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Mittwoch, 24. März 1410. flbCttfe »flUS^ClIjC. Nr. 150. - 64. Jahrgang.

Die Fortsetzung des Uampses um Verdun.

Von General d. Inf. z. D. v. Blume.

Berlin, 25. Marg.

Der Angriff auf Deüdun schreitet nicht s-o -schnell v-or- trärts, wie nach seiner glänzenden Einleitung von vielen erwartet sein wird. Aber immer deutlicher tritt die strenge S y st e ma t i k in die Erscheinung, durch die sich diese Aktion in so auisälligerweise von den zahl­reichen bisherigen Festungseräberungen des gegenwär­tigen Krieges unterscheidet. Kurze, mit höchster Energie von Teilkrästen geführte Schläge wechseln mit verhält­nismäßig langen K a ni p s p a u s e n ab, die freilich nicht in Untätigkeit verbracht, sondern zu gründlicher Vorbereitung neuer Erfolge benutzt werden. Die Vorbereitung fällt hauptsächlich der schweren Ar­tillerie zu, die, nebst ausreichender Munitwn, unter spberwindung mannigfacher Hindernisse vovgezogen und in Stellung gebracht werden mußte, um der Infanterie die Bahn für die Fortsetzung ihrer Angrifsstätigkeit zu ebnen. Erfordert schon die Heranführung und Ein- ibauung des schweren Materials viel Zeit und Mühe, so kann die Angrisssartillerie auch ihre Kampfausgabe, die feindlichen Geschütz« niederzuringen, die Schutzwehren des Gegners zu vernichten und die Widerstandskraft seiner Truppen zu erschüttern, nur mit erheblichem Zeitaufwand lösen. Zwar kann sie sich in brei­terer Front als die des räumlich beschränkten Ver- teidigers entwickeln. Dieser hat dagegen den Vorzug, sich in einer schon im Frieden mit allen Hilfsmitteln der Technik eingerichteten Stellung zu befinden. Wenn da­her die Heeresleitung eifrig daraus bedacht ist, der Ar­tillerie möglichst ausreichende Zeit zum Wirken zu lassen, bevor die Infanterie zum Angriff angesetzt wird, so erspart sie dadurch Kräfte für andere Aufgaben der Kriegführung und teures Blut.

Unter Befolgung dieser Grundsätze ist der Angriff gegen die Novdfront von Verdun ans dem rechten Maasufer über die vor etwa drei Wochen erreichte Linie EOte de Talou-Eüte de Poivre-Fort Douaumont bisher nicht vorgerückt. Nur auf dem linken Flügel wurde am 8. d. M. das Dorf Vaux nebst den angrenzenden Be- sfftigungen sowie das Fort gleichen Namens mit Sturm genommen. Das Fort mußte zwar alsbald dem: Feind wieder überlassen werden, die zahlreichen anderen An­griffe, die der Feind gegen untere Front unternahm, wurden jedoch blutig ab gewiesen. Und nun tobt vor der ganzen Nordfront der Festung fast ohne Unter­brechung ein überaus heftiger Artillerie­kampf, ohne bisher zu einem Ergebnis geführt zu haben, das die Fortsetzung des Jnsanterioangriffs gegen diese Front ratsam gemacht hätte. Inzwischen ist mich der Teil unserer Verteidigungslinie in der W o e v r e, der seit 1 Va Kahren mit der Stirn nach W e st e n gestanden hatte, unter teilweise heftigen Kämpfen gegen die Qsffront von Verdun bis nabe an den Rand der E6tc3 Lorrarnes herangerstickt, vereinigt dort sein Arttllerieseuer mit dem aus nörd­licher Richtung wirkenden und versperrt dem Gegner den Austritt in die Woevre, so daß die Entwicklrmg größerer feindlicher T r n pp e n ma s s e n ans -dem rechten Maasufer bei Verdun kaum n o ch m ö <r l i ch ist.

