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Verlag Langgaffe 21

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Montag, 20. März I4IS.

Kbend-klusgabe.

Nr. 134. . 64. Jahrgang.

Oer Nrieg.

Oie Lage im Westen.

Der Orden Pour le m^r-ite sür zwei Offiziere der 24er.

W. T.-B. Magdeburg, 20. März. (Nichtamtlich) Wie die „Mogdeb. Ztg." nveldet, verlieh der Kaiser dem Ha.uptmonii Haupt und dem Oberleutnant v. Brandts vom Jnsan- terie-Rsgiment Großherzog Fttsdrich Franz van Mecklenüurg- Schlwerin (4. Bomdenb.) Nr. 24, die mit ihren Kompagnien als e r st e in das Fort D o u a u m o n t eindrangen, den Orden Pour le merite.

Ein neutrales Urteil über das durch unsere Offensive vor Verdun schon Erreichte.

Das „rumänische Rätsel".

Bern, 20. März. (Zeus. Bin.) Der militärische Mitarbeiter des „Bund" stellt fest, daß die deutsche Ossensive vor Verdun bis heute zwei Ergebnisse erzielt hat: Die Lähmung

Verduns als Ausfallstellung und oie Durchkreuzung der französischen Generaloffensive, für die voraussichtlich erst wieder neue Truppen und Munition fercitgestellt und neue Entwürfe gefertigt werden müßten. In welchem Umfang das nach den Verduner Verlusten möglich sein werde, entziehe sich der Berechnung, doch möchte der Kritiker des „Bund" an­nehmen, daß die im Pariser Lager und im Raume von Mont- dldier zusammengez-ogenen französischen Streitkrüste teilwene schon bei Verdun im Feuer stehen und daß auch im Raume von Reims eine gewisse „Dcgarnierung" der französischen Front erfolgt ist, abgesehen von der Verschiebung aus der allen Grundlinie Belfort-Toul. Wenn sich eine wirtliche Ent­lastungsoffensive der Entente auf den anderen Fronten noch nicht geltend gemacht habe, so könne man sich fragen, ob nicht bei de»" italienischen Jwnzaoffensive, bei den Vorbereitungen der Russen und bei dem Beharren der eng. lisch-franzöftschen Expeditionsarmee in Saloniki nicht doch noch bestimmte Hoffnungen auf weitere Veränderung der Balkanverhältnisse mitsprächen. „Noch ist das rumänische Rätsel nicht gelöst."

Der Heeresdienstbefreiungsprrozeß.

W. T.-B. Paris, 20. März (Nichtamtlich.) Im Prozeß wegen betrügerischer Befreiung vom Heeresdienst gegen Lom­bard und Genossen sind 47 Personen angetlagt, darunter mehrere Zivil- und Militärärzte. Ter Prozeß be- gini.t am 80. Marz.

Die interparlamentarische Handelskonferenz

W. T.-B. Paris, 20. März. (Nichtamtlich.) Auf Wunsch des Präsidenten des italienischen und des russischen parlamen­tarischen Handelsausschusses ist die internationale parlamen- larische Hn-Delökonserenz mit Zustimmung Poincarös auf die Zeit vom 24. bis 27. Apvil verschoben worden.

Generalgouverneur Zrhr. v. Bissing an den Hetzkardinal Mereier. Eine scharfe Abrechnung und ernste Warnung.

Die Antwort auf den Fastenhirtenbrief.

W. T.-B. Brüssel, 20. März. (Nichtamtlich.) Auf den in den Kirchen der Erzdiözese Mechcln verlesenen F a st e n - Hirtenbrief des Kardinals Mcrcier hat der Herr Gene­ral,ouverneur unter dem 15. März ein Schreiben an Seine Eminenz gerichtet. Das Schreiben ist gestern in Brüssel ver­öffentlicht worden und lautet wie folgt:

Eurer Eminenz bringe ich das Folgende zur Kenntnis: Von hoher Stelle, die in erster Linie zur Wahrung der Interessen der katholischen Kirche berufen ist, ist mir wiederholt auf das bestimmteste bedeutet worden, Eure Eminenz würden nach ihrer Rückkehr von Rom volle Mäßigung bewahren. Ich durfte mich also der Er­wartung hingeben, daß Eure Eminenz sich der Kund­gebungen enthalten würden, welche die Gemüter der leicht erregbaren Bevölkerung Belgiens immer wieder in Ver­wirrung setzen. Aus diesem Grund hatte ich auch davon ab­gesehen, eine Auseinandersetzung mit Eurer Eminenz über die an Ihre Reise sich anknüpfenden Vorkomm­nisse herbeizuführen. Ich meine nämlich den Kollektiv- b r i e f der belgischen Bischöfe und die mißbräuchliche politische Ausnutzung des freien Geleites, wel­ches der heilige Vater Eurer Eminenz zu rein kirch- l i ch e m Zweck für die Fahrt zu ihm erwirkt hatte. Mit Ahrem neuen Hirtenbrief haben Eure Eminenz den von be­rufenster Seite gegebenen Versicherungen nicht nur nicht entsprochen, sondern Ihr Verhältnis zur okkupie- rrndcn Macht aufs neue verschärft. Es kann selbstver- ftäiidlich nicht der geringste Zweifel bestehen, daß ich Eure Eminenz niemals hindern würde, den Gläubigen das zu übermitteln, was der heilige Vater durch Ihren Mund ün ihrer Kenntnis bringen läßt. Aber darüber hinaus er­sehen sich Eure Eminenz in Hirtenbriefen in rein politi­schen Erörter»mgen, wogegen ich entschieden Verwah­rung einlcge. Dabei muß ich es geradezu als unver­antwortlich bezeichnen, wenn Eure Eminenz in einer den Tatsachen offen widersprechenden Weise u n - gründete Hoffnungen auf den Krieasausgang erwecken.

So erwähnen Eure Eminenz, um Ihre Behauptungen zu stützen, ungenaue Äußerungen von Persönlichkeiten, die den Ereignissen völlig fern stehen und sicherlich nicht als Sachver­ständige gelten können. An einer Stelle suchen Sie damit zu wirken, daß Sie von der Möglichkeit sprechen, die Ihnen er­wünschte Entscheidung könne von der Verbreitung an­steckender Krankheiten erhofft werden. Mit solchen Willkürlichkeitcn versetzen Eure Eminenz die leichtgläubige Bevölkerung in schädliche Aufregung und bringen sie dazu, der Berwaltungstätigkeit der Okkupanten aktiv ober passiv Widerstand entgegenzusetzen.

Als besonders unzulässig hervorheben muß ich aus Ihrem Hirtenbrief noch die Anspielung auf eine Be­drohung der religiösen Freiheit der Bevölkerung im besetzten Gebiet. Eure Eminenz wissen am besten, wie völlig ungerechtfertigt diese Verdächtigung ist.

Unter diesen Umständen werde ich entgegen meiner bisher geübten Langmut nunmehr jede im Schutz der Kultusfreiheit betriebene politische Betätigung und Schürung feindseliger Gesinnung gegen die völkerrecht­lich legitime Autorität der okkupierenden Macht unnachsichtlich verfolgen, wie ich es pflicht­gemäß auf Grund meiner Verordnungen und in Erfüllung meiner Aufgaben tun muß. Wenn ich bisher Verstöße von Geistlichen Eurer Eminenz auf dem Weg der kirchlichen Disziplin übermittelte, so muß ich jetzt ein- für allemal davon Abstand nehmen, denn Eure Eminenz selbst geben das Beispiel der Unbotmätzigkcit und infolgedessen ist von Ihrer Einwirkung keinerlei Erfolg mehr zu erwarten. Ich muß sogar mrhr und mehr Eurer Eminenz die mora­lische Verantwortung dafür znschreiben, daß soviele Geistliche sich z» bedauerlichen Vergehungen Hinreißen lasten und sich teils schwere Strafen zuziehen. Eure Eminenz werden mir wieder entgegnen wollen, daß ich die einzelnen Ausführungen deS Hirtenbriefs mißverstanden oder ihnen eine Auslegung gegeben hätte, welche nicht in Ihrem Sinn war. Da derartige Auseinandersetzungen keinerlei Früchte tragen, bin ich nicht mehr gewillt, sie aufs n e u e st a t t f i n d e n z « I a f f e n. Ich bin vielmehr f e st entschlossen, in Zukunft nicht mehr zu dulden, baß Eure Eminenz unter Mißbrauch Ihres hohen Amts und der Ihrem kirchlichen Kleid schuldigen Ehrerbietung eine politische Aufreizung betreiben, für welche jeder einfache Bürger zur gerichtlichen Verant­wortung gezogen werden würde. Ich warne Eure Eminenz, nicht mehr mit politischer Betätigung hervorzutrctcn.

