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Dienstag, 7. März 1916. KbENd -KULgLlbL. Hr. 112. . 64. Jahrgang.
Der Krieg.
Der Krieg gegen England.
Der letzte Zeppelinangriff auf England.
Weitere gegnerische Eingeständnisse.
W. T.-B. London, 7. Mär,;. (Nichtamtlich.) Das Kriegs- amt teilt mit. daß, wie man glaubt, drei Zeppeline cm dem vorgestrigen Angriff auf England teilnahmen. Nachdem sie die Küste überflogen hatten, schlugen sie derschiodene Richtungen eiiin. Man hatte den Eindruck, daß sie offenbar im im klaren waren, wo sie sich befanden. Das heimgesuchte Gebiet war Uorkshire, Jncolnshrre, RutlanÄ, Huntington, Cam- bridgeshi-re, Norfolk, Effex und Kent. Im ganze:! sind ungefähr 49 Bomben abgeworfen und, so weit bekannt, drei Männer, vier Awaren und fünf Kinder getötet, 53 Personen verwundet worden. Ferner wurden zwei Housberrassen zerstört, em Bureau, ein Gasthaus, ein Kaffeehaus und ver- schtedene Läden teilweise zerstört und ein Block von Armenhäusern ernstlich beschädigt.
Selbst Schneegestöber kein Hindernis für unsere Marinc- lustschiffe.
kr. Rotterdam, 7. Rtärz. (Erg. Drohtbericht. Jens. Bln.) In England herr'cht ilberraschung daviDer, daß der letzte Zeppelinangriff bei ungünstiger Witterung — es n>ar Schneewettrc — erfolgte. Bisher war man in dem festen Glauben, Schneefall sei der sicherste Schutz gegen LmtangrUw. Die Zeitung „Star" betont, diese Annahme könne jetzt also nicht mehr auf- recht erhalten werden.
Ein englischer Torpedobootzerstörer gesunken.
Frankfurt a. M., 7. Mar;. (Zsnf. Frkft.) Der „Franks. Ztg." wird aus Amsterdam berichtet, daß in dortigen Schiff- fnhrtskreisen mit Bestimmtheit erzählt werde, daß vor ver Humbermündung der englische TorpedobootSzcrstörcr „M « r r a y" gesunken sei. 22 Mann der Besatzung seien ertrunken.
Die Beschlagnahme von Postsäcken«
Englands Antwort auf die amerikanische Rote.
W. T.-B. New Bark, 7. Mär;. (Nichtamtlich. Meldung des Privatberichierf^rtters des W. T.-B.) Ein TeLegramm aus Washington besagt, daß Englands Antwort ans die amerikanische Note, betreffend die Beschlagnahme der Po st sacke, daraus besteht, datz England di» freie Jurisdiktion über die in seinen Gewässern fahrende Post besitzt. In der Antwort wird Amerika diesen Ausspruch Englands bestreiten.
Die neuen englisch-amerikanischen Anleihe- Verhandlungen vor dem Abschluß.
Rotterdam, 7. März. (Jans. Bln.) „Daily Telegraph" hört aus New Jork, daß ein Abkominien über die Ausgabe einer neuen großen englischen Anleihe in dem Vereinigten Staaten kur; vor seinem Abschluß steht.
Fragen über die deutsche und englische Kriegsgefangenen fürsorge.
Rotterdam, 7. Marz. (Zeus. Bln.) ..Daily Expreß" meldet: Am Dienstag wird das Parlamentsmitglied Malcolm der Regierung folgende Fragen vorlegen: Wind der Ministerpräsident eine Kommission einsetzen, die zusammen imt den bisher in di ver Angelegenheit tätigen Körperschaften die Interessen der Kriegs- gefangenen oertreten toll? Wird dre Regierung ihre Zustimmung geben zu einer Zusammenkunft von Vertretern des englischen und deutschen Roten Kreuzes in einem neutralen Laude, um die Lage der Kriegsgefangenen zu besprechen? Wird diese Zusammenkunft in derselben Weise slattfinden, wie die Zusammenarbeit zwischen dem russische n und deutschen Roten Kreuz? Hat di' schweizerische Regierung angeboten, englische Kriegsge> ngene in Sanatorien unterzubringen? _
Der Unterfeebootsftrieg.
