaufte Schiffe entführen wollten, worauf die Hafenbatterien auf beide Schiffe schossen und sie zur Rückkehr zwangen^
