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Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts. !■■■-•■••-•=» )
Nr. 54.
Samstag, 4. Marz.
1916.
Zintje.
Eine Erzählung >aus dom «lten Brüssel von Klar« Höhrath.
(Nachdruck verLotrn.1
Erstes Kapitol.
Ein schwacher Lichtstrahl fiel in das Kellerloch hin- ein, mtb Antje richtete sich schlaftrunken ans «rom Strohsack in die Höhe.
Was war doch nur? Etwas Freudiges, Schone»! Nichtig, mm war sie ganz wach. Kirmes! Das ist's, Heute ist Kirmes! . , ^
Antje stand hurtig ans. töte war sechs Jahre alt, klein und mager. Mit ihrer Toilette hatte sie mcht lange zu trrn. Sie schielte zur Großmutter «hmuber, aber die schliss noch, mit einer großen Alte über Her- Stirn. Die Großmutter war sogar im Schlaff noch böse auf alle Welt, von Antje an bis znm lieben Gott hinauf. Und ans den Zehenspitzen schlich Antje nach -der Tür, leise wie eine Maus, um ja die Großmutter nrcht auszuwecken. Denn die würde sie bei irgendeiner unangenehmen Beschäftigung zuvückgchalten haben, und Fintje wollte nicht zurückgehalten werden, denn cs war Kirmes heute.
Sie kroch die dunkle Kellertreppe hinauf und wollte durch die Schenkstnoe auf -die Straße laufen. Aber Hinter dorn Schenktisch stand Papa Toone. Sie sah ihn zuerst nicht, denn es war dunkel in dem Häßlichen Raum, und ein übler Dunst von abgestandenem Bier, Spirituosen und altem Tabak lagerte schwer in der Luft. Auf den Tischen standen geleerte Gläser und klebrige Vierfachen, und der Boden war ekelhaft anzusehen, weil er seit dom vergangenen Wend noch nicht aufgeovaschen worden war. In diesen Raum getraute sich der Morgen nicht hinein, es war immer noch Abend hier, sehr ! später häßlicher Abend. Und bald, in drei, vier Stunden würde es schon wieder Abend hier sein, sehr früher .'Abend dann. Fintje kannte das Wohl. Sie wunderte
e auch nicht über 'den schnarchenden Menschen, der mit rt Oberkörper über einen: der Tische lag. Der gehörte -noch zum späten Wend.
.Hintje, komm her! Du kommst nur eben recht!" Lief es mit gewaltiger Baßstimme hinter dein Schenk- Äiffch vor. Da stand Papa Toone mit feinem vergnügten Wefficht und hielt einen weißen Zettel in der einen Undinen in Kleister getauchten Piniel in der anderen Hand.
.Hier, das büchst du mir draußen an die Kellertür, aber hoch, hörst du, höher als deine Nase geht, du Knirps!"
Wichtig nahm Antje Zettel und Pinsel uni) machte
stsich draußen aus der Straße an die Arbeit. So hoch das kurze, >magere Ärmchen reichte, strich sie den Kleister auf
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Die altersgeschwärzte Tür, und daun drückte sie den Tangen Zettel an.
Oenses lies Marolles!
El soir, quansqu’i sonneront 9 heures al Port’ d’Hal venaye
tous
chez Papa Toone al Pouchenellekeller GRANDE REPRESENTATION en l’honneur de la Kermesse.
Yn pourra voir Jules Cdsar parlant dihors que Iss genses S d’el Marolles ßtaient les p’us braves de s’ n’ armee.
Venaye tous, qui que vous etes: Krabbekeswijven, scheersliepcn, haehel maukers, «inoute- bollen marchandts, sehouvagers, fruitwijven, zauvel mar- chandts, vodden en beenen et tous les anfes, chez Papa Toone voir el grand spei.
Aprös la representation on pourra prendre ensemble un streepje et pour finir on va voir passer dans la Hoogstraat l’Grand Taptoe
de tous les troomeleers d’el garde civique in beurger kleeren qui feront une sortaye dihors avec des vetpolten allumds par Pieje Pottekes.
Venaye tous, c’est pou’ sür qu’on va s’amuser!
Lesen konnte Antje noch nicht, aber sie wußte genau, was da auf dem Zettel' rngekündigt wurde. Denn sie selbst hatte ja den wichtiacn Vorbereitungen sür die Vorstellung im D-arioncttenthcater beigewohnt. Die niodbichen Gliederpuppen lagen schon wartend in Reih und Glied in ihrem Kasten, und heute abend würden sie gespreizt über die kleine Bühne stolzieren und mit den dünnen Holzarmen schlängeln und bedächtig mit den. Köpfen nicken, alles, weil Papa Toone hinter den Kulissen an den Drähten zog. Diese Puppen hieß er seine Kinder, und sie gehörten ihm alle. Und das ganze Theater gehörte ihm, und der Keller, worindre Zuschauer saßen, und das Kellerloch, wo sie und die Großmutter schliefen, und die Schcnkstube und das ganze Hans gehörte Papa Toone. Es war nur Barmherzigkeit von ihm, daß er sie bei 'der Großmutter, die alle Leute „die Hexe vom Pouchenellekeller" hießen, die hatte ein wich- tiges Amt zu persehen, sie war die Polizei bei den Vorstellungen und schlug mit ihrer langen Gerte drein, wenn das Publikum zu laut wurde. Fintje aber hatte nicht Amt noch Würden. Und die strenge Großmutter sagte cs ihr oft, daß sie nur ein armes kleines Mädchen sei und auf nichts ein Recht habe. Der Näele, ja, 'der üvpr der Sohn von Papa Toone, und der hatte ein Recht auf alles, aber sie nicht. Trotzdem war der Nöele ein blasser, schiesgewachsenrr. schnmchtiger Junge und viel weniger lustig als sie, die auf nichts ein Recht hatte!
„Kellerratte! Hexenjnngesi" schrie es da plötzlich hinter dem eifrig arbeitenden Kinde. Ein Trio kleiner srecher Ketjes (Gassenjungen) stand ba und stieß die un- chrerbietigen Ruse aus.
„Keller ratte! HexensungeS!"
Mit unerwarteter Plötzlichkeit aber fuhr Antje herum und schwenkte den Kleisterpinsel drohend durch die Luft. i
„-Wartet ihr!" , N
Die Ketjes stoben eiligst davon, der Kleinste aber stolperte und fiel. Wie der Blitz war Fintje über ihn her, schlug ihm den Pinsel um die Ohren und schmierte ihm den weißem: Brei in den weit geöffneten Mund, dessen Geschrei allsagleich verstummte.
,-So, dir Hab ich das unverschämte Maul verklebt!" höhnte Fintje, und sie ließ befriedigt von ihrem Opfer, um Papa Toone -den Pinsel wieder in Demut zu überreichen, denn sie hatte ja auf nichts ein Recht, und ge« wiß ketns auf den schönen dicken Kleisterpinsel,
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