Vertag Langgaffe 21
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Donnerstag, 2. März 1916.
Oer Urieg.
Der §all von Oouaumont.
Widerlegung feindlicher Verlegenheitsversuche.
L. Berlin, 1. März. (Erg. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Ter Fall des Forts Douaumont wird in der aus- ländischen Presse sehr lebhaft besprochen. Tie deutschen und französischen Heeresberichte widersprechen sich. Welche verdienen mehr Glauben? Die enientefreund- lichen Zeitungen wollen i» Zweifel ziehen, daß das Fort überhaupt in deutschen Besitz kam. Hierzu möchten wir, wenn dies überhaupt möglich sein sollte, nochmals erklären, daß das Fort mitsamt dem Berg, auf dem es gelegen ist, von den deutschen Truppen erobert wurde und fest in ihrer Hand ist. Jene feindlichen Blätter, die sich dazu beguemcn, den Verlust des Forts Douaumont zuzugeben, bemühen sich, wie die „Times", bie Dinge so hinzustcllcn, als habe es sich tun einen fast bedeutungslosen Platz gehandelt, der nicht besetzt gewesen sein. General Sarrail, durch die Erfahrungen des Falles von Lüttich belehrt, habe alle Artillerie aus den Betonstellungen hcrausnchmen lassen. Wir erhalten crne autoritative Darstellung hierüber. Sarrail hatte selbstverständlich nur aus zementierten Stellungen die Geschütze herausnehmen und in Feldstellungen bringen lassen, nicht aber aus Panzcr- türmen. Die Geschütze in den gepanzerten Anlagen des Forts von Douaumont waren am Plqtz und auch in Tätigkeit. Als Besatzung des Forts war ein Bataillon vorgesehen, das aber nicht mehr Zeit hatte, dorthin zu gelangen. Dagegen aber hatten sich etwa 1000 französische Soldaten aus Angst vor dem deutschen Feuer in das Innere des Forts geflüchtet. Unverteidigt war Douaumont um so weniger, als diese Bergstellung reichlich mit Feldbefestigungen versehen war. Alles das widerstand nicht der deutschen Beschießung und der großartigen Wucht des deutschen Ansturms. Die alle Anhöhen der Umgegend überragende Bergkuppe von Douaumont, die jetzt plötzlich keine militärische Bedeutung haben soll, ist und bleibt für uns ein strategisch sehr wertvoller Besitz. Daß die Franzosen ihn uns auch um jeden Preis wieder entreißen möchten, lehren die fünf verzweifelten Angriffe, die sic mit starken Massen machten, die aber sämtlich a b g x w i e s e» wurden. Ein anderes Beispiel für die Unaufrichtigkeit der feindlichen Berichterstattung lst, daß die Franzosen mit keinem Wort den Verlust der stark befestigten Stellung von Hardau- ra o n t im Osten Verduns melden, obgleich dieser deutschen Waffentat eine ganz besondere Bedeutung beizumessen ist. Die Franzosen hatten hierzu nur zu sagen, daß sic „Vorposten aus unwichtigen Stellungen in der Wocvrc unbehelligt zurückgenommcn haben".
Versuche, die niedergedrückte französische Stimmung zu heben.
W. T.-B. Bern, 1. März. (NichtcrnMch.) Ließen in jüngster Zeit mehrfach hierher gelangte Privatmeldungen erkennen, daß in Frankreich in brejtten Volksschichten eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber dem ferneren Verlaufe der Kvieigsereignisse Platz gegriffen hat, fo wird diese Schilderung der Stimmung in Frankreich bestätigt durch ciinen Artikel im „Temps" vom gestrigen Tage, betitelt: „Pflicht!", wo es u. a. heißt: Das monatelamge Stilliegen während' des SÄltzengmbenkvieges hatte zur Folge, daß mau sich hinter der Front allmählich in süße Ruhe einlullen hieß wnd dort Mitunter den Sinn für die Tragik der Stunde verlor. Frankreich muß aber ernst fein und klaren Blick bewahren Kleinlich denken ist. Schwäche, ja fast Feigheit, wenn die Krieger des Rechtes kämpfen und sterben, damit unsere Kinder frei find. Wir müssen der Wahrheit ins Angesicht schauen, wenn wir würdig des Sieges sein wollen, weil sie uns allein di« notwendige und moralische Kraft verleiht, den Kampf bis zum Triumph des Rechtes durchguführen. Diese WahrhM aber ist und bleibt immer, daß, wenn die Barbareichorden unsere Armeen besiegen sollten, Frankreich a!Z Staat zu bestehen aushöven würde. .Frankreich ist immer in Gefahr. Die Barbaren stehen vor unseren Toren. Da darf es bei uns nichts anderes geben als den unerschütterlichen Willen da? Vaterland und die Kultur zu retten. Ruhig, gewiß und 'sicher uinsever selbst, dürfen wir vor keinem Stotz des Feindes zurückweichen, ßmdern müssen das Beste hergeben, um den Sieg zu erringen
Das markierte Vertrauen in Frankreich.