Genehmigen Eure Eminenz den Ausdruck ausgezeichneter Hochachtung.

Freiherr v. B i s s i n g, Generalgouverneur. Seiner Eminenz Herrn Kardinal Mereier,

Erzbischof von Mecheln,

in Mecheln.

Nampfe.

0 Berlin, 18. März.

Eine bewegte Zeit schwerer Kämpfe steht im Reichstag bevor. Es hat keinen Sinn, sich darüber hin­wegtäuschen zu wollen, wir wissen ja alle, daß das Baro­meter auf Sturm stützt. Die drei im Reichstag ein- gcbrachten Anträge wenden sich mit scharfer Spitze gegen die Form, in welcher nach den Entschließungen der obersten Heeresleitung im Einverständnis mit der poli­tischen Reichsleitung der Seehandelskrieg jetzt geführt wird. Die drei Anträge richten sich an den Reichskanzler, und sie können sich selbstverständlich nur an ihn richten, weil er allein die verfassungsmäßige Verantwortung trägt und weil sich für den Reichstag kerne Handhabe bietet, sich in irgendwelche Beziehung zur obersten Kominandogewalt zu setzen. Aber wenn durch die Anträge Herr v. Beth mann-Hollweg auf eine ihm vorgezeichnete Bahn gebracht werden soll, so beruht es in der unlösbaren Gemeinsamkeit der Spitze unserer verfassungsmäßigen Zustände, daß Wünsche und Be­schwerden, mit denen der Reichskanzler besaßt wird, zu­gleich an den Kaiser gehen und auf ihn dahin wir- ken wollen, daß er der Heeresleitung Richtlinien im Sinne der Antragsteller gebe. Man erkennt somit sehr bald, welche weittragenden Folgen das Vor­gehen der beantragenden Fraktionen nicht bloß haben kann, sondern unausweichlich haben muß. Es ist zu be­rücksichtigen, daß der Reichstag entweder einen der ein- gcbrachten Anträge oder einen vierten von vermitteln- der Natur annchmen wird, der allen drei Parteien als gemeinsamer Ausdruck Lessen recht sein wird, was sie zunächst getrennt vorgebracht haben. Ter sicher zu er­wartende Mehrheitsbeschluß wird hiernach eine K u ndgebung des Mißtrauens gegen den Reichskanzler bedeuten, und wenn wir die Formen Hüt­ten, in denen sich in anderen Staaten solche Ereignisse abspielen und weiterwirkcn, so würde sich der Kanzler genötigt sehen, den Kaiser um seine Entlassung zu bit­ten. Das wird nun zwar nicht geschehen, und die An­tragsteller selbst wenden es nicht wollen, aber selbst wenn sic es wollten, würde es darum nicht geschehen, weil es lvls eine Gewißheit hingestellt werden kann, daß die

