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Samstag, 4. März 19!6.

Der Krieg.

Zur Eroberung des Dorfes Oouaumont.

Br. Berlin, 4. März. (Erg. Drahtbericht. Zsnf. Din.) Aus dem Grossen Hauptquartier drahtet der Kriegsberichterstatter Rosner dem „L.-A.": Das Tori Douaumont im tiefen Land liegt etwa ein Kilometer entfernt von der aus dem Berghugcl thronenden Panzcr- festung gleichen Naiilcns. Es schmiegt sich gewisser­maßen an den Winkel hinter dem Festungswerke und hinter dem höheren Gelände an und so war es vermöge dieses Vorteils der Beschießung von seiten unserer schweren Kaliber weniger znsiänglich als die Panzersesic selbst. In richtiger Erkenntnis dieses Vorteils hatten die Franzosen schon bei der Gefährdung und noch mehr nach dem Falle des nordöstlichen Schutzforts von Verdu» starke Kräfte in das Dorf Douaumont geworfen, das längst durch besonders widerstandsfähige Werke in den Ziergen, durch Grabenbautcn und Unterstände zu einer vorbereiteten festen Stellung umgcwandelt war, die auch über besondere Artillerie verfügte. Im Dorfe Douaumont haben sic sich dann nach Möglichkeit gehal­ten, hier wurzelten ihre Hoffnungen, die Reste des Forts zurückgcwinuen und von hieraus trugen sic ihre vergeblichen Anstürme zur Erreichung dieses Zieles nach Südosten vor. Dabei erlitten sic aber bedeutende Ver­luste. Die deutsche Stellung in der Feste Douaumont haben sic nicht einen Augenblick lang zu erschüttern ver­mocht. Der Umschwung dieser Lage, trotz der tagclangen französischen Sturmvcrsuche und die französischen Nie­derlagen sind wiederum der deutschen Tatkraft zu ver­danken. Nachdem es gelang, unsere Feldgeschütze und schwere Artillerie in Stellung zu bringen, von denen sie auch das Dorf Douaumont gründlich mit ihrem Feuer überschütten konnten, gingen wir zum Sturm über und rissen das Dorf an uns. So erlangten wir einen nicht unbedeutenden Geläudegewinn. Im Zusannncnhang mit diesen Kämpfen um das Dorf Douaumont standen weitere starke Artilleriekämpfe gegen die Höhen östlich der Maas. Auch die in den französischen Funksprüchcn mehrfach erwähnten Kämpfe um die C ü t e d n P o i v r c und um Mort Ho m m c gehören mit in den Zu­sammenhang der für die deutschen Waffen erfolgreichen Kampfhandlungen.

Unsere Frontverbesserung bei Douaumont.

Berlin, 4. März. (Zeus. Bln.) Zur FrontälverLesierung, tie uns mit dem Dorlfe Douaiumont den engeren Arischlutz u löse rer vordersten Linie bei Beirdun gab, meldet ein Kriegs­berichterstatter des *33. X“: Der Ort stellt einen Stütz­punkt der Fo-rtsanlcrgen dar, den die Franzosen in zähester Schanzarbcit zu einem widerstandskräfiigen Werk vorbereitet hatten, um westlich und östlich die dsmschen Flanken auch nach dem Falle 'des Forts 'wirksam zu bcdroheii.

Max OSbarm berichtet an die .Boss. Zig." vom westlichen Kriegsschauplatz unter dein 3. März- Nach einer Zwischen parise von wenigen Tagen hat der Feind sich ohne Erfolg bemüht, unsere neugewonnenen Stellungen wivdei^u§c Winnen. Das Ergebnis der letzten Februarwoche war ein bedsutendes. Der Geländegcwtnn östlich der Maas und im Woevre betvug über 250 Quadrat!Komeier, das Hertzt mehr als das Fünffache der Badenfläche, die der Fernidwsi seiner Herbstoftensioe im Artois und in der Cham­pagne besetzen konnte. Noch mehr fiel der strategische Vorteil dieses Gewinnes ins Gewicht, denn danach waren zw et Drittel des gesamten VorgeländeS der Festung Verbum am rechten Maasuser in pantsche Hände gefallene. Nun handelt es sich um Sicherung und Ausbau dieser Vorteile.

Heftige Vorwürfe französischer Militär- kritikcr.

