Verlag Langgasie 21
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Dienstag» 21 . März 1916.
Kbend-Ausgabe.
Nr. 136. . 64. Jahrgang.
Der Krieg gegen England.
Lin für uns erfolgreiches Lorpedo- Lootsgefecht an der flandrischen Rüste.
W. T.-B. Berlin, 20. März. (Amtlich.) Bor der flandrischen Küste fand am 20. März früh ein f ü r u n s erfolgreiches Gefecht zwischen drei deutschen Torpedobooten und einer Division von fünf englischen Zerstörern statt. Der Gegner brach das Gefecht ub, nachdem er mehrere Volltreffer erhalten hatte und dampfte mit hoher Fahrt aus Sich t. Auf unserer Seite nur ganz belanglose Beschädigungen.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Beschießung von Zeebrügge durch ein englisches Geschwader.
Br. Amsterdam, 21. März. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Nach Berichten aus Vlissingen erschien heute früh gegen 4 Uhr ein englisches Geschwader von vielen größeren und kleineren Einheiten vor Zeebrügge und begann mit der Beschießung der deutschen Stellungen. Einige Stunden vorher, noch in völliger Dunkelheit, hatten englische Flugzeuge, die heftig beschossen wurden, auf- z u k l ä r e n versucht. Das englische Geschwader wurde sofort von den deutschen Abwehrbatterien unter Feuer genommen. Die gegenseitige Kanonade dauerte bis zum Mittag „an. Während des ganzen Vormittags lagerte ziemlich dichter Nebel über der Küste, der die Beobachtung der englischen Schiffe vom holländischen Gebiet sehr erschwerte. Die Flottille schien sich in sehr erheblichem Abstand von der Küste zu halten. Die englische Aktion hat sich bereits durch das Ausbleiben des englischen Postschiffs in Blissingen angekündigt.
Die englische Meldung zum neuen Luftangriff.
W. T.-B. London, 21. März. (Nichtamtlich.) Das KriegS- mnt melböi: Mer deutsche Marineflugzeuge haben gestern Ostkent überflogen. Das erste Paar erschien über Dover in einer Höbe von 5000 bis 6000 Fuß gegen 2 Uhr nachmittags. Das erste Flugzeug ließ sechs Bomben auf den Hafen fallen und wau-dte sich dann nordwestlich, indem es Bomben aus d:e Stadt warf. Drs andere Flugzeug erschien nach dem Flug über Dover um 2,13 Uhr über Deal, wo cs niehrece Bomben fallen lieh. Das zweite Paar erschien über Rams- g a t e um 2,10 Uhr und warf Bomben auf die Stadt. Eins dieser beiden Flugzeuge flog nach Westen, das andere, verfolgt von einem englischen Flugzeug, nach Norden. Eine Bomve soll ans M a r g a t e gefallen sein. Das zweite Flugzeug erschien über West gare um 2,20 Uhr. Hier stiegen einige unserer Flugzeuge zur Vecsolgung auf. Es wurden keine Bomben wbgsworfen. So nwit bis jetzt mitgeteilt wird, beträgt die Zahl der Toten 9, die der Verwundeten 31. Insgesamt wurden 48 Bomben abgeworfen. Eine siel auf da? kanadische Hospital in Ramsgate. Sie verursachte keine Verluste an Menschenleben. Sachschaden wurde an einigem _ Häusern und Arbeiter Hütten angerichtet. Der Fliegeroffizier Bone verfolstc in einem Einsitzerftugzeng eins der deutschen Flugzeugs 30 Meilen übers Meer. Dann kam es zu einem viertelstündigen Gefecht. Daö deutsche Flugzeug wurde mehrere Male getroffen und muhte nielergehen. Der Beobachter wurde getütet. ^Rach der deutschen Meldung lind bekanntlich alle Flugzeuge wohlbehalten zurückgekehrt. Schriftl.)
