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„Tagblatt-Haus" Nr. 6650-83.

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Mittwoch, 22. März 1916. KbSNd -KUSgabS. Nr. 138. . 64. Jahrgang.

Die deutschen Angriffe bei Avocourt.

lVon einem alten Offizier.)

Der günstige Verlauf, Len der deutsche Angriff bei Verdun genommen hat, tritt hauptsächlich in dem G e- ländegewinn zutage, der den deuffchen Truppen dabei allmählich zugofallen ist. Dieser Geländegewinn hat sich aber nicht nur von der ursprünglichen Angriffs­front Consenvoye-Azannes in südlicher Rich­tung uninittelbar gegen die feindlichen Befestigungs- Werke erstreckt, sondern ist auch in seitlicher Be­ziehung zutage getreten. Die Kaurpshandlung hat sich im Laufe der letzten vier Wochen immer mehr nach der Seite ausgedehnt und an Breitenausdehnung ge­wonnen. Es zeigt sich darin auch, daß die Kämpfe vor Verdun mehr an Größe und Bedeutung z u ge­nommen haben . In dieser fortgesetzten Ausdehnung des Angriffes sowohl nach der Tie.se wie nach der Breite spricht sich auch die fortgesetzte glückliche Entwicklung der ganzen kriegerischen Handlung aus. Der erste Angriff erfolgte nur auf einer zehn Kilometer breiten Front, die zwischen der Maas und dem Ostrand des Argonnerwaldes lag. Alsdann gin­gen die deuffchen Trittchen siegreich in der W o e v r e- Ebene vor und dehnten sich im Süden bis über die alte Nationalstratze Paris-Metz aus, wo der Ort F r e s n e s erobert und die Franzosen ganz auf dem Ostrand der Maas berge zurückgeworfen wunden. Hierauf er­streckte sich der Angriff auch auf die Gegend westlich der Maas, wo die deutschen Truppen in mehrtägigen siegreichen Kämpfen die Stellungen der Franzosen süd­lich des Forgesbaches. die sich von Forges und Negneville bis zu dein Höhenzuge „Toter Man n" erstreckten . Alsdann blieb aber noch ein freier Raum bis zu dem O st r a n d e des Argonner­waldes, der bisher noch nicht vom .Ka:mpfe berührt worden war. Auf ihni haben jetzt die Deutschen einen bemerkenswerten Erfolg erzielt und damit das ganze Kampffeld beträchtlich nach Westen ausge­dehnt. Die französischen Stellungen liefen von B o u r e u i l l e s südlich von Varennes über V a n- qois in östlicher Richtung bis in die Gegend nördlich von Avocourt, wo sie sich nach Nordosten iiber Malancourt nach Bethincourt wandten (alle die Namen sind auf der kürzlich fortlaufend von uns veröffentlich­ten Karte der Westfront genau angegeben. Schrift!.), ursprünglich waren sie von hier in die Gegend Consen- v-'ve an der Maas gegangen. Der östliche Teil dieses Abschnittes südlich des Forgesbaches war von den Deut­schen in den letzten Känchsim erobert worden. Das ganze Gebiet zwischen Bethincourt und westlich des Höben- zuges Toter Mann, bis an die Waldstücke nördlich Avo- conrt war aber noch rm unbestrittenen Besitz der Fran­zosen geblieben. Bayerische und württamibergische Re­gimenter haben jetzt in einem heldenmütigem, siegreich dnrchgefsihrten Sturm die französischen Stellungen nordöstlich von Avocourt erobert und dem Gegner dabei 2500 Gefangene obgenmnmen. Der Eisiolg wurde an einer taktisch wichtigen Stelle erzielt, da er dort erfolgte, wo die französischen Linien aus dem Walde der A r g o n n e n heraustreten. Avocourt selbst liegt südwestlich der Höhenstellung „Toter Mann", mit der Eroberung der dort gelegenen französischen Linien ist der deutsche Angriff also weit nach Süden vorgcdrun- gen. und bekommt immer mehr einen umfassenden Charakter und entspricht damit dem eigentlichen Ebarak- ter des F e st u n g s a n g r i f s e s. Die alte Lehre ver­langte, daß eine Festung vor der Durchführung des An- grisfes gänzlich eingeschlossen und von ihren Verbin­dungen .abaeschnitten werden sollte. Das ist bei Verdun aber nicht der Fall gewesen, sondern die deutsche Heeres­leitung hatte sich znnr Angriff entschlossen, ohne die Festung vorher einzuschlietzen. Je mehr aber jetzt die deutschen Flügel erfolgreich Vorgehen, desto mehr wird dieser alten Forderung entsprochen. Zunächst war der .deutsche Ostflügel in der Woevre-Ebene bis über die Gegend Von Fresnes vorgedrunaen, so daß der Angriff gegen Verdun ans der ganzen Ostfront angesetzt werden konnte. Nunmehr ist auch der Westflügel diesem Beispiel gefolgt und hat mit der Eroberung >der fran­zösischen Stellungen Avocourt beträchtlich nach Süden ausgedehnt. Durch das Vorgehen der Deutschen bei Avocourt und auf dem Höhenzug Toter Mann sind die französischen Stellungen bei Malancourt und Bethincourt, die jetzt noch weit noch Norden vor- springen, empfindlich in ihren Flanken bedroht. Das Vorgehen bei Avocourt ist auch deshalb von besonderer Bedeutung, weil die Deutschen dadurch Gelände in süd­licher Richtung gegen die Bahnlinie Verdun- Elermont gewonnen haben, die die wichtigste Der- bindung zwischen dem Waffenplatz Verdun und dem Innern Frankreichs herstellt, und auf der der Festung fortgesetzt aus dem Innern des Landes Verstärkungen an Personal und Material zugesühct werden konnten.

