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MiLtwoch, 1. März 1916. MOVgEN - ftUSgCtÖC. Nr. 101. . 64. Jahrgang.
Der Krieg.
Äfterrerchisch-ungarischer Tagesbericht«
W. T.-B. Wien, 29. Febr. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 29. Februar, mittags:
Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Gestern nachmittag war das italienische Geschütz, feuer gegen Teile des Görzer Brückenkopfes und dieHochflächevon Dobcrdv wieder lebhafter.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. H ö f e r, Fcldmarschallcutuaut.
(Von unserem militärischen Mitarbeiter.)
Die Festung Verdun ist der nördliche Eckpfeiler der Sperrbeseftigungen. welche die Franzosen auf den bewaldeten, van dichten: Untertzölze destandenen Höhen- kuge der Eüte Lorraine auf dem östlichen -Maas- ufer angelegt haben. Der entsprechende füdtictzste Stützpunkt ist die Festung Toni.
Verdun, hauptsächlich auf den: rechten östlichen Maasnser gelegen, wird geschützt durch sieben moderne Forts ans dem rechten Ufer und fünf auf dem linken. Der Kern der Festung sowie etwa drei Kilometer vorgeschobene innere Fortsgürtel sind nicht mchr modern und keineswegs den Wirkungen der heutigen schweren Artillerie gewachsen. Die Linie der äußeren Werke, dagegen ist außerordentlich stark ausgebaut und entspricht in jeder Weise Epen Ansprüchen, welche an moderne Werke zu stellen sind. Eine natürliche Stärkung der Festung bildet das HöHengeitände, welches durchschnittlich bis zu einer Höhe von 350 Meter ans dem Ndaastale nach Norden und Osten ansteigt und so in anherordenttichgm Maße die Anlage der neuzeit- licheii Befestigungen, begünstigte. Besonders günstig ist der Umstand, daß die von Verdun nach Osten führende Bahnlinie, welche bis zu der äußersten Peripherie der Werke heran führt, in tiefe Schluchten eingeschnit- ten und daher vom Feinde kaum zu erreichen ist. Die bcwaldeten Kuppen auf der Nord Ostfront find für eine nachhaltige Verteidigung besonders günstig. Sie erleichtern die Anlage starker 'Stützpunkte und können van Feindes Saite aus, da den: Auge nicht sichtbar, nicht aus weiter .Entfernung vernichtet werden. Der wichtigste Eckpfeiler auf der Novdfrout von Verdim ist ldas Fort Do na um ont, seit dem 25. Februar im festen und unmnftrittcnen Besitz der Deutschen. Es liegt ans einer Höhe von fast 400 Meter, gewährt bis auf drei Kilometer Sicht sowie Wirkung nach Norden, Westen und Osten und bildet den Schlüsselpunkt der nördlichen Verteidigungsstellung van Verdun. Von hier aus beherrschte >die feindliche Artillerie die Straßen nach Dun, Monmedy und über Ornes nach Etain. Seine Fortnahme ist von größter Bedeutung für die Ent- Wicklung des weiteren Angriffes gegen die Nordfront von Verdun, ldenn jetzt kanii nicht nur unsere schwere Artillerie, sondern auch die erforderliche Muni- tion ungehindert in uordsüdlicher Richtung hevange- zogen werden. Dadurch, daß Douaumont auch die östlich und südlich gelegenen Forts überragt, erreichten die deutschen Angrisfstruppen denjenigen Punkt, von wel- chorn voraussichtlich die Nachbarforts bekämpft werden können. Die anschließenden Werke sind die von Baux. von Tavannes und Moulinville, die fänftlich in bewaldeten Höhen liegen und ihre Hcmptschußrichtung in östlicher Richtung auf Etain haben. Ihre linke Flanke schützte das vorgeschobene Fort Douaumont. Sie zeigAi jetzt den deutschen, Angriffstruppen eine Mipfind- liche Stelle und ihr Besitz in ffairzösischer Hand dürfte nicht mchr von langer Dauer sein. Die S ü ü o st- und Südftont van Verdun sichern die Werke von Novellier und die beiden rückwärts gelogenen Forts von Belrupt und Haudciinville. Diese beherrschen die weftöstlichen Aninarschstraßen und bilden ebenso lrnc die vier nördlich gelegenen eine vorzügliche Verteidigung der Festung und eirren Mnpfindlichen Dorn für die rückwärtigen Verbiudnngen der dEeutschen Frontlinie vor Verdun. Aber auch ihr? Stärke