Verlag Sanggasie 21
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Dienstag» 29. §ebruar 1916.
Morgen«Kusgabe.
Kopflofc glucht der Italiener aus vura;;o.
Bisher 23 Geschütze, 10 00« Gewehre und vieles andere Material.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht,
W.T.-B. Wien, 28. Bebe. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 28. Februar» mittags:
Russischer und italienischer Kriegsschauplatz. Nichts von besonderer Bedeutung.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Unsere Truppen haben in Durazzo bis jetzt an Beute cingebracht: 23 Geschütze, darunter 6 Stuften* gcschützc, 10 000 Gewehre, viel Artilleriemumtlou, große Vcrpslcgungsvorrätc, 17 Segel- und Dampfschiffe. Allen Anzeichen zufolge ging die Flucht der Italiener mlf ihre Kriegsschiffe in größter Unordnung und Hast vor sich.
Der Stellvertreter des Chefs des Gencralstabs: v. Höfcr, Feldmarschallentnant.
Rohstoffversorgung und Rolonialpolitik.
Uns Deutschen mangelt die Fähigkeit zur Selbst iäuschnng, -die bei unstren Feinden jetzt so eigentüm liche Erscheinungen hervorgeru-fen hat. Während die Feinde aus jeder ihnen zugefügten neuen Niederlage immer tmed-er die an -W a h n s i n n grenzende Gewißheit schöpfen, daß sie ihrerseits die Siegeslaufdahn betreten haben, ist man bei uns weit eher geneigt, gelegentliche Störungen und Hemmungen, erst recht aber kleinere Einbußen ernster zu nehmen, als es nötig ist. Ein gütiges Schicksal hat uns ja davor bewahrt, daß wir die Probe darauf machen müssen, wie wir uns in so bedrückenden Verhältnissen bewähren würden, wie es die unserer Gegner sind, aber es ist wohl sehr die Frage, ob wir in gleicher Lage diese Illusi o ns.gab e besessen hätten, die, gestehen wir es nur zu, doch auch das Gute hat, daß sie Mut und Widerstandskraft steigert. Wenn hei uns jetzt eine wirkliche Einbuße mit vollkommener und nicht bloß vorgespiegelter Ruhe ausgenommen wird, so dürfen wir daraus schließen, daß unsere angeborene Objektivrtät, die uns Erfolge und Mißerfolge gleicherweise gerecht abwägen läßt, sicher auf den rechten Weg lührt. Wir sprechen hier von den Ereignissen auf dem Kriegsschauplatz unserer Kolonien. Wir häben zeitweilig jetzt auch K a in e r u n räumen müssen, wie vorher Togo und Südwestafrika, nachdem wir uns aus der Insel-stur des Großen Ozeans fch-oir vor mchr Ns Jahresfrist zurückgezogen hatten. Das sind Tatsachen, denen wir ins Auge zu sehen haben. Wie aber geschieht das? Durchweg unö mit v e r- trauensvoller Gewißheit geschieht es aus denr unerschütterlichen Bewußtsein heraus, daß dies alles die nicht zu vermeiden gewesenen Begleitumstände eines ungleich gewaltigeren Ring-ens sind, und daß es unseren Feinden nichts nützen wird, den größten Test unserer Kolonien in Besitz genommen zu haben. Sie werden sie entweder wieder herausgeben oder anderswo ausreichende oder vielmehr überwiegende Entschädigungen gewähren müssen, und das ist, wie gesagt, so sehr ein Be standteil unseres Wollens, unserer Zuversicht, unserer Erfolge auf den europäischen .Kampfgebieten, daß nirgends auch nur von weitem der Gedanke aufkommt, die billigen Gewinne, die unsere Feinde haben machen können, würden ihnen zu dauerndem -Vorteil gereichen. Der Sieger im Weltkriege wird auch Kolonien haben, well er sie braucht, und der Sieger werden wir sein. Das find keine Fragen äußerlichen Ruhmes, sondern es handelt sich um eine der Notwendigkeiten, um derentwillen wir diesen uns aufge- gwungenen Krieg führen müssen. Wir wissen, welches das wahre Kriegs ziel Englands ist: unsere wirtschaftspolitische Vernichtung, uns-ere