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Donnerstag, 23. März 1916.
Morgen • Ausgabe.
ttr. 139. ♦ 64. Jahrgang.
weitere Verstärkung der vergeblichen russischen Entlaftungsoffensive.
weitere Fortschritte bei Avocourt.
Jetzt dort fast 3000 Gefangene, darunter 58 Offiziere. — Drei feindliche Flugzeuge
bei Verdun hernntergeholt.
Die großen Angriffsunternehmungen der Russen wieder überall gescheitert. — Außerordentlich große Verluste der Russen. Bei erfolgreichen Gegenstößen 1184 Russen gefangen.
Der Tagesbericht vom 22. Marz.
W.T.-B. Großes Hauptquartier, 22. März. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Bei der dem Angriff vom 20. März nordöstlich von Ava - c o u r t folgenden Aufräumung des Äampfseldes und der Wegnahme weiterer feindlicher Gräben außerhalb des Waldgeländes ist die Zahl der dort eingebrachten unverwundeten Gefangenen auf 58 Offiziere, 291t Mann gestiegen. Die Artilleriekämpfe beiderseits der M aas dauerten bei nur vorübergehender Abschwüchung mit Heftigkeit fort.
Ber Obersept haben die Franzosen nochmals versucht, die Schlappe vom 13. Februar wrcder auszugleichcn. Mit beträchtlichen blutigen Berluftcn wurde der Angreifer zurück- geschickt.
Drei feindliche Flugzeuge wurden nördlich von Berdun im Lnftkampf außer Gefecht gesetzt; zwei von ihnen kamen nordöstlich von Samogneux hinter unserer Front, das dritte brennend jenseits der feindlichen Linien zum Absturz. Leutnant Bölke hat damit fei» 13., Leutnant Parfchau fein 4. feindliches Flugzeug abgefchoffcn.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Die großen Angriffsunternehmungcn der Russen haben an Ausdehnung n u dj zugenommcn. Die Angriffspunkte sind zahlreicher geworden, die Lorftüße selbst folgten sich an verschiedenen Stellen unnntervrochen Dag unü Nacht. Der stärkste Ansturm galt wieder der Front nordwestlich von P o st a w y. Hier erreichten die feindlichen Verluste eine selbst für russischen Maffeneinsal? ganz außerordentliche Höhe. Bei einem erfolgreichen (stegcustoß air einer kleinen Einbruchsstelle wurden 11 russische Offiziere r nd 573 Mann gefangen genommen. Aber auch bei den vielen anderen Kämpfen südlich und südöstlich von Rrgu, bei F r i e d r i ch st a d t, westlich und südwestlich von Jakob- stadt, südlich von Dünaburg, nördlich von Wldfy, zwischen Narocz- und Wiszniew-See, wiesen unsere tapferen Truppen den Feind unter den größten Verlusten für ihn glatt zurück und nahmen ihm bei Gegenangriffen noch über 600 Gefangene ab. An k e i n e r Stelle gelang es den Russen, irgendwelchen Erfolg zu erringen. Die eigenen Verluste find durchweg gering.
Balkankriegsschauplatz.
Die Lage ist unverändert.
Oberste Heeresleitung.
Lebhaftere Tätigkeit der Russen auf der ganzen Rordostfront.
Lebhaftere Tätigkeit der Russen auf der ganzen Rordostfront.
Gsterreichisch-ungarischer Tagesbericht
W. T.-B. Wen, 22. März. (Nichtamtlich. Drahtberrcht.) Amtlich verlautet vom 22. März, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
Die Tätigkeit des G e g n e r s ist gestern fast an der ganzen Rordostfront lebhafter geworden. Unsere Stellungen standen unter dem Feuer der feindlichen Geschütze. An der Strypa und im Kormingebiet stieße» russische Jnfanterieabteilungen vor Sie wurden überall geworfen. In Ost gal-eien verlor bei einem solchen Vorstoß eine russische Gefechtsgruppe von Bataillonsstärke an Toten 3 Offiziere und über 150 Mann, an Gefangenen 100 Mann. Bei uns nur einige Leute verwundet.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Der gestrige Tag ist ruhig verlausen.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nichts Neues.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabcs:
». H ö f e r» Feldmarschalleutnant.
handelspolitische Verständigung zwischen Deutschland und Rumänien.
Lieferung weiterer 100 000 Waggons Mais und des gesamten übrigen Vorrats an Weizen, Gerste und Hülsensrüchten von etwa 40 000 Waggons an die Zentralmächte.
