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Verlag Langgasse XI

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Dienstag. 28. März 1916.

Kbend-Ausgabe.

Nr. 148. . 64. Jahrgang.

Zusammenbruch neuer russischer Masienangriffe.

Nahkämpfe mit den Engländern bei St. Eloi Die tapfere Ausdauer der Brandenburger, Hannoveraner und Hallenser.

Ein deutscher Luftangriff auf den Hafen und die Ententelager in Saloniki.

Der Tagesbericht vom 28. Marz.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 28. März. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Südlich von St. Eloi entspannen sich lebhafte Nahkämpfc in den von den Engländern gesprengten Trichtern und auf den Abschlußlinien.

Ueber die Lage im Kampfgebiet beiderseits der Maas ist nichts Neues zu berichten.

Östlicher Kriegsschauplatz.

Bon neuem trieben die Russen frische Massen gegen die deutschen Linien bei P o st a v y vor. In tapferer Ausdauer trotzten dort Truppen des Saarbrücker Korps allen Anstürmen des Feindes. Vor den an ihrer Seite kämpfenden Brandenburgern, Hannove­ranern und Hallensern zerschellte ein in vielen Wellen vorgetragener Angriff zweier russischer Divisionen unter s ch w e r st e n E i nb u ß e n des Gegners. ■ Das gleiche Schicksal hatten die auch nachts wiederholten Versuche des Angreifers, den bei Mokrzyce verlorene» Boden wiederzugewinnen.

Balknn-Kriegss chaup latz.

In Verfolg der feinMchen Luftangriffe auf unsere Stellungen am Doiransee stieß gestern ein deutsches Luftgeschwader in die Gegend von Saloniki vor und belegte den neuen Hafen, den Petroleum- Hafen sowie das Entente-Lager nördlich der Stadt ausgiebig mit Bomben.

Oberste Heeresleitung.

Oie Lage im Vesten.

Nervöse französische Militärkritiker.

Rotterdam, 28. März. (Zens. Bin.) „Het Baderland" schreibt über die Lage bei Verdun: Bei Durchsicht der täglichen Halms-Berichte empfängt n»an nicht den Eindruck, den offenbar verschiedene Militärkritiker von dem Stande der Dinge dort haben. In diesen Kritiken ist eine gewisse Nervosität als Folge der Unsicherheit nicht zu verkennen. Man verstecht immer noch nicht genug die Absichten des Feindes. Dies macht die französischen Militärkritiker gegen die Trostberichte von Halms mißtrauisch. Zum Teil warnen sie, nicht zu sehr auf eine Einstellung der deutschen Angriffe zu rechnen. Anch der Pariser „Temps" schreibt, daß wegen der dentschen Hartnäckigkeit noch weitere Sturman­griffe zu erwarten seien. Ein anderer Teil der französischen Presse fragt sich, was der fortgesetzte Wechsel zwischen An­griffen und Ruhepausen zu bedeuten habe. Sollten die Deutschen, ffogr man sich, uns zwingen wollen, die franzö­sischen Reserven heranzufühven, oder uns durch anhaltende Beunruhigung müde machen wollen? Fm „Petit Journal" stellt ein anonymer Kritiker fest, daß die deuffchen Angriffe die Einleitung zu weit größeren Unternehmungen seien. Die Deutschen suchten planmäßig nach einem schwachen Punkt in dem französischen Festungsgürtel.

Ein neutrales Urteil über die Kämpfe bei Verdun.

Bern, 28. März. (Jens. Bln.) Sein Urteil über den Stand der Kämpfe bei Verdun faßt der Kritiker des „Bund" wie folgt zusammen: Da ein kombinierter Angriff die Be­wegungen abstinnnt und vervielfältigt, so reifen die Ergeb­nisse nicht nur langsam, sondern auch scheinbar planlos, weil bald hier, bald dort das konzentrische Feuer schwerster Kaliber Sturmreife erzielt und die nun einsetzenden, dem fernen Beobachter allein sichtbaren Jnfanteriestürme des Zu­sammenhangs zu entbehren scheinen. Wer also der deuffchen Offensive ungenügende Fortschritte und Mangel an Einheit­lichkeit Vorwerken will, kann sich mit einem glücklichen Schein von Berechtigung auf di« hin- und hergveifeuden Berichte der deuffchen Heeresleitung berufen, um daraus die Erfolglosig­keit der Offensive großen Stils abzuleiten. Diese Beurteilung ist aber eine rein äußerliche und darf ebenso wenig anye- wendet werden, wie andererseits eine glatte Summierung der deuffchen Teilerfslge ohne Rücksicht auf ihre strategische Awswirkung Platz greifen wird.

