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Verlag Langgaffe 21

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Kreitag, 24. März 1916.

Morgen « Ausgabe. Nr. 141.. 54. Jahrgang.

Der Rrieg.

Vsterreichisch-ungarischer Tagesbericht

^v. T.D- Wie», 23. März. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 23. März, mittags:

Auf allen drei Kriegsschauplätzen keine beson­deren Ereignisse.

De: Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Hofer, Feldmarichallentnaut.

Der UuWche EntlaftungsVersAch.

An der Wende des alten und neuen Krtegsjahres unternahm Rußland seine grobe Winterossensive an der bessar-abifchen und galizischen Grenze. Sie galt der R ü ck e r o d e r u n g des gälizischen Landes, dem Durch­stoß über die Karpathen und nicht zuletzt, das benach­barte Rumänien zum Anschluß zu bewegen. Alle diese Erwartungen blieben unerfüllt und politische und militärisch bedeutete das Ringen ün Siidosten einen rieuen Fehl schlag für den Angreifer. Seitdem sind bei­nahe zwei Monate der Ruhe verstrichen. Der russische Gegner blieb anscheinend vollkommen untätig. Nun aber drängt Frankreich auf Hilfe, ebenso wie Rußland zur Winter-, Frühjahrs- und Sommerszeit des zweiten Kriegsjahres.

Rußland hat dem Ruf Folge geleistet. Es begann am 18. Mrz die von uns erwartete Frühjahrs-

0 f f e n s i v e, die uns nicht überraschend kam. Die russi­

schen Truppenverschiebungen voin gälizischen Tarnopol in nöMicher Richtung in das gegenwärtige Kampf­gebiet wurden unsererseits bemerkt und gestört. Als Beweis hierfür: die deutschen Tagesmeldungen vom

20. Februar, ivelche von -deutschen Bomben­würfen auf die russischen Bahnanlagen .bei T a r n o- p c l und im Kampfgebiet um Minsk sprachen, diejeni­gen vom 2. und 8. März, welche lebhaften Zugverkehr auf den nordsüdlichen Verkehrsadern des Feindes berich­ten. Die russische Offensive richtet sich in ihren takti­schen Zielen gegen die wichtigsten Übergangsstellen der gewaltigen See n- und Suinpfzon e, welche zwischen Dünaburg und dem Pripjet in einer Ausdehnung von über 160 Kilometer sich ausdehnen. Das dies­malige russische Streben scheint weniger politischer Art zu sein, wie zuletzt ini Winter. Es geht dahin, einmal möglichst viel deutsche Kräfte zum Nutzen Frankreichs an der deutschen Ostfront zu binden, das Mittelglied zwischen dem Nord- und Südflsügel unserer Gefechts- linie herauAzubrechen, die Räumung Wilnas, die Ausgabe der Belagerrmg von Dünaburg und Riga zu erzwingen. Das Ziel ist hoch, aber der Umsicht der deutschen, Führung zeigten sich die russischen Menschen­wogen nicht gewachsen. In weiser Voraussicht wurde die deutsche Verteidigung an Seen und Sümpfe ange-

,lehnt, nicht nur auf den Flügeln, auch teilweise vor -der Front. Sie sparte uns Kräfte, verdoppelte die Wider­standsfähig,keit und jetzt sehen wir des Exempels Probe: Wir halten in erheblicher Minderheit gegen alle An­stürme die ausgezeichneten Stellungen.

Die vier ersten Schlachttage bedeuten schöne Er­folge der Armee Hindenburg, schwere Niederlagen des Feindes. Schon am zweiten Tag geht man an einer Stelle unsererseits zum Gegenangriff über. Bei Widsy, -wohlbekannt als heiß umstrittener Punkt aus den letzten Herbftkämpfen, wurden feindliche Ab­teilungen, die sich nach,der vortägigen Niederlage noch vor unserer Front zu halten versuchten, weiter zurtick- geworfen. Wie bei unseren tapferen Bundesgenossen am Jsonzo und in Bessarabien, so sehen wir auch hier bei dem wackeren Ostheer einen frischen Angriffsgeist in der Verteidigung. Der Zusammenbruch des italienischen Angriffs am Jsonzo, des russischen an den Seenengen südlich Dünaburg sind nicht minder schöne Heldentaten wie die vor Verdun. Wir lassen uns nirgends über­raschen, sind nirgends zu schwach. Das müssen nach den Italienern jetzt auch die Russen erfahren. Auch der dritte Kampftag, der 20. März, brachte den Russen, obwohl sie in gewaltigen Massen gegen die Front des Feldmarschalls Hindenburg anstürmten, nicht den er­wünschten Erfolg. Als Beweis, wie stark -die n a t ü r-

