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Mittwoch. 22. März 1916. _ Morgen - ftUSCJCtbe. Nr. 137. . 64. Jahrgang.
Sämtliche französische Stellungen bei Avoeourt erstürmt.
Bisher über 2300 rrnverwundete Gefangene. —^Erfolglose russische Angriffe bei Riga und an der Dünasront. — Vergebliche feindliche Vorstöße im Seengebiet. — Eine aufge- gebenc deutsche Vorsprungstellung.
Der Tagesbericht vom 21. März.
W. T.-B. Groß cs Hauptquartier, 21. März. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Westlich der Maas c r st ü r m t c u nach sorgsästiger Vorbereitung bayerische Regimenter und würt- trmbergischc Landwehrbataillonc die gesamten stark ausgebauten französischen Stellungen in und am Walde nordöstlich von Avoeourt. Neben sehr erheblichen blutigen Verlusten büßte der Feind bisher 32 Offiziere, darunter 2 Regimentskommandeure, und über 2500 Mann an un verwundeten Gefangenen, sowie viel noch nicht gezähltes Kricgsgcrät ei». Gegenstöße, die er versuchte, brachten ihm keinen Vorteil, wohl aber weiteren schweren Schaden.
Östlich der Maas blieb das Gesechtsbild unverändert.
Östlicher Kriegsschauplatz.
Die R u s s c n dehnten ihre Angriffe auch auf den ä u ß e r ste n N o r d f l ü g c l aus. Südlich von Riga wurden sic blutig abgewiesen, ebenso an der Düna- front, und westlich von Jcllobstadt stärkere feindliche Erkundungsabteilungen.
Gegen die deutsche Front nordwestlich von Postawy und zwischen Naroczo- und Wiszniew-Sce richteten sie Tag und Nacht besonders starke, aber vergebliche Angriffe. Die B c r l u st c des Feindes entsprechen dem Massencinsatz an Leuten. Eine weit vorspringende schmale Ausbuchtung unserer Front hart südlich des Narocz-Sces wurde zur Vermeidung umfassenden Feuers um einige hundert Meter auf die Höhen bei Nlisniki z u r ü ck g e n o m m e n.
Valkankriegsschauplatz.
Abgesehen vou unbedeutenden Patrouillcnplänkeleicn an der griechischen Grenze ist die Lage unverändert.
Oberste Heeresleitung.
weiterer österreichisch-imaanscher Erfolg rm Rombdongebiet.
Erfolgreiche Lustbeschießung des Hafens und Truppenlagers in Valona.
Gsterreichrsch-ungarischer Tagesbericht.
W.T.-B. Wien, 21. März, (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 21. März, mittags:
Russischer Kriegsschauplatz.
Die Gefechtstätigkeit stellenweise erhöht, namentlich bei der Armee Pflanzer-Baltin.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Lage ist im allgemeinen unverändert. Feindliche Angriffe auf die von uns gewonnene Stellung im Rombdon und Mrzli Vrh wurden abge- wicsen. Im Rombdon brachte eine neuere Unternehmung 81 gefangene Italiener ein.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unsere Flieger erschienen nachts über VI o r a (Valona) und bewarfen den Hafen und die Truppe n l a g e r erfolgreich mit Bomben. Sie kehrten trotz heftiger Beschießung unversehrt heim.
Lage in Montenegro und Albanien unverändert ruhig.
Der Stellvertreter des Chefs des GeneralstabS: v. Höfer, Feldmarfchalleutnaut.
Oie Lage im Westen.
Der Kamps um Malincourt.
»r. Genf, 21. März. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) General Berthau und andere Fachkritiker hatten wiederholt auf die dringende Notwendigkeit, gegen einen etwaigen deutschenDurchbrilchsversuchbei Malincourt, ausreichend Vorsorge zu treffen, hingewiesen. Durch eine Havas- note ließ die Regierung erwidern, daß alles Mögliche nach dieser Richtung geschehen sei. Die heutige Pariser Erklärung von der Preisgebung der sorgfältig ausgebauten Malincourt- Waldstellung, die nach überaus hartnäckiger Gegenwehr hauptsächlich durch die furchtbare Wirkung der'deutschen Flammenwerfer entschieden worden sei, klingt glaubhaft.
doch zeigt sich ein auffallender Widerspruch zwischen Ton und Inhalt der gestrigen und heutigen offiziösen Darstellungen. Voreilige Presseäußerungen, wie „General Petain, habe unangenehme Überraschungen auf beiden Maasufern mathematisch unmöglich gemacht", fanden keine Erneuerung mehr. Für heute wird die Fortsetzung der Kämpfe um Malincourt vorausgesehen.
