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iE ^ y:gi Mrgen-Veilage des Wiesbadener Lagblatts. ee=^i

Hr, 59. Kreilag» 10. Mürz. 1916.

(5. Fortsetzung.)

§intje.

Cint ErzShkung aus dem allen Brüssel von Klara Hohrakff.

lRachdruck Verbote«.!

Wie böse die Here war! Nun drohte sie gar dem lieben Gott. Sie wäre imstande und klopfte den lieben Gott mit ihrer Gerte auf den Kopf, wenn der emimal tarn Himmel hernnterkäme, philosophierte Fintje. Mer fetzt? Das klang wie Schluchzen! Die arme ^ Groß­mutter, sie weinte wohl, weil sie nur so traurige Ge­schichten wußte. Nun listen ihr sicher die Tränen aiis den roten Augen iloer all die Runzeln hm über die Nacken, eher Hinsehen mochte sie doch nicht, «das war vor­hin ein gar zu grausiger Anblick gewesen, lind so lange Llieb's still!

Großmutter du warnim hast du selbst doch einen Mann genommen, wo es deiner Mutter und deinen kleinen Schwestern so schlecht gegangen ist?"

Der meine hat nicht getrunken. Er saß gern da- lbeiim des Abends. Er brachte mir alles Getd, das er in «der Fabrik aus-bezrihlt kam, und ich verdiente auch dazu- So konnten wir eiidlich «das kleine Haus kaufen, «das, was sie mir eingerissen haben! Aber er war schwach ans der Brust, -nein fleißiger, stiller Mann, -die Luft in der Fabrik vergiftete ihm tarnten die Lungen. Als er starb, war m»ein Truitje erst sieben Jahre gilt. Lange Zeit halbe rch mach g-obangt, das Kind Ahütte die böse Krarrkhoit auch im Blut. Aber cs war ein fröhliches, leichtfüßiges Düng, das Truitje. Kaum hatte es die Kinderschuhe ausgetreten, da sprach es auch schon tarnt. Heiraten.

Laß den leichtsinnigen Jungen laufen", «Hab ich ihr geraten, sie aber wollte aus nichts hören. Sterben wollte sie, wenn der junge d'el Trap nicht ihr Mann würde. Ta Hab ich ihnen die Hochzeit gegeben.

Ging da ein Wirtschaften an! Ten Alten, den Jaikke, nahmen sie gleich All sich, der war auch nicht besser, kindisch »oaren sie alle drei. Er, der Junge, war Zimmer- uialer. Arrf Wände und Decken «utete er krause Schnör­kel. Er lind das Truitje hatten ihre Frou-de au dam Lunten Zeug. Und tvo es lustig herging, wo Musik spielte, wo cs etwas zu tahen gab, da traf man sie ge­wiß, die Leiden Jungen nsit denk Alten, und konnte sie lachen hören und tanzen sichen. Sie ,waren wie die Kinder. Alles Eilend um sie her focht sie nichts an, sie sahen und hörten es nicht. Sie lachten und gaben Geld aus, solange sie welches hatten, icud hatten sie ketns mehr, lachten sie auch. Dabei steckte ihnen der Kopf voll dünkelhafter Ziikunstspläne.Wenn ich einmal meine großen Kircheubtlder malen werde!" sagte der junge d'öl Trap gern, und das Tricitje glaubte es ihm und war stolz ans ihren Maler. Aber eines Tages brachten sie ihn meinem lustigen Kinde tot ins Haus, in der Kirche war er vorn Gerüst gestürzt. Wie sie ihn hinein- trugen in seinem buntfleckigen Rtalerhsrnd, schlug LoS Truitje der Lange nach zu Baden. In der Nacht wurdest hu geboren. Fintje, und -bas Truitje starb. Der Me «ging hin Und ließ sich ins Greisenhospiz «aufnehmen, iwd haS Kind überließ er mir, es sei bei nur besser anf- hehohen, meinte er. Jawohl, ich hatte jg Mung darin! Marten, sorgen und hüten, und dann Laschen, wie das

Kind, das einem lieb geroorÄen ist, zugrunde geht, da< war ja von jung auf mein Lobensberuf. Mer nun war rch alt. Sollte ich sin Alter auch noch ilicht zu,r Ruh« kommen? Was blieb mir anderes übrig? Da tage:» di« jungen kindischen Eltern tot nebeneinander, und du schriest nach Stahrung und Pflege"

Und «da hast dn ,nich zu dir genommen, Groß« mutter!"

Fintje hatte nun alles Grauen vor der Hexe der» wren. Sie kam vom. Tische herü-bergchuscht -und streichelte ihr schüchtern die runzligen Hände.

Ich will's nicht machen wie die kleinen Schlvestern, Großmutter, gewiß nicht, gar keinen Kummer werde ich trr -machen, wenn ich groß bin. Und stolz sollst dn auf -mich werden, o, so stolz, so stolz! Warte nur, warte nur, wenn ich einmal groß bin, da sollst du aber noch fröh­lich werden, Großmutter, o. und so schön sollst du es haben!"

.Wenn du groß bist? Wenn du groß bist, gcht's dir wre den anderen. Du hast die Lustigkeit von meinem Truitje und den Eigendünkel und die Vergnügungssucht von den d'el Trap, dazu von mir noch das heftige Emp­finden, wie sollte es dir da Wahl anders gehen? Aber es ist noch lange hin, bis du groß bist. Kind! So lange, daß es mich drückt, hier aus der Brust wie ein Alp, dis böse Angst: Kannst dn aus deinem Posten aushalten, lbrs das Kind stäkst für sich sorgen kann? Werden dir nicht bald die Hände zittern und die Augen trüb wer­den, daß dn deines Amtes im Pouchenellekeller nicht «mehr poaltcn kannst? Tann aber hat das Fintje kein Heim mehr und wird es hart empfinden, denn es hat sich gewohnt, dieses Haus wie ein rechtmäßiges Heim anzusehen, und vergißt, daß cs nur aus Freundlichkeit geduldet wird und aus nichts ein Recht «hat. Ein Recht ans nichts."

«Großmutter, meine alle Großmutter, sorg' dich doch sticht!, Wenn deine Häuüe zittrig werden, dann nehme ich deine Gerte, und du «brauchst bloß zuztrschen, dann verwalte ich das Amt, und du «darfst bei mir wohne:» bleiben."

Die Me schüttelte den Kopf. Ein Zucken, das ein Lächeln bedeuten wollte, ging durch die verwitterten Züge. Sie nahm die glatte braune Kinderhand, die sich zutraute, die Rute im Pouchenellekeller zu führen, zwi- scheu ihre harten Hände.

Dir gehorchen sie nicht, Fintje, dn bist nicht ge­schaffen, Ruhe und Ordnung aufrecht zu halten, du flößt nicht Respekt noch Grauen ein, du glatthäutiges, junges * Geschöpf. Nein, aushailten m« ich, aushalten!"

-Das Fintje braucht nicht betteln zu gehen, niemals! ES kann immer hier im Hause bleiben."

Das tour die schüchterne Stinmie Oamkes, die da hinterm Tisch laut wurde.

. Aber die Alte legte kein Gewicht aus seine Worte,, mSie hat aus nichts ein Recht", beharrte sie, ?