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3 Der Roman, i

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i^=--=«i Morgen-8eilage der Wiesbadener Cagblattr. i« ^

Nr 73.

Sonntag» 26. MSrz.

1916.

(Sckluh.1

Fintje.

Eine ErzMnng aus dem alten Brüssel von Kl«ra Hehreth.

(Nachdruck verboten.!

Endlich hatte sich Oamke seines Vaters Wunsch, einen Arzt herbeizurufen, gefügt. Der joviale Herr unter­hielt sich prächtig mit Papa Toone, nickte Verständnis- Voll bei Der Untersuchung Des fiebernden Krönten UND stellte Fintje ohne weiteres als Pflogeichwester an.

Fintje sah am Bett, erneuerte dom Fiebernden die kalten Umschläge, llvachte halbe Nächte bei ihm und freute sich beinahe der langen Bcavuhtlosigkeit des Kranken. Sie hatte es an sich selbst erfahren, wie so erne Krank­heit erlösend auf den Menschen wirkt, wenn er sich nrcht mehr zurechtzufinden weih im Leben. Wie ein neuer Mensch wurde Oomke aus diesem schweren Fieber er- wachen, und die Zeit seiner Gefangenschaft wurde plötz­lich weit zurückliegen in seinem Gedächtnis, das Leben aber sich unermeßlich, wie unbetretenes Land vor chm ausdehnen. Dann muhte die Frage, wie er es fortan mit diesem Leben halten tollte, an chn herantreten.

Fintje grübelte angestrengt Wer diese Frage: Was wird Oamke nach der Genesung beginnen? Dichten muhte er wieder, daraufhin hatte er all die Jahre lang gelernt, das würde chn wohltätig hinüberlenken von seinen verletzten Gefühlen auf erdichtete Lechen und Freuden.

Sie bat Papa Toone, dom Sohne znzusprechen, dah er wieder Theaterstücke schreiben möchte für die alten Marionetten, die, wenn auch unter anderer Leitung, doch weiterlebten und weitevspielten im alten Pouche- nellekeller.

Ach. Oamke wollte vom Dichten nichts mehr wissen. Er strich mit den abgemagerten Händen über die Bett­decke und schüttelte traurig den Kopf.

Ich dichtem? Nein, damit ist es nun vorbei."

Mit dom Dichten war es vorbei? Fintje senkte den Kops tiefer über die Klappelaibeit, während die Tränen ibr in den Schoh tröpfelten. Sie sah am Fenster, uich das Licht Hel voll auf ihr Haar, so dah es wie Feuer leuchtete.

Qamkes Augen ruhten stetig auf Fintje, wenn sie dort am Fenster sah: nur wenn sie den Kops hob, um nach ihm zu scheu, wandte er den Blick hastig ab.

Er Wien sich an ihre Gegenwart gewöhnt hoben, wie sich Kranke an die Dinge gewöhnen, dre ihren Blicken immer wieder begegnen, wenn sie die müden Augen nach den langen Ficherträumen wieder öffnen.

Einmal, in der verschwiegenen Dämmerung, richtete er sich aus dem Ellbogen auf.Fintje, Jan l'Grand war's jo nicht, dom du nachgelaufen bist! Irgend ein Fremder, der dir schone Dinge versprach, hat dich be­sessen. Warum hast du ihm nicht ins Gesicht geschlagen, dem verdammten Reichen? Du tatest doch sonst so stolz und verächtlich erhaben über Nellske Perle Amgur. Warum hast du es denn getan? Nur uin der Kleider und Blumen und all der bestechenden Frauending« willen?"

Nein, weil ich ihn Ifef> hatte", sagte Fintje leis« un- fest, und der Kranke lieh sich wieder zurüclffallen und fragte sie nicht weiter.

Was kannte er denn beginnen? Weläie Arbeit möchte ihm zufagen? Finffe grübelte und grübelte. Sie sah die geschickten, geduldigen Hände des schwächlichen Knaben wieder vor sich, wie er hinter dem Tisch sah, und an den Marionetten herumbastelte. Bei der Arbeit war er immer zufrieden gewe'en. So eine feine, geduldige Beschäftigung muhte sie ilM ausfindig machen, dom armen Onkelchen, das nicht mehr an seinen Puppen- Andern berumdoktern konnte.

Während Fintje grübelte, schlug die alte Kuckucksuhr an der Wand. Der kleine, blaue Vogel verneigte sich unausgesetzt und ries eine Stunde aus, die mit dem Stand der Sonne stark im Widerspruch stand. Die alte Kuckuslchr hatte bei dem Umzug aus dem Pouchenelle- keller in die Rentierswohnng wohl Schaden gelitten. Sie muh repariert werden", sagte sich Fintje.Mer der nächste Uhrmacher wohnt weit"

Plötzlich ging ein Leuchten in ihren nachdenklrchcn Augen auf. Oomke mußte die Uhr reparieren! DaS war eine Arbeit für ihn. Sie sah ihn schon im Geiste hinter dom Tische sitzen, auf dem die Lampe brannte, und sah die geschickten Finger all die kleinen Müder be- rühren. Ooinke mußte bei einem Uhrmacher in die Lohre gehen. In der Hoogstraat konnten sie wohl einen Uhrendoktor brauchen!

Sie über durfte ihm nicht mit dom Vorschlag kommen. Selbst muhte er den Godanken fassen. Überlistet muhte er wenden wie ein eigensinniges Kind.

Wie er Wies, Wich sie an sein Bett uud nahm ferne große Tombaktaschenuhr vom Nagel an der Wand, Wng die Kapsel von dom Räderwerk zurück und stach rück­sichtslos mit ihrer Nadel hinein. Dann stahl sie sich wie eine Verbrocherin an ihren Platz zurück.

Oamke wurde es bald gewahr, dah seine Uhr stehen gcklioben war. Nun sah er zum erstenmal eifrig über eine Arbeit gebückt in feinem Bett. Geduldig bastelte er an dom Räderwerk herum.

Bringst du es wirklich zustande, Ooinke? Die Kuckucksuhr ist auch krank, wenn du der auch wieder aufhelsen könntest?"

Vater und Sohn hatten eine wichtige Besprechung. Oomke war ein kluger ßlodanke gekommen. Es fohlte dem Quartier des Marolles ein geschickter Uhrmacher, und er selbst wunde nicht übol Luft zu diesem stillen, künstlichen Handwerk verspüren. Der gutmütige Papa Toone, enfrout Wer diese erst« lebensfreudige Regung seines Sohnes, war gleich zu einem Geldopser bereit und baute die gefälligsten Lustschlösser von einem zu- künftigen großen Uhrengeschäft. Oomke dagegen ver­lor nicht viel Worte, wie das seine Art war.

Fintje wurde nicht um Rat gefragt bei dieser Zu- kunftsberatung der beiden Männer. Sie sah über ihre Arbeit gebeugt und sah mit glücklichem Lächeln aus chr schönes Spitzennruster hinab.

* * * _

Auf dom Tische brannte die grüübeschlvmt, Sam«. Sie warf flöten freundlichen Strahlenkranz Wer die