Aus dem linken Maasufer war es inzwischen bis zum 7. März still geblieben. An diesem Tage aber setzte auch dort ein deutscher Angriff ein, der mit ähnlicher Gewalt und ähnlichem Erfolge wie der ans dmr anderen User in den beiden ersten Angriffstagen ausgeführte, die feindlichen Stellungen zwischen der Maas und Vethincourt durchbrach und bis in gleiche Höhe mit der auf dem anderen Ufer gewonnenen Angriffs­front gelangte. Dann tart auch hier ein nur dur kurze Vor- und Gegenstöße — namentlich an -der Mort Komme genannten Höhe — unterbrochener Stillstand des Vorrückens ein. Ent am 21. und 22. d. M. wurde der bisherige Geländegewinn ans dem linken Maasnser durch einen erfolgreichen Durchbruch der starken feind­lichen Stellungen zwischen Malancourt und A v o- court, bei dem wiederum etwa 3000 Franzosen in Ge­fangenschaft gerieten, erweitert. Wenn dieser Gewinn, wie anzunehmen, behauptet wird, so ist die Lage der noch bei Malancourt-Bethincourt gemelde­ten feindlichen Truppen 'ehr gefährdet. (Diese Trn-p- Pen find bekanntlich in einer Sack stellung dreifachem deutschen Kreuzfeuer cmsgesetzt. Schritts.)

Um die Vorgänge bei Verdun richtig zu verstehen, muß man sich gegenwärtig halten, daß die deutsche Heeresleitung twrt zwei Angriffsziele vor sich steht: ein ränmtich gebundenes nämlich die Festung nebst ihrer Besatzung, und ein bewegliches, auch der Stärke nach wandellares, -das fft die außerhalb der Festung loesindlicke, zur Mitwirkung bei deren Vertei­digung berufene feindlich? Streitmacht. Die Eroberung von Verdun aber würde unter heutigen Verhältnissen .Wksere D«jenLK»sieü»mg a«j dem westlichen Kriessschau-

püatz immerhin so erheblich verbessern, auch einen so großen moralischen Eindruck machen, daß die Geg­ner diese Gefahr voraussichtlich mit starken Kräften abzuiwenben suchen werden, obgleich ihnen diese Ausgabe im gegenwärtigen Zeitpunkt ungelegen kommt. Den Zweck können die Gegner unmittelbar bei Verdun oder in der Werse zu erreichen snckien, daß sie gegen eine andere Stelle unserer ausgedehnten Westfront zinn An­griff schreiten, um erneu -möglichst großen Teil unserer Kräfte von Verdun dahin abzuziehen. Daß unsere Heeresleitung auf jede dieser Möglichkeiten vorbe­reitet ist, können -wir zuversickstlich annshmen. Der bisherige Verlauf der Ereignisse bei Verdun kann uns in dieser Zuversicht nur bestürken.

Die vergeblichen und verlustreichen Angriffe, die in diesen letzten Tagen die Russen mit ihren unfertigen Massen gegen unsere Front in Kurland und Litauen, die Italiener — zum wer weiß wievielten Male — gegen unsere Verbündeten am Jsonzo unternommen -haben, sollten offenbar dem Zweck -dienen, uns an der Überführung dort -befindlicher Streitkräfte nach dem westlichen Kriegsschauplätze zu verhindern. Sie hätten sich die Qpfer ersparen können.

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Verdun, die Pforte Frankreichs!

Ehristtania, 29. März. (Jens. Mn.) „Aftenpostens" Mit­arbeiter, der vor wenigen Monaten gemeiuschtlich mit einigen anderen neutralen Journalisten die Kasematten von Verdun zu besichtigen Gelegenheit hatte, sendet aus Paris seinem Blatt einen interessanten Bericht, dem folgendes zu entnehmen ist: Frankreichs place forte par excellence ist Verdun. Verdun bezeichnet eine der gewaltig st en Festungsanlagen aller Zeiten und aller Zonen. In und um Verdun lernten wir erst den Unterschied zwischen einer Festung und einem befestigten Lager (camp retranche) kennen. Denn Verdun selbst ist eine verhältnismäßig unbe­deutende altertümliche Stadt, -in einem von den silbernen Wassern der Maas durchschlängelten Talkessel gelegen. Doch auf den Höhen rings um Verdun reiht sich ein Riesenfort an das andere, legt sich ein Fortgürtel dicht und kompakt um den anderen. Verdun ist keine Festung im landläufigen Sinne, sondern R. F. V. (rep-ion fortifiee de Verdun), ein viele Quadratmeilen großes Areal von Frankreich, das nur den einen Zweck hat, ein durch nicht aus dem Weg zu räumendes Hindernis für feindliches Bbrrücken zu bilden. R. F. V. ist als die Pforte Frankreichs gedacht. Auch die Kommandanten wie die Bemannung dvr Forts gaben uns gegenüber ihrer felsenfesten Überzeugung Ausdruck, daß die Befestigungswerke um Verdun absolut uneinnehm­bar seien, und daß am Fortgürtel von Verdun der fürchter­lichste deutsche Ansturm abprallen würde. . . Und doch — was wir nie für möglich gehalten — das ist geschehen: Douaumont ist gefallen. Und doch glaube ich, daß Verdun sich wird halten können.