IV, T.-B, Berlin, 22. März. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Am
21. März ist in Bukarest zwischen der Zentraleinkauss- gesellschast Berlin, der Kriegsgetreideverkehrsanstalt Wir« und der Kriegsprodukten-Aktienge- sellschaft Budapest einerseits und der rumänischen Zentralausfnhrkommission für Getreide und Hüssen- früchte andererseits ein B e r t r ag für die Lieferung weiterer sehr erheblicher Getreidemengen aus Rumänien an die Zentralmächte nnterzeichnet worden. Die genannten deutschen und österreichisch-ungarisch:« Organisationen sür Getreideeinsuhr kaufen durch diesen Vertrag 100 000 Waggon Mais sowie den gesamten — nach Berücksichtigung des inländischen rumänischen Verbrauchs und anderweitige» rumänischen Verkaussverträgen — noch für die Ausfuhr zur Verfügung stehende» Vorrat an Weizen, Gerste und Hülsensrüchten, «inen Borrat, der aus etwa 40 000 Waggon geschätzt wird. Die rumänische Regierung hat alle tunlichen Erleichte- u u n g en sür den Abtransport des Getreides aus den Bahn- und Wasserwegen teils bereits veranlaßt, teils in Aussicht gestellt. Umgekehrt ist eine Verständigung angebahnt, um auch die Lieferung von Erzeugnissen der Zcntral- »rächte an Rumänien sowie eine wechselseitige Durchfuhr tunlichst zu fördern und also auch auf diesem Gebiet« das Erforderlichste zu tun, damit sich die beiderseitigen Handelsbeziehungen win-der normal gestalte»^ soweit dies unter den obwaltenden Umständen überhaupt durchsührbar ist.
Deutscher Reichstag.
Die Ausschaltung der Behandlung des U-Boot-Themas aus der öffentlichen Sitzung.
(Von unserer Berliner Abteilung.)
L. Berlin, 22. März. (Zeus. Mn.) Es lebe Der B u r q f r i ci c! Wir haben ihn wieder unü wünschen, -daß er unS erhalten (bleibt während des Ringens um Verdun unü bis der äußere Friede mit unseren Feinden geschlossen werden tarnt. Q-Boote und Zeppeline wägen ihre Pflicht tun, so wie es die Heeresleitung anordnet, in die wir alle unverbrüchliches Vertrauen haben. Auch die konservativen und uationallibevalsn Antragsteller hatten sich gegen den Verdacht gewehrt, als fehle ihnen dieses Vertrauen. Die Flucht in die Öffentlichkeit, wo sie ihrem U n m u über den allgemein bodaucrten Weggang des Großadmirals v. Tirpitz Luft machen wollten, hat ein freiwilliges Ende gefunden. In engerem Kreise im Haushaltsausschuß wird ein jeder sein Herz ausschütten können und dort sitzen n i ch t d a § ganze feindliche Ausland auf der Tribüne als Zuschauer und erfährt nicht die militärischen Gründe, die ausschlaggebend für ge- wisse dem deutschen Publikum nicht ganz verständliche Vorkommnisse gewesen sein mögen. So wird das Parlament in unserem nicht autokvatisch regierten Reiche hören, was es zu hören ein Recht hat. Ter Reichskanzler wind hinter verschlossenen Düren der Aus- schußverha-n-dlung aus die Einwände, die erhoben, antworten können. Aber die breiteste Öffentlichkeit, die in Kriegszeiten nicht ahne Schaden alles frei besprechen kann, wird aus geschaltet. Der Rückzug der Kampf- gerüsteten geschah — es muß gesagt sein — nicht ganz schmerzlos. Sie folgten einem leisen Druck, der von einer Seite kam, von der sie ihn nicht erwarteten. Man darf niemand sein Verdienst schmälern. Die glänzenden Diplornaten, die den Burgfrieden mit einem Schlage w i e d e r h e r st e l l t e n, waren vormehmlich die SoziaIdemokraten, d. h. die Abgeordneten der reformistischen M chrheit. Abgeordneter S ch e i d e m a n n hat sich ein Verdienst erworben, -das, säße er nicht soweit links, einer hohen Regierungsauszeichnung wert erscheinen könne. Die Vertrauensmänner des Reichstags tagten vor der Sitzung, um über Sein oder Nichtsein des Burgfriedens zu befinden. Schon zogen die Nationalliberalen sanftere Saiten auf, ein Teil von ihnen hatte der Führung ganz laut Valet gesagt. Die Konservativen glaubten, es sich selbst zu schulden, daß sie in ihrer Steuerrede dem scheidenden Großadmiral ein gewürztes Lob zollten. Halt da! erklärte der sozialdemokratische Vertrauensmann, wenn Sie nicht darauf ver
zichten, werden wir die gesamten Fragen der auswärtigen Politik und Was dazu gehört, aufrollen. Das bot den Ausweg. Schon wußten die Konservativen, daß sie mit ihrem Antrag kein Glück haben würden, -denn die Fortschrittliche, Volks- Partei chatte b ezerchnend e rweise darauf verzichtet, einen eigenen Antrag einzubringen; eine Abstimmung, wenn es zu einer solchen hätte kommen müssen, würde dem vermittelnden Antrag des Zentrums, nicht dem der Unzufriedenen die Mehrheit geschenkt haben. Herr v. Heydeürand beriet nochmals: Man verschdb den Sitz un gsb eg i nn des Hauses um eine halbe Stunde, dann unterwarfen sich die Antragsteller im Seniorenkonvent dem kleinen Handelsgeschäft, das die Sozialdemokraten freiwillig ange- boten hatten.
