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Verlag Langgaffe 21
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Samstag, 4. März 1916.
Morgen- Ausgabe.
Nr. 107. . 64. Jahrgang.
Der Krieg.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht,
W. T.-B. Wien, 3. März. (Nichtamtlich.) _ Amtlich »erlaufet vom 3. Mär,;, mittags: Auf allen drei Kricgs- ichauplätzen andauernd Ruhe.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Feldmarschalleutnant.
Oie Lage im westen.
Zur Eroberung des Dorfes Douaumont.
Die sinnlosen Umschreibungen des französischen Heeres-
berichtes von der Umzingelung der Panzerfeste.
L. Berlin, 3. März. (Eigens Meldung. Zeus. Bin.) Der heutige deutsche Heeresbericht dringt die ldeuttichste Bestätigung der im AuÄande noch immer bestrittenen Eroberung des Dorfes Douaumont. Jni Joffre- schen Nachtbericht vom 27. Febrimr hieß es, daß französische Truppen im Osten und Westen der „Stellung von Douaumont" vovgedcungen seien. Daraus machten die Pariser Milrtärberichterstatter, wie immer, tveit vom Schuß, eine Umzingelung des Forts. Im „Wattn" vom 29. Februar behauptete Major de Civrinur schon, die in den Ruinen des Forts verbliebene kleine deutsche Abteilung würde rmhrschein- lich lbald kapitulieren müssen. Im Nachmittagsbericht vom 28. Februar meldet die „Times" weiter, alle deutschen Versuche, sich des Dorfes Douaumont zu bemächtigen, wären vergeblich geblieben. Seitdem hatte General Hnmbert Zeit, sich dort noch zu befestigen. Es half ihm nichts. Das Dorf ist ^mitsamt seiner schweren Geschütze und 1000 Mann Gefangenen in unserer Hand. Hinfort werden alle Umschreibungen des französischen Heeresberichtes nichts inehr nützen, i*a der deutsche Heeresbericht ausdrücklich sagt, daß unsere Linien westlich und * üblich des Dorfes, sowie der Panzerfeste (affo der Maas und Verdun zu) in .günstigere Stellungen vorgeschoben wurden. Ein Blick aut die Karte lehrt, daß das Dorf ani Südabhange des Bergrückens liegt und das ringsum beherrschende Fort Douaumont überragt. Der scheinbare Stillstand des deutschen Angriffes, aus dem man in Frankreich stffon so kühne Folgerungen ziehen wollte, war nicht von langer Dauer. Der „französische Sieg", der in die Welt hinausposaunt wurde, bewegt sich weiter in rückwärtiger Richtung.
Ein Mitkämpfer über die unverzagten Stürme auf Fort Douaumont.
Die glänzende Vorbereitung der Sturmangriffe der deutschen Infanterie durch die Artillerie.
Br. Berlin, 3. März. (Eig. Trahtbericht. Zeus. Bln.) Über die Schlacht vor Verdun schreibt ein Mitkämpfer der „Krenzzeitnng": In Mer Eile zogen die Franzosen Verstärkungen heran und gingen fünfmal nach schwerer Artillerievorbereitung zn Sturmen auf Fort Douaumont vor. Mit blutigen Verlusten wurden sie a b g e w i e s e n und weiterer Geländegewinn zn beiden Seiten vergrößerte unseren Erfolg. Die Erfahrungen im O st e n, wo Riesenfestnngen mit einem Minimum von Verlusten in verhältnismäßig kurzer Zeit erobert wurden, wurden hier benutzt. Mit einer enormen Artrllerievorberertnng bereitete man die St ü r m e der Infanterie vor. Es war ein gigantischer Kampf, ans dem in 24 Stunden ans den entscheidenden Punkten die deutsche Artillerie als Sieger hervorging. Was deutsches Trommelfeuer ist, das haben die Franzosen wieder einmal schwer verspürt. Rach Anssage der Gefangenen ist es eine Hölle gewesen und alle waren froh, ihr entrissen zn sein. Wir hatten in der Champagne am eigenen Leibe gemerkt, was schwere deutsche Haubitzen leisten können, denn von Men englischen nnd französischen Geschütze» waren die Krupp-Haubitzen am nner- träglrchstcn; Haubitzen, die unser alter, falscher Verbündeter Italien aus seinen von »ns ihm früher gelieferten Beständen den Franzosen geliehen hatte.
