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Donttersiag f 9. März 1916.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 115. . 64. Jahrgang.

Der Krieg.

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht,

W. T.-B. Wie«, 8 . März. (Nichtamtlich.) Amtlich vcrlautct voni 8. März, mittags:.

Russischer Kriegsschauplatz.

An der Front der Armee des Generalobersten Erz. Herzog Joseph Ferdinand war auch gestern die Gesechts- tatigkeit zcitweÜig lebhafter. Sonst keine brsonde- ren Ereignisse.

Italienischer u. südöstlicher Kriegsschauplatz.

Es herrscht überall Ruhe.

Der Stellvertreter des Chefs des Geueralstabs: v. H ö f e r, Feldmarschallentnant.

Die vorjährige Lhampagneschlacht.

Von unserem militärischen Mitarbeiter.

Nicht fern von dem gegenwärtigen Kampfraum vor Verdun liegen die blutigen GostlLe der Cham­pagne , welche vor einem Jahre der Schauplatz eines vierwöchigen Ringens war und welcher nicht nur rämulich, sondern auch in der taktischen Auswirkung des schließftchen Enderfolges mit den Kämpfen ^dieser Tage in engster Ve-Ändung steht. Mit dem 10. März 1915 endete der erste gvcche Durchbruchs- v e r s u ch der Franzosen, welcher in der ChMUM-ne den ehernen deutschen Ring zersprengen imb den siegreichen französischen Heeren den Weg bis zum Rhein bahnen sollte.

Bereits im Dezember 1914 hatten die ersten Dturch- bl uchsoersuche begonnen, jedoch nur an einzelnen Stellen und in nicht so verftacrtam PLaße wie die, welche am 16. Februar 1916 einsetzten, An de» Masuri­schen . Seen hatte der ruffffche Bundesgenosse eine emp­findliche Niederlage erlitten: unter den schwersten Ver­lusten hatte die 10. rrrsMche Armee hinter die west- prlnischen Festungen zunitckw-ückon müssen und ließ mehr als 100 000 Gefangene und reiches Kriegs- material in der Hand des Negers. Dem Ruf nach Entlastung folgend unternahm General Jaffr-e den großen Offensivstotz zwischen Argonnen und Reims, erschütterte aber auch noch cm anderen Punkten die deutschen Linien. Bei Apern zeigten sich die Eng­länder rege; auf der Loretto-Höhe und südlich bei Arras versuchten die Franzosen den freien Weg nach Lille zu erhallen. In den Argonnen lowie östlich da­von fänden heftige, französische Teilangrffffe statt und ebenso blieb der Feind auch zwischen Maas und Mosel, in dem Kcrmpfgelände der gegenwärtigen Arge, nicht untätig. An der Lothringer Front vis zu den Kuppen und Schluchten der Vogesen verspürte man seine Vor­stöße, aber mit größter Gewalt setzte er doch in der Champagne ein, mit dem Ziele den nördlich dieser Front gelegenen Ort Vnuziers zu gewinnen. Die Kräffe waren stark, die Artilleriemassen gewaltig, der Mut und die Ausdauer unseres Feindes höchster Achtung wert. Doch selbst das heftigste Trommel- lener, welches damals zum ersten Male in ausgiebigem Maße von unserem Feinde benutzt wunde, ließ die Itmcfercn Rheinländer, die hier kämpften, nicht ins Wanken geraten. Fielen auch bisweilen im Verlauf von vierund«wan-ig Stunden mehr als 100000 -Schuß aiff ihre Gräben hernieder, wurde auch der Schilamml- und Krsideboden der Champagne tief aufgewühlt, an d<m festen Willen zum Turchhalten, cm dem uner­schütterlichen Mute der Verteidiger brachem sich immer wieider die französischen Angriffswellen. Drangen auch an einzelnen Stellen die starken Angrfffskolonnen an rne.hreren Punkten in die vordersten" Gräben ein, dann krochen die unermüdlichen Verteidiger aus den Trümmern hervor, mit Kolben und Beil, mit Hand- granate und Messer wurden hie Eindringlinge wieder zurückgejagt. Den Höhepunkt erreichte die Cham- vagneschlacht in den Tagen des 23. Februar, als die Franzosen zwei ganze Divisionen in dem Raum -bei Perthes zum Nurm anietzten. Aber auch die Rhein­länder -hatten Verstärkung durch Stammesbrüder an- -derer Gaue, erhalten: Schlesier nnd Bramidenbuvger,

