Einzelbild herunterladen
 

tokSfenS haben die sonst so unbedingt auf ihre Fähigkeiten der- trauenden Franzosen in ihrem Sicherheitsgefühl merklich cr- schMtert. Die Worte: Lustkampf, Organisation und Flugzeug- weifen sichen an der Spitze aller Blätter, und die Erörterun­gen sind mit einer Heftigkeit im Gange, die durch einen Hagel mehr oder weniger unzufriedener Inschriften aus dem Ptiblikum noch gesteigert werden. Da man bisher keine Ände­rung ANM Guten zu schaffen vermochte, da auch die Entlassung des Unterstaatssekretärs des Flugzeugwesens Rene Besnavd keine Lösung des Problems herbeizuführen vermochte, mutz Man sich mit der Zukunftsmusik begnügen, die man aus den phvasenreichen Äußerungen der bekannten Flugsachverstän­digen herauSznhören sucht. Die Erkenntnis, datz die einst in Frankreich unübertroffene Fliegerkunst heute hinter den MegerlÄsdmyen Deutschlands weit zurücksteyt, wird auch in EngKiNd bestätigt. Man spricht nicht mehr von einer Über­flügelung der Deutschen im Reiche des Lustkampfes, sondern Man wäre froh cd ihnen blctz gleichzutmi. In dem Reigen sachverftäitdiger Abhandlungen zerr i'lbhrlfe des gegenwärtigen Iusbaitdes gibt nun auch LoNis Bteviot, der seiuerzeitige erste Kanalüberfkieger, im „Pot:t Journal" sein Luftkampf-Rezept zum besten. Vor allem, meint Blöriot, Mutz ein Rat sach- verstäudwer Persönlichkeiten berufen werden, di« sich auf den Bari eines bestinmiten Flugzengtyps einigen, der sämtlichen Anforderrengen am meisten entspricht. Die unbedingteste Zu­sammenarbeit aller Faktoren ist dringendst vonnöten. Bevor chire größere Menge von Flugzeugen der gleichen KonstriMion ^ in Austrag gegeben Nürd, mutz — was bisher nicht geschah einwandfrei sestgestellt werden, ob Apparat und Motor völlig zueinander paffen. Daher soll unter Aufsicht des Knegs- miNisteriuMS daraus gesehen werden, datz je «in Flugzeug- imifo eilt Motorkonstrukteilr zusammen arbeiten. Weiter wünscht Blöriot datz in den milttärischen Fliegerschulen Zivilisten an Stelle der Fliegrroffizicve tätig smn sollten, da die letzteren als Lehrer oft versagt haben. Ferner sollte eine Schule für die höhere Ftugknust eingerichtet werden, tn der Man die jungen Piloten in die Geheimnisse der van Wctid.

Pegoüd erprdbtein Stalülitaiskünste einsührt. Die jetzigen Schulen' in Frankreich achteten nur daraus, die Flieger p schiiiell als möglich notdürftig auszubilden. Doch die Qualität sei fast wichtiger -As die Quantität. Man mutzedeit TYP des Flieqerakrcbaten heranzüchten. Jin Lustkampf sei ein akro­batischer Flicaer dem Gegner stets überlegen, mach wenn dieser'besser bew-rffmt wäre. Heute würden die Militärflieger in Frankreich wie ein billiger Massenartikel fabriziert. Leider ließen daher die Fähigkeiten viel zu wünschen übrig, was um so bodcnkliiche.r wäre, als heute die persönlichen Fähigkeiten äm L »Mampfe nach immer fast nächtiger stnd als äve Maschine selbst Ein Pilot wie Pegoud oder Garros (der eine fiel, der andere geriet in deutsche Gefangenschaft) sei mehr wert nW 25 idec oe^enwäriigen srttnzönschen Durchschniil^slreger. Darum sei die Griindrmg flinfcr Hochschule für Flieger uner- lästlich Und cs muffe eine akrobatische Schule sein, die ganz anders arbeiten kann als das französische Kriegsnnnisterlum es b'Sber getan hcibe. Ein neuer Weg müsse eänyeschlagen lwerden. zum Teil gegen die Gepflogenheit:!, der sranzösistheu Justkamp fbrhörd en.