Eingeständnisse im englischen Bericht.

W. T.-B. London, 28. März. (Nichtamtlich.) Britischer Kriegsbericht: Der Feind brachte vorgestern bei Gtvenchy, Neuville und St. Vaast Minen zur Explosion und besetzte die Trichter. 2Bte nahmen sie später durch Gegenangriff, wurden aber in der Folge durch feindliche Bombenwerser wieder zurückgetrieben. Bei dem Hohenzollernwerk zmd de» StSMbrüchen wurde gestern mit Schützengraben­

mörsern und Gewehrgranaten gekämpft. Der Feind beschoß Kruisetraate, Hoek, St. Je,rn, die Umgebung von Loos, den Lorettovorsprung und Baux: wir erwiderten, indem wir ein Munitionslager bei Oositaverne in die Lust sprengten. Eins unserer Flugzeuge, das vorgestern wusgestiegen war, kehrte nicht zurück.

Der Pariser Kriegsrat.

Aus der ersten Sitzung.

W. T.-B. Paris, 28. März. (Nichtamtlich. Agence Havas.) Gestern vormittag wurde im Ministerium des Auswärtigen die erste Zusammenkunft'des gemeinsamen Rats der Alliier­ten abgehalten. Es waren vertreten: Italien, England, Ruß­land, Belgien, Japan, Serbien, Portugal und Frankreich. Die Beratungen werden natürlich geheim gehalten. Immerhin kann mitgeteilt werden, daß die Vertreter bei dieser ersten Sitzung sich hauptsächlich mit den militärischen Mitteln zur Herbeiführung eines endgültigen Siegs be­faßten.

Trinksprüche Briands und Salandras.

Paris, 28. März. (Aens. Frkft.) Der Trinkspruch, den B r i a n d am Sonntag bei dem Festessen zu Ehren der Mitglieder der italienischen Regierung bei der Pariser Kon­ferenz der Alliierten ausbrachte, enthielt einer Havas- Meldung der „Franks. Ztg." zufolge u. a. die Worte: Herr Präsident! Bor einigen Augenblicken hat Ihnen Paris den feierlichen und herzlichen Willkommengruh des ganzen Landes entboten und Sie haben fühlen können, wie sein Herz höher schlug, da jene Männer durch seine Straßen fuhren, die uns das- Herz der ewigen Stadt Rom und das Echo der großen Vclkskundgebungen entgegenbringen,' durch die Italien sich neuerdings offenbarte. Im Namen der Regierung der Republik heiße ich die hohen Gäste willkommen, deren An­wesenheit uns ein s« kostbares Pfand der Freundschaft be­deutet. Wir haben erkannt, wie der alte Heldengeist einer vor anderen bevorzugten Raffe neu erstanden ist, wir haben gesehen, mit welcher Zuversicht in sein Geschick Italien das Land blühender und zugleich wohkdurchdachter Taten und Träume seinen letzten nationalen Befreiungskrieg durchführt und Anteil nimmt an dem gigantischen Ringen, das den Triumph der echten Zivilisation sichern soll zur Würde und Freiheit der VAker. Während auf allen Punkten der un­geheuren Kriegssront und unter den verschiedensten Bannern unsere Soldaten nur ein einziges Volk in Waffen darstellen, das eine erbitterte Schlacht liefert, während der furchtbarste der Feinde in wütenden Angriffen versucht, den entscheiden­den Sieg an sich zu reihen, sind Sie, wie wir kürzlich in Rom, erschienen, um der Welt einen neuen Beweis der Solidarität des Gedankens zu geben, der in allen Beziehungen die Mion der Verbündeten beherrscht. Ich erhebe mein Glas zu Ehren des Königs und der Königin van Italien, der Königin-Mutter r:nd der Mitglieder der königlichen Familie. Ich bitte Ew. Exzellenz, hierin für Sie und die Mitglieder der köniiglichen Regierung den Ausdruck jener Wünsche zu erblicken, die ganz Frankreich für die Größe Italiens und den Ruhm seiner Waffen hegt.

