Einzelbild herunterladen
 

Wiesbadener Tsqblatt.

Berl«g 21 „ ED Fernvrkf:

„T-g«.«.H«.s--. rpochefttUw 12 rttisacioett* Nr.s«^ks.

6Laltrr-«aüö eröffnet von 8 llffr moraenö bis 7 Uhr aüends. • ^2V> M iiriwv Non 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abenb?, außer Sormtatzö.

„TagU«n-Hm>S

Schallrr-Halle geöffnet von 8 llhr morgens bi» 7 Uhr abends.

«ezngr.PretS k«r beide Ausgaben: 7» Psg. monatlich, M. 2.25 vierteljädrlich durch den Nerlag Langgaffe 2s. ohne Bringer lohn, M S2S virrleliabrlich darch alle dentichen Poftanüalten. ansichliefftich Beslelgeso. — Se^ngS-Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die ZioeiÄtelle Bis- marchnng 19, >°»>e die Ausaaüestellen in allen Teilen der Stadt: in Biebrich: die dortigen Aus­gabestellen und in den benachbarten Landort« und im Rhemgau die betreffenden Tagblatt- Träger,

Aiegeigen-Annabmc: Für die Abend-Ausg, bis 12Uhr

Anzeigeu-Prcis für die Zelle: 1b Psg. für örtlich- Anzeigen im .Arbeitsenarlt" und »Meiner Anzeiger" in einheitlicher Eatzsorm: 20 Psg. in davon abweichender Fatzansinhoieng, s»«re für alle übrigen örtlichen Anzeigen: so Pfg. sär alle auswärtigen Anzeigen: 1 Ml. für örtliche Reklamen: 2 Ml. für m i dnil rtig! Kcliamen. Ganze, halbe, drittel und eiertet Lest«,, durchlaufend, nach belonberer L-rechnmug. — Bei wiederholter Ausnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen eniiprechenber Nachlaß,

m^^:sü^M^«.^'8U«mLa7-'B»!ti»rSchriftleitm,sd-SWieslmde»rrT.8blatts:Berlm^.,P.tsdam.rStr.121IL.Fen.sPr.:AmtLütz°w6202«.62v3.

Montag, 2t. Februar 1916.

5! bend-Ausgabe.

Nr. 86. . 64. Jahrgang.

Ein nenn erfolgreicher Fliegerongrifs ms England.

Deal und Lowertost wirksam beschossen.

Alle unsere Marineflugzeuge heil heim- gekehrt.

W. T.-B. Berlin, 21. Febr. (Amtlich. Drahtbericht.) Am 20. Februar, mittags, griffen unsere Marine­flugzeuge die englische Küste an. Es wurden die Fabrikanlagen von Deal und die Bahn mit Hafcnanlagen sowie Gasometer in Lowstoft aus­giebig und mit gutem Erfolg bombardiert. Ter Hauptbahnhof und die Hafenanlagen von Lowstoft wurden mehrfach getroffen, der Gasometer brach unter der Wirkung einer Bombe zusammen. In D o w n s wurden zwei Tankdampfer getroffen. Trotz Beschießung und Verfolgung durch feindliche Flieger kehrten die Flugzeuge sämtlich wohlbehalten zurück.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

Vre Ereignisse aus öem Balkan.

Flotter Vormarsch- in Albanien.

Berlin, 21. Febr. (Z-ens. Mn.) Verschiedene Morgen­blätter melden: Der Bormarsch der k. und k. Truppen in Nieder-Albanicn geht trotz der Schwierigkeiten, die das öde Bergland und die Ungangbarkeit der Saumpfade bieten, flott weiter.

Griechenlands Leidenstage.

In Erwartung einer deutsch-bulgarischen Offensive gegen Saloniki.