1 i ch e n und k ü n st l i ch" n Verteidigungsanlagen ge­worden sind, ist der Umstand anzusohen, daß der An­greifer seine vergeblichen Vorstöße noch weiter nord­wärts ausdehnt. in den Wschnitt östlich Dünaburg und nördlich bis zur Ostsee. Sie fühlten zunächst mit starken Erckundungsabteilungen gegen unsere Stellungen vor, besonders bei Jakob stad t, dank wichtigen Brücken- kops an -der Düna, ohne auch hier nur eine einzige schwache Stelle herausgefunden zu haben. Das Haupt­angriffsziel bleibt auch ani dritten Kampftage die breite Lücke zwischen dem Orte Wi-dsy und dem See von Narotz. Bei Tag und bei Nacht galten die wildesten Anstürme dieser für einen Durchbruch nicht unaeeia-

neten Stelle. ' Die Mauer im Osten blieb ebenso uner­schüttert am dritten Schlachttage wie an den beiden vorhergehenden. Die gemeldete Zurücknahme unserer Front zwischen dem Navotz-See und deni von Wischniew hat deswegen nichts zu bedeuten, weil die Front sich dadurch noch kräftiger an die beiden breiten Seen an­lehnt. Es ist eine taktische Korrektur, welche im Rahmen des Ganzen notwendig war. Die neugenom­mene Höhenstellung wird noch besser in der Lage sein, den Angreifer in respektvoller Entfernung zu halten.

_ M.

Der Krieg gegen England.

7 Kabellinien außer Betrieb gesetzt.

Waren es deutiche Unterseeboote?

Br. Berlin, 23. März. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) TerVoss. Ztg." wird gemeldet: Sieben Kabellinien zwischen Europa und Amerika sind nach Meldungen amerikanischer Blätter auf geheimnisvolle Weise außer Betrieb gesetzt worden und sollen bereits seitdem als einem Monat nutzlos auf dem Meeresgrund liegen. Angeblich sollen sie von deutschen Untersee­boote« neuen Typs zerstört worden sein. Die in Betrieb befindliche» zwei Linien sind infolgedessen so stark überlastet, daß der Tclegrammverkehr zwischen Europa und den Vereinigten Staaten auf große Schwierigkeiten stößt. Tiefe beiden Kabel sollen das französische von Brest und Miquellon und das eng. lische von Irland nach Neufundland und Nenschottland sein. Im Gegensatz hierzu geht die Verständigung zwi­schen Teutichland und den Vereinigten Staaten, dank der Tätigkeit der drvcschcn drahtlosen Stationen, denen England nichts Gleichartiges entgegensetzen kann, ohne jede Störung vor sich.

Das Galloper Leuchtschiff torpediert?

W. T.-B. London, 23. März. (Nichtamtlich. Draht­bericht.) Lloyds meldet: Wie berichtet wird, ist das Galloper Leuchtschiff torpediert worden. Es ist gesunken. (Diese Meldung sicht im Widerspruch mit Nachrichten, denen zufolge neutrale Schiffss-ührer beobachtet haben wollen, >vie -das Feuerschiff in -die Themse eingeschleppt worden sein soll. Schriftl.)

Die Erbeutung derAppam".