Salandra antwortete miit folgenden Worten: Herr Präsident! Hierher gekommen als Bertveter Italiens, um Frankreich und seinem so vornehmen, ruhigen, stolzen un>d entschlossenem Volke, seiner so tapferen und heldenhaften Armee den Ausdruck unserer Solidarität, unserer Brüder­lichkeit und unterer Bewunderung zu Überbringer^, ftnde ich in dieser wunderbaren Stadt Paris denselben warmen und enthusiastischen Empfang, der Ihnen während Ihres Ausent- kaltes im ewigen Rom zuteil wurde- Die Traditionen des Prinzips und die Aspirationen zweier Völker riefen uns ge­meinsam aus, die Sache der Gerecht igkeit und des Rechts, die Achtung der kleinen Staaten und die Erlösung der unter­drückten Völkerschaften zu verteidigen. Dieser Sache werden wir treu bleiben und die Unterzeichnung des Friedens wird ihren Triumph darstellen. Das Vertrauen in diesen Triumph lebt immer unerschütterlich in uns. Mit diesen Gefühlen er­hebe ich niein Glas zu Ehren des Präsidenten der Republik, der vornehmen und edelmütigen französischen Nation und Ihrer glorreichen Armee.

Die französischen Eisenbahner gegen die Teuerung.

W. T.-B. Paris, 28. März. (Nichtamtlich.) Im Gewerk­schaftshaus fand eine von über 3000 Personen besuchte Ver­sammlung des Eisenbahncrverbands statt, in der zur Frage der Wohnungsmiete sowie zur allgemeinen Teuerungsfrage Stellung genommen wurde. Nach Ansprachen der Deputier­ten Cochin und Jouhux wurde eine Tagesordnung angenom­men, in der der Wunsch ausgedrückt wird, daß die öffentlichen Gewalten wirksame Maßregeln ergreifen, damit sich die Kosten der Lebenshaltung wieder in den Bahnen bewegen wie zu Friedenszeiten. Denn nur der Mangel an Voraussicht bei der Regierung laffe die gegen­wärtige Teuerung erklärlich erscheinen. Die Tagesordnung betont, daß Löhne wie in Friedenszeiten jetzt nicht mehr ge­nügen, um die Kosten für die Lebenshaltung zu decken.

Eine Reise des Grasen Zeppelin in das Hauptquartier.

Berlin, 28. März. (Zens. Bln.) Graf Zeppelin ist ins Große Hauptquartier abgereist. Er habe letzter Tage beim Reichskanzler gespeist.

Oer ttrieg gegen England.

Oie erfolgreiche Tätigkeit unserer U-Voote.

W. T.-B, London, 28. März. (Nichtamtlich.) Lloyds meldet: Der französische Dampfer „H e b e" wurde versenkt. Bon 18 Mann der Besatzung wurden 10 gelandet. Der Rest dürfte von einem vorüberfahrenden briffschen Dampfer ausgenommen worden sein. — Der britische Dampfer „A r n e" ist versenkt worden. Die aus 6 Offizieren und 17 Mann bestehende Be­satzung wurde gelandet. — Der britische Dampfer „K h a r - t u m" ans Hüll wurde versenkt. Zwei überlebende wurde« aufgrfischt. Man glaubt, daß die übrigen 9 Mann der Be­satzung ertrunken sind.

Ein weiterer englischer Dampfer versenkt.

W. T.-B. London, 28. März. (Nichtamtlich. Draht- bericht.) „Reuter" meldet: Der Dumpfer „Manchester Engineer" (2813 Tonnen) wurde versenkt. Die Besatzung ist gerettet worden.

Vf. T.-B. London, 28. März. (Nichtamtlich. Drahtbericht. Remter.) Beim Untergang des Dampfers „Englishman" kamen zehn Personen um.