Do. Genf, 4. März. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Einige Pariser Blätter beginnen bereits, scharfe Kritik an den bisherigen Mißerfolgen bei Verdun zu üben. Pichon schreibt im „Petit Journal": Der Feind machte eine Pause, weil er die eroberten Stützpunkte neu befestigte, worauf die Offensive von neuem beginnt. Wir müssen aufs tiefste br dauern, daß gelegentlich unserer Offensive solche Prinzipien niemals Anwendung fanden. — General Verraux schreibt: Verdun beweist klar, daß es Frankreich an schweren Kanonen fehlt. Die Niederlage bei Verdun habe zwar noch andere bedauerliche Ursachen, aber ich will heute mich begnügen, fest, zustellen, daß unsere schwereArtillerie entweder allz: spät oder gar nicht an den Operationen teilnahm. Mehr als je ist heute die doppelte Produktion Creusot erforderlich.

W. T.-B. Paris, 4. März. (Nichtamtlich.) Obcrstleutnan Noussei hält im „Petit Parisien‘ trotz der ungeheuren bisherigen Anstrengungen, die kaum zu übertressen seien, eenen neuen Vorstoß für wahrscheinlich. Auch Rousset unter- stneicht die Notwendigkeit, furchtbar? Artillerie mit Munition zur Verfügung, zrr haben und sagt- Dovan worden juL erst genug haben, wenn wir Überfluß hoben. Darum müssen w' unablässig und mvMmüÄich arbeiten, bis Überfluß da ist.

-Ausgabe.

Das Verlangen noch dee Kenntnis der deutschen Heeresberichte.

W. T.-B. Bern, 4. März. (Nichtamtlich.) In einem LeiAartikel der „Huinanite" wurde die alte Fnage der Ver­öffentlichung der feindlichen HoereSberichte durch die fran­zösische Presse aufgcrvllt. Es wird ausgesührt, daß die angstvolle Erwartung, womit die Öffsntlichkeit seit eiirer Woche den furchtbaren Kampf am Veobun öerfolot und der lcsdenschaftlrche Wunsch des PubWums, sich über aus Punkte zu unterrichten, danach verlangen. In der ganze«: Welt sei noch der Ansicht der intelligenten französischen Zensur das geistvollste Volk der Erde unfähig, kaltblütig auch die Be­rschte des Gegners zu lesen. Dies sei erniedrigend. In dem Artikel wird ferner mit dem Hinweis darauf, daß daese Be­richte durch die ausländische Presse.dennoch bekannt würden, das Gebaren der Zemnr inS Lächerliche gezogen, die rn- chieinend der französisch-schweizerischen Presse ein Monopol auf alle diese Berichte einräume.

Zahlreiche französische Verwundete im Korpsbercich des 18. Armeekorps, überaus hohe Verluste.

\V. T.-B. Frankfurt a. M., 4. März. (Nichtamtlich. Draht- bevicht.) Die starken Transporte von französischen Verwundeten, die seit Beginn der Kämpfe um Verdun in den Krisgsgefangenen-LazeQÄden des Korpsbezirks einge­troffen sind, bestätigen die Angilben aller bisherigen Berichte, n ch welchen diie Franzosen bei diesen Kämpfen überaus hohe Verluste erlitten haben. In erfreulichem Gegen­satz hierzu sicht die uns amtlich bestätigte verhältnis­mäßig geringe Zahl unserer Verwundeten auS diesen Kämpfen. Alle anders lautenden Nachrichten beruhen aus einer Verwechslrüg mit den zahlreichen Transporten fran­zösischer Verwundeten -und französischer Kriegsgefangenen.

Stimmungen in Frankreich.

