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Dienstage 28. März 1916.
Morgen - Kusgabe.
Nr. 147. . 64. Jahrgang.
Ergebnislose Zortsetzuna der russischen großen Entlaftungsoffensive.
Ein starker russischer Vorstoß bei Jakobstadt Unerhörter Einsatz an Menschen nnd Munition, aber völliger Mißerfolg.
Am Narocz-See 21 Offiziere, 214« Mann
gefangen sowie eine Anzahl Maschinengewehre erbeutet.
In den Argonnen und an der Maas Fortdauer der Fenerkämpfe.
Der Tagesbericht vom 27. Marz.
® r °fe £ 3 Hauptquartier, 27. März.
(Amtlich.)
Westlicher Kriegsfchauvlatz.
Heute frühbeschädigten die Engländer durch eine umfanqreichc Sprengung unsere Stellung bei St. El oi (südlich von Ätzern) in einer Ausdehnung von IW Meter und suchen der dort stehenden Kompagnie Verluste zu. -ö" der Geqend nordöstlich und östlich von B e r m e I l e s batten wir rm Minenkampf Erfolq und machten Gefangene. Weiter südlich bei La Boise lies (nordöstlich von Albert) hinderten wir schwächere englische Abteilungen durch Feuer am Vorgehen gegen unsere Stellung.
Die Engländer beschossen in den letzten Tagen wieder die Stadt Lens.
In den Argounen und im Maas. Gebiet er fuhren die Fenerkämpfe nur vorübergehende Ab schwÄchung.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Gegen die Front unter dem Befehl des Gencrchseld marschalls v. Hindenburg crueuerten die Russen gestern dre Angriffe mit besonderer Hef t i g k e l t. '
So stießen sie mit im Osten bisher unerhörtem ^j ° ^ a? M c n s ch e n und Munition gegen die deutschen Lrmen nordwestlich von Jakob st ad t vor, sie erlitten dementsprechende Verluste, ohne rrgend welchen Erfolg zu erringen. Bei Äellkoie Selo (südlich von Widzy) nahmen nn- sere Vortruppen ru einem glücklichen Gefecht den Russen o7 Gefangene ab und erbeuteten 2 Maschinen g e w e h re.
Wiederholte Bemühungen des Feindes gegen unsere Stellungen nordwestlich von P o st a v Y scheiterten völlig.
Nachdem siidlich des N a r o c z -Sees mehrfache starke Angriffe von Teilen dreier russischer Armeekorps abgeschlagen waren, traten w e st p r e u st i s ch e R e g i- Mokrzyre zum Gegenstoß an» um Artilleriebrobachtungsstellen, die bei dem Zurückbiegen unserer Front am -,0. März verloren gegangen waren, ruruckzunehmen. Die tapferen Truppen losten ihre Auf-
t” c 0 £ e - tn <.,w ,n ^ EJ, n e. Hierbei sowie bei der Abwehr der feindlichen Angriffe wurden 21 O f f i - ziere, 2 14» Mann gefangen und eine Anzahl Maschinengewehre erbeutet.
Unsere Flieger belegten die Bahnhöfe von Düna- bürg und Wilerka und die Bahnlagen an der Straße Baranowltschi-Mmsk mit Bomben.
Balkan-Kriegsschauplatz.
Die Lage ist unverändert.
Oberste Heeresleitung.
Ein weiterer Fortschritt am Görzer Brückenkopf.
Heftige vergebliche Angriffe im Plöckcnabschnitt.
Hsterreichisch-ungarischer Tagesbericht.
W.T.-ß. Wien, 27. März. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 27. März, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Gestern wurde an mehreren Stellen der Front heftig gekämpft. Am Görzer Brückenkopf eroberten unsere Truppen die ganzen feindlichen Stellungen vor dem Nordteil der Podgorahöhe. Hierbei wurden 525 Italiener, darunter 13 Offiziere gefangen genommen. Im Plöckcnabschnitt mühte sich der Feind unter Einsatz von Verstärkungen vergebens ab, die ihm e n t r i s s e u c n Gräben wieder zu gewinnen. Die Kämpfe nahmen au Ausdehnung V» und dauerten die ganze Nacht fort. An der
Tiroler Front fanden nur mäßige Geschützkämpfc statt .^le feindliche Artillerie beschoß Ealdorazzo (im Sugann
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Östlich von D u r a z z o wurden zwei italienische Feldgeschütze mit Munition aufgefundcn. Lage unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Gcneralstabs: v. Höfer, Fcldmarschalleutnant.
Die Lage im westen.
Zwei interessante französische Tagesbefehle vor Verdun.
Die Deutschen als Muster der Hartnäckigkeit. Ern schamloser Befehl über die Behandlung der Gefangenen.
„ , W - Berlin, 27. März. (Amtlich. Drahtbericht.)
