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Mittwoch» 23. Februar 1916.

Kbend-Ausgabe.

Nr. 90. . 64. Jahrgang.

Ein dnrchslhlngender Erfolg an der Maas.

Gn neuer erfolgreicher vorftoh im Gbereisatz.

Oer Tagesbericht vom 23. Februar.

W. T.-B. Großes Hanptguartier, 23. Februar. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Durch eine Sprengung in der Nähe der von uns am 21. Februar eroberten Gräben östlich von S o u ch c z wurden die feindlichen Stellringen erheblich beschädigt. Die Gefangeuenzahl erhöhte sich hier auf 11 Offiziere. 348 Mann; die Beute beträgt 3 Maschinengewehre.

Auf den Maastzöhen dauerten die Artillcrickämpfe mit unverminderter Stärke fort. Oestlich des Flusses griffen wir die Stellungen an, die der Feind etwa in Höhe der Dörfer Confonvolle-Azanncs feit einundeinhalb Jahren mit alle» Mitteln der BefestignngSkunst ausgcbaut hatte, um eine für und unbequeme Einwirkung auf unsere Verbin­dungen im nördlichen Teile der Woevrc zu behalten. Der Angriff stieß in der Breite von reichlich Ist Kilometern, in der er angesetzt war, bis zu 3 Kilometern Tiefe durch. Neben sehr erheblichen blutigen Verlusten büßte der Feind mehr als 3000 Mann an Gefangenen und zahlreiches noch unübersehbares Material ein.

Im O b e r e l s a fi führte der Angriff westlich Heidweiler zur Fortnahme der feindlichen Stellungen in einer Breite von 700 und einer Tiefe von 400 Metern, wobei 80 Ge­fangene in unserer Hand blieben.

In zahlreichen Luftkämpfcn jenseits der feind­lichen Linien behielten unsere Flieger die Oberhand, östlicher und ValkankriegSschauPlatz.

Unverändert.

Oberste Heeresleitung.

Oer Verlust von Erzerum.

Von General d. Ins. z. D. v. Blume.

Berlin, 22. Februar.

Es liegt in der Natur der Verhältnisse, daß wir in dem gegenwärtigen Kriege, frt dessen Bann sich em aroher Teil der Erde befindet, den Vorgängen auf den Nebenkriegsschauplätzen lebhafteres_ Inter­esse nur insoweit zuwenöen. als ihnen ein wesentlicher Einfluß auf den Verlaut und Ausgang der Gesamt- handlung boizumessen ist. Sind doch auch die Nach­richten, die wir über jene Vorgänge evhMen, meistens nur dürftig, nicht selten widerspruchsvoll.^ Dies gilt u. a. von dem bisherigen Verlauf der türKisth-russischan Kriegführung an der Kaukasusfront. Von Interesse für die Beurteilung der Kriegslage tnr ganzen war an ihr die Tatsache, daß dort bald nach Eintritt der Türkei in den Krieg eine türkische Armee von anscheinend mäßiger Stärke die -Offensive ergriff, und zwar mit ihren Haupt­kräften auf der allgemeinen Linie Erze rum-Kars, mit einer linken Nebenkalonne längs -dem .Küstengebiet des Schwarzen Meeres. Die Offensive hatte anfangs guten Erfolg, kam aber bei Ausbruch des hart einsetzen- den Winters in dem rauhen Geoirgslande alsbald zum Stehen. Und Ende Januar d. I. sahen sich die Türken genötigt, vor einer mit überlegenen Kräften ausgesührten russischen G e g e n o s f c n- i i v e zurückzuweichen. Eine Entscheidungsschlacht, zu der der türkische Oberbefehlshaber seine Hauptmacht un­weit der Grenze versammelte, hatte einen ungünstigen Ausgang, so daß die Amnee zum Rückzug auf die Festung Erzerum gezwungen war. Aber auch hier haben die Türken sich trotz tapferen Widerstandes nicht zu behaupten vermocht, vielmehr ist es den Russen ge­lungen, die Festung mit Sturm zu nehmen.

Daß die Türken bei dieser erfolgreichen Gegenoffen­sive der Russen e r n st e Verluste erlitten haben, ist ebenso wahrscheinlich, wie daß die russischen Angaben hierüber übertrieben, dagegen die ruforschen Verluste, die als „gering" angegeben werden, ebenfalls schwer gewesen sind. Die Aussicht auf baldige Ver­stärkungen ist für beide Parteien gering. Die nächsten türkischen Eisenbahn- Endpunkte. Alexandrette (Bogdad-bahn) und Angora sind von Erzerum 50» bezw. 700 Kilometer entfernt, so 'daß auf .türkischer Seiko zunäMt wohl nur in den Zwischerr- gebieten befindliche Reserve- und Erfatztruppcn in Frage

Mehr als 3000 befangene.