W. T.-B. Paris, 1. Mürz. (Nichtamtlich.) Die Ayence Haras verbreitet einen Artikel des „Journal des Däbats", in dem es heißt: Ein großer Krieg kann nur durch große Scklacktcn enden. Daher darf uns die Schlacht bei Verdun weder in Erstaunen noch in Aufregung versetzen. Wir haben volles-Vertrauen, daß sie den Beweis der Ohnmacht Deutschlands, unsere Limen zu durchbrechen, erbringen wird.
Morgen - klusgabe.
Zwischen Hoffnung und Sorge!
Englische Hoffnungen zur Lage bei Verdun.»
Br. Rotterdam, 1. März. (Erg. Drahtbericht. Zeus. Bin.) Der Pariser Berichterstatter der „Times" drahtet, man müsse zugeben, daß die Franzosen unter dem Druck des Feindes ihre vorgeschobenen Stellen an der Nordfront hätten znrückzrehen müssen. Die Lage müsse noch immer als e r n st angesehen werden und die Entwicklung der Ereignisse werde mit größter Spannung verfolgt. Aber die Franzosen hätten die Hauptverteidignngslinie sch im Besitz und ihr Vertrauen, daß sie Verdun würden behalten können, sei ungeschwächt. Der „Manchester Guardian" bringt einen Leitartikel über den „französischen Sieg bei Verdun". Das Blatt sagt: Der französische Sieg bei Verdun ist von höchster Bedeutung und wird, wenn er sich fortsetzt, mst der Marneschlacht und der Schlacht vor Calais als eine der entscheidendsten Schlachten 'des Krieges anzusehen sein. Zwar eroberten die Franzosen noch mcht das ganze von den Deutschen besetzte Gebiet zurück, aber die Anstrengungen des Feindes, Verdun zu nehmen, sind jedenfalls mißlungen. Die deutschen Verluste rechtfertigen den Gewinn nicht. Die „Westminster Gazette" schreibt: Wir
können es als sicher annehmen, daß Verdun nicht fallen wird, denn wenn ein siebentägiger Angriff sein Ziel nicht erreicht, so fällt er in sich zusammen. Nach dem deutschen Sturm werden jetzt die Franzosen die Offensive ergreifen.
Auch Clemenceau sucht zu beruhigen.
W. T.-B. Bern, 1. März. (Nichtamtlich.) Clemenceau macht in dein „Homme Enchainv" aus seiner Unzufriedenheit mit den Mißerfolgen bei der Verteidigung von Verdun keinen Hehl. Wenn wir zurückgeschlagen werden, säreibt er, glaube ich, ehrlich sagen zu können, daß weder die Sicherheit unserer Defensive noch der mögliche Beginn einer allgemeinen Offensive dadurch fühlbar beeinträchtigt wird. Das gilt selbstverständlich nur unter der ausdrücklichen Bedingung daß diese Lehre uns nühi, und wir wieder zur Besinnung kommen, um unseren Führern aller Art die Pflicht aufzuerlegen, cs besser zu machen.
Zunehmende Verstimmung gegen die französische Heeresleitung.