Zwei französische Heeresbefehle. Bei den Kämpfen beiderseits der Maas wurde ein Armeebefehl der Armee-
d £ 'Bazelaire erbeutet. Der Armeebefehl 102 vom 16. Marz lautet:
Mit E r st a u n e n habe ich bei den verschiedenen Vorschlägen zu Auszeichnungen. die mir unterbreitet wor- den sind, Satze wie folgende gelesen: Gegenüber einem an Zahl überlegenen Feind usw. Man zählt den Feind erst, wenn er am Boden liegt, man berechnet ihn nicht, wenn er sich zum Kampf stellt. Wie hoch aber auch seine Zabl sei man weicht nicht zurück. Man schlägt den Feind, weil
man ihn schlagen will. Wir a l l c haben die H a r t n ä ck i g - keit der Deutschen festgestellt, die, selbst umringt, da festh alten. wo ste stehen und ihre Waffen bis zum Tod gebrauchen und uns dabei oft ernste Verluste beibringen. — Der Franzose mutz noch hartnäckiger sein. Wenn jedem dieser Gedanke vollkommen klar ist, wird auf dem Schlachtfeld nichts im Stich gelassen werden als Maschinengewehre, 6auze Bedienung tot ist. Nur dann wird jeder seine Pflicht erfüllt haben.
Gegeben im Hauptquartier, 16. März 1916.
av . gez. de Bazelaire.
Die Pflichttreue des deutschen Soldaten bis zum Tod wird also festgestellt. Wie man trotzdem den w e h r l o s g e - wordenen Gegner behandeln soll, wagt derselbe 7rf n ™? feinen Truppen in einer besonderen Anweisung vom 1— Marz in folgender Weise vorzuschreiben:
Hauptquartier de Bazelaire.
Generalstab II, Büro 4094.
Hauptquartier, 12. März. Besondere Anweisung:
A Tag für Tag festgestellt worden, datz die zurückge- fuhrten Gefangenen mit törichter Milde und sogar mit törichter Aufmerksamkeit behandelt werden. Eine solche Behandlung zeitigt nur noch gröhere Unverschämtheit unserer Feinde. Es ist ausdrücklich verboten. Gefangene vor ihrer Ankunft im Hauptquartier der Gruppe de Bazelaire Nahrungsmittel, irgend welche Getränke (einschließlich Master), Kleider, Kopfbedeckungen, Decken oder Stroh zu geben. Ferner ist es jeder Person des Soldaten standes, die nicht hierzu befugt ist, v e r b o t e n, die Gesänge neu auszufragen oder an sie das Wort zu richten. - Die Gefangenen müssen unseren Unteroffizieren und Offi zreren gegenüber mindestens eine ebenso korrekte un! unser würdige Haltung einnehmen als die, welche von ihnei ihren eigenen Offizieren gegenüber verlangt wird. — Jede! Vergehen in dieser Hinsicht muß sofort rücksichtslos ge ahndet werden. Die begleitenden Unteroffiziere ode: Gendarmen sind persönlich für die Beobachtung dieser Vor schrift verantwortlich.
Das ist die französische Ritterlichkeit. Ich schamloser Tiefstand sei durch die Bekanntgabe diese, Anweisung festgenagelt.
Ein italienisches Militärblatt über die dentschen Leistungen vor Verdun.
Weitgehende Zugeständnisse.
W.T.-B. Berlin, 27. Marz. (Nichtmntlich.) „Escercitc Ftalramo" vom 23. März schreibt: Man wundert sich, daß schon einen Monat ohne Eidtscheiduug um Verdun geckämpft wird, vergißt aber, daß ein solcher riesiger fester Platz auch mit den stärksten Mitteln nicht in einem bis zwei Büonaten genommen wird. Man redet über den Artillericauf- wand und die Rieseiwerluste, vergißt aber die Geschichte der Belagerung von Port Arthur. Man spricht von dem „An. griff" auf Vevdum und den Änderungen des deutschen Planes bemerkt aber nicht, daß es die Deutschen auf die Einschließung von Bevduu ab sehen, um eine groß« Bresche rn die französische Front zu legen. Fvanzösisck-e und andere Mklitärkritiker wundern sich, daß Verdun nicht in einem Monat gefallen ist. Sie haben recht, wenn sie an die Überraschungen bei den belgischen Festungen denken, aber eine nüchterne Betrachtung ergibt, daß die Deutschen methodisch und mit größter Tapferkeit und Kriegs- e r f a h r u n g die Belagerung von Verdun einleiten. Freilich 'st auch die Verteidigung glänzend organisiert. Wenn es ihr gelingt, die völlige Einschließung zu verhindern, Kinn sie sich eitdes ungeheureu Vorteils rühmeng wenn die Be-
sotzung lange Widerstand zu leisten vermag, kann sich der Feldherr aus den kommenden Vorstoß der deutschen Offenst ve vorbereiten. Auch die Verbündeten auf den anderen Fronten verdoppeln zu diesem Zwecke ihre Anstrengnn» gen. Als uuparteiiche Kritiker müssen wir eingestehen, daß >die Deutschen es sind, die angreifen und daß sie den Ring immer enger um Verdun schließen. Ob es ihnen gelingt,- ist weder in einer Woche noch in einem Monat zu sagen.
Oie grotze pariser Konferenz.