Die pariser Tagung.

W. T.-B. Paris, 29. Marz, (Nichtamtlich.) Die Konferenz der Nlliieaten fetzte gestern vormittag im Ministerium der Auswürtigen Angelegenheiten ihre Tätigkeit unter Leitung des Ministerpräsidenten Briand fort. Um 9,30 Uhr traten die Ausschüsse, um 11 Uhr die Vollversammlung zusammen. Dann gab P o i n c a r e ein Frühstück für alle Teilnehmer an der Konferenz, die Minister und die ehemaligen Minister des Auswärtigen sowie die Borfitzenden der Ausschüsse für Heeres-, Marine-, auswärtige und Finanzangelegenheiten und den Generalberichterstatter für den Staatshaushalt.

W. T.-B. Paris, 29. März. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Havas meldet: Die Konferenz der Alliierten hielt am Di-ens- tagnachmittag ihre Schlußsitzung ab. Briand dankte den Abgesandten der Mächte für ihre Zusammenarbeit. Die Ver­sammlung schloß sich mit Wärme den Worten Briand» an, die die volle Zuversicht an den en-dgültigen Sieg bezeugen. Briand drückte seine Befriedigung aus über -die Leichtigkeit, mit der die verschiedenen Fragen geregelt w-orden seien und erklärte, daß, wenn neu auftauchende Fragen eine neue yr- »reinfame Besprechung der Alliierten erheischten, die beste Art, sie zu regeln, in einer neuen Konferenz liegen würde.

Die Beschlüsse.

W. T.-B. Paris, 29. März. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Konferenz -hat vor ihrem Auseinandergehen einstimmig folgende Beschlüsse angenommen: Die am 27. und 28. März in Paris vereinten Vertreter -der alliierten Regierungen stellen die vollständige Gemeinschaft der Ansicht der Alliierten und deren Solidarität fest und bestätigten sämtliche Maßnahmen, die getroffen worden sind, um die Einheit­lichkeit der Aktion auf eine Einheitlichkeit der Front zu verwirklichen. Darunter verstehen sie zugleich die Einheit­lichkeit der militärischen Aktion, die durch die zwischen den Generalstäben getroffene Vereinbarung gesichert worden ist, die Einheitlichkeit der wirtschaftlichen Aktion, deren Organi­sation durch die Konferenz geregelt wrivde, und die Einheit­lichkeit der diplomatischen Aktion, die durch ihren unerschütter­lichen Willen den Kampf bis zum Siege der gemeinsamen Sache fortzusührcn verbürgt wird. Die Regierungen der Alliierten beschließen, die Solidarität ihrer Ansichten und Interessen aus wirtschaftlichem Gebiete im die Praxis um­

zusetzen und beau-firagem die wirtschaftliche Konfereng, die demnächst in Paris sta-tffindem wird, chnen Maßnahmen vor­zuschlagen, die geeignet sind, diese Solidarität zu verwirk­lichen, um die wirtschaftliche Mion zu bekräftigen, zu koodi- nieven und einheitlich zu gestatten, die amsgeübt sverden soll, um die Verproviantierung d e s Feindes zu ver­hindern. Die Konferenz beschloß, in Paris ein ständiges Komitee eiipzurichten, in dem alle Wiierten vertreten sein werden. Die Konferenz beschließt: 1. die durch das Londoner Frachtzentralbureau .eingeleitete Wtion fortzuführen; 2. so­bald wie möglich die praktischen Mittel zu suchen, um eine gerechte Verteilung der aus dem Transporten zur See ent­stehenden Lasten unter die alliierten Mächte zu erzielen und eine weitere Erhöhung der Frachttarife zu verhindern.

Ein neues französisches Kriegsmarine­kommando.

W. T.B. Paris, 29. Düärz. (Nichtamtlich.) Für die Dauer der Feindseligkeiten im Meeresgebiet ist nördlich vom Kap A n t i f e r ein neues Marinekommcrndo errichtet worden, N-elchem ein Geschwader im östlichen Kanal und in der Nordsee, nebst den Stützpunkten am Lande sowie das Seeflugwesen unterstehen soll, um bei kombinierten Lamd- und Seeoperationen mit dem Armeeko-mmando zusammengu- wrrkem, in deffen Bezirk die Operationen stattfimden.

