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des Wiesbadener Tagblattr. ->

kl Fortsetzung.)

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Sintje.

Erzählung «US dem alten Brüssel t>on Klar« Hohratff.

lRachdruck verböte«.!

Brüssel, das neue, vornehme, das mag sich brüsten Mit -seinem Justizpalast, uns Marolliens aber ist er ein böses Gesicht. Wir haben einen Fußtritt -bekommen, Len mir nicht verwinden werden. Ich weiß die Zeit noch, da wir stolz waren, Marolliens zu sein. Heute sind wir sehr klein geworden, sehr kleinI Aber das kümmert euch Kinder nicht, ihr habt die alten Zeiten nicht -gekannt. Ihr fühlt nichts und denkt nichts, euch brennt's nicht im Herzen wie mir, das Damalige, das Bergan genel"

Der Knabe hinter dem Lisch legte seine Arbeit nie­der, seine olaßblauen Augen glühten.Doch, doch", sagte er,mich kümmert's. Wenn ich meine Stücke schreibe, sollen sie in der alten Zelt spielen, ehe der Justizpalast stand, als die Herzogin von Arenberg mi­die Grasen von Merode noch zwischen uns wohnten, und alle Leute sollen da -hören, wie es damals so anders war bei den Marolies, so ganz -anders, so viel schönerI"

Die Hexe schüttete den Kops, als gebe sie wenig auf die Versprechungen des Knaben. Sie hockte etwas ab­seits von: Tisch auf dem dreideini-gen Schemel. Der Schirm der Lampe warf -einen grünen Schein ailf ihr grotesk häßliches Gesicht, aus dein die rotumränderten Augen scheel und böse schauten. So bot sie einen An­blick dar, der wohl geeignet war, abergläubische Hexen- furcht wachzurufen, die beiden Kinder aber waren längst an ihre abstoßende HatzSchkmt und an ihre sibyllenhaste Art des Erzählens gewöhnt.

Weiter, Großmutter, das Mar der Justizpalast, aber nun -von dir und den kleinen Schwestern! Bon dir selber, Großmutter, wie du noch jung warst!"

Nun lachte die Alte aus heiserer Kehle, indem sie den Oberkörper dazu wie im Schmerz hin und her wiegte.

Wie ich jung -Marl Jawohl, jung bin ich gewesen! Und Eltern habe ich gehabt. Euren Vater! Und was für -einen Vater! Und eine Mutter. Ja. Verhauen und mißhandelt hat er sie, jedesmal, wenn er besoffen heimkam, und besoffen kam er immer heim. Mich schlug und stteß er auch, nur die zwei Kleinen nicht, denn die steckten wir weg, wenn wir ihn kommen hörten, Mutter und ich. Ich war die Atteste. Mutter war eilt schwaches Weib. Eines Nachts ist sie weg-gestorben, verlöscht wie ein Licht. Ich mar die Mteste, zwölf Jahre war ich alt; fch Hobe die,zwci Kleinen an die Hand genommen und bin aufs Polizeibureau gegangen und Hab« sie gebeten, Vater wegzunebmsn wegen -der Kleinen, -bannt er sie nicht zuschailden schlüge. Allein wolle ich wohl für die Kinder sorgen, wenn sie mir nur d«r Vater vom Halse hielten, so sagte ich ihnen. Sie aber fragten mich, ob denn Vater und Mutter nach dem Gesetz grtvaick wor­den seien. Ja, das waren sie, im Rathaus sowohl wie in der Ealise de -kt Cha-pelle.Ja, dann hat euer Vater Dtacht -über euch, dann macht, daß ihr hsmikommt", sagten sie.

Aber er hat Mutter -geschlagen, bis sie gestorben ist", sagte ich.

Da -fragten sie:Ist sie an -seinen Schlägen ge« siorben?

Nein, am Kummer", sagte ich.

Als eure Mutter euern Vater heiratete, stellte si< ßch freiwillig unter seine Macht", erklärten sie mir, aber ra) wollte -mich nicht zufrieden geben.Mer nun wird er die Kleinen schlagen!"

Der Vater hat Gewalt über seine Kinder", sagten sie wt-sder.Wenn er einem von euch aber einen ernst­lichen körperlichen Schaden zn-fügt, könnt ihr wiader- rommen und Klage gegen ihn einreichen."

Dazu wivd's dann zu spät sein; wenn er die Kleinen zu -fassen bekommt, bringt er sie um", galb ich ihnen zur Antwort, und weil ich so häßlich war rind noch so klein und so frech dazu, «lachten sie und schüttelten die Köpfe über inich. Dann wiesen sie einen Schutzmann an, uns nach Hairse zu bringen und dem Vater eine iMahnung zu erteilen, uns gilt zn behandeln. Ich ober wußte wohl: Nachher, wenn der Schutzmann wieder aus dem Hause ist, -bringt dich der Vater uni und dann hoben die Kleinen niemand in ehr. Denn ich war die Atteste.

. Aber der Vater ivar nicht zn Hanse und kam nicht heim die ganze Nacht. Der Schutzmann hat lange bei uns in der Stube gesessen und ans ihn gewartet, und öie .Kleinen haben mit den blanken Knöpfen an seinem Nock gespielt, und dann ist er gegangen und hat ver­sprochen, am nächsten Tage wisderzukommen. Das hat der liebe Gott extra so eingerichtet wegen der Kleinen, dachte ich, denn -damals glaubte ich noch, der Herrgott habe ein sroundliches Auge über die Schwachen und die Wehrlosen. Ich habe dsnn die Schwestern an der Hand genoinnien uiid bin niit ihnen davon gegangen. Weit, weic hatten wir zu gehen, denn ich wollte bis ans an- dere Ende von Brüssel, um mir dort einen Dienst o-der eine Anstellung in einer Fabrik zn suchen. Me Kleinen waren das Gehen nicht gewöhnt, ich mußte eins ums andere tragen und schleppen.

Ich habe eine Stelle gefunden und habe die Kinder zu einer Frau in Kost und Logis gegeben. Viel konnte ich der nicht zahlen, aber gerade g»nuq, daß sie nicht zu hungern brauchten. Sie haben cs nicht allzu schlecht ge- habt, die Kleinen. Des Sonntags habe ich sie ge- was,hon und spazieren geführt auf der Verte Allere, sie waren beide schöne Kinder, ich war Niächtig stolz auf sie. In unser Viertel habe ich sie nie gehen lassen, des Vaters wegen, sie hätten ihm begegnen können. Erst iiachdem wir erfahren Kotten, -datz er tot sei, sind wir dahin Uirnckgezogen. D»ter war in der Trunkenheit einen Diisrivagcn in -den Weg gelaufen und überfahren worden. Nun waren wir frei."

Die Hexe hielt inne. Sie saß da und starrte in eine Ecke der Stube, als lese sie dort ihre tragischen Ge- schichten ab, trnh rang wie gepeinigt die knöchernen Finger ineinander.

Großmutte: wie ging'S weiter Mt den kleinen Schwestern?