Unsichtiges Wetter, schwere Stürme mit Hagel hatten den Beginn des Kampfes um einige Tage verzögert und schon steckten dreiste Frnnzoscn in den Schütze,igräben Plakate aus: „Na, wann geht's los!" Weil sie irgendwie doch Wind von unsere» Absichten bekommen hatten. Die Plakate sind weg, die Schützengräben sind weg nnd moderne Forts mit Stahlpauzern nnd Betonbauten auch. Und ein übersehbarer Zug von zermürbten G e- f a n g e n e n wälzt sich nach Deutschland hinein. Unsere tüchtige Infanterie, die seit vielen Monaten ungeduldig rn den Schützengräben mehr im Kampfe mit Ratten nnd Wasser als mit französischer Jniairtcric das Zeichen ans Stnrn, erwartete, sic ging wie ein H a g c l st u r m über zerschmetterte Hindernisse hinweg, brausend bealeitct von den nunmehr über sie sausenden
deutschen Granaten, dre fliehender nnd auch tMfcr kämpfender feindlicher Infanterie mit Sperrfeuer den Rückweg verlegte. Was dort an heroischem Mut wieder geleistet wurde, ist eines hohen Liedes würdig vom deutschen Manncsmnt. Ungcschwächt ist der vorwärts- stürmcndc Geist unserer Trnpven. Die jungen Soldaten der stürmenden Truppenteile sind ebenbürtig den Helden, die im Siegeszug bis dicht vor Paris gelangt waren und denen, die die russische Übermacht m Stücke schlugen. Zahllose kleine befestigte Werke liegen vor, zwischen nnd hinter den Forts und bestreichen jeden Fußbreit Gelände. Ihne» gilt das Feuer der leichteren Kaliber und das Bajonett der Infanterie.
Oer Krieg gegen England.
Neue Opfer nuferer Unterseeboote.
W. T.-B. London, 3. März. (Nichtamtlich. Drccht- bericht.) Lloyds meldet: Der französische Dampfer
.Lakine" ist am 29. Februar ans der Fahrt nach Dünkirchen bei der Insel T'Bcu versenkt worden. Sechs Personen werden vermißt.
Die Gefahr für Englands Schiffahrt.
Rotterdam, 3. Marz. (Zcns. Bln.) Der bekannte Reeder Siunciman bekämpft energisch da? „wiederholte Gerücht" über die großen Gewinne der englischen Reeder. Die neutralen Schiff- fahrtsbesitzcr erzielten weit höhere Gewinne. Außer in Dänemark, wo es eine 29proz. Steuer auf Frachten gebe, behielten die Neutralen ihre ganzen Gewinne, während die Engländer mit Ein-' kommensteuer und Kricgsgcwinnstcuer 67 Proz. ihrer Einnahmen der Negierung abtreten müßten. Dazu könnten die neutralen Reeder frei über ihre Schiffe verfügen, während in England 60 bis 70 Proz. im Regierungsdienstc ständen und nicht für Gcwinncrziemng in Betracht kämen. Dies sei eine Gefahr für Englands Schiffahrt, denn es werde dein neutralen Auslände ermöglicht, bleibend oder vorübergehend die britischen Gesellschaften zu überflügeln, was auch für die Kriegsmarine von großer Bedeutung sei. Die Anregung, die Regierung solle den Bau von Handelsschissen fördern, veranlaßt einen bekannten Schissbaucr zn dem Vorschlag, man solle die Schiffe augenblicklich soviel wie nur niöglich nach einem Modell bauen, wodurch die Arbeit erleichtert werde. Man koinme schneller vor- wärts und das Material aller Art könne viel vorteilhafter verwendet werden, da jetzt die Arbeiter wie die Ingenieure jedesmal, statt maschinell Weiterarbeiten zu können, in Wirklichkeit sich neuen Piancn und Einzelheiten zuwenden müßten. Kämen bessere Tage, könnten die Reeder ihren eigenen Gedanken folgen. Jetzt sei die Brauchbarkeit die Hauptsache.
Oie bewaffneten Handelsschiffe.
Ansichten nnd Meinungen amerikanischer Abgeordneter.