Die Ratlosigkeit der englischen Regierung.

Berlin, 28. März. (Zens. Bln.) In verschiedenen Morgen­blättern findet sich die angeblich ans glaubwürdiger Qnelle stamrnenide Mitteilung, daß die englische Regierung mit steigender Besorgnis die Tätigkeit der deuffchen Unterseeboote verfolge, weil sie dagegen kein taugliches Mittel gebrauchen könne.

Die „Minneapolis" im Mittelmeer versenkt.

Vf. T.-B. London, 28. März. (Nichtamtlich. Reuter.) Es stellt sich heraus, daß der Dampfer „Minneapolis" am 25. März im Mittelmeer versenkt wurde. Zehn von den Getöteten sind Engländer.

Keine Amerikaner von der „Sussex" umgekommen.

Vf. T.-B. London, 28. März. (Nichtamtlich. Reuter.) Die amerikanffche Boffchaft teilt mit, daß alle Amerikaner von dem Dampfer „Sussex" gerettet wurden; einige seien verwundet.

Das letzte Seegefecht in der Nordsee.

Die Richtigkeit der deuffchen Darstellung.

Br. Kopenhagen, 28. März. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) Hier eingelansene Meldungen über das sttzte Seegefecht in der Nordsee decken sich mit der deut­schen Darstellung. Sie sprechen einstimmig von der Sprengung eines englischen Torpedojägers.

Der englische Angriff aus die holsteinische Küste.

Eine deuffche Berichtigung des englischen aintlichen Berichts.

W. T.-B. Berlin, 28. März. (Nichtamtlich.) Zu der amt­lichen englischen Veröffentlichung über den Fliegerangriff auf die holsteinische Westküste vom 25. März, in der behauptet wird, daß von den englischen Torpedobootszerstörern zehn deuffche belrxvffnete Patrouillenboote versenkt worden seien, erfahren wir an zuständiger Stelle, daß diese Behauptung unzutreffend ist. Wie in dem amtlichen deutschen Be­richt gemeldet wurde, sind zwei ans Vorposten befindlich« deuffche bewaffnete Fischdampfer verloren gegangen.

Die Stockung im englisch-holländischen Schisfahrtsverkehr.

Weitere besorgte Zurückhaltung holländischer Dampfer in den Heimathäfen. -

Br. Rotterdam, 28. März. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Über den Verkehr zwischen England und Vlissingen piElbet der „Neue Notterd. Courant": Der Postdampfer „Prinze

Hendrik", der am Samstag seine beabsichtigte Reise nicht an­trat, ist auch vorgestern nicht in Holland eingetroffen. Die Direktion erhielt die Nachricht, daß die Abfahrt wiederum auf­geschoben wurde. Von der „Königin Wilhelma", welche gestern eintreffen sollte, empfing man keine Nachricht. Die Schiffahrtsdirektion glaubt, daß auch dieser Dampfer aufge­halten wurde. Gestern Montag fuhr kein Dampfer aus Vlissingen nach England.

Die unübersehbaren Folgen der schwarzen Liste.

Holländisch« Klagen über di« englische Schreckensherrschaft.

W. T.-B. Amsterdam, 27. Marz. (Nichtamtlich.) „Tijd" schreibt über die von de: britischen Negierung ausgestellte schwarze Liste von Firmen in Holland, sie lasse dahin gestellt, ob die Ausnahme in biete schwarze Sitte, wie einige Leute sagen, geradezu eine Aus­zeichnung sei. Keinesfalls sei sie eine Ursache, die betreffenden Firmen in irgend welcher Hinsicht weniger hoch zu achten. Von den Amsterdamer Banken stehen letzt Wiegmans Bank, Aboisse- vain u. Co., die Gebrüder Tcixeira de Mattos und Wcrtheim und Gomperte auf dieser Liste. „Tijd" schreibt: Wenn diese Firmen

wegen ihrer deutschen Beziehungen aus die schwarze Liste gesetzt wurden, denn ist zu erwarten, dah nicht nur alle unsere Banken, sondern auch unsere Kauslente und Industriellen bald ihr Los teilen werden. Die Folge davon wäre natürlich, daß in Holland