Rotterdam, 4. März. (Zens. Bin.) Ein m3 Boulogue in Roofendaal ümgetrosPener holländischer Exporteur, der die verflossenen Wochen in einigen französischen Städten ver­brachte, teilt folgendes mit. Al? die ersten Berichte über die deutsche Offensive bei Verdun zur Kenntnis der Bevölkerung gelangten, blieb alles ruhig. In Dieppe frohlockten die Leute und sagten mit der ernstesten Miene von der Welt, daß die Deutschen einen Selbstmord bsgingen, denn es wäre ihnen unmöglich, bloß bis auf Schußweite der Stadt heran» zukommen. Die folgenden Tage brachten allmählich Gewiß- heit, daß sich Verdun in der Feuerzane des anstürmenden Gegners befinde. Ich merkte' eine seltsame Resigniertheit. „Mir soll's recht sein", sagte mir ein GeschäftSfrearnd, „vor­ausgesetzt, daß der grenzenlose Jammer dieses Ver­brech ens an unserem Volke bald ein Ende nimmt. Wir psöifen aus Elsaß-Lothringen. Denn es kostet uns zwei Drittel unserer männlichen Bevölkerung. Der Krieg hat die Wiedergewinnung der verlorenen Provinzen so unpopulär gemacht, wie nur möglich." Bei meiner Rückreise begegnete ich ungemein vielen englischen Urlaubern/ die »nnerhalb 12 Stunden bei ihrem Truppenteil sein mußten. Mit l«lbem Ohr hörten sie dem Kauderwelsch zu, in üenr mau ihnen das Neueste erzählte. Ihre Interesselosigkeit ärgerte die Fran­zosen. „Wartet, an euch kommt auch die Reihe!" Ich hatte Len Eindruck, daß die französische Bevölkerung sich in diesen Tagen verlassen fühlte.

Neutrale Urteile.

Das abermals gesteigerte deutsche Geschützfeuer.

Rotterdam, 4. März. (Zens. Bln.) Während die Fran< zofen die Neutralen in den letzten Tagen geradezu mit Ver­sicherungen überschütteten, denen zufolge die Schlacht von Berldun zu Ende wäre, und mit Befriedigung bemerkt wurde, daß Präsident Pomcare die Festung Verdun besucht habe, umi die tapferen Truppen zu beglückwünschen, was gewissermaßen den Abschluß dieser „Verdun-Episode" arideuten sollte, berichten die letzten fvanzösi'chcn Meldungen, daß das zeitweise still gewordene Geschützfeuer der Deutschen sich wieder gewaltig gesteigert habe, besonders in der Gegend der P's eff.erhöhe. bei dem Dorfe Douaumont, aber auch von der anderen Seite der- Woevrc-Ebene. Ter Beschießung des Dorfes Douaumont folgten außerordentlich heftige Jufantevieangviffc, welche sämtlich zurückgetvisfen worden sein sollen. Wie die Kämpfe an der Seite der Woeore» Ebene sich entwickeln, ist aus den amtlichen Meldungen nicht ersichtlich.

Deutschland, der furchtbare Feind.

Amsterdam, 4. März. (Zens. Bln.) Das „Handelsblad" schreibt: Daß, die Deutschen den Augenblick bestimmten, um im W c st e n diese gewaltige Offensive zu unternehmen, daß sie dadurch ihren Gegnern, deren Offensive sich noch immer aus Ankündigungen beschränkt, zuvorkamen, beweist, wie falsch die Nachrichten der alliierten Presse sind, wo immer nur van einer Erschöpfung der deutschen Heere an Material und Mannschaften gesprochen wird. Nach neunzehn Kriegsmonaten :st Deutschland noch immer militärisch ein furchtbarer Feind, n.rd der Versuch, im Westen den Stellungskrieg wieder in das Stadium des Bewegungs Weges zu bringen, zeigt, daß ferne militärische Kraft durch . au>s noch nicht gebrochen, ist.

Nr. W8. » 64. Jahrgang.

Die „ehemalige" zestung Verdun.

Unser früherer Parlier Mitarbeiter schreibt uns: Verdun «ine Festung? Es war eimnal . . .! ,Uber .die Schweiz vermittelte Telegwinrnw besagten schon, daß ine französische Presse vom Pressebureau des Kriegsminifter Gallieni einen Wink bekommen hatte, die Bedeutung des Platzes h e r a b z u s e tz e n —< für alle Fälle. Es verlohnt der Ukähe, einen Maser offiziösen' Artikel vollinhaltlich kennen zu lernen. Selbst im „Matin", dem wir ihn entnehmen, fand sich keiner der sonst zu allem brauchbaren Reporter, um dre- scnr Meisterstück in einer neuen Kunst, „comger riiifortune", seinen Namen zu leihen. Das Machjwerc segelt anonym: .

„Der zuWnstige Gelchichtschreioer, der von .ocr Schlacht bei Verdun sprechen mach, wird ZweLfelilos omcn Angeriblick zögern, bevor er das Folgende zu Papier bringen wiÄ: „Der Krieg von 1914/15/16, der seit der Yser-Schlacht isin Befestiaungskrieg geworden war, nahm vierzehn Monate später wieder den Charakter der atfenen Feldschlacht an, als die furchtbare Offensive em- setzte, vom deutschen Heere Ende Februar gegen cmc Festung unternommen, öder -besser gesagt gegen orne frühere starke franzvsffche Festung: Verdun." Und dennoch wird sich .der zistünstig-e GeschiMchreiber zu diasem Widerspruch enffchließen müssen, wenn er bei 'der Wahrheit (!) bleiben will.