hat dadurch gelitten, daß der Nordostpfeiler Douaumont ihre Rückenstellung nicht mehr sichert. Das l i n k e Maasnfer ist von Natur ebenso begünstigt wie das rechte. Steigen die Höhen zwar auch hier mcht so steil aus dem Maastal empor wie auf jenem, so schuf dennoch die Natur mehrere Hochplateaus, welche die französische Ingenieur- kuiist als Befestigung ausbaute. Stromaufwärts be- herrscht Edas Fort Duguy. das Bett der Maas uud sichert Msaanwen mit asm Fort de Charme den wichtigen Schieneustvanq von Chalons nach Verdun, die haupt- KiböaäEtige Verbindung zwvschen Festung. Besatzung
und der Heimat. Auch sie liegt tief eingeschnitten der feindlichen Sicht entzogen. Die beiden nördlichsten Werke auf den: linken MjaaSufer sind die Forts de Ehoisel und de Bäarre. Ihre Aufgabe in dem gegenwärtigen Kriege besteht darin, ein Vordringen der Deutschen auf dem linken Maasufer zu verhindern. Diese Ausgabe haben sie bisher gelöst, scheinen jedoch jetzt artilleristisch nicht mehr intakt zu fein, denn sonst wäre der deutsche Gelandegewinn auf dam nahen rechten Maasufer nicht möglich gewesen.
In a r t i l l e r i st i s ch e r EBeziehung sind Edie Werke von Verdun ans das stärkste armiert worden. Schon bei Kriegsbeginn wurden auf Veranlassung des Generals Siarrail, des jetzigen Oberkommandierenden in Saloniki, die schwersten Marine- und .Küstengeschütze in den Forts von Verdim eingebaut. Besonderen Wert legte der damalige Verteidiger auf den Ausbau der Nord- und O st f r o n t in der richtigen Erkenntnis, daß von hier aus m dom durch die Natur außerordentlich günstigen Gelände es allein möglich fei, die deutschen Linien vor: Verdun abz «halten. Diese Aufgabe Haben die,Werke bis vor wenigen Tagen auch erfüllt. Gerade dieser Umstand erweckte allerseits die Ansicht, daß Verdun uneinnehmbar sei. Die Bedeutung dieser erstklassigen Festung beruht aber nicht allein auf ihrer natürlichen und fortifikatorifchen Stärke, sonldern vor allen Dingen in ihrer Lage zu den übrigen Teilen der französischen Kampftruppen. Mit dem südlichen Eckpfeiler der Fostung Toni bildet Verdun eine außerordentlich starke Sperfortsltnie, kn welcher der deutsche Vormarsch rettungslos zerschellen sollte. Hierin haben sich die Franzosen bereits im Herbst 1914 gründlich ge- täuscht,. Nachdem der Vormarsch der 5. Armee Verdun nur leicht umschlossen hatte, brachte ein Vorstoß vorneihm- lich bayerischer Truppen den ganzen mittleren Teil der Güte Lorraine in deutschen Besitz. Das Fort Camp des Romains, das alte Römerkastell, welches den Übergang über den Höhenzug in das Maastäl deckte, wurde erobert. Ebenso wurden auch die Forts les Daro- ches und Troyon in Trümmer gelegt. Seitdem schnei- det die deutsche Stellimg dreieckig in die Cote Lorraine ein, und reicht bei St. Mhiel sogar bis auf das jen- stitige Maasufer. Vergeblich versilchten die Frau- zosen in mehreren Offensiven diese vorspringeude Rast in der Front und in den Flanken einzndrücken. Der- gtzbens bemühten sie sich, die unterbrochene Vevbin- duna zwischen dom nördlichen und südlichen Flügel- punkte der Sperrfortslinie wieder herzustellen Der deutsche Haken hei St. Mihiel beeinträchtigte bereits die Stärke der Festung Verdun, denn er .verhinderte eine französische Krästeverschi-obiing zwischen den bei- den Eckpfeilern auf dem linken Meaasuser und nötigte die Franzosen, diese Lücke durch weitere westliche Um- sthrimgien wieder auszugleicheu. Trotzdem lwaihrte die Festung Verdun ihre hohe Bedeutung als Bindeglied zwischen der französischen Arqonncnqruppe und den Teilen, welche zwischen Verdun. BÄfort und Toni kämpften.. Ungeachtet der Umschließung Verduns von der Ostseite erfolgte in wirksamer Weise eine Betäti- gung zwischen Feldarmee rmd Festuirg. Das zähe Fest- halten der Franzosen in den Araonnen bezlveckte. daß die Verbindung zwischen Dendim und den französischen Linien weiter nördlich nicht zerschnitten wurde.