Berlin, 21 . Febr. (Zenf. Mn.) Der nach Griechenland «nffanbte Sonderberichterstatter des „B. T.", Emil Ludwig, meldet aus Athen: Mit herrlicher Rssignatlion trägt, lrne Stuludis in seiner letzten Rede sich ausdriickte, die gedemüllgte Nation alle Anschläge ans ihre Souveränität, weil das Leid bei einer arideren nichtneutralen PoM noch größer wäre. Diesem Gedarrten muß man bei aller Sympathie für Grie­chenland festhalten, wenn man erwägt, daß der Anschluß an die .Zentralmachte die Ernährung des van drei Seiten blockierten Landes sehr cvschti'eren würde. Trotzdem wird ein solcher Anschluß von der öffentlichen Meinung nicht mehr grundsätzlich abgelehnt. Zum unerschütterlichen König steht die ganze Arm ec. Der König zeigt sich überall öffent­lich, ebenso dke Königin mit -den Prinzen, wie jüngst bei oinem großen Kinderfest iin Freien. Die Lage wird durch die Erwartung einer deutsch-bulgarischen Offensive gegen Saloniki bestimmt. Die Hotels sind von Spionen, Agenten und Schiebern erfüllt, und der englische Ge­sandte mißbraucht seine Macht, das Land hungern zu kosten, beinabe täglich zu Erpressungen. Er und eine Kom- imstion in Malta entscheiden selbständig, was Griechenland braucht. Sie setzen das neutrale Land tatsächlich auf eine Wochenration. bei deren Ausbleiben Teile des Hinterlandes ohne Brot sind.

Heftige Anklagen des Prinzen Nikolaus von Griechenland gegen den Vicrverband.

W.T.-B. Bern, 21. Febr. (Nichtamtlich.) Prinz Nikolaus von Griechenland hat an den „Temps" einen Brief gerichtet, in dem er die bisherige Politik der Regiev>rng -wnzeliend verteidigt und sagt, daß Griechenland noutral bleiben werde, aber auch mit deutlicher Offenheit über die Erniedrigungen und das Unrecht klagt das GÄccherÄand erleiden mußte. Als gegen die nationale Ehre der Griechen gehend weist der Prinz den in der Ententepresse erhobenen Vorwurf gegen die Treue und Auf- nichttgLlit der Erklärungen Griechenlands zurück. Nichts könne das Nationalgefiibl mehr kränken, als am Herrscher­wort und der sprichwörtlichen Gastlichkeit Griechenlands zu zweifeln. Bei dem Hinweis auf das Drängen der Entente, zw^S Erhaltung des Gleichgewichts auf dem Balkan einzu- greifen, fragt der Prinz: Wäre dieses besser erhalten wor­den, wenn wir geschlagen und vernichtet wären? Ist aber dieses Gleichgewicht der Entente immer so inner gewesen, ihr, die im gegebenen Augenblick einen Druck auf uns und den eigenen Verbündetem, Serbien, ausgeübt hat, damit es gebrochen würde zum Nutzen Bulgariens?

General Sarrail besichtige mit griechischen Generalen die französische Front.

W. T.-B. Paris, 20. Fcbr. (Nichtamtlich.) „Petit Parffien" meldet aus Saloniki: General Sarrail hat in Begleitung der griechischen Generale Moschopolus und Sambrakakis am 19. Februar die ganze französische

Front besichtigt.

Sonninos Note an die griechische Regierung.

Sofia, 21. Febr. (Z-ens. Mn.) Rach einer Athener Meldung überreichte der italienische Gesandte dem Minister­präsidenten Skulludis die Note Sonnimos, die den lebhaftesten Unwillen der italienischen Regierung über den Vorfall in der griechischen Kammer, anläßlich der Bestwechung der Landung italienischer Gendarmen auf .Korfu, zumi Ausdruck bringt.

Italiens Ärger über Griechenlands Stand­haftigkeit.

Mailand, 21. Febr. (Zeus. Bln.) In einem offenbar inMviert-en Artikel des „Corriere della Sera" aus Rom wird gesagt: Man müsse wahrhaftig amrehmen, daß die Männer, diie gegenwärtig in Griechenland regierten, bhne poli­tische Vorbildung feien, noch irgend ein Verständnis fiir unser Zeitalter in der Politik cm-ftoeßsen könnten. Die Ver­bündeten seien gezwungen, aus diesen Gründen Griechenland gegenüber eine autoritative Haltung eimzu,nehmen. Die Zeitung macht dem griechischen König den Vorwurf, daß er seine Verpflichtungen als Leiter der griechischen Regierung gegenüber Serbien nicht erfüllte. Der „Corriere" greift auch Venizelos an und sagt, er hätte -unterlassen, seine Politik folgerichtig fortzuffetzen. Die gegenwärtige bedrängte Lage Griechenlands fei nur eine Folge vernizeKstifcher Frrtünter. Griechemlamd müsse jetzt tun, was die Berbündeten be­fehlen. Es könnte im Orient nur eine untergeordnete Rolle «spielen, weil eben der Vierverband es so für gut halte. Grie­chenland habe nicht rechtzeitig verstanden, seine politischen BiwpfÜtchtunyen zu erkennen. So könne jetzt auch das grie­chische Übelwollen gegen Italien Semen Einfluß auf dieses ausüben. Selbst fernere Handlungen auch griechischer Seite, die auf eine Beleidigung Italiens abziclten, könme man im voraus hinsichrlich ihrer Wirkung als nutzlos be­zeichnen. Im engsten Einverständnis will den Verbündeten werde Italien das tum, was es wolle. Griechenland wollte ja nicht seine Jmteresten mit denen des Vierverbandes ver­binden und dürfte nun die Folgen tragen. Das sei nickt Italiens Schuld.