Der Krieg gegen England.

Hnll und die Humbermündnng als Flotten­basis.

Englische Geschwader in der Nordsee?

Wie ein Londoner Gewährsmann der „Bost. Ztg." wissen will, würde die englische Admiralität den Hafen von Hüll und die Humber Mündung zur Flottenbasis eines Nordseegeschwaders machen. — Verschiedenen Blättern zufolge hat ein in Bergen eingelanfener Personendampfer mehrerv große englische Geschwader gesehen, darunter eines von 15 Schiffen, das gegen Süden steuerte.

Das Seegefecht bei Esbjerg.

Weitere Berichte von Augenzeugen.

Sr. Kopenhagen, 29. Mürz. (Eig. Drahtbericht. Zems. Bln.) -Aus -Esbjerg werden hiesigen Blättern noch folgende Einzel­heiten über den englischen Luftangriff auf die nord- frresische Käste am letzten Samstagmorgen mitgeteilt: Frei­tag wurden 30 englische Schiffe im den Gewässern westlich vom Esbjerg gesichtet. Unter diesen befand sich ein gewaltiges Schiss, das .fünf Wasserflugzeuge auSjchisste, die noch südlicher Richtung fuhren. Einige dänische Schiffer, die Augenzeugen waren und Samstag in der Nähe der englischen Schiffe lagen, wurden von diesen fortgejagt. Sie teilen mit, daß englischeTorpedojägerdie bewaffneten deutschen Fischdampfer „B r a u n s ch w e i g" und „Otto Rudolf" bei Rothenkliff auf Sylt in Grund bahrten. Ein englischer Torpedojäger sank nach einer heftigen Explosion. Zwei deutsche Flugzeuge beteiligten sich an dem Kampf. Samstagnach- mittag 5 Uhr wurden die Fischer von elf deutschen Kreuzern eingehM. Sie beobachteten außerdem 48 kleine englische Schiffe. Die Behörden in Esbjerg haben noch der Begeben­heit in der Nordsee die notwendigen Neutralitätsmaßnahmen getroffen für den Fall, daß beschädigte Schiffe einlaufen wür­den und eirre Internierung rwtwendig werde. Unter anderen fft eine Abteilung dänischer Marinesokdaten in Esbjerg ein- gctrosfen.

46 vvv Tonnen Schiffsraum in 3 Tagen vernichtet.

40 Millionen Schiffswert.

Berlin, 29. März. (Jens. Bln.) Laut „B. L.-A." seien i» drei Tagen in London Meldungen veröffentlicht worden über die Vernichtung von 46 090 Tonnen Schiffsraum. Der Wert der in der vorigen Woche versenkten englischen Schiffe wird angeblich in englischen Reedereikreisen auf 40 Millionen Mark veranschlagt. Diese Summe schließe nicht de» Wert der eng­lischen Ladungen in sich.

Abermals ein englischer Dampfer im Mittelmecr versenkt.

Berlin, 29. März. (Zens. Bln.) Der „B. L.-A." meldet aus Lugano: Der italienische Dampfer „Porto di Smirne", der vorgestern in Syrakus eingetroffen ist, berichtet, er habe während seiner Fahrt einen drahtlosen Hilferuf eines eng­lischen Handelsdampfers anfgefangen, welcher von einem deuffchen Unterseeboote angegriffen wurde. Der eng­lische Handelsdampfer ist 50 Seemeilen vom „Porto di Smirne" untergegangen.

Amerika und die „Sussex".

Alle Amerikaner gerettet. — Morsche Rettungsgürtel.

W. T.-B. Amsterdam, 29. März. (Nichtamtlich.) Ein hiesiges Blatt meldet aus London, daß nach einem Bericht der „Times" aus New D o r k dort allgemein zugegeben werde, daß das amerikanische Publikum jetzt weniger aus einem energischen Vorgehen der Regierung bestehe, da es sich herausgestellt hat, daß die Amerikaner an Bord der. „S u s s e x" alle mit dem Leben davongekommen sind. Der Präsident würde infolgedessen, wenn er im Senat auch auf den Abbruch der Beziehungen zu Deutschland dringen würde, nicht auf die erwartete Unterstützung rechnen können.