Die jüngsten Egroßen Erfolge auf dem Nordabschnitt vor Verdun bedrohen nicht nur den Besitz dieser Festung, sondern auch den inneren Zusammenhalt der einzelnen Glieder der französischen Karnpslinie. Fällt Verdun, so ist di- französische Argonnenstellung einfach unhaltbar geworden. Die Franzosen kämpfen also gegenwärtig nicht nur mn den Bestand ihrer stärksten Festung, sondern auch nm das Schicksal der r: örd- lich und südlich anschließenden Kampflinien Die französische Hoffnung, daß nach dem Verluste der äriße- rcn höchst modernen Werke ein nachhaltiger Widerstand in der zweiten und dritten Linie noch möglich sein könnte, kann nur von Leichtgläubigen ernsthaft genowi- men werden. Nach der Erstürmung von Fort Donau- mont werden sich auch diese inneren Werke nicht länger halten können. LI "
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Der Kampf um die Panzcrfeste Douaunrvnt.
Ei» französischer Tagesbefehl.
... Br - Estns, 29. Febr. lEig. Dralstbericht. Zeus. Bln.) Uber den Gang der Schlacht vor Verdun, die der Er- oberung des Forts Douaumont vorausging, vcr- usfLntlrcht der „Lyoner Nouvelliste" folgenden Bericht: Die Kanonade, die einen Augenblick nachließ, hob mit doppelter Stärke wieder an und nahm minutenlang den Charakter unerhörter Heftigkeit an. Vormittags 8 Uhr regnete cs Geschosse allen Kalibers. Die gewaltigen o0H- und die 42-Zcntimcter-Gcschosse stiirz- ten drc Hindernisse um und verwandelten alle Ber- tcrdlgungsanlagcn in Etarib. Ter unseren Soldaten crtciltc Tagesbefehl lautete, um jeden Preis st and zull alte», denn der Verlust der Stellung Douaumont,
wo die Deutschen in der inneren Verteidigungslinie des Festungsgebietcs' Fuß faßten, gefährdet die Sicherheit der Festung.
Dev deutsche Vorstoß in dev Champagne.
Be. Genf, 29. Febr. (Eig. Drohibericht. Zeus. Bin.) Die besondere Aufmerksamkeit der Fnchkritik wendet sich dem durch den geglückten Vorstoß der Deutschen in der Champagne wichtig gewordenen Gelände von St. Msenehould zu. Die französische Heeresleitung erwartete «dort, wie die Jaffre-Note erkennen läßt, gestern nach der am Westen der Maas wahrgenominenien verminderten Artillerieiätigkeit neue Angriffe. Klarheit bezüglich der im Argonneiwalde geschaf,jenen Ber- lältnisse wird vermißt. Die aus das Ch eppy- Gehölz im ArgonneMAlde^ sich beziehende knappe Andeutung der Joffre-Note bietet keinen Auffchluß über dort eintretende o-der dort sich vorbereitende Veränderungen. die für einen konzentrischen deutschen Angriff gegen Verdun Badeutung erlangen könnten.
Flucht der Bevölkerung ans der Maas^ gegen d.
Br. Genf, 29. Febr. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bln.) Seit Mittwoch findet eine dauenide Flucht der Be- völkernng ans der Maasgegend statt. Es hanidelt sich hauptsächlich um die Bewohner -5>er Ortschaften St. Menehonld. Revigly, Bar-le-Duc und Cammerch, Senator Humbert ermahnt im „Journal" die Pariser, gegen die Flüchtlinge weitgehende Wohltätigkeit zu üben, weil sie bis zur letzten Minute ausharrten. Me Entfernung der Zivilisten gibt im übrigen einen Anhaltspunkt dafür, idaß >das Oberkomimando mit der Möglichkeit rechnet, die Frontlinie des bedrohten .Gebietes zurückzimehmen.
