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Verlag Langsame 21

„Tczbialt-Haus".

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SgrftggÄSt BerllmrSchristleitm.gdesWi-sbadcnerTogblattS-

Dienstag, 22. Februar 1916.

gür di-Ausnahme von Anzeigen an voraeichriebenen Berlin»'., Potsdamer Str. 121 ll. Feruspr.: NmtLutzow 6202U.620 3. Tagen und Plätzen wird keine Gewahr „brrnommen.

Nr. 88. . 64. Jahrgang.

Kbend-Kusgabe.

Wird SS den Grieche« gelingen?

Beim Endpsailg deS Kwnmerpräsidiums hat König Konstantin iic aus dom innevsten Herzen kommende Erklärung abgegeben, daß er eine Politik verfolgt habe, die am besten den nationalen Interefisen Grie­chenlands angevaßt sei; und der Vizepräsident erwiderte darauf in: Namen der Kammer, daß der König das Land v o r d e tu Schicksal anderer kleiner Staaten bewahrt habe. — Bewahrt habe? Sagen mir vorsichtigerweise bisher bewahrt habe, denn noch dauern die Bemühungen des Vierverbandes, i>em be­dauernswerten, schwer bedrängten und bedrückten Hellas das „Schicksal anderer kleiner Staaten" zu be­reiten, unverändert fort.

In der Tat, in -dem einst geflügelten Wort, wo der Osmcme hintritt, wächst fein Gras, wird man füglich unter Streichung unseres Bundesgenossen das Wort Lllbion cinschalten müssen. Die kleinen Starten, welche sich dessen Machtgckot nicht fügen wollten, haben schwer unter der britischen Willkür, besonders . unter seiner Seewillkür leiden inüssen. Holland und die sdarrdinabi- schen Staaten wissen ein Lied davon zri singen, was ihnen von englischer Seite zngemutet und auserlegt wurde, weil sie sich nicht an der modernen Kon­tinentalsperre gegen Deutschland beteiligen woll­ten. Immerhin gelang es ihnen ebensowie Rumänien und sogar dem Alliierten EngtMrs, Portugal, sich vor dm: „Schicksal anderer kleiner Sta-affn" zu bewahren, auf welches der Vizepräsident der griechische i Kammer anspielte. Es ist damit das Schicksal Belgiens, Serbiens und M o n t c n e g r o s gemeint, die sich vor den britischen „Triumphivagen" — der Triumph- ,wagen -der Entente oder de§ Vier-Verbandes ist der bri­tische — spannen ließen und dafür schwer gebüßt haben, denn diese drei Staatsgebilde sind trotz der prahlerischen Versprechungen ihrer sogenannten Beschützer im Lause dieses Weltkrieges von der Landkarte gestrichen worden.

Dem Schicksal -dieser Staaten zu entgehen, das ist der Sinn jener Politik, welche König Konstantin .rät -den vorhin erwähnten Worten meinte und welche >er Ministerpräsident Sknludis dahin kennzeichnet?, >rß dis-ged emü ti gte Nation mit niännsicher Resig­nation alle Anschläge auf ihre Souveränität trägt, weil der Schaden bei einer anderen, nicht neutralen Politik noch größer wäre. Was hat inan den gleich Heloten behandelten Hellenen nicht zugemutet. seit dem Augen­blick, tvo Engländer und Franzosen in Saloniki lande­ten unter dem Vorwand, den Serben zu helfen, wäh­rend man in Wahrheit den Mittelmächten »den Weg zum Balkan verlegen wollte und zu diesem Zweck die Grie­chen als Vorspann zu gebrauchen, zu mißbrauchen ge­dachte! Der Landung in Saloniki solgte die Beschlag- ilahme der Grenzbaihnen, die Verhaftung der fremden Konsuln nnd zahlreicher Griechen, die Sprengung der Wardavörücken, die Absperrung der Nahrungsmittel- -ufuhr, die Besetzung der griechischen Inseln usw.