Br. Genf, l. März. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) In einem Pariser Stimmungsbild der Genfer „Tr i- bune" gelangt das Befremden der parlamentarischen Kreise über, das völlige Fehlen des französisch- e-ngli'chen Zusammenwirkens an der West- front zum Ausdruck. Geireral Haig scheine den Ern st der Lage bei Verdun nicht zu erkennen. Das „Petit Journal" schildert die furchtbaren verheerenden Wirkungen des Bombardements von Verdun. Gelitten Haben die der Vorstadt^ Bellsvills benachbarten Stadtteile. Das historische Chausseefort ist zertrümmert, ebenso die stattlichsten Privathäiüer und eine Anzahl öffentlicher Gebäude. — Briand bereitet die parlamentarischen Kreise daraus vor, daß noch m e h r e r e Tage bis zur Klärung der Ge samt läge vergehen würden. — Joffre. Castelnean und Haig, die vom Fachkritiker Oberstleutnant Rousset bisher stets wohlwollend behandelt wurden, erfahren hsure Dessen Befremden über die llnzulänglichkeir der Verständigung zwischen den einzelnen Faktoren der obersten Heeresleitung in diesen kritischen Tagen. Die aus Kohlenmangel verursachte Verringerung des französischen Bahnverkehrs hatte das Verbot der Beförderung von Postpaketen für!die Wesffront zur Folge.
Verdun und die Thampagne.
Andauernd neue Auffassungen der französischen Militär- krittker..
W. T.-B. Bern, 1. März. (Nichtamtlich.) In Besprechung der Lage bei Verdun beschäftigen fick alle Kritiker mit Vermutungen. Rousset 'erklärt lim „Petit Parisien", daß, wenn mit dem ziemlich überraschenden Angriff in der Champagne sine Diversion beabsichtigt sei, dies einen üblen Streich bedeuten würde. Er tröstet die Leser aber, daß er jetzt wisse, daß die Hcruptanstrengung der Deutschen gegen Verdun ziele und alles übrige nur den Wert einer Demonstration besitze. — HervL warnt in der „Victoire" eindringlich, auö einer augenblicklichen K a m v f p a u f e etwa zu schließen, daß den Deutschen der Atem auSge- gangcn sei.
Die Entvölkerung Frankreichs.
Genf, 1. Marz. (Jens. Bln.) Die Akademie ^der moralischen und politischen Wissenschaften in Frankreich hat sich dieser Tage wieder einmal mit der Ursache der Entvölkerung in Frankreich beschäftigt und wieder die altbekannte Feststellung gemacht, daß an der geringen Geburtenzahl der Alkoholismus, da? spate Heiraten, der Neoplatonismus und vor allem der Wille, keine Kinder zu haben, um das Erbgut nicht teilen zu müssen, schuld sei. Ebenso hänge die hohe Sterblichke i tsziffer mit dem Alkoholmtihbranch and den dar-
Nr. 103. . 64. Jahrgang.
ans entstehenden Krankheiten und linsbesomdere mit , der Tuberkulose zusammen. Die BersaimMliuillg war sich einig, daß ungeheure Austrenglmigen notwendig seien, uim in Frankreich wieder eine normale Bevölkerungsbewegung hsr- beizuführen.
Rücktritt des französischen Botschafters in London?
Br. Bukarest, 1. März. (Erg. Dvahtbericht. Zeus. Bln. T. U.) Der „Vittorul" meldet aus London: Ter hiesige französische Botschafter Paul C a m b o n trägt sich mit der Absicht, in nächster Zeit aus dem Amte zu scheiden, infolge von Streitigkeiten mit dem englischen Ministerium des Äu ß c r u Er _ wollte schon bei dem Mißerfolg der D a r d a n e l l c n k ä m p f c sein Rücktrittsgesnch cinrcichen und blieb auch nur auf G r c y s Zureden auf seinem Platz. Auch sein Bruder Jules C a m b o n, der französische Staatssekretär im Auswärtigen Amt, redete ihm zu, im Amte zu verbleiben. In neuerer Zeit entstanden jedoch wieder Uneinigkeiten, so daß sich Cambon trotz allem Zureden zur Abreise entschloß.
U-Voo1§krieg und Anion.