Die schönen Damen und Neugierigen auf den Tribünen kamen um ein Schauspiel, das wir ihnen nicht gerne gegönnt hätten. Als Präsident Dr. Kaemps die Verständigung der Vertrauensanänner mitgeteilt, erschien nur, vom üblichen Lachen empfangen, der Abgeordnete Dr. Liebknecht mit deni üblichen Protest gegen den Beschluß des Hauses und seiner einstigen Partei und verlangte unter zunehmendem Lärm, daß alles, was hinter den Kulissen -besprochen, breit auf der offenen Bühne ausgeladen werde. Es folgte ihm zur ersten ordnungsmäßigen Rede sein Parteigenosse Abgeordneter Keil, der über die Steuerpläne des Reichsschatzsekretärs ein glattes Todesurteil fällte. Es gcht um Ihren guten Ruf, gellte es dem dokumentenumlagerien Dr. Helfferich in die Schren. Der Schatzverwalter lächelte, als halte er das für eine Übertreibung. Mer Abgeordneter Keil, der rm besten bürgerlichen Rednerton stark demagogisch auf- getragene Behauptungen vorzutragen weiß, versicherte, -daß bequem eine ganze Milliarde statt einer halben aus der Kriegsgewinnsteuer herauszuholen fft. Möglich mag es sein und der Schatzsekretär wird einiae Zugäben «machen müssen. Aber bequem ist es nicht: Erneuerung des Wehrbeitrags, Verschärfung der Erbschaftssteuer, Lob der viel weitergehenden englischen Kriegssteuer, Reichsbankerott, wenn keine neue Besitzstcuer kommen sollte. Tabak als unentbehrliches Genußmittel: eine brutale Auffassung, die Poststeuer: ein Kulturattentat — das -waren Schlagworte, die den Leitfaden durch die lange Rede bildeten.
Mgeovdneter Spahn (Zentrum) zollt dem scheidenden Staatssekretär v. Tirpitz Worte der Anerkennung und -des Dankes, denen sich -der dritte Partei-, redner Dr. v.Payer (Volksp.) von ganzomHerzen anschloß. Das Zentrum ist mit einigen Vorbehalten den Steuer- Plänen gewogen, dagegen erfuhren sie von detALo-lks- vartei, wie sich der Reichsschatzsekretär nachher aus- drückte, eine halbe Ablehnung. Mgeordneter v. Payer sagte, daß die Vorlagen nicht ohne sehr wesentliche Veränderungen ans den Ausschüssen berauskvmimen werden. In -der chm eigenen gewinnenden schwäbischen Sprechweise begründete er seine Bedenken und Gegenvorschläge. Die Freisinnigen wollen durch eine Erneuerung des Wehrbeitrags, wenn auch in bescheidenem Maße die der Bevölkerung imerwünschten Verbrauchs- und Verkehrssteuern wenigstens teilweise ersetzen, dagegen aber jetzt nicht auf ine Durchführung ihres altes Planes der R e i ch s v e r- mögenssteuer dringen, aus praktischen Gründen auch nicht auf die Verschärfung der Erbschaftssteuer, die — sagen wir — jetzt nicht ästhetisch wäre. Den Quittungsstempel weist -die Linke auf das energischste zurück, weil er eine zu große Geschüsts- erschwerunq darstellen würde.
Reichsschatzsekretär Dr. Helfferich wünschte den Abend nicht unter deni Eindruck dieser Zerrupsung seines Werkes ab schließen zu lassen. Er improvisierte eine Rade, die auch von den Steuer g e g n e r n mit gespanntester Aufmerksamkeit augehört wurde und lebhaften Beifall fand. Sagte Dr. v. Paher, er glaube, die Regierung habe es sich zu leicht geonacht, so bat Dr. Helfferich, man möge es ihm nicht zu schwer machen und seine Arbeitsleistung nicht unterschätzen. Ziffernmäßig bewies er, daß die Kriegs- gewinnsteuer in dm höchsten Stufen zwanzigmal soviel nimmt wie die Vermögenszuwachssteucr. Die Tabaffteuer läßt die Arbeiterinteressen nicht unberücksichtigt. Den Ouittungsstempel hätten die freizöllneri- sche -Engländer schon seit 20 Jahren. Der Ertrag ans der Posffteuer-Wäre letzten Endes auch eine Belastung des Volkes in guter Abstufung. Jetzt schon betrüge die direkte Steuer in Deutschland, wenn man alles zu- sammen niinmt, 20 bis 23 Prozent gegen 20,6 Prozent in England. Die verbündeten Regierungen könnten -dem .dringenden Interesse dm Einzelstaaten und Gemeinden im Reiche keine noch lveitergehende Berechtigung, direkte Steuern zu erheben, zuerkennen. Wir erfuhren, daß die Kriegsgewinnsteuer mehrere hundert Millionen, die Poststeuer 200 Millionen und die Quittungssteuer 80 Millionen ergeben soll. Der Reichsschatzsekretär wünscht, daß nicht LNviel