Dev Luftkampf bei Mülhausen.

Protest der Elsäffcr gegen den französischen Bericht.

Br. Mülhausen i. E., 22. März. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die hiesigen Blätter bringen anschauliche Schilderungen über den Luftkampf unweit Mülhausen am Samstag, bei dem 4 feindliche Flugzeuge abgeschossen wurden, dem aber auch eins der unserigen zum Opfer fiel, nebst einer Anzahl von Zivilpersonen, die getötet oder verletzt wur­den; von letzteren sind inzwischen drei ihren Verletzungen er­legen. Die Blätter stellen ihre eigenen Wahrnehmungen und den Bericht unserer Obersten Heeresleitung dem französischen Bericht gegenüber und geben ihrer Empörung über die falsche Darstellung in dem französischen Bericht Ausdruck. Die „Mülhausener Volksztg." sagt: Es ist ja fast unglaublich, dah man wagt, Tatsachen ins Gegenteil zu verkehren, obwohl Hunderttausende mit eigenen Augen das ganze Drama ver­folgt haben. Stillschweigen hätte man verstanden, aber so unverschämt zu schildern, ist einfach ein Skandal.

Französische Hoffnungen auf ein Einschlafen der Offensive vor Verdun?

W. T.-B. Paris, 22. März. (Nichtamtlich.) Die Zeitungen fahren fort, eine unvevmeiÄlich fortschreitende materielle und moralische „Ermattung" der Deutschen vor Verdun zu ver­zeichnen. Der „Matin" meint, daß die Schlacht dahin neige, endgültig einzuschlafen. „Das Echo de Paris" glaubt, daß die Deutschen die Freut bei Malancourt nicht überwältigen wer­den. Ein Erfolg dort sei ebenso unwahrscheinlich wie anders- w-o. (Die „Unwahrscheinlichkeit" dieser Erfolge wird durch den gestrigen deutschen Tagesbericht auf das treffendste glossiert. Schriftl.)

Auch russische Glückwünsche zu den großen „französischen Siegen" vor Verdun.

W. T.-B. Paris, 22. März. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der Generalissimus Mextn hat namens des Zaren am Ioffre ein Telegramm gerichtet, in dem der Zar seine Be­wunderung für die Haltung des 20. französischen Armee­korps in der Schlacht bei Verdun ausdrückt. Der Zar sei — heißt es in dem Telegramm — überzeugt, daß die franzö­sische Armee die Feinde aufs Haupt schlagen würde. Die russische Armee beglückwünsche die französische und warte nur auf den Befehl zum Angriff gegen den gemein­samen Fe:nd.

Die ernsten Eindrücke eines französischen Militärkritikers über den Ansturm der Deutschen.