kommen. Die Russen haben für ihre Offensive jeden­falls alle Truppon, die in Kaukafien vorhanden waren, erngefetzt, und cs ist nach der allgemeinen Kriegslage nicht anzunehmen, daß sie für diese _ Nebcnoperatron weitere Truppen von anderen Kriegsschauplätzen nach- ziehen werden, was übrigens auch nur mit beträchtlichem Zeitaufwand möglich wäre. Ihre zur stelle be­findlichen Truppen reichen aber für erheblich werter ausgreifende Operationen nicht aus, sie werden sich viel­mehr im wesentlichen darauf beschränken müssen, gestutzt auf Erzerum den gewonnenen, etwa 7 5 Kilometer breiten Grenzstreifen des feindlichen Gebiets zu sichern. Insbesondere wäre es töricht, wenii die m Irak bei Kut-el-Amara von den Türken eingeschwssene englische Streitmacht auf ein siegreiches Vordringen der Russen von Erzerum Entsatzhofsnungen baueii wollte. Denii die Russen niüßten zu diesem Zweck voii Erzerum einen gefährlichen Flanken m a r f ch v o n 1000 Kilometer Sange ausführen.

Da das türkische Gebiet Kleinaisiens vom Mittel­ländischen Meere bis zur O st grenze mehr als 1600 Kilometer mißt, so erleidet die Wehrkraft des Reiches durch den vorübergehenden Verlust eines schmalen östlichen Grenzstreifens keine 'chwere Einbuße. Noch weniger fällt der Schaden ins Gewicht, wenn man ihn ans dem Gesichtspunkte der Gesa ui t l a g e -des Weltkrieges betrachtet. Er würde nicht eingetreten oder doch leicht wieder auszugeichen sein, wenn eine Eifenvohnvervindung zwischen Angora und Erzerum vorhanden wäre. Für die Zu­kunft bedarf es einer solcheii insbesondere auch zur Sicherung der Bagdabahn.

Wenn irach dem Gesägten der Verlust von Erzerum mit seinen Nebcnmiiständen zu irgendwelchen Besorg­nissen keinen Anlaß bietet, so ist er immerhin ein für die Türkei und auch für deren Verbündete, _ 'besonders des moralischen Eindruckes wegen, 'bedauerliches Miß­geschick. Die Jubelhymnen rrnsever -Gegner aber be­lächeln wir.

Der amtliche türkische Bericht.

Das große Schweigen.

W. T.-B. Konstantinopcl, 23. Febr. (Nichtamtlich. Droh Gericht.) Das Hanptguarticr teilt mit: An den verschiedenen Fronten keine wesentliche Ä n d e- r u n g. __

Der Krieg gegen England.

Ein neuer englischer Torpedobootszerstörer verloren.

Br. Amsterdam, 23. Febr. (Eig. Trahtbericht. Zenis. Bln.) Der Vertreter der Telcgraphcn-Union meldet: Der moderne englische Torpedobootszcrstörcr „Hind" ist vor der Thrinscmündung auf eine Mine gelaufen und gesunken. (Der Dorpodobootszerstörer „Hind" ist 1912 init 13 anderen Zerstörern feiner Klasse von: Stapel gelaufen) er führte zwei 10,2- und 27.6-Zentimeter-Ge- schütze und zwar Röhren für 53kalibrige Torpedos. Bei 760 Tonnen Wasserverdrängung zählt er eine Be­mannung von etwa 80 Köpfen.)

Ein Luftgesecht zwischen englischen Fliegern

Erneute Kritik am Luftverteidigungssystem.

W. T.-B. Rotterdam, 23. Febr. (Nichtamtlich.) Der „Rottcrd. Courant" meldet: In der vorgestrigen Sitzung deS Unterhauses sprach der Abgeordnete Bennett Golncy anläßlich des Luftangriffs auf Dover ernste Beschul­digungen aus. Er fragte, wie es kam, daß bei dem Gefecht, welches folgte, ein Flieger mit einem Finschcrcrgcwchr und etwa 5 Patronen aufstcigcn mußte, da dies die einzige Waffe war, die er finden konnte. Unsere Flieger^ die aufstiegen, alS die feindlichen Flieger außer Sicht waren, hielten einander für Feinde. Es fand ein Gefecht zwischen einem unse­rer Wasserflugzeuge und einem unserer anderen Flugzeuge statt, und alles dies noch nicht genug, feuerten unsere Kanoniere auf beide. Bei ihren vergeblichen Versuchen, die Flieger niederzuschietzen, gelang es den Kanonieren, den Turm der K i r ch e v o n W a l m c r zu beschädigen und einig« unserer Mannschaften in der Kaserne zu verwunden. Sind Vorfälle wie dieser geeignet, uns Vertrauen zu dev Leitung des Luftdienstes cinzuflößen oder in die Auslegungen, die wir von der Regirrungsbank erhalten'? Man erzählt uns jetzt, daß es besser werden soll. Ich nehme diese Versicherung

an, denn eine schlechtere Organisation als jetzt, ist nicht beitk- bar. (Wie itm vorigen Jahr bereits englische Kriegsschiffe in der Nordsee sich bei Nacht und Nebel effi Gefecht lieferten, so jetzt englische MezM. Und da sage noch einer, bah die Eng­länder nicht alles fertig brächten. D. Echrfftl.)

