Verlag Langgaffe 21
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Mittwoch» 23. Kebruar 1916 . WvvgEN - Nr. 89. . 64. Jahrgang.
Km Fliigzeuggeschmaiier über der Lombardei.
Gesteigerte Lampstätigkeit an der Westfront.
Ein Erfolg östlich von Souchez. — 326 Gefangene. — Zahlreiche Luftgefechte hinter der feindlichen Front.
Der Tagesbericht vom 22. Zebruar.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 22. Febr. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Das nach viele» unsichtige» Tage» gestern aufklärende Wetter führte zu lebhafter Artillerietätigkeit an vielen Stellen der Front; so zwischen dem Kanal von La Bas säe und Ar ras, wo wir östlich von Souchez im Anschluß an unser wirkungsvolles Feuer den Franzosen 800 Meter ihrer Stellung im Sturm entrissen und 7 Offiziere und 319 Mann gefaugen einbrachteu.
Auch zwischen der Somme und der O i s e, an der Aisnesront und an mehreren Stellen der Champagne st e i g e r t e sich die Kampstatigkeit zu größerer Heftigkeit. Nordwestlich vou Tahure scheiterte ein französischer Handgranatenangriff.
Endlich setzten ans den Höheil zu beiden Seiten der Maas oberhalb von Dun Artilleriekämpfe ein, die an mehreren Stellen zu beträchtlicher Stärke anschwollen und auch während der letzten Nacht nicht verstummten.
*
Zwischen den von beiden Seiten ausgestiegenen Fliegern kam cs zu zahlreichen Luftgefechten, besonders hinter der feindlichen Front.
Ein deutsches Luftschiff ist heute «acht bei R e v i g n y dem feindlichen Feuer zum Opfer gefallen.
Östlicher und Balkankriegsschauplatz.
Die Lage ist im allgemeinen unverändert.
Oberste Heeresleitung.
J *
Der Abschuß dieses Luftschiffes bedeutet den ersten Verlust eines Zeppelins durch feindliches Feuer. Ist er auch bedauerlich, so müssen Verluste doch von vornherein in das Konto des Kriegsrisikas einbezogen werden. Wenn wir aber bedenken, daß wir bald den fünfundzwanzigsten Luftschiisfangrisf auf England feiern können, daß unsere Zeppeline schon wiederholt über Paris und über russischem Gebiet erfolgreich tätig gewesen sind, dann ist dieser eine Verlust ichr geringfügig, !so sehr auch unsere Gegner sich vielleicht bemühen werden, daraus einen Erfolg für die Organisation ihres Abwehrdienstes zu konstruieren.
Der Flugzeugangriff auf Mailand und die _ italienische Flugzeugstation Desenzano.
Österreichisch-ungarischer Tagesbericht«
W.T.-B. Wien, 22. Febr. (Nichtamtlich.) Amtlich verlautet vom 22. Februar, mittags:
Russischer und südöstlicher Kriegsschauplatz.
Nicht Neues.
Italienischer Kriegsschauplatz.
An der Jsonzofront waren die Artilleriekämpse im allgemeinen namentlich aber bei Plava recht lebhaft.
Eines unserer F l u g z e u g g c s ch w a d c r unternahm einen Angriff auf Fabrikanlagen in der Lombarde i. Zwei Flugzeuge drangen hierbei zur Erkundung bis Mailand vor. Ein anderes Geschwader griff die italienische Flugzeugstation und die Hafenanlagcn von Desenzano am Gardasee an. Bei beiden' Unternehmungen wurden zahlreiche Treffer an den Angriffsobjekten beobachtet. Trotz heftigen feindlichen Artillericfeucrs kehrte» alle Flugzeug- wohlbehalten Zurück.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: p. Höf er, Fcldmarschallentnant.
Der Krieg gegen Italien.
Um Italiens Teilnahme am obersten Kriegs rat.
Eine Mahnung des wohlinspirierte« Pariser Mitarbeiters des „Secolo".
Br. Lugano, 22 . Febr. (Eig. Drahtbericht, Zens. Bln.) Der Pariser Vertreter des „Secolo" sagt im Anschluß an die Fest, stcllung, daß Italien sich bis jetzt noch nicht zur Teilnahme am obersten Kriegs- und Diplomatenrat in Paris verpflichtet habe: „Wird Italien den kommenden Schritt tun?" In Frankreich zweifelt niemand daran, ganz entschieden niemand. Aber die Konferenz könne wegen der italienischen Kammersitzungen erst nach einem Monat zusammentreten. Doch das französische Publikum sage sich, ein Monat ist lang, besonders in diesem Krieg, wo alle guten Entscheidungen gleich erfolgen sollten. Durch die Verzögerung ihrer Entscheidung belegt die italienische Regierung sich mit einer Schuld. Ein sofortiges Nein würde Klarheit schaffen, man würde wissen, daß man mit dem Krieg in der bisherigen Weise rechnen muß. Man hat darauf gerechnet, daß die italienische Regierung mehr aus die Notwendigkeit des Sieges und weniger auf die Rücksicht ans die innere Politik bedacht sein würde.