Br. Genf, 22. Marz. (Eig. Drahtbericht. Zenf. Mn.) Der Militärkritiker der „France Militaire" erklärt, der An­griff der deutschem Infanterie hinterlasse immer einen starken Eindruck. Der Ansturm flöße das Gefühl ein, daß sie alles mit sich reißen werden. Die deuffchen Truppen gingen selten zurück, aber, so meint der französische Oberst, sie wüßten nicht ihr Vordringen ffchtig a u s z u - nützen. (Das wollen wir erst einmal abwarten. Schriftl.)

Der Angriff feindlicher Flugzeuge auf Zeebrügge.

W. T.-B. London, 22. Mürz (Nichtamtlich. Reuter.) Die Admiralität mackst bekannt: Gestern morgen griffen ö0 brttsiche, französische und belgische Flugzeuge, begleitet von 15 Kampfflugzeugen, die d utsche Wasserflugzeugstati-on Zeebrügge unü den Flugplatz Houltade au. Es scheint beirächtlicher Schaden angerichtet rv-orden zu sein Jedes der Flugzeuge führte 200 Pfund Bomben nnt sich. Alle Flug­zeuge sind wohlbehalten zurückgekehrt. Ein belgischer Offizier wurde ernstlich verwundet.

Das Seegefecht an der belgischen Küste.

Der „Bericht" der britischen Admiralität.

W. T.-B. London, 22. März. (Nichtamtlich.) Die Admi­ralität teilt mit: Montagmorgen sichteten vier britische Zer­störer in der Nähe der belgischen Küste drei deutsche Zerstörer. Der Feind fuhr sofort nach Zeebrügge, verfolgt von unseren Zerstörern. Während der Fahrt wurden Schüsse gewechselt. Wie beobachtet, wurden zwei Schiffe des Feindes getroffen. Wir hatten vier Verwundete.

Der Nus nach Entlastung in Frankreich.

Br. Budapest, 22. März. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) „Az Eft" drahtet aus Genf: Der Heeresausschutz des fran­zösischen Senats lud für Dienstag den neuen Kriegsmimffter ein, um auf eine dringende Interpellation ClemenceauS zu antworten, worin gefragt wird, auf welche Weise die Ver­bündeten Frankreichs die Lage der französischen Armee vor Verdun zu erleichtern gedenken.

Von der Pariser Militärkonferenz.

Bildung einer gemeinsamen Reservearmee?

Br. Lugano, 22. Mürz. (Eig. Drahtbericht. Zenf. Dln.) Der Brmnd persönlich nahestehende Pariser Vertreter des „Secolo" meldet, die Veranstaltung der ersten Pariser Kon­ferenz habe die Aufstellung sämtlicher Hilfsmittel der Entente an D'annschaften und Material zutage gefordert, aiff Grund deren die Entente ein Resecvrheer bilden werde, das an jede Stelle der verschiedenen Fronten gesandt werden könne. Mainnschastev habe die Co teure überreichlich zur Verfügung. An Kriegsmaterial lieferten die französischen, englischen und

amerikanischen Werkstätten große Mengen schwere Artillerie, Dazu kämen die für iltußland arbeitenden japanischen Fabriken. Außerdem würden Feldgeschütze, Moschrneiigsw-ehve und andere Waffen in großer Menge hergestellt, von der Munition gar nicht zu reden, die heute für jeden Zweck ge­nüge. Um die auf verschiedenen Fronten herrschende Uw- g l e i ch h e i t an Truppen und Artillerie auszugleichen, werde das Resersieheer dienen, das heute nach Frankreich, morgen nach Italien eilen werde. Leider gebe eS einige Schwie­rigkeiten, die dem Einheitsplan entgegenstehen, so die verschiedenen Kciegsziele der einzelnen Bundesgenossen. Jeder einzelne Miievte solle in seiner Weise direkt zum Siege oei- ttagen, so daß die gesamten Resultate dann auf dem Frie­denskongreß entschieden werden.

Umtriebe des ttardinals Mereier.