„Die große, Schlacht, die setzt^aus dem rechten Maas» nfer lgesührt wirb, gleicht den Schlachten der frühe­ren Kriege. Das Wunderbare Lei dieser Wckkehr M der Kamvfweise der Vergangenheit ist, daß sie sich ge­rade während eines Angriffs vollziehen muß, den der d e u t s ch e K a i s e r selbst anfülirt, nicht etwa gegen die Festung Verdun, sondern gegen das Schattenbild einer Festung, das es noch für Deutschland und vielleicht für die Neutralen ist.

„Es gab eine Stunde, wo die Eroberung Ver­duns vielleicht für das deuffche Heer von unschätz­barem Werte gewesen wäre. Das war im Monat Septentber 1914, als auf dem rechten Maasufer das Fort Troyon alllrächtlich dm wütenden Anstürme deS 5. deutschen Korps durchmackste. Verdun demnals er­obern, hreß mehrere hundert Kanonen^ erobern, eine C-arnison gefangen nehm-'n, die auf nickst weniger als auf 80 000 Wann zu veranschlagen war, hieß sich aller Lebensmittel und Munition bemächtigen, die diese stmsipenmassc für ein Jahr verborgen sollten. Damals si, a r Verdun eine Festung. Jetzt aber sind schon mehr als sechs Monate vergangen, seit Verdun als Festung geschleift wurde (ckäelaWcke).^ Scho« mehr als sechs Monate ist es her, daß diases Fort Douaumont, das nie mehr als eine Kompagnie (!) auf- nabm, weder eine Kanone noch einen Soldaten beherbergt. Und mehr als sechs Monate sind ins Land geangen, daß Verdun nichts mehr als eine leere E i e r s ch a I e ist.

,/DchreWch komisch, das Abenteuer dieses Kaisers, der Herr der Welt werden, das Los der Völker bestim­men wollte, und der heute selch't der Führer von Hseven ist, die an einer Mauer zerschellen, -hinter der nichts zu finden ist! Die Einnahme von Verdun hätte militärisch keinen Sinn. Sie würde das 'deutsche Heer Paris uni keinen Kilometer naher bringen. Hinter Verdun vstirde jeder Kilometer so viele Menschenleben Kilometer, die heute Wilhelm II. von Stadt trennen.

„Aber der Kaiser hofft nicht .mehr auf einen Sieg, um sein entmutigtes (?) Volk zu täuschen: nur

der Anschein des Siegs wurde genügen. Um dieses ßlnscheins willen opfert er zur Stunde feine schönsten Heere. Ai:f den Anschein baut er zur Rettung ferner Dynastie (!) und seines Reichs, wie der Bankier, der immer großartiger auftrilt, je naher er -dem Fusammen- lvruch ist. Und weirn ihm selbst der Anschein mißrät! Wenn das Genietzel umsonst ist! Wenn .die Schlacht bei Verdun .tai: die Schlacht bei Wern und die Marne­schlacht endet! Dann ist alle Hoffnung jenes Deutsch­lands dahin, das vor den Toren Verduns stevben kam, Verduns, der e i n st i g e n Fe st u ng."

Eine solche.Zumutung setzt bei den französischen Lesern Gehirnschwund voraus. Wenn Verdun so gar keinen Wert mehr besaß warum gab General Hrmnbert nicht die „leere Eierschale" her? Warum führte er der- zweiffungsvoll Entsatz truppen zu immer neuen Angriffen auf die von den Deutschen er­oberte Stellung südwärts des Forts Douaumont? Über 8f, Kanonen erbeuteten die Sieger bisher in der „.Eier­schale", die nebenbei auch schon, so viel wir wissen, über 18 000 Gefangene lieferte. Es ist schwer, dm Parisern jetzt etwas vorzutäuschen — sie werden sich nicht einmal bei den Glückwünschen Poincarcks beruhigen! Aber .daß m-an ihnen solchen Unsinn eintrickstern möchte, Wertlosigkeit Verduns, der einsirgen

kosten wie die der ersehnten