Radoslirwow wieder in Sofia.

W.T.-B. Wien, 21. Febr. (Nichtamtlich.) Der bulga­rische Ministerpräsident Radoslawow und Generalissinius Schekow, die Samstagabend mit dem Balkanzug in die Heimat abaereist wagen, sind vergangene Nacht wieder in Sofia «eüigetroffen.

Rumänische Voraussetzungen.

Wien, 21. . Febr. (Zcns. Bln.) Der Bnkarester Mit­arbeiter der „Köln. Zig." drahtet: Im Herzen der einstigen rumänischen Kriegshetzer löse der Besuch des Zaren Fer­dinand in Deutschlaiid und Österreich schmerzliche Gefühle aus. Kennzeichnend für die Auffassung der politischen Lage in bissen Kreisen sei, daß folgende Bedingungen dem Verbände gestellt werden, damit Rumänien noch an fein« Scki-e «treten könne: 1. Die Behaupiung Salonikis. 2. Wiederherstellung Serbiens und Montenegros. 3. Besetzung der Bukowina und Galiziens. 4. Entschei­dender Sieg iin den Karpathen. 5. Eroberung Konst an - tinopels. Diesem ganzen „Speisezettel" müßte 'der Ver­band abessen, damit er als Nachtisch die rumänische Armee vorgesetzt bekomm t.

Schwierigkeiten für den englischen Getreide­export aus Rumänien.

Bukarest, 21. Febr. (Zens. Mn.) Die rumänischen Saifttoiite weigern sich zum grüßten Decke, den Engländern Geinefde zu verkaufen. Die Zentral-Export-Kommistion be­schloß deshalb, denjenigen Landwirten, welche nicht die Er­klärung abgeben, Getreide für England abzug-eben die Aus- fuhrgenchm-igung zu entziehen. Tie Export-Kommission sah sich genötigt, mit dem Leiter der englischen Ednfuhrkanzlei, Pitts, in Verhandlungen zu treten, danrit der Wortlaut des Vertrages eine Abänderung erfahre. Fm Laufe dieser Ver­handlungen wurde die Vereinbarung getroffen, daß England 5 Millionen Lei als Vorschuß für den Bau von Getreide­lagern bewillige u:id auch für die Jnstcmdfehumg der Lager­häuser zu sargen habe, da es zwei Jahre dauern könne, bis England sein Getreide sortzuschaffen in der Lage sei.

Die Verhandlungen mit Amerika.

Wir haben mit Bedacht den Ausdruck besonderer Ge- nugtuung «darüber unterlassen, daß sich Mischen Berlin und Washington eine Verständigung über den „Lusi- tania"-Fall anbahnen sollte oder gar schon erreicht sei. Heute, wo die Ereignisse schon .wieder ein gut Stück vorwärts gelangt sind, wo sich das rnnerc Schwergewicht dieses Gegensatzes zwischen der Union und uns unauf­haltsam geltend macht, heute können wir cher sagen, was beim Austauchen der Ver-ständigungsnachnchtm