Die Ankunft der englischen Vertreter. ^
W. T.-B. Paris, 27. März. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Abordnung der englischen Regierung zur Konferenz der Alliierten, die aus Asquith, Grey, Lloyd Georg« und K i t ch e n e r besteht, ist gestern abend hier erngetroffen und ans dem Bahnhof von Admiral Lacaze, Denis Cochin, Thomas und Thierry empfangen worden.
Die französischen Kriegsgefangenen in Deutschland.
Große Gefangeneneinbuße einzelner Regimenter bei Berbern.
Berlin, 27. März. (Eig. Meldung. Zeus. Bln.) 320000 französische Kriegsgefangene beffnden sich in den Gefangenenlagern innerhalb Deutschlands. Wie wir der neuesten Nummer der „Gazette des Ardennes" entnehmen, zeigt die Namenliste, die ihr zur Veröffentlichung zugeht, welche große Anzahl französischer Regimenter zur Verteidigung der Festung Verdun herangezogen wurden. Die „Gazette" veröffentlicht eine neue Liste gefangener Offiziere, die im Lager von Gütersloh in Westfalen in- terniert wurden. Daraus geht hervor, daß insbesondere die Infanterie-Regimenter Nr. 44, 208, 273 und 351 große Ge- fangencneinbuße erlitten.
Die Generalversammlung des belgische» Roten Kreuzes.
IV. T.-B. Brüssel, 27. März. (Nichtamtlich.) Im SeaaiS- faoLe fand gestern unter dem Vorsitz des GeneratgouverrmnrS Generaloberst«, Frhrn. v. Vissing die Oieneralversaumulung des belgischen Roten Kreuzes statt. Nach Auffösuidg beS Zentralkomitees im April 1915 wurde eine Zwangsverwaltung eingesetzt, welche einerseits die Venwumdeten- pfleye und die KrieySbeschädigten-Fürsorge sätzungAgemiätz durchführte, andererseits die soziale Fürsorge unter dem Roten Kreuz in ein System brachte und das Land mit einem Netz von Fürsorgestellen besetzte. Das seinerzeit be- schlagnahmte Bereinsvermögen, über das ordnungsgemäß Rechnungslegung und Entlastung erfolgte, diente lediglich den von der belgischen Leitung beabsichtigten Zwecken, insbesondere der Verwundeten- -und Krankenpflege im Schloßlazarett, während -der Generalgouverneur für die von ihm eingeführte soziale Fürsorge unter der Bezeichnung „Deutsche Fürsorge in Belgien" einen neuen Fonds schuf.
Briand und Salandra über die vollkommenste Einheitlichkeit.
W. T.-B. Paris, 27. März. (Nichtamtlich. Agence HvivaS.) Der Präsident der Republik gab .am Sonntagabend ein Essen zu Ehren der Mitglieder der italienischen Regierung, .welche der Konferei^z der Alliierten .beiwohnen. Briand und Salandra brachten Trimksprüche aus, im denen die votk- koHmenste Einheitlichkeit in den Anschauungen und Unternehmungen seitens Italiens und der Alliierten aus- gedrückt wurden.
Dev Nrieg gegen England.
Das Seegefecht bei §anö.
Die Wahrnehmungen nordischer Schiffer.
Br. Stockholm, 27. März. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Der Kopenhagener Berichterstatter der „Stockholms Dageus Nyheter" meldet: Fischer, die gestern in Esbjerg ankarnen, wollen gestern früh vor BlaavandShuk ein großes eng- lischesGeschwader, bestehend aus ungefähr 12 Schiffen, beobachtet haben. Auch in den Gewässern vor Esbjerg und Fanö wurden große englffche und deutsche Flottillen beobachtet, die hauptsächlich aus Torpedojägern und Torpedobooten bestanden. Der Kapitän des Segelschiffs „Zimbria" will so- gar Augenzeuge des Seegefechts, das mittags vor Fanö statt- farü>, gewesen sein. Er passierte ein größeres deutsches Geschwader, das südwärts steuerte. Als dreses Geschwader verschwunden war, zeigten sich in diesen Gewässern zwei deutsche Segelschiffe, die bald darauf von euglischen Torpedobooten sehr lebhaft beschossen wurden. Diese Segelschiffe begannen zu brennen und flohen nach der Insel. Die verfolgenden englischen Schiffe wurden von Küstcnkanonen beschossen, weshalb sie die Verfolgung aufgaben. Dem englischen Geschwader folgten einige Flugzeuge. Zwei davon wurden niedergeschossen. Zwischen 8 und 9 Uhr wurde in der Nordsee eine gewaltige Kanonade gehört, die auf ein neues Seegefecht deutet.
Ein deutsches Riesen-U-Boot?
Br. Stockholm, 27. März. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Die norwegische „Schiffahrts-Tidende" erfährt, daß 30 Mann des norwegischen Viermasters „Lindfjeld" nach seiner Torpedierung sich volle acht Tage an Bord des deutschen ll-B o o t s auft)ielten. Da bisher niemals zuvor die grotztz