W. T.-B. New Port, 3. Wirz. (Nichtamtlich) Durch Funkspruch von dem Vertreter des Wolffschen Bureaus Die jüngsten Vorgänge im Kongreß, die ein Bild von der Stimmung zugunsten der Resolution geben, durch die den Amerikanern geraten werden soll, sich von bewaffneten Handelsschiffen fernzuhalten, beherrschen andauernd die Lage. — Die .Llffociatcd Preß" berichtet aus Washington : Als die Mitglieder beider Häuser des Kongresses sich heute versammelten, schien die Lage wesentlich ruhiger geworden zu sein, obwohl sich noch ein Wider- s p r u ch gegen Leu Entschluß Wilsons geltend machte, darauf zu bestehen, daß die Amerikaner das Recht hätten, auf Handelsschiffen kriegführender Staaten zu reisen. Der genaue Stand der Dinge wurde wie folgt dargestellt: Viele Mitglieder des Repräsentantenhauses und einige Senatoren, die durchaus im unklaren bezüglich der genauen Vorgänge bei den Verhandlungen mit Deutschland sich befinden, fürchten, es würde zu einem Krieg führen, wenn die Amerikaner nicht von bewaffneten Handelsschiffen ferngehalten würden, und wenn Deutschland seinen Entschluß in die Tat unffetzen sollte, Handelsschiffe zu versenken, ob sie nun zum Angriff cder zur Verteidigung bewaffnet wären. Da sie nicht in vollem Umfang unterrichtet waren, wurden sie durch Mitteilungen beruhigt, die Präsident Wilson am Montag in einer Unterredung mit den Parteiführern angeblich machte, die immer mehr übertrieben wurden, während sie sich von Zimmer zu Zimmer verbreiteten. Sie wurden erregt und beunruhigt durch Nachrichten, nach denen Wilson darauf bestehen wolle, in keinem Punkt Deutschland nachzugeben, selbst wenn das zum Krieg führen würde, ferner, daß Wilsen erklärt hatte, jeder weitere Angriff auf ein Schiff, bei dem ein Amerikaner sein Leben verlöre, würde unverzüglich zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen führen, schließlich, daß Wilson seine Gleichgültigkeit gegenüber der Haltung des Kongresses zum Ausdruck gebracht hätte. Der demokratische Senator Gore machte den Versuch, ein G e s e tz, das die Reise von Amerikanern aus bewaffneten Schissen verbietet, und auch eine ähnliche Resolution in denselben Sinne einzubringen, die, im Gegensatz zu einem Gesetz, der Zustimmung des Präsidenten nicht bedarf. Der Versuch wurde indessen durch den republikanischen Senator Brandegee vereitelt und nach der EesckäftsLüdnung des Senats kann der Versuch erst am nächsten Tag wieder ausgenommen werden. Gore erklärte: Ich bezweifle, daß Deutschland die Unverletzlichkeit bewaffneter Handelsschiffe zugesiehen wird. Ich alaübe nicht,
daß die öffentliche Meinung der Vereinigten Staaten einen Krieg mit Deutschland will aus Grund derWeigerung Deutschlands, solchen Schissen die sichere Fahrt zu gewährleisten.
Eine weitere Depesche der „Associated Preß' besagt: Eine Möglichkeit, die sich unter anderen aufdrängte, war die, daß die ganze Schwierigkeit dadurch erledigt werden könnte, daß der Kongreß sich dahin ausspreche, die Amerikaner sollten ihr Land nicht durch Reisen auf bewaffneten Schissen in Kriegsgefahr bringen. Senator S t o n e hat eine Erklärung veröffentlicht, in der er sich gegen jede Maßnahme des Kongresses aussprach, bevor die diplomatischen Mittel erschöpft wären. Andere Berichte lauten ebenfalls dahin, daß keine endgültige Maßnahme erwartet wird, ehe die Beilagen zu der deutscheuDenkschriftin Washington eingetroffen sind.
Das gefährliche Spiel des Präsidenten Wilson.
3r. Rotterdam, 3. März. (Eig. Drahtbericht. Zeig. Bln.) Nach einem Bericht der „Times" aus Washington hält man es nicht für wahrscheinlich, daß die Führer des Kongresses sich einheitlich gegen den Präsidenten wenden. Tie demokratische Mehrheit des- Repräsentantenhauses würde das Odium aus sich laden, den von ihr gewählten Präsidenten zu verraten. Auch die R e p u b l i k a n e r müßten, wenn sie auch früher den Präsidenten wegen der Schwäche seiner Politik getadelt hätten, ihn jetzt stützen. Man glaubt in Washington, daß Wilson den Sieg davontragen wird. Aber auch die „Times" muß zugeben, daß das Land ernstlich die Aufrechterhrltunig des Friedens wiünsche und es ablehne, in den Weltkrieg hineingezogen zu werden.