Vier weitere englische Schisse vernichtet.
kr. Haag, 7. März. (Erg. Drahtüericht. Zens. Bln.) Lloyds meldet: Tie englischen Schifferfahrzeuge
,Reliance", „Tr hon", „Trevose" und ,.HaroId" wurden in der Nordsee versenkt. Die Besatzungen landeten in Lowrstoft.
W. T.-B. London, 7. März. (Nichtamtlich.) Lloyds meldet, daß der britische Dampfer „M a s u n d a" versenkt wurde. Die Besatzung wurde gerettet.
Deutsche Minen mit Periskop?
8r. Haag, 6. Marz. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Der Kapitän des britischen Dampfers „Hatficld" erzählte in New Pork, daß die Deutschen fetzt ganz äußerst wirksame Minen nstt Periskop aus- statteten. Die britischen Schiffe sollten wahrscheinlich dadurch angeregt werden, die Minen für Tauchboote
zu lialten und versuchen, )ie zu rammen, wobei sie leibst untergeben wüvden.
Die deutsche Warnung an die Neutralen.
Nr. Amsterdam, 6, März. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Airs Athen rnolldet Rsuter: D.e griech'.che Reo-ierimg hat die Behörden im ganzen Königreich davon benachrichtigt, daß Deutschland der griechischen Regierung notiffzierte, datz die deutschen Unter seebovte alle bewaffneten Handelsschiffe der Verbündeten torpedieren werden, und den Neutralen riet, weder die eigene sZcrson noch Güter diesen Schiffen anzuvertraucn.
Englische Mutmaßungen zur Heimkehr der „Möve".
W. T.-B, London, 7. März. (Nichtamtlich.) „Daily Ehi'omcle" stellt ,n einem Leitartikel die Frage, ob die „Möve" wirklich mit Beizte nacb DentschlanÄ znvückgekehrt sei oder ob der amtliche deutsche Bericht nur eine ltuge Erfindung sei, um die Engländer zu veranlassen, die Jagd auf das Schiff auf offener See ausz'igeben. Dies letztere erscheine dem Blatte wahrscheinlicher. Das Blatt fügt binzu: Wenn e§ den Offizieren der „Möve" wirklich geglückt ist, das Schiff zuriäckzubringen, würden sie tatsächlich das Eiserne Kreuz verdient Hoden.
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Das Washingtoner Kabinett in Beratung über die deutsche Denkschrift.
W. T.-B. Washington, 7. März. (Nichtamtlich. Funkspruch des Vertreters des W. T.-B.) Die letzte deutsche Mitteilung über den U n t e r s e c k r i c g ist in der Sitzung des Kabinetts und in einer Sonder- besprechung zwischen Wilson und Lanstng erörtert, aber kein Beschluß gefaßt worden. Es wurde entschieden, die von Berlin unterwegs befindlichen Angaben über die Anweisungen der britischen Admiralität betreffs der Angriffe auf Unterseeboote abzuwarten. — Die „Evening Post" meldet dazu: Das Kabinett hat die verschiedenen Möglichkeiten besprochen, die sich durch die neue deutsche Denkschrift ergeben. Die allgemeine Meinung war, datz, wofern nicht eine freiwillige Erklärung eintreffen sollte, die Vereinigten Staaten in England anfragen sollten, ob es w a h r ist, datz die englischen Kauffahrer die geheime Anweisung erhalten haben, die Bewaffnung in offensiver Weise gegen die Unterseeboote zu benutzen, und ob die Angaben über einen solchen Gebrauch in den von Deutschland angeführten Fällen mit der diesbezüglichen englischen Mitteilung übereinstimmen.
Ein weiterer einflußreicher Gegner der Wilsonschen Politik.