Berlin, 23. März. (Zens. Bln.) Korvettenkapitän Graf Dohna hat, wie bereits mitgeteilt -wurde, einem Bericht­erstatter desB. L.-A." geschildert, wie dieMüve" es ver­standen hat, im Atlantischen Ozean reiche Beute an englischen Schiffen zu machen. Besonders interessant ist auch die Cchikderung -der Evbeutung -derA p p a nt". Es heißt dar­über:Wir waren in Sicht vor Madeira. Morgens war ein Dampfer versenkt worden. Wenige Stunden darauf kam dieAppam" in Sicht. Es galt nun zu überlegen, ob sie ge­nommen werden sollte. War das Schiff doch mit Funken- telegraphie ausgestattet, die von unserer Anwesenheit Kunde geben konnte. Außerdem aber befanden sich Passagtere an Bord des Dampfers. Wieder wurde die Kriegsflagge mit dem Signal:Stoppen Sie sofort!" gesetzt, und wieder mußte ein Warnungsjchuß vor den Bug abgegeben werden, da der Kapitän sich nicht sofort zum Halten bequemen wollte. Als -ich hinter dem Heck des Dampfers herumging, bemerkten wir eine Kanone, die englische KoiegSmarine-Matvosen sich so­eben auf uns zu richten anschickten. Gewehrfeuer verscheucht« sie. Die Panik an Bord schien anfangs sehr groß, bestürzt eilten die Passagiere, unter denen sich anscheinend viele Frauen befanden, auf Deck umher, schnallten sich Schwimm­westen um oder rafften ihre Habe zusammen. Erst allmählich gelang es dem Prifenkommando, das ich hinübergesandt hatte, erwas Beruhigung zu schaffen. Die Wogen der Erregung glätteten sich noch mehr, als den Passagieren mitgeteilt wurde, daß ihr persönliches Eigentum möglichst geschont werden sollte. Auf derAppam" befanden sich vier englische Offiziere und 30 Matrosen, die als Kriegsgefang-ene an Bord und in den Heimathafen mitgenommen wurden. In einen: Geldschrank fanden toir auch Goldbarren. Sic waren in kleine Kisten säuberlich verpackt und stammten, wie der Ursprungsstompel bewies, aus den Minen des KavlaNdes und der Goldküste. Sie muhten aus ihrem ciiglischen Gefängnis unter meinen Schreibtisch wandern und sind glücklich in Deutschland ange- kommen."

Die Beschwerden der Verheirateten.

Verschärfung der Rekrutierungsmaßnahmcn.

W. T.-B. 2 Dublin, 23. März. (Nichtamtlich.) Lord Derby hat eine Abordnung der verheirateten Männer, die sich für den Militärdienst gemeldet hatten, empfangen. Sie klagten, daß das ihnen gegebene Vevsprechen nicht geteilten worden sei. Sie seien ausgerufen worden, während viele unver- heivatetc Männer nockj keinen Militärdienst leisteten. Derby antwortete, daß die Unverheirateten so viel als möglich aus den militärfrcien Berufen genommen worden seien, aber man müsse inzwischen mit der Einberufung der Verheirateten fort­fahren. Diejenigen der verheirateten Männer, welche für Handel und Gewerbe benötigt werden, würden nicht sinbe- rusen werden. Im Unterhaus hat Lang Einzelheiten über die Versuche der Regierung, mehr U n v e r h e i r a t c te auszutreibcn, mitgetcilt. Er sagte, die Liften der

ncilitärfreien Berufe seien sehr eingeschränkt worden und in gewissen Industrien würden Männer unter einer gewissen Altersgrenze in Zukunft nicht mehr militärfrei sein. Diese beiden Maßregeln würden einen großen Einfluß auf die Zahl der verfügbaren Mai-nfckiaften haben. Die Regierung sei auch zu der Überzeugung gelangt, daß aus den: Lande noch Männer abkömmlich seien und habe ferner beschlossen, das Natronal- reaister so zu ergänzen, daß auch die seinerzeit nicht einge­tragenen jungen Leute darin aufgenommen werden. Außer­dem seien Inspektoren ernannt worden, welche die Munitions­fabriken und Bergwerke besuchen sollen, um herauszufinden, wie viele von den dort arbeitenden Leuten für -den Militär­dienst verfügbar gestellt werden können.

Der ittternationalc Wettbewerb nach dem Kriege.

Bildung englischer 5>audelsausschüsse.