Frankreichs schwarze Armee.
„Sie _ wird keine Angriffswaffe fern", meinr die „Hurnanite" vom 13. März. _ „Man wird mehr als ein Jahr -rauchen, um aus Angehörigen der kriegerischen Sicunme mäßige Schutzen zu machen — zwei oder drei Jahre, damn sie gut schießen. Dazu hat der mörderische Krieg die einst- inaligen Ausbildungsformationcn und ldas AuSbilduiigsper- vernichtet. Außerdem werden die Schützen, die man von überall her nimmt, auch aus wenig kriegerischen Völkerschaften
ausgehoben, aus früherem Sklaoenmateriäl, das jahrhundertelang von seinen Nachbarn gehetzt und gejagt wurde. Mjan wird lange Zeit brauchen, diese. Leute zu zähmen, abzu- vichten, wenn man so sagen -darf. Mas soll also mit den Heeresteilen, die Afrika, durch das Parlament genötigt, aus- hebt, geschehen? Wenn man wider Erwarten daran denken feilte, ini Frühjahr sckion das, was Frankreich gegenwärtig mit -einiger Mühe ausbebt, ins Feuer zu schicken, wenn mau diese zusammenhanglosen, undisziplinierten Haufen gegen kri-egs- crpröbte Europäer verwenden möchte, dann würden alle diese Heeresteile nutzlos dem Tode pveisizegüben. Sie würden, ohne daß man etwas damit erreichte, das leichte Opftr unseres Feindes und unserer Reserven werden."
Die britische Armee beklagt die französischen Verluste.
W. T.-B. Paris, 21. März. (Nichtamtlich. Havas.) General Joffre hat vom Chefkommandanten der britischen Streitkräfte in Frankreich folgendes Schreiben erhalten: Die britische Armee beklagt die von den edlen französischen Truppen in der jetzt wütenden Schlacht erlittenen P e r l u st e. Sie hält jedoch darauf. Ihnen die Bewunderung auszudrücken für die Heldentaten der ftanzösischen Armee vor Verdun, wo Deutschland vergeblich seine Kräfte mißt mit den unbezwinglichen französischen Soldaten, gez. Haigh.
General Josfte antwortete auf dieses Schreiben: In dem heißen Kampf der großen Schlacht vor Verdun weiß die französische Armee, daß sie Ergebnisse erreichen wird, die allen Verbündeten zugute kommen werden. Sie weiß auch, daß, als kürzlich an die Kameradschaft der britischen Armee appelliert wurde, diese als Antwort ihre tatkräftige und schnellste Hilfe anbot. gez. Joffre.
Oer Krieg gegen England.
Zur Vernichtung des Galopper Lcuchtschisss.
Sr. Amsterdam, 21. März. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Die Meldung, daß das Galopper Leuchtschiff abgetrieben ist, und daß in der Nähe des ordnungsmäßigen Standplatzes des Feuerschiffs ein Wrack beobachtet wurde, kann großes Interesse haben, da die „Palembang", deren Untergang in Holland tiefste Erregung gegen Deutschland erweckt hat, nach einer Llohdmeldung gerade am Galopper Leuchtschiff torpediert sein soll. Möglicherweise könnte also das abgetriebene Leuchtschiff irregeführt haben und der holländische Dampfer in eins der hier sehr zahlreichen Minenfelder geraten sein. Das Feuerschiff bei Galopper ist das östlichste Englands und liegt weit vorgeschoben vor der Themsemündung.
Ein holländischer Dampfer torpediert?
Br. Rotterdam, 21. März. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Der „Maasboode" berichtet ans London: Ein holländi.
l
scher Dampfer, dessen Name noch nicht bekannt ist, wurde am Sonntagabend an der Ostküste Englands torpediert un^) versenkt. 50 Gerettete wurden in England gelandet.
2000 englische Handelsschiffsoffiziere in der Marine.
Berlin, 21. Mlärz. (Zens. Blii.) Das .B. T." meldet ans dem Haag: 2u00 Offiziere her englischen Haiidelssloile sind während des Krieges in den Martned i e n sc übernommen worden.
Auch einmal ein einsichtiges englisches Urteil über Deutschlands Wirtschaftslage.