Br. Berlin, 7. März. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Ms einer der hauptsächlichsten Gegner der Wilsonschen Politik ist jetzt auch der Sprecher Clark hervorgetreten. Die Voraussage Clarks über die günstige Aufnahme, die der Warnungsantrag Mondell im Repräsentantenhaus finden werde, ist bereits am 3. März erfolgt, also schon vor der Abstimmung über den gleichen von Gore gestellten Antrag im Senat, dessen merkwürdiges Schicksal bekannt ist. Es ist aber anzunehmen, datz Clark auch in der Haltung des Senats nur eine Bestätigung seiner Auffassung erblicken wird, wonach die Mehrheit der amerikanischen Politiker in dieser Angelegenheit anderer Ansicht ist als der Präsident Wilson. Jedenfalls ist er über die Stimmung im Repräsentantenhaus, dessen Präsident er ist, und in seiner eigenen (demokratische) Partei, die heute noch über die absolute Mehrheit verfügt, genau unterrichtet. Clark, ein Abgeordneter aus Missouri, der schon seit 24 Jahren dem Kongreß angehört, ist bereits lange eine i>er führenden Persönlichkeiten des politischen Lebens der Union. Bei der Aufstellung des demokratischen Präsidentschaftskandidaten vor 4 Jahren war man bis zuletzt noch im Zweifel, ob ihm oder Wilson die Palme zufallen werde. Der Antrag Mondell ist nunmehr tatsächlich im Repräsentantenhaus eingebracht, und falls Clark recht behält, wird die Abstimmung darüber eine große Mehrheit gegen den Präsidenten ergeben. Dadurch würde sich die innerpolitische' Situation der Union wenige Monate vor dem Zusammentritt der National- konventen aufs äußerste zuspitzen. Aber man hat ja gesehen, datz die Behandlung auswättiger Fragen in den Häusern des amerikanischen Parlaments eben aus innerpolitischen Gründen die merkwürdigsten Wendungen bringen kann, und es empfiehlt sich daher, den weiteren Verlauf der Debatte abzuwarten. Jedenfalls steht fest, daß sich Clarks, offene Meinung in seiner Konferenz mit Wilson diesen nicht bewogen hat, von seinem Standpunkt abzusehen.
Für eine Warnung an die Amerikaner.
W. T.-B. Washington, 7. März. (Nichtamtlich. Funkspruch von dem Vertreter des W. T.-B.), Der republikanische Abgeordnete Mondell griff im Repräsentantenhaus die auswärtige Politik der Regierung an und verlangte dringend die Annahme eines Antrags, durch welchen die Amerikaner vor der Benutzung bewaffneter Kauffahrer gewarnt werden. Mondell sagte: Wenn jemand, der vollkommen unterrichtet ist, behauptet, daß ciu amerikanischer Bürger das Recht hat, das weder abgeleugnei, noch verschmälert oder verkürzt werden sollte, in der jetzigen Zeit und unter den jetzigen Verhältniffcn auf einem Schiff zu reisen, das für ein Gefecht
ausgerüstet und nach einer Gegend des Kriegsschauplatzes bestimmt ist, so mutz ich annehuien, datz jemand, der eine solch« Absicht hat und darauf besteht, entweder die Politik gegen die nationale Ehre ausspielt oder die Absicht hat, die Nation in einen Krieg zu verwickeln.
Dev ehemalige LTonsnl Gaffney über die Lage,
Wilsons Wortspaltcrei und Prinzipienreiterei.