Abschnürung vom W ei t m a r k t. Hiergegen haben wir uns zu wehren, und deshalb brauchen wir nicht bloß den ungehinderten Verkehr, mit dem Auslandsmarkt, sondern wir brauchen die Möglichkeit eines von unseren Machtmitteln allein und nicht von fremdem Belieben abhängigen Bezuges unentbehrlicher Rohstoffe. Deshalb sind uns Kolonien bitter nötig, und deshalb muß gerade ihre -vorübergehende Preisgabe für uns um so mehr zum Ansporn ihrer Wicder- g-ewinnung oder eines besser gelegenen Ersatzes wer den. Verdrängen lassen wir uns bestimmt nicht. Da wir nun aber für den Augenblick die meisten Kolonien Gäben ausgeben müssen, so ergibt sich aus dieser Sachlage nur wiedermm, wie lange der Krieg noch wird
dauern müssen. Zu seinen Zielen gehört nrcht vwß das, was wir an Sicherungen des g-eMNivärtrgen Besitzstandes hinzuerwerben wollen, sondern auch das, locw wir zu rück haben wollen. Wofern es noch eme» Beweises dafür bedurfte, welche Gefahren bei der ..o- sperrung von den Ländern der Rohstoffe drohen, uno daß die Eigenvevs-orgung unserer Industrie _ eine der wichtigsten Aufgaben bleiben -muß, so hat dreier Kr-re-g solchen Beweis in überreichein Maße geführt. Es ist deshalb auch nur natürlich und selbstverständlich, tvenn die Überzeugung von der Notwendigkeit, unser Land rn bezug auf seine wirtschastspolitischen Grundbedingungen möglichst selbständig zu machen, unter dem Zwange des heutigen abnormen Zustandes auch untere A rb e it erkr eise mehr rmd mehr durchdrmgt, ja m ihren Reihen neirevdings besonders eifrige Betonung findet. Im allgemeinen wird ja von unserer Kolomalpolitik gegenwärtig nicht viel gesprochen; es ist auch nicht nötig, daß es geschieht, aber um fo erfreulicher ist d-enn wohl die ^Feststellung, daß die Ein sichst -in die Wichtigkeit einer umfassenden -deutschen Kolomal- politik, wie gesagt, gerade von unseren Arbeitern mit überraschender Eindringlichkeit bekundet wird, wofür in den Organen der sozialdemokratischen Mehrheit zahlreiche und schöne Belege zu -finden sind. Das erweckt Hoffnungen für die Zukunft. Wir möchten. hier nur eines der vielen Beispiele für dies nützliche Um lernen anführen, den Schluß eines Artikels von Karl S e v e r i n g im jüngsten Heft der „Sozialistischen Monatshefte" Wer Rohstoffversorgung und Kolonial- Wirtschaft. Dia heißt es u. a., daß unsere Rohstoffversorgung nur gegen England errungen und gesichert wenden kann. 'Solange sich_ England nicht -dazu _ ver- ftefljc, auch anderen Nationen die Rechte einzu- räunnen, die es -selbst in so rücksichtsloser -Weise ge brauche, solange es das Weltmeer als sein Ge b i e t betrachte und -den anderen Nationen diktiere, was sie dürfen und • nicht dürfen, „solange ist der Kampf gegen diesen englischen Standpunkt eine einfache Notwendigkeit des Lebens". Wenn der Verfasser weiterhin eine friedliche Verständigung mit Frankreich über Wirtschaftsfraqen, in die auch die kolonialen ein- zubeziehen wären, für möglich hält und wenn er -ferner einer entsprechenden wirt-schaftspolitischen Verständr- gung mit Rußland -das Wort redet, s-o wollen wir ihm auf dies Gebiet für jetzt nicht folgen; immerhin wird die Vermutung, daß den Franzosen gegenüber hier ein Rückfall in überholte Anschauungen stattfinden mag, aufgewogen durch die Unbefangenheit, mit der ein Sozialdemokrat die Verständigung mit dem Zarenreiche erörtert. Aber, wie gesagt, das sind Probleme für sich, von denen nach dem Kriege in richtunggebender Weise wird gesprochen werden müssen.
Oie Lage im westen.
Oer Angriff auf Verdun.
Das Urteil eines Berliner Militärsachverständigen.