lsochien^ Hessen und Braunschwoiger kämpften hier mit ihnen Schulter cm Schulter und wetteiferten aegen- feilig in Heldemnut und Standhaftigkeit. An der Wende zwischen Februar und März wurde die Höhe 196 nördlich L e s M e n i I e § zum Brennpunkt des .Kampfes. a.re franzoiiMe Heeresleitung wollte diese Höhe unge­achtet aller Opfer in ihr? Hand bringen. Dem -Haupt­stoß mußte hier die preußisch-? Garde und -das sächsische Relerve-ReWment 133 ausyaftan. So mußte trotz ollem Schneid. trotz anerkennensiverter Todesver- achtung der Femd in seine Ausgangsstellungen zurück. Dre granatdurchfurchte mrd von Heldenülut getränkte Höhe 196 blteben m deutscher Hand. "

Mit hem 10. März war die blutige Chompag-ne- schlacht in ihrer Hauptsache zum Abschluß gebracht. Ter ruhmreiche Ausgang der Masurenschlacht hatte be­wiesen, daß der deutsche Arm auch im Westen unge- schwächt geblieben war. Der Durchbruchsvepsuch war als gescheitert anzusehen. Trotzdem ihre Deut­schen sich in der Verteidigung befanden, waren 2450 Gefangene in unserer Hand geblieben. Die feind­liche Einbuße betrug mindestens 45 000 Menschen an Totem und Veiwundeten, während die deutsche Cham- pagnefromt, abgesehen von kleinen Einbuchtungen und verhältnismäßig geringen Opfern an Menschenleben, tesl nnd unerschuttert dastand. Dies danken wir vor allem dem Generaloberst v. Einem und seinen Unter- führen, der Todesverachtung, der Ausdauer, der Vater­landsliebe und nicht zuletzt der strengen Disziplin in den Kampftruppen. Militärisch bedeutete -die Winter- Champagneschlacht den ersten großen Sieg eines Heeres in der Defensive, und zeigte, daß ein Verteidiger dann unüberwindlich ist, wenn sein Feüevgeist trotz Übermacht und rasendem Feuer nicht erlischt.

Wenn wir jetzt daher vor Verdun nicht minder glorreiche Erfolge s-shen, so dürfen wir nicht vergessen, daß die tapferen Champagnekämpser es waren, welche unsere Stellungen -auch hier uneinnchnchar machten und welche unserer obersten Heeresleitung für die gegenwärtigen Taten Zeit verschafften und Kräfte frei machten. Sv stehen die Kämpfe vor Verdun und die der -damaligen in der Champagne in enger Be­ziehung. Ohne jene Stege wären die Erfolge dieser Tage nicht zu erringen gewesen. Dessen soll die fetzige und spätere Generation stets eingedenk bleiben, dl.

*

Der erste Abschnitt der Kampfe vor Verdun.

Br. Berlin, 8 . März. (Eig. Drcchtb-richt. Jens. Bln) Der erste Mschnitt unseres Angriffs im Raume von Ve rdu n ist planmäßig beendet worden. Die Zweckmäßigkeit unseres Vorgehens bei Derdun, so schrSibt die „D. T.-Z.", w-irld all­mählich mcht rasr in der neutralen, sondern auch in der feindlichen Presse anerkannt, da die Vortvagning unserer Front gez>en Berdun- innerhalb des StellungSkompifes gegen einen durch d-c starre Festung geschützten Feind zu den schwie» rigsten Aufgaben dieses Krieges («hört hat. Es gelang trotz der schwierigsten Stellung unserer Truppen im Vorgessände der g-cwalti-gen Festung, allmählich selbst unr die Festung einen Gürtel zu ziehen, der sich an die Werke der Festung innig anschließt und nicht nur den Ostteil Verduns abschlletzt, son- dern sich auch Um die Noüdfront herum weiit nach Westen reichend schmiegt. Diese Unffrssung Verduns von zwei Seiten stellt einen ganz gewaltigen Erfolg dar, wie «r n,ur durch nachhaltige und siegreiche Überlegenheit von Truppen uich Führung nährend der letzten Kämpfe dieser Tage er­rungen werden konnte.