Österreichische Eindrücke englischer Krankenschwestern.

Die solgeiid? Schtldcruing des Wtencr LckenS zur Kriegszcit stammt von der Tochter des englitzcheu Parlainentsmitglisdes Henry Chaplin, die als Krankemffchwestcr den serbischen AuS- ztig mitmackste, von den Österreichern nach Wien gebracht wunde und nach dort verlebter Wartezökt wieder nach Eng­land entlassen wurde. Schwester Chaplin und ihre Krtegs- gesährtinnen sprechen sich in einem an hervorragender Stelle wiedcrgeg ebenen ausführlichen Artikel der „Daily Mail" sehr tobend über die ihnen m Österreich zuteil gewordene Behand- tuinig aus. „Auf der Reise von Sentlin", heitzt es tn dem Be- ^-lchst „kamen wir mit anderen Krankenschwestern aus Serbien zusammen. In W-eir durfte ich mich schr frei bewegen. Die österreichisch: Hauptstadt ist fröhlich und guten Mutes wie nur !je, zweifelsohne viel lebensvoller als London; alle Theater spielen und sind gut besucht, das GesellschaftAoben entwickelt suh wie im Frieden. Abgesehen von den vielen Soldaten, dis Man e-rblickt, von der in den Lokalen >cfngeführten Polizei- ftuindc' und einer E-inschränkung des Milchverkastfes merkt Man kaum etwas, das an Krieg denken läßt. Die Preise in den Hotels sind nicht höher als Mt Frieden, und an Lebens- Mitteln ist kein Mangel. Die Neutralen, die ich in Wien sprach, waren mit ganz wenigen Ausnahmen der Ansicht, daß

\ SettnlttotttW für btt Echrlftlcitiin,: B ». Naucndort in SBitäbaben. -

die Alliierten nicht mehr einen richtigen Sieg erringen können." Eine andere englische Krankenschwester, Dr. Alice Hutchinswn, schildert die österreichischen Soldaten: „Als w.r in Serbien in die Hand der Österreicher kamen, wurden wir in ein Blockhaus geführt, in dem eine Mertge Soldaten hausten. Sie gaben uns sofort von ihrer Brotration und be­handelten uns in jeder Beziehung untadelig. Zu Weihnachten verlebten wir sehr hübsche Feiertage. Wir wurden auch stets so behandelt, datz man uns nach Möglichkeit vor peinlichen Empfindungen bewahrte. Man sah in uns stets die Frau, und wir haben keinen Grund, uns über das Benehmen der Soldaten zu beklagen."

Die Zeppelin-Nachtbeklcidung der Londoner. _ Di«

Zeppelingcscchr hat in England bereits die merkwürdigsten Entrichtungen utid Sitten gezeitigt. Die Zahl der Apparate, Einrichtungen und Regeln, die aus der Furcht vor den Be­suchen der deutschen Lustlveuzer entstanden, ist kauen zu überblicken. Sogar die Mode ist nicht unbeeinflußt geblieben, wenn nutrt überhaupt von einer Mode der Nachtbekleidung sprechen darf. Wie der Londoner Berichderstalter der Chlcagoer „Post" erzählt, haben di« Luftangriff« auf Engsttnd einen großen AufschNung in der Erzeugung und dem Verkauf von Schlafanzügen hervorgeuufeu. Da man allnächtlich auf eine Überraschung gefaßt und darauff vorbekeistt soin mrtz, in aller Eile Bett und Haus zir verlassen, wurde die Nacht- bekletdung den neuen Bedürfnissen angepatzt. Tie nächtlichen Lockenwickler der Frauen sind gänzlich aus der Mode gekom­men, weil keine Frau sich der Möglichkeit aussetzen will, mit einem Kops voll Lockenwickler auf die Straße eilen zu müssen. Auch das Nachthened niutzte weichem, dafür aber feiert der Schlafanzug solche Triumphe, datz man die Einfuhv aus - Amerika zu Hilfe nchnten mutz. Während die Schlafanzüge früher nur von Herren getragen wurden, werden sie nun auch bei len Frauen eingeführt. Natürlich gibt cs daher auch be- reüis besondere Schlafanzug-Moden; die blauen >md rosa­roten „weiblichen" Schlafanzüge erfreuen sich der größten Beliebtheit. So ausgestaltet, verbringen die Londonerrnneu ihm Nächte, um im Augenblick der Gefahr „gerüstet" zu! sein.