Berlin, 21. März. (Zens. Bln.) Zu dem Bericht des englischen Kriegsministeriums über das überfliegen von Ostkent durch vier deuffche Wafferflugzeuge sagt der „2.-A.": Die in dem Bericht erwähnten Orte sind bereits mehrfach von unseren Flugzeugen heimgesucht worden und haben militärische Beden tu iig, wie Küsten Wachstationen, Kasernen und Befestigungen in der Nähe vom Dover zur Genüge beweisen. Dah Dover auch noch als der Frankreich Nächstliegende Hafen ganz besonders die Aufmerksamkeit der deutschen Flieger in Anspruch nimmt, liegt auf der Hand, da es der Haupthasen ftir den englischen Truppentransport nach Frankreich sein durfte.
Ein englischer und ein norwegischer Dampfer versenkt.
W. T.-B. London, 21. März. (Nichtamtlich.) Lloyds meldet: Der britische Dampfer „Port D a l h o u s i e" wurde ver- senkt. Sieben Mann wurden gerettet. Der Rest der Besatzung wird vermißt. — Der norwegische Dampfer „L a n - geli" wurde versenkt. Sechzehn Mann wurden gerettet, einer wurde getötet.
Ein weiterer norwegischer Dampfer gesunken.
W. T.-B. London, 21. März. (Nichtamtlich.) Der norwegische Dampfer „Skodsborg" ist gesunken. Siebzehn Mann wurden gerettet, drei Mann vou der Besatzung werden
Das englische Verbot der Luxuswareneinsuhr.
W. T.-B. New Vork, 21. März. (Nichtamtlich. Tueuicr.) Asiociwted Preh veröffentlicht «ine Unterredung eines Londoner Vertreters mit dem englischen Handelsminister Rnnci- man, ii der dieser auf eine bevorstehende Order m Councils hinweist, die die Einfuhr zahlreicher Luxusartikel nach Großbritannien und Irland und alle Lander einschließlich den Dominions und Kolonien vollständig verbietet. Unter diesen Luxuswaren sind auch Privatautonioürle, Musikinstrumente» Messerschmiedewaren, Metallwaren, Garnwaren, Por- zellaniwrren, Phantasie rrtikel und Seifen einbegriffen.
Keine Festlegung Englands in der zukünftigen Handelspolitik.
Eine Beruhigungserklärung zur Pariser Konferenz gegenüber Kanada.
W. T.-B. London, 21. März. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die „Times" meldet aus Ottawa: Im Senat wurde ein Telegramm Bonar Laws verlesen, das sich über die Pariser Konferenz folgendermaßen äußert: Die englische Regierung wird sich in k e i n e r Weise festlegen, was die Handelspolitik nach dem Krieg betrifft. Wenn als Ergebnis der Konferenz verschiedene Schritte erwogen werden könnten, werde nichts geschehen, ohne daß die Dominions zu Rat gezogen werden.
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Die Vernichtung der „Tubantia".
Br. Haag, 21. März. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) Hiesige Blätter machen auf die Zweideutigkeit der englischen Erklärung in der „Tubantia"-Angelegenheit aufmerksam. Auffallend sei es, daß der Sekretär der britischen Admiralität, und nicht, wie sonst, die britische Admiralität selbst die Erklärung erläßt. Dann aber wird gesagt, daß in der Zeit, während die „Tubantia" gesunken sei, kein britisches Unterseeboot an der Stelle des Unheils sich befunden habe. Die englische Erklärung hütet sich also davor, zu sagen, daß auch, als die Explosion selbst erfolgte, ein englisches Unterseeboot nicht in der Nähe gewesen sei. Denn zwischen Explosion und Sinken des Schiffes waren mehrere Stunden vergangen.
Eine Untersuchung des „Tubantia"-Wracks.
\V. T.-B. Rotterdam, 21. März. (Nichtamtlich.) Wie der „Rotterdamsche Courant" erfährt, besteht die Absicht, das Wrack der „Tubantia" mit Tauchern zu untersuchen, um Sicherheit darüber zu erhalten, auf welche Weise der Dampfer zum Sinken gebracht wunde.
Eine halbamMche Berichtigung aus dem Haag.