Reichstags Mehrheit vor einer geschlossenen Re- gierungssront steht. Jeder, >der Bescheid weiß, ist seit langer Zeit darüber unterrichtet, daß die politi­sche und die militärische Leitung der Reichsgeschicke in den Fragen, aus welche jetzt im Reichstage Einfluß ge­wonnen wenden soll, .vollkommen einig sind. So kann man bereits der Frage begegnen, wohin es führen würde, weün zu anderer Zeit vielleicht beantragt würde, im Osten wieder anzugreifen oder das Unter­nehmen bei Verdun abzubrechen oder nach dem Suezkanal zu marschieren oder sonst irgend etwas zu unternchmen oder zu unterlassen, worüber zu be- stimmen einzig Pflicht und Recht der obersten Heeresleitung bleibt, und zwar im Rahmen der durch die gesamte Leitung der Reichspolitik gebotenen Fühlungnahine bei den politisch verantwortlichen Stel­len. Darüber andererseits braucht man nicht erst zu sprechen, daß die Antragsteller aus heißem Herzen mit gerechtem Zorn über die Niedertracht unserer Feinde, mit berechtigtem Vertrauen aus die Gewalt unserer See streitkrüste ihre For­derungen erheben und daß sie damit Millionen und Abermillionen von guten Deutschen aus der Seele sprechen. Mer kann es Wohl einen ver­ständig betrachtenden Menschen geben, der es, wenn er sich von der Beirrung durch seinen Unwillen befrett hat, für denkbar hielte, daß die Männer, denen die ent­scheidenden Entschlüsse Miegen, anders onrp'siuden und wohl gar der Zaghaftigkeit verfallen sind? Das Ziel ist allen Deutschen gemeinsam, über die Wege zum Ziele kann man wohl, Gesühlsnrteile haben, die gewiß auch nicht wertlos sind, aber ein Urteil, das ge­wissenhaft vertreten werden kann und dem die ans- sührende Tat wlgen soll, muß doch immer auf Wirklich­keiten beruhen, zu denen nur die Träger der Ver­antwortung einen Zugang haben. Inzwischen sehen wir freilich nur, daß sich unwillkommene Dinge vorbereiten, und wir sehen nicht, wie ihnen noch vorgebeugt werden kann. Wir haben mit Stimmungen zu rechnen, deren Stärke abzuleugnen, verkehrt wäre. Als am Freitag im Abgeordnetenhause der Zentrums- albgeordnete Heß seine Ironie über die „starken Männer" ausgoß, von deren Vorhandensein uns soeben eine offiziöse Erklärung in der „Bayerischen Staats- zeitung" Kenntnis gegeben habe, wurden-mit dem Zen- trum auch die Konservativen sehr lebendig, sie sen­deten dem Redner Dank mit der Bekundung großer Heiterkeit, und sie waren offenbar entzückt, Äs Herr Heß, um nur ja richtig verstanden zu werden, hinzu- sügte, die größte Ehrenhaftigkeit genüge bei einem Staatsmanne nicht, wenn sie nicht gepaart sei mit k l u g e r U m s i ch t. So hat denn der ReichÄamz- Icr von diesen beiden Parteien etwas verfrüht seine Osterzensur erhalten, und man kann erwarten, daß manche Rede im Reichstag demnächst aus denselben Ton gestimmt sein wird. Unsere Feinde werden Augen machen. Solches Schauspiel ist ihnen während des Krieges noch nicht geboten worden und wenn sie auch nicht alles in diesem eigentümlichen Drama ver­stehen werden, wenn sie vor allem gründlich irrc- g eh e n werden mit der Vermutung, daß irgendwo eine mattere Kriegführung empfohlen 'werden könnte, so wird der Eindruck darum im ganzen nicht falsch zu sein brauchen. Aber davon zu reden, bleibt noch Zeit, wenn die Verhandlungen im Reichstag vorüber sein wer­den. Der Zustand, der «durch die drei Anträge geschaffen worden ist. wird es nun wohl mitbringen «müssen, daß der Reichskanzler vielleicht deutlicher, als es bisher möglich war, die Gründe wenigstens berührt, aus denen die Führung des Seebandelskrieges in einer. Richtung verläuft, von der die beantragenden Parteien behaup­ten, sie reiche nicht hin. Der Kanzler wird nicht alles sagen können, selbstverständlich nicht, aber wenn er für sich und für die oberste Heeresleitung, wozu er ein gutes Recht hat, Vertrauen beansprucht, dann kann er beiden Stellen mit etwas mchr Deut­lichkeit nur nützen.

* * *

Noch einmal die schweren Bedenken des bayerischen Neqiernnlssorgans zu den Anträgen.

W. T.-B. München, 19. März. (Nichtamtlich.) Die „Bayerische Staatszeitung" schreibt zu den in der Frage des Unterseebootskcieges von der konservativen und einen: Teil der nationalliberalen Partei beim Reichstag eingebrachten Anträgen: Daß diese Anträge einen Ein­griff in die Kommandogewa.lt daxstellen, wie man ihn bisher nie für möglich gehalten hätte, darüber läßt die Fassung keinen Zweifel. Die Frage der Ver­wendung der Unterseeboote im Seekrieg muß in erster Linie, ebenso wie zum Beispiel die Verwendung der schweren Artillerie des Feldheeres, als eine der wichtigsten Entscheidungen militärischer Art ange­sehen werden und entzieht sich daher unter allen Um­ständen der Mitwirkung des Reichstages. Nachdem