Der französische Tagesbericht über den Kampf bei Verdun.

W. T.-B. Paris, 8 . März. (Nichtamtlich. Drahtbericht. Agence Havas.) Der Feind zeigt noch immer auf dem lrnken MaaSufer den hartnäckigen Willen, unsere Linien zu durchbrechen. Heute wütete seine schwere Artillerie und seine Jnfanteriekämpfe verdoppel­ten sich zwischen Bethincourt und der Maas in dem großen Knie des Stroms nördlich Verdun. Die ganze Gegend ist überdies den deutschen Versuchen günstig, da das An­wachsen des Flusses an einzelnen Stellen 1000 Meter breit das Tal überschwemmt und unwegsam gemacht hat. Aus die- sem Grund mußten wir das Dorf F o r g e s aufgeben und in der Nacht auch den Hügel 2 6 5, um uns fest in zur Ver- teidigung mehr geeigneten Stellungen bei Mort Homme zu verschanzen, das noch immer den erbittertsten Stürmen Widerstand leistet. Östlich der Maas versuchte der Feind nach gewaltigen Artilleriekämpfen einen Handstreich gegen unsere Stellungen in der Gegend des Gehölzes von Hardoumont, doch ohne Erfolg. Im Woevre folgte dem Bombardement, das vor mehreren Tagen im Abschnitt von Fresnes, nicht weit von Eparges, begann, im Lauf des Tages ein starker Jnfanterieangriff, der dem Feind erlaubte, um den Preis mörderischer Opfer in das D o r f einzudringen. Das Interesse der Schlacht bleibt jedoch auf das linke Maas­ufer und den Maaswinkel nördlich Verdun konzentriert, wo die Deutschen ohne Zweifel die äußersten Anstrengungen un­ternehmen werden, die unsere tapferen Verteidiger wie die ftüheren zunichte zu machen wissen werden.

Ein Geständnis des Generals Verraux über die deutsche Front im Westen.

Lugano, 8 . März. (Jens. Bln.) Wie aus Paris ge­meldet wird, machte General Verraux im Verlaufe einer Unterredung das Zugeständnis, daß die Franzosen Heka­tomben opfern müßten, wenn sie sich gegen die deutschen Feld­befestigungen tverfen wollten. Selbst ein Effolg scheine dann als unwahrscheinlich.

Auch der „Temps" warnt seine Landsleute.

Br. Bern, 8 . März. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Der „Temps" schreibt: Es scheint, daß die deutsche Armee - bei Verduu neue Unteruehmungen plant. Die Hartnäckig.

keit der deutschen Armee, die in Szene gesetzten reichen Mittel, die zur Schau getragene Siegeszuversicht beweise, daß die Deutschen gewillt seien, nicht auf die Offensive zu verzichten.

ver Krieg gegen England.

Neue Kriegssteuern in England.

Rotterdam, 8 . März. (Zerts. Bln.) D'e „Daily Mail" kündigt die Besteuerung van Plakaten, Lustbarkeiten und Eisen!bahnfahrklLt.eN als bevorstehend Ml. — Nach dem „Daily Dolegraph" bereitet die englische Regierung einen Gasetzent- -Wurf vor, nach dem Soldaten m bedrängten Verhältnissen arujs 1<i-e Kriegsdauer Aufschub ihrer Vertragsverpflichtungen zu- gestanden werden kann. Eine offizielle Erklärung hierüber Werde im Unterhaus erfolgen. — Das englische Handels­ministerium und das Ministerium des Innern richteten eiine Aufforderung an die Arbeitgeber, die anregt, daß sie mehr als bisher Frauen in Dienst stellen.

Erneute Beschlagnahme der holländischen Post durch England.

W. T.-B. Haag, 8 . März. (Nichtamtlich.) Die Dampfer „Veedijk" und „Noordam" der Holland-Amerika-Linie muß­ten ihre Post in England ausschiffen.

Weshalb die englisch - französische Anleihe scheiterte.