Tie griechische Regier:mg hat sich all diesen Gewalt­akten gegenüber mit Protesten begnügt, begnügen zu müssen geglaubt. Aber die Erbitterung im Hellenen- rciche wuchs trotz Venizelos' Gegenagitation immer stär­ker an, und sie hat jetzt angesichts der Landung italieni­scher Karaibinieri auf Korfu den Höhepunkt erreicht. Denn schmeichelte mau sich bisher noch damit, daß die Engländer und Franzosen eines Tages Saloniki und die griecksischcn Inseln wieder freigeben würden, so hat man zu Seit Italien i er n dieses Vertrauen schon gar nicht. Nicht mit Unrecht erblickt man in den Italienern die gefährlichsten Konkurrenten der griechi­schen Mittelmeerstellung, und cs ist unvergessen, daß gerade sie am schärfsten gegen das Vorgehen Griechen­lands in Südalbanien Einspruch erhoben haben. Der Besitz von Korfu, wo neben den Griechen an 10000 Italiener wohnen, und das einzelne römische Politiker schon wiederholt auf die Liste -der zu „erlösen­den Provinzen" gesetzt haben, würde den Italienern die Herrschaft über die Zufahrt st raße zum Adriati- ichen Meere verschaffen. Daher die allgemeine Besorg­nis in Griechenland, daher der heftige Vorstoß in der griechischen Kammer, der zu einer Note der r ö m i- schen an die Athener Regierung geführt hat. Und da­her wohl auch die Reffe des Generals Sarrail -um König Konstantin, dem man .wahrscheinlich die üb­lichen „beruhigenden Erklärungen" überbringen will.

Die neuere Geschichte kennt keinen Fall, daß man einem Staat, nur weil er neutral bleiben und sein Volk nicht zu Söldnerdiensten mißbrauchen lassen will, in dieser Weise vergewaltigt, ihm gleichsam am lebendigen Leibe Stück für Stück röste. Wenn man da- mit die Taktik verfolgte, die Griechen zahni zu inachen, sie zum Anschluß an den Vierverband zu-bewegen, so dürste man -in London, Paris und Rom diese Hoffnung wohl e'.tdgültig aufgegeben haben. Jetzt handelt es sich lediglich noch -darum, ob es den Griechen gelingen wird,

-durchzuhalten, trotz aller Vergewaltigung an der Neutralität fest zu halten, oder ob die schwer heiingesuchte Nation sich zum Schluß, zur Verzwerf- l u n g getrieben, doch gegen ihre Bedränger erheben wird. Das aber ist unschwer zu begreifen, daß die Griechen jetzt sehnsüchtig über die Grenze nach den Truppen der M i t t e l,m ä ch t e und Bul - gariens blicken, die sie immer offener als Be- freier bezeichnen, heute wohl sckwn zu begrüßen ge­neigt sind. Und das haben mit ihrer brutalen, Völker­recht und Menschlichkeit mit Füßen tretenden Gewalt» tcrktik Albion und seine Trabanten getan.

General Sarrail beim König.

W.T.-B. Athen, 22. Febr.,, (Nichtamtlich. Draht- bericht.) General Sarrail ist hier angekommen. Er wurde vom König in Audienz empfangen.

Der bulgarisch-griechische Grenzzwischenfall.

Paris, 22. Febr. (Zem. Mn.) Havas mesdet _ aus Saloniki: Eine bulgarische Patrouille überschritt

die griechische Grenze bei Doiran. Sie traf mit einer grie­chischen Patrouille zusammen, mit der sie einige Schütze wechselte. Tie Bulgaren zogen sich zurück; sie hatten zwei Tote, iybe Griechen einen Verwundeten. (Es handelt sich offenbar um den bereits vor einigen Tagen kurz mitgeteilten Vorfall. Schrfftl.)

König Peter im Exil.

Genf, 22. Fe.br. (Zeus. Bin.) Ein Berichterstatter der „Associated Preß" hatte auf Edipso eine Unter­redung mit dem König Peter, der sich -dort zur Er­holung aufhält. Wie der Journalist erzählt, sah der serbische König äußerst müde und krank aus. Er erklärte, gegen seine Verbündeten keinen Groll mehr zu hegen. Zwar seien sie (einem Lande zu spät zu Hilfe gekommen, aber ne hätten wenigstens versucht, es zu retten. So wie er an Gott glaube, glaube er auch an die Wiedererstehung Serbiens. Nur -dieser Gedanke habe in ihni das Leben erhallen.

Zur Sammlung der serbisch­montenegrinischen Heeresrestc.