W. T.-B. Amsterdam, 21. März. (Nichtamtlich.) „Nieuws van den Dag" meldet von gestern früh, daß die niederländische Regierung eine sehr scharfe Note in Sachen der „Tubantia" an die deutsche Regierung gerichtet habe. Dazu wird halbamtlich aus dem Haag gemeldet, daß im Ministerium des Auswärtigen davon nichts bekannt ist.
Ein Augenzeuge beim Untergang der „Tubantia".
Konsul Schilling über seine Beobachtungen.
W. T.-B. Stuttgart, 21. März. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Konsul Richard Schilling, der als ame» rit'antscher Staatsbürger in Stuttgart die Republik Guatemala vertritt, hat'in Stuttgart einem Vertreter des »Schwäbischen Merkurs" Mitteilungen über seine Eindrücke beim Untergang der „Tubantia" gemacht. Er gab u. a. folgende Schilderung: Ein weit leuchtendes Transparent an Bord sowie über die Schiffswände seitlich hinausragende Gerüste mit Scheinwerfern, die ihr Licht nach unten warfen und den Nam endes Schiffes wie den des HeimatsHafens beleuchteten, machten das Schiff weithin als neutrales Fahrzeug kenntlich. Wenige Minuten vor 143 Uhr nachts erfolgte an der rechten Seite vom Schiff in der Nähe der Kommandobrücke eine doppelte, nicht allzustarke Explosion und die Lichter auf der rechten Seite erloschen. Bald darauf folgende Rufe vevanlaß- ten die Fahrgäste an Deck zu gehen. Das Schiff legte sich nun sichr rasch auf die Seite, um sich — wenn alle Längsschotten geschlossen waren, ein merkwürdiger Umstand — später wieder aufzurichten. Nach wie vor hält Konsul Schilling eine Torpedierung für gänzlich ausgeschlossen. Ein Irrtum war des Hellen, sichtigen und ruhigen Wetters und der d e u t l i ch e n N e u- tralitätszeichen wegen ausgeschlossen. Unsinn wäre es anzunchmen, daß ein Unterseeboot das neutrale Schiff, das ohne Konterbande und mit deutschen Passagieren nach einem neutralen Hafen unter- tvegs war, torpediert hätte. Das Schiff befand sich in Fahrt als das Unglück geschah. Erst einige Minuten nach der Explosion stockte es. Schilling führt den Untergang der „Tubantia" auf eine schwimmende Mine zurück. Schilling hatte während des Krieges Gelegenheit, dabei zu sein, wie eine Seemine zur Explosion ge- bracht wurde. Bei der beschworenen Aussage des Offi
ziers und des Ausguckpostens der „Tubantia" hält Schilling eine Täuschung insofern für möglich, als die seitlichen Scheinwerfer die Wellen derart beleuchteten, daß die Annahme entstehen konnte, die Schaumbahv eines Torpedos vor sich zu haben.
Das Galloper Leuchtschiff gefunken?
W. T.-B. Dmrriden, 21. März. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der Dampfer „Amstelland", der hier ankam, meldet, daß er an der Stelle des Galloper Leuchtschiffes kein Lenchischiff porgefunden hat. Nur ein Mast ragte aus dem Wasser.
Die Gefahren für die holländische Schiffahrt.
Eine holländische Ministerkonferenz.
W. T.-B. Haag, 21. März. (Nichtamtlich.) Im AÄnijte- rium des Innern hielten vier Minister eire Konferenz ab, Nachher wurde eine Versammlung von Vertretern der holländischen Reedereifirmen äbgehalten und über die Gefahren füc die holländische Schiffahrt beraten, jedoch, wie verlautet, keine Beschlüsse gefaßt.
Dir holländischen Seeleute wollen nicht mehr ohne Eskortierung durch Kriegsschiffe fahren.