W. T.-B. London, 23. März. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Reuter meldet amtlich: Handelsminister Runciman hat beschlossen, Ausschüsse einzuberufen, um die Stellung gewisser wichtiger Industrien Großbritanniens nach dem Krieg zu studieren. Namentlich in bezug auf den internatio­nalen Wettbewerb. Die Ausschüsse sollen darüber be­richten, ob und was für Maßnahmen wünschenswert sind, um diese Stellung zu sichern. Zwei Ausschüsse sind bereits gebildet, einer, welchem Balfour als Mitglied angehört, sür Eisen, Stahl und Maschinenindustric, der andere für die Schiffahrt und die Schiffsbauindustrie. Die Bildung eines Ausschusses für Textilindustrie steht bevor.

Die Lage Im westen.

Die französischen Ängste.

Hautcourt uud Bethincourt.

Nr. Genf, 23. März. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der den Franzosen bei Sonnenuntergang abgerungenen Hautcourt-Stellung wurde noch in den gestrigen Pariser fachkritischen Besprechungen große Bedeutung beige­messen. Der Kritiker desJournal des Debats" und andere bekunden dabei gewiffe Beklemmung, weil die ftanzösische Front gegnüber dem Wald Avocourt, obschon sie aus erprobten und vorzüglichen Elementen besteht, doch den imposanten Auf­bau vermissen lasse. Weit größere Anstrengungen werden zur dauernden Verhinderung von Vorstößen aus dem gut organi­sierten, in deutschem Besitz befindlichen Waldgebiet und zur Vereitelung einer der deutschen Hauptabsichten, der Er­reichung der kauni 5 Kilometer entfernten Hauptbahn­strecke erforderlich. Über Bethincourt und deffen ge­fährdete Umgebung schweigen die Joffreschen Noten sowie die sie ergänzenden offiziösen Artikel.

Griechenlands Genugtuung über Verdun.

Bukarest, 23. März. (Zens. Bln.) Aus Athen wird ge­meldet: Das RegierungsorganAthinai" schreibt:

Die Kämpfe um Verdun sind für Griechenland nicht gleichgültig. Griechenland muß den Fall Verduns wünschen, weil dann Frankreich einsehen wird, welcher Fehler die ganze Saloniki-Expedition war. Nach dem Fall der Festung wird Frankreich gezwungen sein, den General Sarrail zurückzu rufe n und die französi­schen Truppen im eigenen Land zu verwenden."

Eine neue deutsche Fliegerbombe.

Rotterdam, 23. März. (Zeus. Mn.) Pariser Zei­tungen berichten folg ende Z über eine neue deutsche Erfindung: Ein deutscher Flieger, der die Stellung einer fra-nzösiischen Batterie beenerkt hatte, warf auf die Stellung einige ungefährliche Bomben, -die nur wenig Splitter streuten, aber einen heftigen und -beharrlichen -Rauch entwickelten. Diele dichte Rauchwolke verbols einem Fesselballon zur Erkennung der Stellung. Die Batterie wurde taffächlich bald darauf bombardiert.

Ein französischer Fliegerangriff auf Luxemburg?

Lr. Haag, 23. März. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) Nach Berieten über einen Fliege rang riss auf luxem­burgisches Gebiet scheint fsstzusteh.cn, daß etwa vier D o in den in der Nähe des Dorfes Oberkorn bei Differ- dingen abgeworfen wurden, daß weder Personen noch Sachschaden entstanden ist, obschon große Gefahr für Menschenleben -vorhanden war. Es dürste nur ein Flieger als Täter in Betracht -kommen.

Kardinal Mercier und der Vatikan.

Genf, 23. März. (Zens. Bln.) Wie derSecolo" mit­teilt. machte der Brief des Gouverneurs v. Bissing an den Kardinal Mercier im Vatikan sehr starken Ein­druck. Man fürchtet hier bei dem stolzen Charakter des Kardinals, daß er den Forderungen des Gouverneurs offenen Widerstand leisten und daß er dann in Deutschland i n - terniert werde. Das würde aber im Vatikan tiefe Ver­stimmung schaffen. Immerhin sei bezeichnend.- daß die dem Vatikan nahestehenden Blätter, wieOsscrvatore Romano", ihren Lesern Vorsicht im Urteil anempfehlen, da man den Wortlaut des Briefes nicht kenne. Im Zusammenhang damit verzeichnet derSecolo" Gerüchte, daß der Papst den Kardinal Mercier dringend zu Sicherster Vorsicht gemahnt, andererseits