Vom köstlichen Uankee-Hunror berichet ein Aufsatz von Fritz Bley im Fcbruarhefte von Vechagen u. KlasingS Monatsheften. Cr sagt den Herren von drüben sehr bittere Wahrheiten. Der Ton des ausgeblasenen Zjaukee ist erstaun­lich gujt getroffen. Wir greisen aus gut Glück esu paar Zeilen heraus, am kiebsteu möchte man den ganzen Artikel avdrucken. „Herr, da scheltet Ihr tut alten Lande über Mac- ganö GiftgaSgvanaten und nennt sie „Wilsons FriedenSge- bete"! Hat Amerika — die Vereinigten Staaten, versteht «ich — Nicht damit das halbe Gold Europas veüdient? Da spotten die Narren, denen wir das Fell über die Ohren ziehn, über di« schlechte juristische Vorbildung unserer Clerks — ja, was hilft thnen denn ihre Gelehrsamkeit? Wir sind das smarteste Volk ar.tf Gottes Eüdbdden, Herr! Und ivir pfeifen auf ihr ganzes Wes Land, wissen Sie, Herr! Wir sind speie Amsrikaner, zur Hölle niit Ihrem alten Krims­krams dort drüben! Was trägt er Ihnen? Herr, in diesem Lande phantasiert man nicht, man rechnet. Bar Geld aus den Tisch: das ist unsere Politik! Fragen Sie Ihre Volkswirte» di« Industriellen voran; ha, ha, ich schätze, die werden Bescheid wissen! Freilich, was verstehen Sie davon als lyrischer Dich- ter? Haben Sie mal was von unserem „Agreement" mit DaulMcmd gehört? Was das ist, fragen Sie? Herr, in unserem Laiide kennt jeder Zeitimgsjunge die Tarifzuge. stärÄmisse, di« wir Ihnen gemacht haben. Unsere Blätter schoeiban und schreien darüber, gorlode weil sie so' lächerlich geninig sind! Das ist der Witz davon, verstehn Sie? Ihr« Aus- fuhr eichparte nach dem letzten Abkoimne-n die läppisch« Simtm« von L08168 Dollars jährlich, die unsrige nach! Ihren Zuigeständniffen 6664 000 Dollars. ?llso ein Ber- häLnis von 2:66; Herr, das ist amevikaitische Smartnetz. Hnt ab vor der! Ihr Herr Goldberger, oder wie der Mann hieß, der damals hier war, hat sich, wie man sagt, über vexatorisches umd diktatorisches Vorfahren unserer Zolläniter byschiaert uNd uns Mangel an Wahrhaftigkeit vorgeworfeir. Ich verstehe das Nicht, Herr! Wannm lassen Sie sich anlügen? Uns Macht es Spahl Großen Spatz, Herr! Diktatoren Europas sind >mr umd wollen wir sein. Wer Fexe sind wir nicht, mein Herr; suchen Sie die auf Ihrer Seite!" — Ist es nicht, als ob Man Mark Twain reden hörte?

-- - - - --- -

Druck u»I> Bering der L. Echellenbcigschen tzof-BuchdniSere! i« WiHSatr». ^ ^