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i Der Roman, i

^bi Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts. i« °i

Nr. 75.

Mittwoch, 29. März.

1916.

ilt Fortsetzung.?

Um Ehre und Leben.

Roman von Paul Blitz,

(Nachdruck verboten.)

Die Herrin atmete erleichtert auf. Sie reichte dem alten, treuergebonen Beamten die Hand und erwiderte: Ich danke Ihnen, lieber Herr Schm cd t, Ihre Worte häbcn mich einigermaßen beruhigt, und nun glaube ich auch selber, baß wir uns keine Sorgen zu .machen brau­chen: denn in einem ernsten Falle hätte mein Mann mich boch sicher nicht ohne Nachricht gelassen. Also noch­mals besten Dcmk."

Mt ehrerbietigem Gruß empfahl sich ber Alte.

Sinnend sah Lucie ihm nach. Sie kannte ihn und seine Eigenheiten genau. . Und sie hatte bemerkt, daß er doch nicht so rückhaltlos alles gesagt Hatte, was ihn bedrückte. Das beunruhigte sie sehr. Doch sie hütete sich, davon der alten Mutter etwas zu Verraten.

Bist du nun auch ruhiger, Kind?" fragte diese, als sie allein waren.

Mit leicht wehmütigem Lächeln antwortete die Tochter:Ich muß wohl, Mütterchen."

,/Eigentlich könnte ich auf Papa böse sein, daß er mich so ganz ohne Mitteilung der Ereignisse Tetz."

Das darfst du doch nicht, Mutting. Papa hat dir nur jode-unnötige Angst ersparen wollen."

Aber daß wir es erst Von fremden Menschen er­fahren mußten, das ärgert mich."

Ärgere dich nicht, du hast ja gehört, daß noch kein «Grund zu Besorgnissen vorliegt."

Sie küßte der Mutter die Hand. Dann ging sie, ihr Nimmer aufzusuchen. Sie riegelte hinter sich ab, setzte sich in einen Lohnstuhl und fing an zu grübeln.

Nun sie allein ^war, brauchte sie ihrer Unruhe keine Zügel mehr anzulogen. Für sie war es klar, daß man mit einer Katastrophe zn rechnen hatte. Nur über deren Größe wußte sie noch nichts, aber sie rechnete schon jetzt mit dom Schlinmusten.

Also der Ruin! Mit einom Schlage an den Bettel­stab gebracht! DaS war das Resultat ihres Nach­denkens.

Ihre Hände ballten sich zu Fäusten. Sie preßte die Lippen zusammen und mit übermächtiger Stärke drängte sic die Tränen zurück.

Nein, nicht weich werden! Eine im Hause mußte den Kopf obeir behalten, wenn der Sturm losbrach, und sie ahnte schon jetzt, daß sie die eine war, die dann für alle die anderen, die Kopflosen, denken mußte.

Was aber sollte dann werden? Ja, wer das jetzt schon wüßte. Natürlich niußte Kurt sofort den Lunten Nock ausziehen, denn an eine militärische Karriere war

J 'rtzt ja nicht mehr zu denken. Aber was wurde nun aus br? Würde der junge Graf Schmittwih auch jetzt noch sie zur Frau begehren? Zwar war noch kein binden- des Wort gesprochen, joden Augenblick konnte er noch zurücktreten, ober ganz im stillen hoffte sie, daß er sie jetzt nicht im Stiche lassen würde. Sie hatte ihn gern, »ehr gern. Jetzt erst gestaivd sie es sich ein.

Als sie nach einem halben Stündchen wieder zur Mutter hineinging, kam gerade Besuch Tantchen Lotte war es. Und sie war ganz außer Atem.

Nein, Kinder, sagt bloß, ist es denn wirklich wahr, was man jetzt in der ganzen actadt spricht?" so trat sie pufgeregt und lamentierend näher.Ganz offenkundig eizählt es bereits der «ine doni anderen, daß ihr banke­rott seid!"

Frau Luise Braun fuhr zusammen. Doch sie raffte sich auf, erhob sich mit ruhiger Würde und entgegnet« mit sicherer Stimme:Du solltest wirklich ein bißchen vorsichtiger mit deinen Worten sein, Tantchen."

Aber die ganze Stadt sagt es schon!"

Um so mehr Grund für denkende Leute, nicht so etwas nachzuschwätzen!"

Das Tantchen war beleidigt.

Mich als Klatschbase hinzustellen, hast du wirklich keinen Grund, liebe Luise. Wenn eine zu euch gehalten hat und euch bis jetzt noch immer verteidigt hat, damr war ich es. Wenn aber alle Welt so etwas iiber euer Geschäft sagt, ja, dann mutz doch etwas Wahres >daran sein! Und mir kannst du die Unruhe dock» wohl auch nicht verdenken. Oder solltest du es nicht wissen, daß ich mein kleines Kapital bei euch deponiert habe?"

Lucie erschrak und wurde blaß.

Die Mutter aber erwiderte mit ruhiger Höflichkeit: Nein, ich wußte es in der Tat nicht. Aber wenn du deswegen so beunruhigt bist, brauchst du das Depot doch nur abzuheben."

Das meinst du! Leider war mein Versuch soeben ergebnislos."

Was heißt denn das?"

Ick» habe meine Papiere eben nicht bekommen kön­nen, und so wie mir erging es noch vielen anderen Leuten", klang es ziemlich spitz zurück.

Die alte Dame wurde bleich und sank in einen Strchl. Sofort war Lucie -bei ihr.

Bitte, rufe Herrn Schmidt noch einmal her."

Ader. Mütterchen!"

Tu, was ich dir sage!"

Stumm ging die Tochter hinaus. Und von den beiden anderen wurde kein Wort gesprochen. Langsam, peinlich und drückend verrannen die paar Minuten.

Endlich trat Lucie mit -dom Alten wieder ein.

Sofort stand Frau Luise auf.

Lieber Herr Schmidt, weshalb bekommt diese Soma ihr Depot nicht zurück?"

Der Prokurist wurde Verlegen.

Gnädige Frau, der Chef hat den Schlüssel zum ge, Heimen Tresor mitgenommen."

Tantchen nickte mit spitzfindigem Lächeln.

Die Herrin des Hauses aber starrte den alten Schmid? entisetzt an und wußte nichts zu sagen.

Eine kleine, peinliche Pause entstand.

Endlich sprang Lucio ein. Schnell rief sie:Metz was sorgt ihr euch denn nur so viel! Papa kommt doch heute abend zurück, also kann doch -schon morgen alles erledigt werden!"

Tantchen lächelle noch immer höchst pikiert.

Hoffentlich kommt er auch wirklich zurück:- ßenrt