Oie Ereignisse auf öem Balkan-
Eine neue griechische Protestnote an den Vierverband.
Br. Lugano, 3. März. (Eig. Dmchtbencht. Zolls. Bln.) „Corriere bclla Sera" meldet aus Athen: Die griechische Regierung hat den Gesandten der Ententemächte eine Note in bezug auf die Beschlagnahme eines g r i e ch i s ch e n D a m p f e r s bei der Insel Mylos überreicht. Das Schiff, welches 200 Bulgaren nach Kreta beförderte, wrrrde von eiucnr englischen Kriegsschiff angehalten nnd untersucht und die Bulgaren als Kriegsgefangene in Mylos festgehakte«. Griechenland fordert ihre Freilassung sowie die des Schisses mit der Begründung, daß die Bulgaren aus Griechisch-Mazedonien stammen und daher griechische Untertanen find.
Radoslawow über Bulgariens Kriegs- fiihrung.
- Das Verhältnis zu den anderen Balkanstaaten.
W. T.-B. Sofia, 3. März. (Nichtamtlich. Doahtbcricht. Bulgarische Telegraphenagentur.) In der S o b r a n j e erwiderte Ministerpräsident Radoslawow auf die Ausführungen der oppositionellen Redner. Er gab zunächst seiner Freude über die gewaltige Änderung Ausdruck, die in den Beziehungen der Tipposition zu der Regierung seit dem letzten August eintraten, als die oppositionellen Gruppen die Regierung beschuldigten, das Land in Abenteuer stürzen zu wollen. Der Ministerpräsident gab sodann eine Darstellung der Ereignisse, welche zur Teilnahme Bulgariens am Krieg führten. Zwischen zwei kriegführenden Gruppen stehend, hatte Bulgarien nur den Wunsch, in seiner Neutralität weiter zu verharren. Den Schlüffe! zu der Richtlinie, die Bulgarien einschlug, gab die letzte D u m a r e d e S s a s o n o w s, in der er erklärte, daß man imstande gewesen wäre, Bulgarien durch Besetzung von Dedeagaffch zu zwingen, aus die Seite der Entente zu treten. Man gab uns zu verstehen, daß mög- licherweise die Häsen von Varna und Burgas besetzt werden könnten. Die bulgarische Negierung erwiderte, daß die bulgarische Nation auf -den ersten Landungöversuch in der, bulgarischen Häfen sich wie ein Mann gegen di« Eindring. linge erheben würde. Die Kammer kann heute feststellen, daß die Ereignisse unsere Politik rechtfertigen. Der Ministvr- präsident hob sodann ans die bei den Zusammenkünften des Königs der Bulgaren mit den Herrschern der Mittelmächte gesprochenen: Trtnksprüche an, in welchen gewisse oppositionelle Redner Anzeichen von Ungewißheit bezüglich der Zukunft und der mit Blut crkEsten ?leuertverbungeir Bulgariens sehen wollten. Der Ministerpräsident betonte den endgültigen Charakter dieser Erwerbungen und sagte: Übrigens sind ü-re Gebiete, die wir jetzt in« haben, bulgarisches Teuer. i o r i« nt. Die bulgarische Nation >aill nichts als das, was ihr von dem Gesichtspunkte des Rationalitäteurechtes gebührr. Die Regierung strebt keine Eroberungen an. Wim haben niomals daran gedacht, uns den Albanesen nup- dr äugen. Über die Zukunft Serbiens und Montenegros erklärte Radoslawow, nichts sagen zu können. Was Griechenland und Rumänien betreffe, ömedte der Miniisterpräsideirt, so unterhalten diese Staaten gute Beziehungen zu uns und beobachten Sine Neutralität, die nicht zu unsevem Schaden ausschlägt. Die Verzögerung der Ratifizierung des türkisch-bulgarischen Übereinkommens durch das ttirkische PaÄament könne körn Grund bilden, bezüglich der FesÄgtett des zwischen Buigarüe« und der Türkei abgeMoffenen ÜbereinkoMMewS MLapg^g« M. dqzxn.