8r. Berlin» 28. Febr. (Eig. Drchtbericht. Jens. Bln.) Die Hauptsache der westlichen Kriegslage läßt sich
— s-o schreibt Major L. Dioraht im „Berliner Tageblatt"
— in einigen Worten ausd-rücken: Es geht vorwärts! Unsere Vordersten Linien stehen überall im Norden Verduns bereits innerhalb der äußersten permanenten Befestigungsfront des Waff-enplatzes. -Westlich Verdun ist seit einigen Tagen die französische vorgeschobene Front im Rückmarsch. Stuf dem äußersten Fortsgürtel und auf -dem stellen Höhenrand der Cäte de Lorvain und Mischen Bias und dem Argonnerwald halten wir bekanntlich das besetzte Gelände fest in der Hand und wir können uns Wohl vorstellen, wie die Augen der französischen Heeresleitung besorgt auf diese Front sich richten. Man -sieht in Paris d-ie heikle Lage -des französischen Heeres in Wahrheit viel klarer, als sich in der französischen Presse erkennen läßt. Wir trauen unseren Gegnern trotz ihrer glänzenden Fähigkeit, mit Worten unseren Erfolg zu verschleiern, dennoch genügende Urteilsfähigkeit zu. General Gallieni sagte im Heeresausschuß: Die Lage ist ernst, -aber nicht be- unrichigend. Das genügt uns fürs erste auch. Wir wissen genau, daß wir noch tüchtige Arbeit zu leisten haben. Charakteristisch bleibt, daß England in die fern kritischen Moment nicht zu sprechen ist. Man erklärt den in Not befindlichen Bundesgenossen, daß der Boden dort, -wo Englands Heere ständen, eine großzügige Gegenoffensive nicht erlaube, weil er -durch das Wetter anfgeweicht sei. Aber einem Jrrtuni der „Times" müssen wir schließlich noch entgegentreten: Mau lebt dort in dem Glauben, daß wir unsere schwere Artillerie von der russischen Front zurückgezogen und diese Arbeitsleistung nach Verdun geschasst hätten. So arm sind wir denn doch nicht an artilleristischem Material und ich glaube, daß der ,.Timcs"-Sachper-- ständige bald erkennen wird, wie an der russischen und serbischen Front unsere schweren -Mörser wieder arrf- -tauchen werden.
Nr. 99. ♦ 64. Jahrgang.
.Das größte dramatische Ereignis".
Eine einsichtige englische Stimme.
Br. Rotterdam, 28. geS&r. (Erg. Dväh-tbericht. Senf. Bür.) Die englische Wochenschrift „Nation" schreibt: Wer den großen AngMm, welche die Deutschen j-etzt cm der Wefsiront von Npern bis Verdun unternehmen, ist bereits an zahlreichen wichtigen Punkten die französische Front em-gedruckt. ^me Deutschem sind den Alliierten, welche das von den L-enisL^n Ib-esetztc Gebiet befreien ivollten, zuvor ge kommen. «o lange wir nicht die gesamten strategischen Plane ^-es b-eut,chwr Angriffes ilbers-ehen können, müssen wir uns mot Vorsicht über die Gefamtlage tat Westen äußern. Der Angriff flogen Berdum ist das größte dramatische Ereignis. Wenn wir uns schon zu den Friedens-bed'lNgnnflen der Asau-ilLH^DftÄso.iow wtib B-rimrd bekennen, wenn wrr me Macht w Entente jene Bedingungen du-rchznsetzen, niart kefthretf-ein, müssen wir unter leidenschaftliches FrieLenSempft.'-vM noch kume Zeit unterdrücken. Wenn wir aber der Ansicht sine, daß jene Absicht-m von der Entente nicht erzwungen rverden können, müssen wir aus die sofortige Ernst,ellnng des Krieges mit seinen Greueln dringen. Aber sogar darüber sicht die Entscheidung nicht Lei uns.
Die Flammenwerfer der deutschen Pioniere.