Vier schwedische Fischerboote in Schweden angehalten.
Von Italien zur Jagd aus deutsche Il-Bootc gekauft.
Br. Kopenhagen, 22. Febr. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln.) Im Hafen von Göthcborg lagen seit einigen Tagen vier schwedische Fischdampfer, die bedeutende Proviantvorräte cinnahmen. Als sie gestern den Hase» verlasse» wollten, wurden sie von Zwei schwedischen Torpedobooten an gehalten und an der Abfahrt gehindert. Dir Fischdampfcr, die einer Stockholmer Firma gehören, sollten, wie verlautet, von Italien angckauft worden sein, und sollten nach dem Mittelmcer fahren, um ans deutsche Unterseeboote Jagd zu machen.
General Porro wird in Paris gewünscht.
Eadorna verschiebt seine Reise bis Ende März.
W. T.-B. Paris, 22. Febr. (NichürmÄich. Drahtbericht.) Nach einer MclÄwng des „Matiu" soll General Vorro vor Ende Februar nach Frankreich kommen, um an den müli- täriischem Besprechungen teilzun-ehmen, welche der Krisgs-rvt der Alliierten vorbereitm soll. Cadorna würde erst Ende März mit einigen Ministern cmkmirmcn.
Die Giolittaner nähern sich Salandra.
Ein verabredeter Plan?
Genf, 22. Febr. (Zeus. Bln.) D e giobittanische „Starnpa" betont nochmals, daß das Kabln-ett Salandra auf eine große wnd sichere Mehrheit auch dann rechnen kann, 'metm ein Teil der anz-uft leben«! Kriegsparteien abfallen sollte. Das bedeutet affo ein Fortdauern der Entspannung zwischen Salandra und den Gwlittionern fiir die nächste Tagung des Parlaments.
Der Krieg der Türkei.
Der amtliche türkische Bericht.
Das Zugeständnis des Verlustes von Erzerum. — Keine Festung, sondern eine offene Stadt.
W. T.-B. Konstantiuopcl, 22. Febr. (Nichtamtlich. Drcchtbericht.) Amtliche Mitteilung: Unsere Armeen
haben sich aus militärischen Rücksichten ohne Verluste in die westlich von Erzcrum belcgcnen Stellungen zurückgezogen, nachdenl sie die 15 Kilometer w e st l i ch der Stadt befindlichen Stellungen sowie 50 alte Kanonen, die nicht wcggeschafft werden konnten, an Ort und Stelle zerstörten. Die vou den Russen verbreiteten phantastischen Nachrichten, nach denen sie in Erzerum 1000 Kanonen erbeuteten und 80 000 Gefangene gewacht hätten, widersprechen der Wahrheit. In Wirklichkeit haben, abgesehen vou den in der erwähnten Stellung vvrgckommcncu Kämvfcn, keine Kämpfe in der Umgebung von Erze rum stattgefunden. Im Grunde genommen war Erzcrum kerne Festung, sondern eine offene Stadt! Die in der Umgebung befindlichen Forts hatten keinen militärischen Wert. Aus diesem Grunde wurde auch nicht in Erwägung gezogen, die Stadt zu halten!
Die türkische Zivilliste angenommen.
Prinz Wahcd-Eddin als Thronfolger anerkannt.
Ar. Konstantinopel, 22. Febr. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Bln) Die Kammer nahm heute die Z i v ill i st e des Kaifer- hauises an Die Apanage des verstorbenen Prinzen Jzzedin wurde unter seine Klmder mutz tzune Frau verteilt. Prinz
Wahid-Eddin erhielt die Apanage als Kronprinz in Höhe von 2 400 006 Piaster zuerkannt. Damit ist Prinz Wahid-Eddin als Thronfolger anerkannt.
Die Beschießung des englischen Lagers bei Kut - el - Amara.
Eine türkische Kraftstation östlich des Sneskanals zerstört.