Zahlreiche Verwundete im Süden.
W. T.-B. Bern, 29. Febr. (Nichtamtlich. Draht- bericht.) Die Schweizerische Deposchen-Agentur meldet ans Genf: In Lyon treffen seit 48 Stunden una-ufhör- lich zähllose Sanirätszüge sin. Alle Spitäler der Stadt und des Südostens sind mit Verwundeten belegt. _
Dev Krieg gegen England.
Ein deutscher Seemann über die Nichtrettung der „L.-19"-Mannschaften.
Herr Kapitän Mcrhrsth (Nordd. Lloyd) schreibt der Volksztg.": Die Entschuldigung des Führers vom englischen Fischdampfcr „Mng Stephen", daß die Rettung der verunglückten Mannschaften vckm Lustkrenzer „7„ 19" deshaLb mit Gefahr für sein Schiff verbunden war, weil die zu rettenden deuffchsn Marinelustkreuzermannfchaften an Zahl seiner eigenen Ecscetzung bei weitem Werlegen war, wird dadurch völlig hinfällig, daß es dsm tzmhrer des „King Stephen" bei der herrschenden ruhkgeü See ohne die geringste Gefahr fiir fein Schiff leicht Möglich war, «die Besatzung von „L 19" in einem seiner Sch if s slbo o t« au-fzunehmen und dasselbe an einer Fangleine nach England einznfchleppen. Auch war es ihm möglich, die Schiffbrüchigen mit Speise und Trank sowie sonst Notwendigem zü versehen. Bei dem dann am Heck befestigten Boot hatte ein Mann mit handfestem K n ü p p ( i genügt, um jeden Überfall der feindlichen, jetzt wchrlosen Mapuschaften unmöglich zu machen. Kein ehrlicher Eeewann, auch kein englischer, wird diese Entschukdi- gung als stickhaltig igelten lassen. Der Führer des .Eng Stephen" hat mit seinör Handlungsweise die Ehre fc-e'r englischenSeeleute befleckt und eine u n t i l'güar e sch wer «Schuld auf sich geladen. Ich bin Werzeugt, daß alle ehrenhaften englifcken Seeleute mit diesem Mann jede Gemeinschaft adlehnen! Der Führer des „King Stephen" reiht sict) würdig dem Mörder von S. M. S. „Baralong" an die Seite.
Die kritische Lage des englischen Weizeu- murktes.
W. T.-B. Berlin, 2S. Febr. (Nichtamtlich.) Von zuständiger Stelle erfahren wir über die LMsche Lage des «ngilffchcn WeizenmarktcS folgendes: Daö führende Lon- dvner Fachblatt des GetreiidehandelS vom 15. Fsbrwccr 1916 kommentiert das angebliche Eügveifen der englischen Ncgie- nwng in die Fragen der VrotgetvSideverfiorgung mit tvewig optimistischen Worten. Man dürfe nicht vergessen, daß die Regierung nur die Auffüllumg der nationalen Wchzenreferve (die brllinntlich !sehr stark ziurückgegangen ist) bccrbsichrige, nicht den ncigelmätzigan Bedarf des Landes im lawfenden Erntejahoe zu befriedigen gedenke. Dem privaten Handel bleibe die Lcht der BerantworMchkeil, die normalen Ansprüche des Erntejahres durch Ginjichr zu befriedigen. Bsi der fetz igeln Preisbildung, Me durchschnifflich 70 Sh. per Quarter letwa 825 Mark dil- Tonne) betrage, und den hohen Frachttatrn, die 20—30 Sh. per Quarter ansmachtcn, sowie angesichts des Wettbewerbs durch die heimlichen Käufe ton Agenten mächtiger Reä-ernngen seien diese Aufgaben des freien Hai'dels ungeheuer. Sie fetzterr geradezu MachtmÄtel und Fähigkeiten des Hänidlars voraus, die weil über die von ihm zu erwartende Leij'ttmMähiKkoit Knaus-