Müßige französische Kritikerfragen über die deutsche Stoßkraft Br. Genf, 28. Febr. (Eig. Drahtb-ericht. Jens. Mn.) lInt°E btn eine, Ernwirklüng crusubertbeln (Etuitschen
Ncch'kampfmi-ltÄn hebt der „Temps" die n eita F lamnr-en- iner f-e r der Pioniere hervor. DaZ Blatt schließt smwn Art-kel mit den Worten: Angenommen, Verdun fiele,
tmltben nach diesen übermenschlicken ^Anstrengungen die deu-tschLlr Kolonnen noch die Stotztmfft für wertere Qppumie U-nternchmungen bewahren? Diese Döktorf-rage erörtern auch anÄere Kritiker -und fügen hinzu-, daß jede Etappe näher !dern Zenirmn von Bevdun dem (Äenev<rk Hiumd'ert VerteidrgumgZmöglichkeiten biete. Das „Journal" und HerdeS Vicwire" suchen 'die Pariser BevWsru-ng durch Hinweis aus das wackere Perbalien der aus Berdrin und Umgebung in Paris eingetiroffen-en ZivilbevAkeru-ng aufzuvichiden.
Ein französischer Dampfer gesunken.
W.T.-B. London, 28. Mür. (NichtamWch.^DrahWevöcht.) Reuter meldet: Der französische Dampfer „Trignac" ist in der Nordsee gesunken. Fünf Mann wu-vden gerettet, 26 werde-n vcirnntzt.
Kardinal Mercier auf der Rückreise.
W. T.-B. Basel, 28. Febr. (NichtamMch.) Kardinal Mercier traf am Samstag in Luzern ein. Morgens zelebrierte er eine Messe A- «irrer Privatkap-elle. Der Z«t- pu-ukt der Weiterreise ist uinbestimMt.
vie Ereignisse aus dem valkan.
Heimberufung der Griechen im Ausland.
Br. Cbristiania. 27. Febr. (Eig. Drähtbrricht. Jens. Bln.) Die wehrpflichtigen Griechen, die in England wohnen, etwa I960 Mann, wurden heimberujfein.
Esiad in Rom.
W.T.-B. Bern, 28. Febr. (Nichtamtlich.) „Serolo" meldet: Essad hatte vorgestern auf der Kovsulta eine Unterredung mit Ssnnino -und dem Generalstabschef De- martino.
Eine bulgarische Richtigstellung.
W T.-B. Sofia, 28. Fcbr. (NickstamMch. Bulgar-ifche Tclegraphm-Ageickuir-l Die „Dimes" berichtet: Ein btm. den Franzosen gei-an-gene« bulgarischer Gen-oral ist in Marseille aaaekommen und wurde in der Festung EiateWn internrert. — Diese Meldung ist frei erfunden. Kein bülgam-fchdr General befindet 'sich als Gefangener bei den Feinden.
Die montenegrinische Regierung in Bordeaux.
Rotterdam, 28. Febr. (Zeus. Bln.) Nach einec Pariser Meldung hat die Regierung von Montenegro sich mm endlich in Bordeaux niedergelass-en.
Die Lebensmittelvorräte in Bulgarien.
-W T.-B. Sofia, 28. Febr. (Mchtamilich. Bon dem Vertreter des Wölfischen Bureaus.) Radoslawow erklärte in !-er Sobranje in Bea-alwortu-ng der Fragen, betreffend die Lebens mittelvov rate und die Teuerung, Bulgarien besitze genügende' Mengen fiir «ine Reihe von Jahren -und kaufe keine Saat im Ausland, vielmehr feien vom Ausland E-es-uche um Saat gekonmie-n. Die Spekulatimr werde Mich Kräften bekämpft. RadoSlawow bedauerte, daß immer nocl» große Mengen für Bulgarien bestcmmtcr Waren in Rumänien ftstliegen. An Deutschland seien 50 MWvnen Kilogramm Mais verkauft worden, für welche Bulgarien Waren evhiellt, die eS brauchte. Die Regierunig Hobe die Ausfuhr van 700 000 Oka Wolle nach Österreich erlaubt, wovon bisher 200 000 Oka exportiert -wachen. NahrMigsimtiel habe Bulgarien übergenug.
Ssasonow und Rumänien.
Köln, 28. Febr. (Zer-.s. Bln.) Die -Rede S s a s o n o w s überrascht, wie der „Köln. Ztg." aus Bukarest gemeldet wird, dort einigermaßen durch die Sicherheit, mit der der Redner die etwaige zukünftige Haltung Rumäniens zugunsten des Merbanids als selbstverständlich vnmMnt. WS