W. T.-B. London, 22. Febr. (Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht: Am 17. und 19. Februar wurde 'dos britische Lager bei K u t - e l - A m a r a von Flugzeugen mit Bomben beworfen, ohne Schoben anzurichten. Die Entsendung der Verstärkungen zu General Ayl- mers Entsatzkorps macht befriedigende Fortschritte. Der Oberbefehlshaber im M i 11 c Im c c r berichtet: Bei
einem am 20. Februar auspeführten Evkundungssluge nach einem vorgeschobenen Posten des Feindes, östlich des Sneskanals, ging einer unserer Flieger auf 600 Fuß hinab -und zerstörte durch einen Wurf mit einer hundertpfündigen Bombe die feindliche Kraftstation bei El Hassama.
Der Zeldzug in Mesopotamien.
Von unserem militärischen Mitarbeiter.
Als England und Frankreich Anfang Januar den letzten Küstenstreifen auf der Halbinsel Gallipoli räuimen mußten, stand es außer Zweifel, bas 'diese Niederlage sich sehr bald für die Entente im mesopotami- tchen Ka-nipfgeüiete fühlbar machen werde. Die ganze Kraft der Türkei war an den Dardanellen eingesetzt worden. Hier inrußte für sie der schicksalentscheidLnde Hauptschlag erfolgen, allen anderen Kriegsschauplätzen kam im Gegensatz zu diesem nur eine untergeordnete Bedeutung zu, dem kaukasischen ebeirso wie dem in Persien uird Mesopotamien. Erlag die Türkei an den Dardanellen, so hatten ihre Feinde an Men anderen Stellen ein leichtes Spiel, siegte sie an der Meerenge zwischen Asien und Europa, so gewann ihr .moralisches Arischen erheblich im Orient, so erhielt sie neue starke Truppen, um ihre Feinde auch auf den lldebenkrieigs- fchauplätzen ebenso gründlich zu schlagen wie an: Strand von Gallipoli. Dank der osmanischen Tapferkeit ist dieser günstige Fall eingetreten. Mesopotamien ist hierdurch nicht mehr der entfernte KolonialkriegAschcm- platz geblieben, welcher er vorher war. England hat in diesem Lande keine freie Hand -mehr, wie noch einige Wochen zuvor. In den: Flußgebiet zwischen Euphrat und Tigris kämpft es ebenso um sein Dasein, wie -vorher auf GMipoli und jetzt noch in Flandern. Aus i>em mesopotamischen Nebenkriegsschaichwtz wurde ein solcher von großer Bedeutung.
. Bereits im Herbst 1914 schickte sich England an, seine Hand auf dieses Land zu legen, auf welches, im Interessengegensatz zu Rußland bereits in Friedenszeiten sein Augenmerk gerichtet hatte. Diese Handels - Interessen in einem Augenblick für sich auszumrtzen, wo der Türkei an anderen Stellen die Hände gebunden waren, auf bequeme Art sich ein Faustpfand zu sichern, das waren die Hauptbeweggründe, für die ersten kriegerischen Operationen Englands im Herbst des Jahres 1914 im Digrisgebiete. Dem Rivalen Rußland wollte England trotz aller gegenwärtiger Freundschaft auch jetzt noch zuvorkommen. Den militärischen Teil dieses Bag-dadunternehmens dachte sich England ziemlich einfach. Es führte diese Kämpfe im Vertrauen auf die Unterstützung der ihm ergebenen Araberstämme und in der Hoffnung,- daß die Türkei an den Dardanellen militärisch vollkonmien niedergerungen werden würde. Nur die Verkennung der erwachsenden -Schwierigkeiten für Nachschub und Verpflegung in einem an Wasser und Wegen so qrmen Lande wie Mesopotamien, allein die Unterschätzung der feindlichen und die hohe Bewertung der eigenen Kraft lassen es erklären, daß England diesen Feldzug mit nur 20000 Mann unter- nahm. Der englische Vormarsch vom Persischen Golf in nördlicher Richtung ging nur sehr langsam -vor sich. Er stockte schon -damals im ÜbcvschwemnUingsgebiet des Euphrat und Tigris, später im Sommer im Sa.rÄe der Wüstenstrecken. Einen ernsthaften Gegner hatte England damals noch nicht zu bekämpfen. Die Türkei brauchte alle Truppen zun: Kampf an den Meerengen. Sie mußte den Schutz von Mesopotamien kurdischen mrd arabischen Stänmien überlassen, welche hinsichtlich Organisation und Bewaftnung den englischen Truppen keineswegs gewachsen waren. Im Herbst 1915 erreichten die Engländer die Stadt Kut-el-Mrara arn WWchen Ende des großen KLgris-Knies. Sie Jwfien Sch