Den Ausstreuungen, als ob bie burch bie Denkschrift vom 10. Februar angekündigte energischere Führung unseres U-Bootskrieges zunächst auf devt Papier stehen bleiben werbe, ist die Regierung bereits in ber, in ber „Norbb. Allg. Ztg." veröffentlichten offiziösen Erklärung mit aller Unzweideutigkeit entgogengetreten. Falls matt sich aber in England und in den englisch gesinnten Kreisen der Union doch noch der Hoffnung hingogcken haben sollte, baß die ebenso sirupelose wie durchsichtige Agitation im Laube des Dollars am Ende doch auf die Entschlußkraft unserer Negierung lähmend wirken konnte, fo wird bie Erklärung, welche der deutsche Botschafter Graf Bernstorff der Unionsregierring üb ermitt elt hat, alle diesbezüglichen Zweifel zerstreut halben. Heißt es boch darin, >daß Deutschland keinen Anlaß sehe, feine Abweisungen zur Versenkung bewaff- ueter Handelsschiffe ohne Warnung abzu-ändern older ihr Inkrafttreten hüranszuschieben. Wenn es in >bsr Erklärung des Grafen Bernstorff weiter heißt, daß die in ber „Lusitania"- und „Ara bi ^-Angelegenheit gegebenen Versicherungen noch immer bindend seien, aber nur auf friedliche Handelsschiffe Anwendung finden könnten, so ist damit der deutsche Standpunkt in dieser Frage und zugleich das, was man als den verschärften U-Bootskrieg bezeichnet, der jetzt eingesetzt hat, klar gekennzeichnet.
Dre Bezeichnung „verschärfter U-Boots- k r i e g", ibie fast durchweg gebraucht wird, ist ffeilich nicht ganz zutreffend, sie kennzeichnet die jetzt zur Anwendung kommende Praris gegenüber den bewaffneten Handelsschiffen nicht genau. Sie ist schon deshalb nicht ganz rrchtig, weil es sich ja nicht nur um die Tätigkeit unserer U-Boote, sondern um die unserer Flotte überhaupt handelt. Haben doch die kühnen Daten der „Möve", oder wie das geheimnisvolle Schiff sonst heißt, gezeigt, daß es nicht bloß unsere U-Boote stich, welche der britischen Handelsflotte nüt solchem Erfolg zn Leibe gehen, daß man in dem angeblich meerbeherr- jchenden England von immer stärkeren Sorgen erfüllt wird und immer schärfer unter ibem zunehmenden Mangel an Schiffsraum leidet.
Im übrigen betonten wir schon, daß es sich nicht eigentlich um eine Verschärfung des U-Bootskrieges, Kudern ganz allgemein um die entschiedenere Durchführung des bereits ini Nachtrag zur deutschen Prffen- ordnung vom Jahre 1909, welcher ani 22. Juli 1914, also vor Ausbruch des Krieges, veröffentlicht wurde) fcstgelegten Grundsatzes haudölt, wonach jede feindliche Handlung eines bewaffneten Handelsschiffes als Sceranb angesehen wird. Eine Bewaffnung von .Handelsschiffen zur Verteidigung kann Deutschland , schon deshalb nicht als rechtmäßig anerkennen. weil diese den völkerrechtlichen Grundsätzen nach ja lediglich gegen Piraten geffchtet sein sollte, die es heute bcstinntlich. nichr inehr gibt. Die am 10. Februar, veröffentlichte Denkschrift hat mit Berufung auf jenen Grundsatz und zur Warnrmg 'für die Neutralen ausdrücklich betont, daß unsere Seesweitkräfte nach einer kurzen, den Interessen der Neutralen Rechnung tragenden Frist bewaffnete Handelsschiffe als .Kriegführende behandeln 'werden, und nach die- sem Rezept wird nunmibr verfahren, selbst auf die Gefahr hin, daß etliche amerikanische Staatsbürger sich nach wie vor — vermutlich für -Geld und gute Worte — als „Panzerung" für Mumtionsliefernngen an England hergeben fallen.
Mit der entschiedene n DurchWrung dieser, dem Völkerrecht durchaus e n tf p r e ch e n d-e n Seekviegsführurig hängt — darüber brauchen wir uns ja kein L für ein U-Boot zu machen — die weitere Entwicklung des K o nfliktes zw..iich^A AMs