Rotterdam, 22. Febr. (Zehs. Mn.) Halms mÄdet aus Korfu: Bisher find über 140 000 serbische und montene­grinische Truppen über See transportiert worden, vpn heuen 128 000 nach Korfu verbracht wurden. In Sllbauien sollen sich noch 20 000 Mann -und ebenso viele Pferde befinden. (Die inuwcchvscheinüUch hohen Zahlen sollen dem Gegner offenbar einen großen Schrecken einjagen.)

Rotterdam, 22. Febr. (Zeus. Bln.) Die serbische Ge­sandtschaft in Paris veröffentlicht, tme Havas meldet, einen Ausruf, wodurch sämtliche serbische Untertanen vcnr 17 bis 46 Fohren, die fiir den Heeresdienst geeignet sind, ausgefordert werden, sich sofort, spätestens vor dem 18. März, znm serbischen Heer nach Korfu zu verfügen.

Der Gefangene des Vierverbau des. Nikitas Kapitulationsangebot durch die feindliche Nnter- snchungskommisiio» festgestellt.

Sr. Budapest, 22. Febr. (Eig. Drahtbericht. , Zenf. Bln.) Nach einer Meldung aus Bukarest schreibt die Petersburger „Birschcwia Wjedomosti": Tie in der

Angelegenheit der montenegrinischen Waffenstreckung eingeleitetc Untersuchung wurde von den Diplomaten der Entente nunmehr beendet Von russischer Seite nahm Gicrs, von italienischer Sakandra und Sonnino und vön französischer Seite Cochin an den Beratungen teil. Die genannte Kommisiion unterzog die Berichte über di: informativen Gespräche mit Nikita und seinem Ministerpräsidenten einer genauen Prüfung und ge­langte zu der einmütigen Meinung, daß Nikita nicht in der Lage sei, die Behauptung der österreichisch-ungari­schen Diplomatie umzustoßen. Es erscheint erwiesen, daß die Initiative der Waffenstreckung nicht von General Kocveß, sondern von Nikita ausqegangen sei. Die Entcntestaatcn beschlossen deshalb, Nikita einen von den Hauptstädten des Vicrvcrbandes entfernt liegenden Ort bis znm Kriegsende als Aufenthaltsort zuzuweisen. Nikita habe sich jeder politischen Tätigkeit und Äußerung sernzuhaltcn nnd jeden Versuch, mit dem in Montenegro verbliebenen Prinzen Mirka oder ande­ren Persönlichkeiten in Verbindung zu treten, anszn- geben.

Die österreichisch-ungarischen Truppen als Beherrscher des Golfes von Dnrazzo.

Zum Vormarsch ln Albanien stellen die Sonderbericht­erstatter fest, daß durch die Vortragung der österreichisch- ungarischen Offensive bis zur M -e -e r e s k ü st c nun auch der Golf von Dnrazzo von den österoeichisch-ungarlschen T«»ppen beherrscht wird ui d daß dii-c Möglichkeit gegeben sei, den Hafen von Durazzo dicrch Artillerie zu sperren.

Die Vertretung der bulgarischen Katholiken beim Vatikan.

Sr-. Wien, 21. s?ebr. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Vln.) Nach Meldung der „Reichspost" galt die Diener Besprechung

dcS Königs von Bulgarien mit -dem Wiener Nuntius Gvafen Scapinelli der Vorbercklumig eines bulgarischen Konkordats. Bulgarim wird die Vertretung seiner kakhoKschen Underianeu setbit >in die Hartd nelhmen und den .Berkchr bei dem Vatikan -durch einten Gesandten beim Vatikan -ru-sr?cht erhalten. Da dies zurzeit wegen des KviegS- zuftandes umuöglich ist, wird die Vertretung der bluigarischen Katholiken auf dem Wege der Wiener Nu-ntiatur erfolgen.

Der russenfreundliche Fillipescu reist im Aufträge des Königs nach Petersburg.

Sr. Bukarest, 22. Febr. (Eig. DvahLevicht. . Zeus. Bln.) Der entcntcfrcundliche Agitator Nico Fillipescu, der vom König in Audienz empfangen wurde, reist heute abend in Begleitung seines Privatsckrctärs nach Petersburg Von Russisch-Undcni aus wurde ihm ein Spezialzng zur Verfügung gestellt. Russophile Blätter kündigen an, daß Fillipescu vom Zaren emp­fangen werden wird. __

Oer Krieg gegen England.