besser verschwiegen blieb, närniki) daß die Möglichkeit, richtiger die Wahrscheinlichkeit immer erneu­ter Reibungen trotz des Ausscheidens der „Lusi- tania"-Jrage weiter besteht, vielmehr gewachsen ist. Wiederholt nnd ganz zutreffend ist in unseren verant­wortlichen Kreisen betont worden, daß die Angelegen­heit der .Lusitama" und der UnterseÄootskrieg gegen England nur äußerlich miteinander zu tun haben, innerlich völlig getrennt voneinander zu betrachten und zu behandeln sind. Wie richtig das ist, zeigt sich jetzt. Me Schärfe des Gegensatzes wird dadurch nicht gemil­dert, daß Herr Wilson sich mit der Form einverstanden erklären will, in welcher w i r die „Lusitcmia'^SachL be­handelt zn scheu wünschen. Amerika verzichtet auf die demütigende Forderung. «daß wir die Versenkung jenes Postdampfers als völkerrechtswidrig anerkennen sollen, aber unseren Standpunkt, daß wir zur Versenkung be­waffneter feindlicher Handelsschiffe berechtigt sind nnd Aeiben, batämpft und -bestreitet es nach wie vor, und darum ist der Konflikt nichts weniger als beigelegt. Me Washingtoner Meldung, -wonach die Bereinigten Staaten anerkennen werden, daß unsere Feirsize völkerrechtlich befugt seien, Handelsschiffe für die Verteidigung zu -bewaffnen, bedarf ja noch der amtlichen Bestätigung, indessen haben wir keinen zwin­genden Grund, diese Darstellung für unglaubwürdig zu halten, -sie entspricht vielmehr durchaus -der ganzen «Richtung, in der sich die unaufhörlichen Bedränguv-en unserer «Seekriegjfuhrung durch Amerika bewegen. Wir sollen nach dem Willen der Vercirrigten (Staaten mit allen zunächst diplomatischen Mitteln daran verhin­dert werden, den Unkrseebootskrieg so zu führen, wie es nicht bloß unseren Lebensinteressen, sondern auch den: Geiste des Seehandelskrieges entspricht, so­bald man sich erst (und das ist unser Standpunkt) auf die Überzeugung eingestellt hat, -daß die Grundsätze des K r e u z e r krieges gegen Handelsschiffe auf die neue Waffe des Unterseebootes sinngemäß ang-ewendet wer­den dürfen. Ties will Amerika nicht zngeben, wir aber können die.se Auffassung nicht aufgvben. Daher der sich verschärfende Widerspruch, von deni wir einstweilen nur deutlich feststellcn wollen und müssen, daß er besteht, und daß -keine spitz-findigen oder auch wohlwollenden Aus- legungsversuche an seiner «Gefährlichkeit etwas ändern können. Nun könnte man ja sagen, daß die jetzt schon einjährige Dauer «des diplamatischen Hin- und Herziehens zwischen Berlin und Washington gewisse Bürgschaften der Beruhigung enthalt, daß es also in der bisherigen Weise ganz gut weitergehen könnte, ohne «daß daraus die letzten und ernstesten Folgen und Folge­rungen zu entstehen brauchten. Formal ist das viel­leicht richtig, aber gerade der gegenwärtige Zustand der Unentschiedenheit nützt unseren Feinden, und insofern wird durch das Doppelspiel auf der Gegen­seite genau das erreicht, was der Endzweck -auch eines noch bedrohlicheren Vorgehens von drüben und einer tatsächlich ja nicht zu erwartenden, theoretisch jedoch zu erwägenden Nachgiebigkeit von . unserer Seite sein würde: das Unterlassen des Untersesbootskrieges oder mindestens seine Ab-schwächung bis zn einem Grade, der diesen Krieg in England nicht weiter furcht­bar machen wüvde. So erkennt «man, daß es sich nchh dem ganzen bisherigen Gange der Verhandlungen mit Amerika um sehr ernste Dinge handelt. In der Öffentlichkeit begegnen wir einer etwas «merkwürdigen Unterhaltung darüber, ob England einen deutsch- amerikanffchen Krieg wünscht oder den Heutigen Zu­stand als seinen Interessen dienlicher evhalten sehen möchte. Für beide Auffassungen läßt sich uwnchertei anführen, für «die z w e i r e dies, daß der Unterseeboots- rriog eigentlich auf die müheloseste Weife dann cchge- schwächt, also unschädlich wäre und bliebe, wenn das Auf nnd Ab -der Auseinandersetzungen mit Washington ohne sichtbares Ergebnis weitergeht. Wir glauben nicht, daß die knifflige Frage, was den Engländern das Willkommenere sein mag, von uns «aus beantwortet werden kann, wir halten aber auch diele ganze Untersuchung für ziemlich wertlos, weil es doch) nur darauf aukammen kann, was unseren Interessen nutzt. Es sind E n t s ch e i d u n g e n von nicht zu übsr- bretender Bedeutung, vor denen die Träger der Verantwortung für die deutsche Politik stehen. Un^ will es scheinen, als ob untere Gegner, darunter das „neutrale" Amerika, unseren leitenden Persönlichkeiten die Herbeiführung dieser Entscheidung dadurch erteich- tern werden, daß sie mit verstärktem Nachdruck vorgchen, also auf ein Entweder-Oder hindrängen. Den Gsdao ken, «daß aus diploniatischen Gründen ein mili-