Rotterdam, 8 . März. (Zens. Bln.) Wie holländische Bankkreise, die stets gute Fühlung mit London unterhalten, mitteilen, ist das Projekt der neuen großen englisch- französischen Anleihe in den Vereinigten Staaten, die 1 Milliarde Dollar betragen und abermals von der Morgangruppe übernommen werden sollte, vollständig ge­scheitert. Eine ganze Reihe von Ursachen hängt mit diesem Fehlschlag zusennmen. Einmal scheint die politische Stimmung in den Vereinigten Staaten wie auch die Stellungnahme des Kongresses gegenüber der stark englisch gefärbten rücksichtslosen Politik des Präsidenten Wilson eine gewisse Veränderung erfahren zu haben, und dies sowie die deutschen Erfolge bei Berdun und die Möglichkeit noch größe­rer Durchbruchsoperationen an anderen Stellen der französi­schen Front, scheint die amerikanischen Banker:, die an sich das Geschäft wohl gemacht hätten, zu der Ansicht geführt 31 t haben, daß zurzeit beim amerikanischen Publikum keine besondere Vorliebe für eine neue englisch-französische Anleihe vorhanden ist. Zwei Hauptfaktoren sind aber folgende: Das amerikanische Publikum hat mit der letzten Anleihe der Verbündeten hinsichtlich der Kursentwicklung schlechte Erfahrungen gemacht, und die englische Regierung Ija 4 (was ihr auch von amerikanischen Finanzblättern vorge- worsen wurde) nichts getan, um eine bessere Kursbehauptung dieser Anleihestücke zu gewährleisten. Ferner sind die ameri­kanischen Börsen wegen der Kriegsgefahr mit Deutschland in gedrückter Stimmung, zumal das fortge­setzte Abstoßen von in englischen und ftanzösischen Händen be­findlichen Wertpapieren die New Uorker Börse zurzeit reich­lich gesättigt hat. Dazu kommt noch, daß die amerikanischen Banken wegen, des noch größeren Risikos auch noch höhere Provision gefordert haben als bei der letzten Anleihe. AuS allen diesen Gründen sind die Verhandlungen bald auf einem völlig toten Punkt angelangt. Auch scheint die englische Re­gierung ihr Mißbehagen schlecht verhehlt zu haben, daß sie für die gemeinschaftliche Anleihe einen etwas höheren Zins­fuß bezahlen müßte, als wenn sie allein mit einer Anleihe auf dem amerikanischen Markt erschienen wäre, woraus zu fol­gern ist, daß sich bei England bereits eine gewisse Ermüdung bei der finanziellen Unterstützung seiner Verbündeten einzu­stellen beginnt. Jedenfalls sind die Verhandlungen abge­brochen. Die Regierungen Frankreichs und Englands haben nun gesondert Verhandlungen betreffs Aufnahme von Einzel­anleihen in den Vereinigten Staaten eingeleitet, die angeb­lich auch zum Ziel führen werden, jedoch nicht zu so großen Beträgen, wie man bei der geplanten Kollektivanleihe vorge­sehen hatte. Der Versuch einer solchen soll später, sofern die politischen und militärischen Aussichten für die Verbündeten etwas günstiger würden, nochrnals wieder ausgenommen werden.

Grey über den »Baralong"-Fall.

Die Vernichtung der „Arubic" und „Ruel".

W. T.-B. London, 8. Mär;. (Nichtamtlich. Reuter.) Die deutsche Regierung har am 15. Januar den Text einer Note veröffentlicht, worin G r e y s Vorschlag, so­wohl den Vorfall mit der „Aradic", der „Ruel", dem Unterseeboot. „E 13" und den „Vavalonq"-Lorchll dom Urteil eines Ausschusses von amerftanffchen Qf>ff- zieren zu unterloerfen, znrückgewiesen wind. In einem Weißblatt ist nun Greys Antwort von: 23. Februar ent- Mten. Grey behandelt hintereinander die drei zuerst genannten Fälle, die nach der deutschen Note genau untersucht worden sind. Auf Grund -dieser deutschen Untersuchung sind alle deutschen Offiziere von jedem Tadel sreigesprochen -worden. Grey nennt -die deuffch« Darstellung durchaus unwahr, und dafür seien ge- riügend Beweise tewohl von englischer wie van dänft lcher Seite vorhanden. Die eruMche Regierung HEs es stets für unmenschlich, öfter Kr gvaujam «L tu em*