Annahme der englischen Krcditvorlage durch das Unterhaus,

W. T.-B. London, 22. Febr. (Nichtamüich.) Im Unter- haus brachte Asquith eine Kreditvorlaye iw Betrage von 420 Millionen Pfund «in. Hiervon entfallen 120 Millionen noch in das lauifende Finanzjahr, 300 Millionen in das Finanzjahr 1916, so daß sich die gesamten Kredite für 1915/16 auf 1420 Millionen Sterling bcÄmchen. AsqaÄth sagte, mau sei im November der Meinung gelvesen, daß .der bewilligte Kredit bis Mitte Februar reichen würde; er iverde jedoch die Erfordernisse des Staates bis zum 10. Dtärz deckeu. (Beivfall.)

IV. 'l'.-B. London, 22. Febr. (Nichtamtlich.) Das Unter­haus hat die Kredi-tvarLage «lnstimmi-g angenommen.

Der König von England wieder hcrgestcllt.

W.T.-B. London, 22. Febr. (Nichtamtlich. Draht- bericht.) „Reuter" meldet: Die Ärzte /des Königs sind bereit, zuzustimmen, Laß der König seine B e s u ch e bei den in der Ausbildung begriffenen Truppen wieder aufnimnrt.

Einberufung der Neunzehnjährigen.

■W. T.-B. London, 22. Febr. (Nichtamtlich. Router.) Alle Ninverheirahoten Munzrhnjäh-ritzen wurden unter dde Waffen HeLusen.

Die englischen Minister kündigen eine Rom­reise an.

Sr. Rotterdam, 22. Febr. (Eig. Drcchtbericht. Zeus. Mn.) Das Londoner Blatt „Daily Ehwniole" kündigt an, daß Mitglieder der englischen Regierung sich demnächst nach Rom begeben werden.

Eine Warnung vor dem wünschenswert erscheinenden Luftminister.

Haag, 22. Febr. (Zemis. Bln.) „New Etatesrnan" be­kämpft den GÄankvu ÄneS englischem L u f t Ministe­riums. Die Ernennung eines LustmiiüsterS, der zwischen Heer und Flotte eine schivankrnde Stellung entnehme und viel mehr als die Kriegs- unld MarincnttNister von der inneren Pol'.lik auszustcheu hätte, würde die Lage nur verschlimmern. Um Wie Selbstvertüdigung lvirklich ausreichend durchzusetzen, würde eine viel zu große, dem Zweck nicht entsprechende Zahl von Kanonen mrd Flmgsengen dom wirkfichon Kriegsdienst entzogen werden.

England um die Wciterverbrcitung seiner Geheimnisse besorgt.

Rotterdam, 22. Febr. (Zens. Bln.) Holläüdlsche Blätter melden, daß der Reiseverkehr nacl, England fortgesetzt schwieriger wende. Verschiedene bokmmte Persönlich- ksiten, die in England große Interessen zu vertreten baben, kannten die Erlcr.Lmis zum Betreten enMchcit Bodens nur nnter der Bedingung erhalten, -daß sie sich ve.rpflichteten. Eng- land während des Krieges nicht wieder zu verlassen. Dieselben Bedingungen wurden sogar Vertretern von großen ameri­kanischen Firmen gestellt, die Geschäfte mit der englischen Regieuung cibschließen wollten.

Englische Drohungen gegen Holland.

Rotterdam, 22. Felrr. (Jens. Mn.) Jin „John Bull" führt -der Herausgeber Botlemley aus, daß die großen Opfer, di« England dringe, es jeder Rücksicht eutthöben. Holland nrache allzu lange schon von .seinem Grundsatz Gebrauch,

, wenig Herangehen und viel zu fordern. Ilm den Krieg abzu- kürzen, solle man sich darunt nicht scheuen, die Schelde- Erufabrt zu erzwingen und Truppen in Holland selbst zu Imiben. Man müsse gegen Holland verfahren wie gegen Griechenland nn-d schlennigst freien Durchzug ver­langen. und dies um io mehr, als Holland doch einmal in den Krieg hinchngezogen werde.

Englands Sorge um die Warendurchfuhr nach Deutschland.

W. T.-B. Rotterdam, 22. Febr. (Nichtamtlich.) Xeff „Rotterdamscho Courant" meldet aus London: Das Oberhaus wird beute War das Durchsickern von Waren durch die eng- lische Blockadeküne nach Deutschland beraten. Lord Sydenham hat einen Antrag ciugebrvcht, daß die Flotfq