Br. Brüssel, 22. März. (Eig. T rahtbeffcht. Zeus. Mn.) Bei einer verhafteten Spionagebande wurden Beweise gesunden, dass einige ihrer Mitglieder mit Kardinal Mereier in Verbindung gestanden haben. Die Spione haben den Vriefschmuggel über die holländische Grenze betrieben und offenbar im Dienste der Regierung von L e H a v r e gestanden. Kardinal Mereier hat sich der Spione bedient, denn sie übermittetten ihm Briefe von der belgif scheu Regierung. Auch hat er sich persönlich mit einem Mitglied der Bande unterhalten, um sich den Mechanis­mus des Briefschmuggels erklären zu lassen. Der Kardinal hatte natürlich Gelegenheit, mit dem Heiligen Stuhl auf ord­nungsmäßigem Wege zu verkehren und er brauchte sich dazu keiner dunkle» Ehrenmänner zu bedienen. Daß er das getan hat, läßt ttef blicken. Nun ist es auch erklärlich, daß der Brief des belgischen Episkopates an die deutschen Bischöfa in der Auslandspresse veröffentlicht werden konnte, ehe er in Deutschland angekomwen war. Das weitere wird wohl die demnächst stattsindendr Gerichtsverhandlung aufklärcn. ^

Oer ttrieg gegen England. Oer Untergang der „Tubantia". Keine holländische Note an Deutschland.

W. T.-B. Haag, 22. März. (Nichtamtlich.) Anläßlich dev unrichtigen Meldungen in der niederländischen Presse über Schritte, die bei der deutschen Regierung wegen des! Unterganges der „Tubantia" unternommen worden feie», teilt der Minister des Äußern mit, daß die Ausführung der dem holländischen Gesandten in Berlin am Abend de» 19. d. M. zugckommcnen Instruktionen, denen zufolge er auf Grund der Erklärungen der Personen an Bord des DampferS die deutsche Negierung um Einleitung einer Nntcrsuchung er­suchen sockte, infolge der inzwischen vom hiesigen deutschen Gesandten namens seiner Regierung abgegebenen Erklärung unterblieben ist.

Die britische Negierung möge nun befragt werden.

W. T.-B. Haag, 22. März. (Nichtamtlich.) Der „N-remoe Eouraut" schreibt, daß die holländische Regierung, nachdem sie rm Besitze einer unbedingten Zurücstveisung jeder Verant­wortung für den Untergang der „LuLantta" von deutscher Seite fft, -darin einen Anlaß finden kann, sich mit dem Er­suchen um Einleitung einer näheren Untersuchung an di« britische Regierung zu wenden. Wenn aut dieses Er­suchen eine entschi-edene Verneinung entliefe, wäre die Schwie­rigkeit wegen der in dieser Anger ezeichert durch die Regierung einzunehmenden Haltung einigermaßen verringert, da sie dann im Besitze van zwei völlig gleichwertigen Erklärungen märe. — Das „Vaderlaird" halt den Augenblick zu einem gemeinsamen Vorgehen cer interessierten Mächte wegen der bedrohten Schiffahrt für günstig.

Ein Bergnngsdampfer an der Unglücksstätte

XV. T.-B. Rotterdam, 22. März. (Mchtamtlich.) Vorgestern abend ist das B-ergunyssahrzeug „Waden" nach der Stelle, wo die „Tubantia" sank, auSgefchren. An Bord befinden sich zwei Marineoffiziere, Taucher und anderes Personal.

Ankunft eines irrtümlich als torpediert gemeldeten Dampfers.

W. T.-B. Rotterdam, 22. März. (Nichtamllich.) Der Dampfer „Arie Schefser", über welchen in Amsterdam das Gerücht ging, daß er torpediert worden sei, ist in LiotterO dam angekommen. j

Der norwegische Dampfer „Langeli" torpediert.

Die merkwürdige Ncutcrmcldung.

Br. Christi«nia, 22. März. (Eig. Drahtbericht. Zenf. Bln.) Die Zeitung „Tidens Tegn" berichtet aus London -vom 20. Dcärz: Der norwegische Dampfer „Langel i" wurde vor der englischen Küste ohne vor­herige Warnung torpediert. Ein Heizer ist und- gekomenen. Es handelt sich um den 1806 erbauten Stahldampstr von 1665 Bruttotonnen, der am 28. Fe« bruar in Tyne angekonunen ist. „Reuter" meldet nur» die „Langeli" sei gesunken. 17 Mann wären M, rettet, 1 werbe vermiißt. J