W. T.-B. London, 21. März. (Nichtamtlich. Drcchlbericht.) Die „Morniiög Post" schreibt tu einem Leitartikel über die Rede Helfserichs: Man braucht nicht alles, was Helfferich sagte, für bare Münze zu nehmen, man sollte die Rede aber auch nicht als reine Prahlerei aufsusscn. Wir selbst haben uns niencals JlluftnnLn übe: die Stärke Deutschlands gemacht. Wenn unseve Politiker verächtlich von einer Nation sprachen, die von Pferdefleisch und Abfällen lebt, so fürchten mir, daß solch eine wahnsinnige Unwissenheit ihren gerechten Lohn erntet. Seit Beginn des Kriege? scheieien sich unsere Politiker in den ©Tauben eingewiegt zu Hoorn, daß Deutschland am Rande des Zusammenbruches stünde. Das Matt führt dann weiter aus, wie die deutsche Wirtschaftspolitik. die seit 50 Jahren die Produktion des Landes systematisch entwickelte, dazu beitrüge, daß Deutschland im Kriege für ferne Ausgaben eine vollwertige Leistung erhallen habe, während in England eine unsinnige Verschwendung herrsche.
Reichstag
un- Unterseebootkrieg.
O Berlin, 20. März.
Söemt Herr v. Bethmann-Hollweg demnächst im! Reichstag einen so scharfen Tropfen verzapfen sollte, wie ihn des bayerischen Grafen Hertling „Bayerisckie Staatszeitung" soeben den konservativen und national- liberalen Antragstellern kredenzt hat, bann kann cs ja lieblich werden. Freilich die kurzen Begleiisätze, die den beideil Anträgen vom „Wolfsschen Bureau" in bcr Nacht doin Freitag zum Samstag mit auf den Weg gegeben wurden, sagen inhaltlich dasselbe, was die „Bayerische Staatszeitung" tags darauf mit schöner Unbekümmertheit nur die Wahl -der Worte zu erklären für gut fand. Immerhin kommt es in diesen Dingen auch aus die Tonart an. Vielleicht wird man wieder eimnal Beobachtungen über die Unterschiebe in den Unterhal- tungssovmen zwischen Nord nnd Süd machen können, vielleicht, wahrscheinlich sogar, wirb der Reichskanzler nicht ganz so deutlich wie Graf Hertling werden, aber das wirb doch stets nur die Äußerlichkeiten der Sache betreffen, und schließlich kommt es ja ans das Wesen der Dinge an. Auf jeden Fall erleben wir etwas, woran auch nur von weitem zu denken vormals keinem vernünftigen Menschen hätte cinfallen können. Das gilt für beide Seiten. Man muß schon sagen, es wird dem Reichskanzler schwer geniacht, aber nian muß auch sagen, er heizt den Leuten, von denen er sich bedrängt fühlt, ganz gehörig ein. Wir wollen, um das zu begreifen, nicht nochmals ans die heikle Frage der Kommandogewalt eingehen; wir wollen cs darum nicht, weil ja von den Konservativen schr laut versichert wirb, sie büchten nicht entfernt daran, sich solches von ihnen immer verpönten Tuns zu unterfangen. Zugegeben, daß sie nicht daran Lenken, und sogar angenomm-en, daß sie die doch in der Sache selbst steckende Tragweite ihres Vorgehens bedauern, so muß unter allen Umständen der Tatbestand festgebalten werden, Laß sich der Reichskanzler aus die wohl- e rw o g e n e Z n st i m in u n g der o b c r st e n H e e r e 8- leitung stützen kann, wenn er die Richtungslinie ver- folgt, die von den Antragstellern, für ungenügend erklärt wirb. Das ist nicht bloß wichtiq für das Urteil cs ist entscheidend. Zuletzt aber wird Wohl auch die- ses Gericht nicht so heiß gegessen werden, wie es ans den -Tisch kommt. Man wird sich ausspreä>en, nnd es wird sich hinterher nichts geändert haben. In offener Reichstagssitzung können alle diese Fragen doch nur an der O b e r f I a ch e berührt werden. In der Verschwie- genhert vertraulicher An s schnß si tz u ng en erst werden die Gründe -bekanntgegeben werden, -von denen die politischen und die militärischen Stellen ihre Handlungsweise bestimmen lassen. Es müßte ein sonderbares Matz von Ungeschicklichkeit nnd Querköpfigkeit angewvndet werden, wenn aus diesen vertraulichen Besprechungen nicht etwas hervorginge, -was inan allerdings nicht gleich eine Verständigung wird .nennen können, was ober den Keim eines ernsteren Zwistes rechtzeitig zu vernichten vermag. Zur Beurteilung der Stellung der Relchsleitnn-g zu den drei Anträgen ist es von Wichtigkeit, .daß die scharfe Kritik durch dos „Wolfs- sche Bureaus" nicht am Schluß der inr Wortlaut mit- geterlten Anträge, sondern vor der Wiedergabe des Zentrums antrages steht. Damit soll cGenbcw «g.