Berlin, 7. März. (Zens. Bin.) Der frühere amerikanische Generalkonsul in München Gaffney gab einem Mitarbeiter dc§ „L.-A." zu den vorliegenden Nachrichten folgende Erläuterungen: So weit ich erkennen kann, scheint man hier in Deutschland vielfach der Ansicht zu sein, daß die bekannte Abstimmung im Senat einen Erfolg WilsonS darstelle. Das ist ein g r o tz e r I r r t u m. Die Abstimmung beweist nur, daß der amerikanische Senat nicht daran denkt, WilsonS Politik der W ortspalterei und Prinzipienreiterei zu billigen. Stände der Senat geschlossen hinter dem Präsidenten, so würde die Sache einen anderen Ausgang genommen haben. Bei meiner kürzlichen Anwesenheit in Amerika habe ich gesehen, daß die Auslegung, die Wilson dem Recht der amerikanischen Bürger gegeben hat, frei zu reisen, wohin sie wollen, Bedenken erregt. Zum Beispiel hatte er angeordnet, datz kein Mitglied der Fordschen Gesellschaft, die doch ausgesprochen nur ftiedliche Zwecke verfolgte, die Erlaubnis erhalte, sich frei und ungehindert in eines der kriegführenden Länder zu begeben. Die diplomatischen und konsularischen Beamten der Vereinigten Staaten hatten strenge Weisung, den Mitgliedern der Fordschen Gesellschaft die Visierung des Passes für irgend eins der kriegführenden Länder zu bet» weigern. Der auffällige Gegensatz zwischen dieser Der- Weigerung und der jetzt vom Präsidenten geforderten Berechtigung für alle Amerikaner, nicht nur nach kriegführenden Staaten zu reisen und die K r i e g s z o n e z u p a s s i e r e n, sondern dies auch auf bewaffneten Fahrzeugen zu tun, ist den amerikanischen Politikern natürlich nicht entgangen. Ich kann heute keine weiteren Mitteilungen machen, möchte aber dringend davor w a r n e n, den über England aus den Vereinigten Staaten kommenden Meldungen irgend welche Bedeutung zu schenken. Sie sind immer, und selbst hg, wo sie für Deutschland anscheinend günstige Nachrichten enthalten, in feindseliger Absicht tendenziös zurechtgemacht.
. Die Lage im Westen.
Lord Northcliffes Bericht über Verdun.
Noch nicht der Höhepunkt des Kampfes erreicht.
W. T.-B. London, 7. Marz. (Nichtamtlich.) Die „Times" schreibt in einem Leitartikel über den Bericht des Lords Northcliffe über die Schlecht bei Verdun noch -dessen Besuch an der Front, min könne fetzt mit ziemlicher Sicherheit annehimen. daß der Kampf feinen Höhe- punkt noch nicht erreicht habe, und daß die Deutschen o'.ich noch -größere Verluste in den Kauf nehmen würden. Aus den Gefechten der letzten Woche könne man schließen, daß die iranchsische Artillerie an Kraft zunehme, imd daß der Feind, mit Ausnahme von geringen Fortschritten an der Ostseite, ungefähr an der- ielben Stelle stche wie vor einer Woche. 'Die schwer« Artillerie deS Feirndes sei jedoch offenbar dogn cms- ersehen, in den späteren Phasen der Schlacht eine wich-, ttge Rolle zu spielen.
Zur Lage bei Verdun.
Schönfärberischc französische und englische Berichte.
kr. Rotterdam, 7. März. (-Eig. Drahtbericht. Zerrst Bln.) Depeschen aus Paris besagen, die Lage dar Verdun ist stationär und befriedigend. Di« Umgebung von Douaumont bleibt das Zentrum der Tätigkeit der Deut s ch e n, die uns weiter den 'Besitz des Dorfes streitig machen, ohne uns aus der immittelbaren Umgebung des Dorfes vertreiben zu können. Tie Deutschen breiteten ihr Artillerie- feuer gegen die sranzö'ffche Stellung immer mehr aus; besonders zwischen dein Walde von LaudrÄnout und d-em Fort Douaumont nahm die Beschießung cm Heftigkeit zu. Aus London wird gemeldet: Zur Beruhigung des englischen Publikums versuchen die englischen Blätter noch immer, die Ereignisse von Verdun als Sieg der Franzosen darzustellen, wobei >die Blätter sich besonders bemühen, die deutschen Verluste als ungeheuer auszumrlm. Lord Northcliffe, der die Front in Frankreich besucht -hat, erklärt jetzt in per „Times" die franzöiffchen Verluste seien unbedeu- tenb. Unter den Gefangenen seien deutsche Soldaten von allen Reichsteilen. Lord Nothcliffe lobt den glänzenden Gefechtswert, die gute Vorbereitung und die gewaltigen Granatenvorräte der Franzosen. Alles sei trefflich organisiert. Die Männer aus französischer Seite, die die Leittmg bätten, seien alle verhältnismäßig jung. Es sei unmöglich, vorauszusagen, wie lange die Schlacht ivähren wird. Die Franzchen fühlten aber, daß sie dem Feinde gewachsen imd, -selbst tQQ» dieser dreimal so stark wäre.