Ein ständiger Ausschuß für den Lustdienst.

W. T.-B. London, 23. Febr. (Nichtamtlich. Drahtberich.) Der parlamentarische Mitarbeiter des „Daily Telegraph Zer­fährt. daß das Zustandekommen eines ständwchen Ausschusses, der den Lnftdienst zu Wasser und zu Lande unter sich vereinigen soll, gesichert ist. Wahrscheinlich wird Lord Derby Leiter des Ausschusses.

Unsere U-Boote an der Arbeit.

IV. T.-B. London, 23. Febr. (Nichtamtlich.) Mel­dung des „Reuterscheu Bureaus": Der britische Dampfer , Dinglc" wurde versenkt. Wahrscheinlich ist nur ern Mann gerettet worden. — „Lloyds" meldet: Dre Be­satzung von zlvci englischen Fischerbarke«, dre m der Nordsee versenkt wurden, sind rn Lowestost s e> landet worden.

Ein holländischer Dampfer auf eine Mine gelaufen.

W. T.-B. Amsterdam, 23. Febr. (Nichtamtlich.) Ein Desto- gramßn aus Maatzluis meldet: Der englische Dvmnfer ,,£) u f e I" brachte gestern abend zwei Mvnn van der Be- stchumg des nicdeÄänldischvn Dämpfers „La F lanbr e" an Land, der bei Eallopcr aus eine Mine gÄnillfen ge­

sunken ist.

Das englische Unterseeboot „H 6" wieder flott

W. T.-B. Haag, 23. Febr- (Nichtamtlich.) DaS Korre- sponbenzbuaeau meldet: Es ist gelängen, das bei Schier- monurkoog geftraridete britische Unterseeboot „B 6" flott zu machen. Es 'wird nach Nieuwediep verbracht. („B 6" jpar ant 19. Januar an der holländischen Küste aufgelausen. Schrifll.)

Explosion auf einem englischen Dampfer.

W. T.-B. Rio de Janeiro, 23. Febr. (Nichtamtlich.) Meldung des „Roulerschen Bureaus": Der Dampfer

„Tennyson" der Lancort and Holt Line, ider^ von La Plata nach 9«t) Uork unterwegs war, lief, wae be­richtet wird, in s ch we r b e s ch ä d i g t e m Zuistarche Maranhao au. Aus dem Dampfer hat sich am 18. Fe­bruar kn Magazin eine Explosion ereignet. Drei Mann, die wahrscheinlich zu der Besatzung gehören, nämlich ein Engländer, Holländer imd Amerikaner, wurden getötet. — „Lloyds" meldet hierzu aus Maranhao. daß die Explosion auf dem Hinterdeck statt­fand, welches ein gestürzt' ist. Der Dampfer führte ge- mischte Ladung.

Ein Blockademinister.

Statt bisher 22 nunmehr 23 Minister.

W. T.-B. Rotterdam, 23. Febr. (NichtamtLich.) Wahr­scheinlich im Zusammenhang mit der Slbsicht der Negievuug, die Blockadefrage der einheiüicheu Lciitung , eines Ministeriums zu unterstellen, teilt die „Daily Mail" mit, daß die Zahl der Minister in nächster Zeit von 22 auf 23 erhöht wird.

Die Ziele der englischen Handelspolitik.

IV. T.-B. Rotterdam, 23. Febr. (Nichtamtlich.) Der ..Rotterdarrtfche Courant" meldet aus Lmwan: In der Jahres- vcrsanrmlunq der .Handelskammer Dcanchester stimm m 988 für die Zurückweisung eines Memorandums des Direktoviiums zugunsten des Freihandels nach dem Kriege, 527 gegen die Zurückweisung. Heute werden zwei Anträge eingÄbracht, 1er eine, daß ein Schutzzoll gegen deutsche und öfter- reichisch-ungarische Waren eingeführt werden soll, der andere, daß deutsche und österreächischeangarische Schiffe und Produkte nnrs den Häfen Großbritanniens nnfe ferner Verbündeten ausgeschlosfen werden sollen.

Oie Regelung dev „Lusitania"-Frage.

Eine Denkschrift der Vereinigten Staaten über bewaffnet« Handelsschiffe?

Siew York, 23. Febr. (Jens. Bln.) Nach allen Anzeichen ist cs offenbar, daß dir letzte Mitteilung der deutschen Regie- rung in der „Lusitania"-Fragc die amerikanische Regierung völlig befriedigt hat, so weit cs sich um die „Lusitania", Frage im besonderen handelt. Zu der deutschen Au- kündigung der bewaffneten Handelsschiffe kann die ameri­kanische Regierung erst Stellung nehmen, wenn die Dr.»