W. T.-B. Amsterdam, 21. März. (Nichtamtlich. Drahtb». richt.) Wie aus Rotterdam berichtet wird, haben die dortigen Seeleute beschlossen, sich nicht anmnstern zu lassen, so lange die Regierung nicht entsprechende Maßregeln zum Schuh der Schiffe ergriffen habe. Als solche Schutzmaßregeln werden angesehen- Begleitung durch Kriegsschiffe, ferner, daß vor jedem ein- und ausfahrenden Schiff ein Minensucher fahre, und daß der Kurs um Schottland genommen wird. — Heute wird die Leitung der Seemannsvereinigung Volharding eine Audienz beim Minister des Innern haben. — Der „Bataviadampfer 1", der gestern abend hätte nach London abgehen sollen, ist nicht ausgefahren. Die Besatzung wollte nur dann fahren, wenn der Dampfer eskortiert werden würde.
Schwierigkeiten im holländischen Schiffsverkehr.
W. T.-B. Amsterdam, 21. März. (Nichtamtlich.) Das „Hanbelsblab" erfährt: Die Daiinpsschiffcohrtsgesell- schcfften Neeöerlanben und Rotterbaimer Lloyd erwägen ernstlich, keines ihrer Schiffe aussahren zu lassen, bis weitere Nachrichten vorliegen. Die Schiffe „Prins der Neederlanben" und „Dambora", die aus Java erwartet werben, haben Befehl erhalten, in Fa-lmouth zu landen und dort weiteres abzuwarten. Der Dampfer „Koningin der Neederlanden", der am Samstag ansreisen sollte, ist nicht abgefahren. Ein hiesiges Blatt meldet, daß infolge des Unterganges der „Palembang" ausfahrende Schliffe Schwierigkeiten mit den Mannschaften haben. Die Bemannung der „Dirksland" soll sich geweigert haben, ausznfahren. Die Leute handelten in Übereinstimmung mit dem Vorstand ihrer See* mannsvereinigung.
Die Erregung über den „Tubantia"-Fall.
Die „Palembang" auf eine Mine gestoßen.
Br. Haag, 21. März. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Der „Tuüantia"-Fall erregt weiterhin lebhaftes Auf- sehen in Holland, besonders nachdem die Engländer in einem unbestimmt abgefaßten Kommunique die Schuld auch ihrerseits ablchnen. Man wefft jetzt auf -die Tatsache hin, daß für die verhängnisvolle Fahrt der „Tubantia" zwar Angehörigen anderer Staaten Pässe ausgestellt worden sind, aber unter den zahlreichen Passagieren sich kein Engländer befand. Die zur Untersuchung der ungeklärten Ursache beauftragten Taucher haben bereits festgestellt, daß das lSchfff ans der Seite liegt. Die Untersuchung ist schwierig, da die Explosion am Kohlenbunker statffand. — Die „Palembang" ist wie jetzt angenommen wird, aiff eine Mine gestoßen.
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Die UsBootsfrage im Reichstag.
Die Kanzlcrrcde am Ende der Woche bevorstehend.
tu Berlin, 21. März. (Eig. Meldung. Zens. Bln.) Die Anträge der Konservativen und Nationalliberalen über den U-Bootskrieg dürften, wie man in parlamentarischen Kreisen annimmt, hauptsächlich den Anlaß zu einer Aussprache geben. In diesem Sinn dürste nun auch noch die fortschrittliche Volkspartei im Reichstag einen Antrag einbringen, über den in der Fraktionssihung heute abend beschlossen werden wird. Noch steht nicht fest, ob die Anträge überhaupt eine Abstimmung herbeiführen werden. Abgesehen von den Bestimmungen der Geschäftsordnung, über die Abg. Gothein ein Fachurteil abgegeben hat, lassen es wohl auch politische Erwägungen den konservativen und nationalliberalen Antragstellern wenig wünschenswert erscheinen, es einer Abstimmung zuzutreiben, die vorläufig ausschließlich eine Mehrheit für den Zentrumsantrag ergeben würde. Mit diesem Zentrumsantrag schon könnte sich die Negierung einverstanden erklären, da ihre sämtlichen Mitteilungen über den lü-Bootskrieg sich mit den vom ZentrmH
